miniatur|hochkant=0.7|Julius Maria Becker (1887–1949) Julius Maria Becker (* 29. März 1887 in Aschaffenburg; † 26. Juli 1949 ebenda) war ein deutscher Autor, Dramatiker und Lyriker.
Leben Nach dem Besuch der Lehrerbildungsanstalten in Lohr am Main und Würzburg, wo er im Frühjahr 1909 auch Max DauthendeyRalph Bauer: Neue Welt und Java. Max Dauthendey. In: Kurt Illing (Hrsg.): Auf den Spuren der Dichter in Würzburg. Eigenverlag (Druck: Max Schimmel Verlag), Würzburg 1992, S. 65–80; hier: S. 69 f. besuchte, war Julius Maria Becker als Lehrer in seiner Geburtsstadt tätig.
1913 wurde sein zeitkritisches, unter dem Eindruck von Friedrich Nietzsche und August Strindberg verfasstes Stück Eine Sylvesternacht aufgeführt. Von Richard Dehmel und Carl HauptmannDer Eintrag zu Julius Maria Becker in Neue Deutsche Biographie nennt hier Karl Hauptmann, vgl. den Maler Karl Hauptmann gefördert, gelang ihm mit dem Drama Das letzte Gericht, das 1919 im S. Fischer Verlag erschien und im darauffolgenden Jahr in Darmstadt uraufgeführt wurde, der literarische Durchbruch. Bei der Vergabe des Kleist-Preises 1919 wurde er neben Oskar Maurus Fontana und Otto Zarek mit einer Ehrenvollen Erwähnung bedacht.Die Kleistpreisträger 1912-1932 auf http://www.kleist.org; abgerufen am 14. März 2019
Am 21. Oktober 1919 heiratete Becker die zwölf Jahre jüngere Luise Becker, geb. Brenner. Die Ehe blieb kinderlos.Informationen aus den Geburts-, Heirats- und Sterberegister der Stadt Aschaffenburg im Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg
In den 1920er Jahren gehörte Becker zu den bekanntesten deutschen Bühnenschriftstellern. Als Vertreter des Expressionismus spiegeln seine frühen symbolischen Dramen die Erfahrungswelten von Weltkrieg und Revolution wider. Auf Widerhall stießen auch Der Freier, das 1922 in Düsseldorf erstmals aufgeführt wurde, und Der Schächer zur Linken, das 1923 in Frankfurt Premiere hatte.
Am 1. November 1931 trat Becker endgültig aus dem Schuldienst aus, um sich gänzlich der Literatur zu widmen. In jenem Jahr feierte er seinen größten Erfolg mit dem Theaterstück Der Brückengeist, das auf über fünfzig deutschen Bühnen gespielt wurde. Becker wurde dafür mit dem Preis des Verbandes der deutschen Volksbühnenvereine e. V. ausgezeichnet. Seine späteren Werke, die eine Wendung zum Christlichen erkennen lassen, fanden nicht mehr jene Resonanz wie die Dramen der ersten Nachkriegszeit. miniatur|hochkant=0.7|Grabstätte im Aschaffenburger Waldfriedhof Bis 1933 kamen zwanzig Dramen von Julius Maria Becker zur Aufführung.
Als Becker im Mai 1933 die Intendanz des Stadttheaters Halle in Aussicht gestellt wurde, trat er zum 1. Mai 1933 in die NSDAP ein (Mitgliedsnummer 2.546.173),Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/2031499 von der er sich einen Kampf gegen den in seinen Augen herrschenden „Kulturbolschewismus“ und für die Etablierung eines „positiven Christentums“ erhoffte. In dieser Zeit war er an der Gründung der Ortsgruppe Aschaffenburg des Kampfbundes für Deutsche Kultur beteiligt und darin Fachschaftsleiter für Kunst, Film und Literatur.
Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde der „missionarische Pazifist“ von deutschen Bühnen verbannt und in eine katholisch gefärbte Innere Emigration gedrängt.vgl. Gerrit Walther: Julius Maria Becker 1887–1949. Ein Dichter zwischen den Weltkriegen. Battert, Baden-Baden 1989 1940 wurde er Schriftleiter der 1935 in Mainfranken umbenannten, gleichgeschalteten Kulturzeitschrift Spessart, deren letzte Ausgabe im April 1942 erschien. In jenem Jahr fiel der Mainfränkische Kunstpreis für Schrifttum und Dichtung an ihn.
