QV44 (Queens Valley 44) ist ein altägyptisches Grabmal im Tal der Königinnen. Es wird dem Prinzen Chaemwaset, einem Sohn von Ramses III., zugeschrieben und in die datiert. Während der Dritten Zwischenzeit diente es als nichtkönigliches Familiengrab. Das Grab ist vor allem durch seine gut erhaltenen Wandmalereien bekannt.
Lage und Architektur Das Grab befindet sich am Südwesthang des Hauptwadis, in der Nähe der Prinzengräber QV42 und QV43, die Chaemwasets Brüdern Paraherwenemef und Sethherchepeschef zugeschrieben werden. Es ist etwa 30 Meter lang und hat eine Korridorbreite von ,Elizabeth Thomas: The royal necropoleis of Thebes. Thomas, Princeton (NJ) 1966, S. 219. was ungefähr vier Königsellen entspricht (). Das Grab besitzt einen für die Ramessidenzeit typisch lang gestreckten Grundriss mit zwei Korridoren und einer Sargkammer. Die Ausrichtung verläuft von Nordost nach Südwest, der Haupteingang liegt im Nordosten. Vom ersten Korridor gehen zwei seitlich versetzte Nebenkammern ab. Der zweite Korridor besitzt eine gewölbte Decke und weist im hinteren Bereich eine kleine architektonische Besonderheit auf: Zwei ebenfalls seitlich versetzte Nischen deuten auf eine nicht zu Ende geführte Planänderung hin, die erst nach der Fertigstellung des Grabes erfolgt sein dürfte. Da die Grabstätte auch sonst sehr sorgfältig gestaltet wurde und keine Spuren besonderer Eile bei der Ausführung zeigt, scheint sie nach Friedrich Abitz bereits zu Lebzeiten von Chaemwaset fertiggestellt worden zu sein.F. Abitz: Ramses III. in den Gräbern seiner Söhne. Freiburg 1986, S. 101.
Entdeckung und Funde Ernesto Schiaparelli entdeckte die Grabanlage, die zu seinen wichtigsten Funden gehört, während seiner ersten Grabungskampagne 1903.C. Leblanc, A. Siliotti: Nefertari - Ausgrabungen im Tal der Königinnen. Augsburg 1998, S. 185. Francesco Ballerini, der eng mit Schiaparelli auf seinen Ägyptenexpeditionen zusammenarbeitete, berichtet über die Entdeckung in einem Brief an seine Frau:
mini|hochkant|Zustand des Grabes während der Entdeckung 1903. Mumien und Särge versperren den Korridor.
Die Innenräume waren anfangs mit dutzenden von Särgen und Mumien gefüllt, die aus der 22. bis 26. Dynastie stammen:
Die Mumie des Grabinhabers fehlte hingegen, dafür fand man Reste des großen Granitsarkophages sowie den zugehörigen Sargdeckel, der sich zurzeit im Ägyptischen Museum von Turin befindet. Der Deckel konnte aufgrund einer Hieroglypheninschrift am Rand in die Regierungszeit von Ramses IV. datiert werden.C. Leblanc, A. Siliotti: Nefertari - Ausgrabungen im Tal der Königinnen. Augsburg 1998, S. 79. Schiaparelli geht davon aus, dass das Grab vor der Entdeckung in der 23. Dynastie und der koptischen Zeit zweimal gewaltsam geöffnet wurde.F. Abitz: Ramses III. in den Gräbern seiner Söhne. Freiburg 1986, S. 10–11.
Bildprogramm Wiederkehrendes Motiv in den gut erhaltenen Grabszenen ist die Darstellung von Prinz Chaemwaset hinter , der diesen vor die Totengötter führt. wird selbst mit Osiris identifiziert und tritt als vergöttlichter Herrscher der Unterwelt auf. Chaemwaset wird hingegen stets als junger Prinz mit rasiertem Schädel oder Perücke und seitlicher Jugendlocke gezeigt. Er trägt eine Tunika mit durchsichtigem weitärmligen Hemd, die an der Taille von einem Gürtel zusammengehalten wird. An den Füßen trägt er Sandalen mit aufgebogener Spitze. In den Händen befindet sich entweder ein großer Fächer aus Straußenfedern, ein Flagellum oder das Heqa-Zepter.C. Leblanc, A. Siliotti: Nefertari - Ausgrabungen im Tal der Königinnen. Augsburg 1998, S. 54–55. Der Prinz wird mit einem der Horussöhne gleichgesetzt und in den Seitenkammern sogar allein gezeigt. Der zweite Korridor beinhaltet hauptsächlich Szenen aus dem Totenbuch. Eine Besonderheit stellt das Bildprogramm der Sargkammer dar, in der nur der König ohne den Prinzen erscheint.F. Abitz: Ramses III. in den Gräbern seiner Söhne. Freiburg 1986, S. 10–18.
