Die Bremische Wirtschaft im Bundesland Freie Hansestadt Bremen als Zwei-Städte-Staat mit den Städten Bremen und Bremerhaven ist historisch geprägt durch die Weser, die Nordsee und die Wasserstraßen und damit durch die Hafenwirtschaft in der Hafengruppe Bremen/Bremerhaven mit den Stadtbremischen Häfen und den Häfen in Bremerhaven.

Hafenwirtschaft, Handel, Schiffbau-, Automobilbau-, Luft- und Raumfahrt-, Stahl-, Elektronik- und Nahrungsmittelindustrie sowie Dienstleistungen und High-Tech sind die kennzeichnenden Wirtschaftsbereiche.

Das Bruttoinlandsprodukt im zur europäischen Metropolregion Nordwest gehörenden Land Bremen belief sich 2017 auf 33,7 Mrd. Euro und hatte in Deutschland einen Anteil von rund 1 %. Es stieg 2017 nominal um 5,0 Prozent (Bund 3,8 Prozent) und Preisbereinigt um 3,3 Prozent (Bund 2,2 Prozent) gegenüber 2016.Pressemitteilung des Statistischen Landesamtes Bremen vom 28. März 2018.

mini|Bremer Wahlspruch am Bremer Schütting Der Wahlspruch der Bremer, vor allem in Handel und Gewerbe, lautet: „Buten un Binnen, Wagen un Winnen“ („draußen und drinnen – abwägen und gewinnen“). Er steht über dem Portal des Schüttings, dem Sitz der Handelskammer Bremen am Bremer Marktplatz. mini|Exklaven und Enklaven von Stadt und Land Bremen und Stadt Bremerhaven

Geschichte

mini|links|hochkant|Stadtwappen Das auf einer Düne gelegene Dorf Bremen war im 8. Jahrhundert Fähr- und Etappenort vom Durchgangsverkehr und lebte zunächst auch noch von der Viehlandwirtschaft. Durch die Lage an der Weser etablierte sich Bremen schon bald als Umschlagplatz für friesische Händler, die mit seetauglichen Schiffen an den Küsten handelten. Die Balge (Arm der Weser) diente als natürlicher Hafen.

Nachdem der Erzbischof in Bremen sich um 850 hier ansiedelte, entstand schnell eine Stadt, die 888 das Markt- und Münzrecht erlangte. Bremische Münzen wurden später in den Umlauf gebracht. Der Handel brachte Erfolge und wirtschaftlichen Aufschwung für die seit 1186 freie Reichsstadt. Eine kleine Oberschicht von etwa 30 Familien beherrschte im 14. Jahrhundert die wirtschaftlichen Grundlagen. Die Bremer Eke diente vor allem im 14. und 15. Jahrhundert als häufig eingesetztes Binnenschiff.

mini|Schlachte 1862 Bremen war seit 1260 viermal Mitglied der Hanse, die zunächst als Kaufmannshanse und im Anschluss als Städtehanse zur Vertretung gemeinsamer wirtschaftlicher Interessen bestand. Die Bremer Handelsflotte hatte um 1560 circa 65 Schiffe. Die Weser versandete zunehmend. Für die Handelsschiffe wurde es schwieriger an der Schlachte in Bremen anzulegen. Von 1619 bis 1623 wurde deshalb flussabwärts der Vegesacker Hafen angelegt.

1451 hatten sich die Elterleute der Kaufmannschaft eine Satzung gegeben. Mit den Statuten für die „kopmann tho Bremen“ begann die organisierte Selbstverwaltung der bremischen Wirtschaft. Beim Aufstand der 104 Männer wurde in einer erfolglosen Revolte von 1532 versucht, dass auch die einfachen Handwerker gleichberechtigt am wirtschaftlichen Geschehen beteiligt würden. Erst 1849 entstanden Handelskammer und Handwerkskammer. In der Bremischen Bürgerschaft mit dem 8-Klassen-Wahlrecht von 1854 dominierten Kaufleute (48 Sitze), Gewerbetreibende (24) und Akademiker (16), die 88 von 150 Sitzen einnahmen.

mini|links|Linzer Diplom 1646 wurde Bremen durch das Linzer Diplom eine Freie Reichsstadt.

1783 begann der direkte Transatlantikhandel mit den USA.