1948 fand in einer Inszenierung von Gustav Lindemann die Uraufführung von Das Mahl des Herrn an den Städtischen Bühnen Düsseldorf statt.Leonardo und die Atombombe, Der Spiegel Nr. 47/1948, 20. November 1948Das Mahl des Herrn, Die Zeit Nr. 48/1948, 25. November 1948 Nach 1945 konnte Julius Maria Becker jedoch nicht mehr an frühere Erfolge anknüpfen und ist heute weitgehend in Vergessenheit geraten. Seine letzte Ruhestätte fand er in einem Ehrengrab im Aschaffenburger Waldfriedhof. In Aschaffenburg erinnert ein Gedenkstein am Kapuzinerplatz an den Sohn der Stadt.
1950 erschien postum ein Band mit Gedichten. Einige von Beckers Werken wurden Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre zum Teil unter anderem Titel neu herausgegeben, wie der Erzählband Romeo et Juliette (Neuausgabe von Gestürzte Cherubim) und der Roman Der Liebeskuss im Pavillon (Neuausgabe von Syrinx). Die Entrückung des Ödipus – Von der Tragödie und ihrer Überwindung wurde 1985 erstmals verlegt, ebenso wie 1987 das Schauspiel Die Brüder – Ausruh für Allahs Herz. 1989 veröffentlichte Gerrit Walther die Biographie Julius Maria Becker 1887–1949. Ein Dichter zwischen den Weltkriegen. Der Nachlass Beckers befindet sich im Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg; er wurde 2018/2019 komplett erfasst und archivgerecht erschlossen. Zusammen mit der Privatbibliothek Beckers, die sich ebenfalls im Stadt- und Stiftsarchiv befindet, kann der Nachlass seit März 2019 erforscht werden.
Werke (Auswahl) 1910: Im Ring des Jahres 1913: Die Blendung 1913: Eine Sylvesternacht (Neuausgabe als Ende einer Sylvesternacht, 1989) 1913: Von dir zu mir – Gedichte 1914: Syrinx – Roman (Neuausgabe als Der Liebeskuss im Pavillon, 1982) 1919: Das letzte Gericht 1922: Der Freier 1923: Ewige Zeit 1923: Nachtwächter Kronos 1923: Der Wundermann – Komödie 1923: Der Schächer zur Linken – Schauspiel 1925: Gestürzte Cherubim – Erzählungen (Neuausgabe als Romeo et Juliette, 1978) 1926: Das Friedensschiff – Schauspiel 1928: Dies Gesetz stammt nicht von Gott 1928: Gilgamesch – Komödie 1931: Der Brückengeist – Ein Spiel vom Tode (Neuauflage 1981) 1931: Die Nacht der Könige – Schauspiel 1931: Mata Hari – Schauspiel 1931: Asyl – Dramatische Szene 1932: Mann Nummer Soundsoviel – Schauspiel 1934: Nacht ohne Morgen – Schauspiel 1935: Ludwig II – Schauspiel (Neuauflage 1982) 1935: Auge um Auge – Tragödie 1935: Nacht ohne Morgen – Schauspiel 1936: Bastionen auf Malta – Schauspiel 1940: Aschaffenburg, Stadtbeschreibung in: Einwohner=Buch der Stadt Aschaffenburg 1939/40 1941: Am Strom der Bojana – Schauspiel 1944: Die Kathedrale von Bayeux – Schauspiel (Neuausgabe als Dombaumeister Dumesnil – Die Kathedrale von Bayeux, 1984) 1947: Das Mahl des Herrn – Schauspiel 1947: Die Welt ohne Christus? 1950: Gedichte
Literatur Julius Maria Becker: Aschaffenburg die Stadt Mathias Grünewalds, Gauverlag Mainfranken, Aschaffenburg 1940
Gerrit Walther: Julius Maria Becker 1887–1949. Ein Dichter zwischen den Weltkriegen, Battert, Baden-Baden 1989, ISBN 3-87989-160-5. Julius Maria Becker (1887–1949). In: Alfred Wendehorst (Hrsg.): Fränkische Lebensbilder, Veröffentlichungen der Gesellschaft für Fränkische Geschichte, Reihe VII A, Bd. 14, Neustadt a. d. Aisch 1991, S. 252–270.
Weblinks
Kurzportrait mit Foto
Einzelnachweise
Kategorie:Autor Kategorie:Drama Kategorie:Lyrik Kategorie:Literatur des Expressionismus Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Künstler (Aschaffenburg) Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1887 Kategorie:Gestorben 1949 Kategorie:Mann