Erster Korridor und Nebenkammern Der Eingang, der sich im rituellen Norden des Grabes befindet, wird von der geflügelten Göttin Maat gesäumt, die als Tochter des Re erscheint. Der Prinz wird zum ersten Mal mit einem ḫw-Wedel gezeigt. Im ersten Korridor treten verschiedene Gottheiten auf, die auffallend paarweise angeordnet sind. Das erste Paar wird durch „Ptah auf seinem Schrein“ und Ptah-Sokar-Osiris gebildet, die links und rechts nach dem Eingang folgen. Schu und Geb als kosmische Schöpfungsgötter finden sich auf der rechten Korridorseite, während Anubis und Thot als Totengötter den Eingang zur linken Seitenkammer bewachen. Als viertes Paar folgen dahinter Re-Harachte und Atum als Erscheinungsformen des Sonnengottes, wobei Re-Harachte die rituelle Ostwand und Atum die Westwand einnimmt.F. Abitz: Ramses III. in den Gräbern seiner Söhne. Freiburg 1986, S. 12–14.
Am Eingang zum rechten Nebenraum treten König und Prinz getrennt auf, wobei der Prinz ohne König vor den Eingang tritt und in der Seitenkammer dann auch ohne König dargestellt wird. Die Seitenkammer zeigt Chaemwaset ohne Wedel und mit erhobenen Armen in Anbetung vor den Horussöhnen und Kanopengöttinnen. An der Rückwand sitzen zentral zwei Osirisfiguren Rücken an Rücken auf einem Thron, flankiert von den Göttinnen Isis und Nephthys. Osiris tritt dabei mit Uräus am Kopf und Lotosblumen am Fuß auf. Das Bildprogramm der linken Nebenkammer ähnelt, bis auf einige kleine Abweichungen, stark dem der rechten: als zusätzliche Gottheit tritt Anubis auf, jedoch wird Osiris diesmal ohne Insignien gezeigt.F. Abitz: Ramses III. in den Gräbern seiner Söhne. Freiburg 1986, S. 14–16.
Zweiter Korridor Der Durchgang zum zweiten Korridor wird von Nephthys und Isis gesäumt, wobei Isis die Westwand einnimmt. Wie auch bei der rechten Seitenkammer ersichtlich nimmt die „Westseite“ einen Vorrang beim Ritualablauf ein. Auf der rechten Seite beginnt die, auf beiden Seiten abwechselnde, Pfortenzählung mit der neunten Pforte aus Totenbuchspruch 145A und endet mit der sechzehnten Pforte auf der Ostseite. Die Pforten bieten Zugang zum Osiris-Reich und werden von verschiedenen Wächtergottheiten bewacht. Um die Tore zu passieren, muss der Tote jeweils die Namen der Tore und der Gottheiten nennen. Die Wächter der fünfzehnten und sechzehnten Pforte scheinen gleichzeitig den Eingang zum Sarkophagraum zu bewachen. Vor jedem Pfortenpaar trägt der Prinz abwechselnd entweder das šwt-Wedel, das ḫw-Wedel oder das Heqa-Szepter. Das Heqa-Szepter gilt eigentlich als Herrscher-Insignie und hebt normalerweise den Prinzen als „Ältesten Königssohn“, also als Thronfolger hervor, jedoch tritt diese Darstellung nur an dieser Stelle auf und ist nach Abitz daher bloß religiös bedingt.F. Abitz: Ramses III. in den Gräbern seiner Söhne. Freiburg 1986, S. 16–17.
Sarkophaghalle mini|hochkant|links|Nebneri und Herimaat. Zwei der Wächtergottheiten in der Sarkophaghalle. mini|hochkant=0.5|Der Deckel des äußeren Sarkophags von Chaemwaset. Museo Egizio, Turin
Der Durchgang zur Sarkophaghalle trägt beiderseits Djed-Pfeiler und jeweils senkrechte Hieroglyphenspalten mit der Aufschrift: Ab hier tritt der König nur noch allein auf. Die Sarkophaghalle besitzt als einziger Raum eine gelbe Grundfarbe. Die Eingangswände zeigen Wächtergottheiten: auf der linken Seite „Anubis und Löwe auf dem Schrein“, rechts Nebneri und Herimaat. Dahinter folgen jeweils Thot und Harsiesis sowie Horus-Chenti-irti und Schepsi. Dazwischen steht immer wieder der König mit seinen Titulaturen. Die Rückwand ist wie in den Seitenkammern gestaltet und zeigt zweimal Osiris Rücken an Rücken auf dem Thron sitzend. Zu Isis und Nephthys treten zusätzlich die Schutzgöttinnen Neith und Selket hinzu. Wie im rechten Seitenraum zuvor quellen Lotusblüten- und Knospen am Fuße des Osiris hervor und zeigen diesmal kleine Abbildungen der Horussöhne.F. Abitz: Ramses III. in den Gräbern seiner Söhne. Freiburg 1986, S. 17–18.
Literatur
Weblinks
Prinzengräber von Ramses III. – QV 44
Einzelnachweise
Kategorie:Grab im Tal der Königinnen Kategorie:Erbaut im 12. Jahrhundert v. Chr. Kategorie:20. Dynastie (Ägypten) Kategorie:Abkürzung