Um sich den Zugang zum Seehandel zu erhalten, erwarb Bremen 1827 ein Gelände an der Wesermündung und gründete Bremerhaven. Es entstand die Hafengruppe Bremen/Bremerhaven mit den Stadtbremischen Häfen und den Häfen in Bremerhaven. Zur Erschließung der Bremer Häfen wurde die Weser zwischen 1875 und 1895 (die Weserkorrektion) begradigt.

mini|1870: NDL-Abfertigungshalle Der Handel in Bremen mit Baumwolle, Tee, Reis, Kaffee, Tabak, Wein und Zitrusfrüchten hatte große Bedeutung. Es entstanden Kaffeeröstereien wie Ronning 1894, Kaffee Hag im 19. Jh., Eduscho um 1924. Im 19./20. Jahrhundert war der Tabakhandel in Bremen ausgeprägt. Der Bremer Kaufmann Hermann Dietrich Upmann gründete 1848 das Bankhaus H. Upmann & Co. mit der Zigarrenfirma Gebrüder Upmann & Co. Bremen, nach seiner Firma H.Upmann in Kuba. Die Tabakindustrie ist jedoch weitgehend abgewandert. Eine Werftindustrie entwickelte sich im 19. Jahrhundert (Lange 1816, AG Weser 1872, Bremer Vulkan 1893, Deschimag 1926). Sie verlor in Bremen nach 1983/1997 ihre Bedeutung. Große Reedereien wie der Norddeutsche Lloyd (NDL) von 1857 prägten die Wirtschaft. Die Bremer Baumwollbörse wurde 1872 gegründet. Führende Speditionen und Logistikdienstleister haben sich angesiedelt.

mini|links|Containerterminal Bremerhavens Wirtschaft war und ist eng mit den Häfen verbunden. Im Fischereihafen Bremerhaven von 1885 und vor allem in Geestemünde von 1896 war eine große Fischfangflotte angesiedelt, geblieben ist die Lebensmittelindustrie. Südfrüchte wie Bananen wurden im Kaiserhafen umgeschlagen. Der Container-Terminal Bremerhaven, die Columbuskaje für den Passagierverkehr von 1928, die Werften in Bremerhaven und der Kraftfahrzeug-Umschlag hatten und haben wirtschaftliche Erfolge.

1890 fand die Nordwestdeutsche Gewerbe- und Industrieausstellung als Leistungsschau der Wirtschaft statt. 1890 wurde in Bremen die Deutsch-Amerikanische Petroleum Gesellschaft gegründet, aus der später die deutsche Esso wurde.

Ab 1847 fand auf der Eisenbahnstrecke Bremen–Hannover der erste Zugverkehr statt. Das Eisenbahnnetz mit vielen Bahnhöfen (u. a. Bremen Hauptbahnhof 1847, Bremerhaven Hauptbahnhof 1914) wurde ständig ausgebaut.

Der Flughafen Bremen, seit 1909 in Bremen, öffnete sich 1920 für Linienflüge. Um das Terminalgebäude von 1995 entstand ein Airport-Center. Mit Focke-Wulf begann hier eine Luftfahrtindustrie, die mit Erno und Airbus Bremen eine Fortsetzung fand.

mini|Borgward Isabella Von 1924 bis 1961 produzierte Borgward in Bremen Kraftfahrzeuge, seit den 1980er Jahren das Mercedes-Benz-Werk Bremen.

1908 wurde die Norddeutsche Hütte in Bremen gebaut. Seit 1957 bestehen hier die Stahlwerke Bremen.

In Bremen gab es im 19./20. Jahrhundert eine Reihe auch größerer Brauereien. Aktuell besteht in Bremen die Großbrauererei Beck.

Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte die bremische Wirtschaft einen deutlichen Aufschwung erleben. Zunächst waren hohe Wachstumsraten des Bruttoinlandsprodukts zu verzeichnen. Der Anteil des Wirtschaftssektors Gewerbe und Industrie nahm ab und der Anteil im Dienstleistungsbereich deutlich zu. Die Anzahl der Berufspendler nahm nach 1950 drastisch zu, da viele Einwohner im Umland der beiden Städte siedelten und in Bremen arbeiteten.

Das traditionsreiche Handwerk hatte in Bremen 1949 noch rund 9000 Betriebe; 2005 waren es noch 2797. Auffallend war der sehr starke Rückgang im Bereich Textilindustrie. In den beiden Städten hatte das Bauhauptgewerbe in der Zeit des Wiederaufbaus eine bedeutsame Rolle. mini|links|Uni Bremen Mit dem Bau der Universität Bremen seit 1969 entwickelte sich auch ein Wirtschaftsbereich der Wissenschaften an der Uni und in dem benachbarten Technologiepark Bremen.

In der Windenergie waren ab den 1990er Jahren Bremerhavener Unternehmen aktiv.

Der Städtetourismus im Land Bremen hat seit den 1980/1990er Jahren eine beachtliche Bedeutung erhalten.

Die Arbeitslosenquote im Land Bremen war von 1950 bis 1980 ähnlich wie im Bundesgebiet. Nach dem relativen Bedeutungsverlust der hafenabhängigen Wirtschaft in den 1990er Jahren gab es im Land Bremen jedoch immer deutlich mehr Arbeitslose als im Bundesgebiet. Vor allem in Bremerhaven musste immer mehr eine hohe Arbeitslosigkeit hingenommen werden. Diese hohe Arbeitslosenquote führte zu einem Bevölkerungsrückgang.

Einwohnerentwicklung und Wirtschaft mini|400px|Bevölkerungsentwicklung Bremens von 1350 bis 2017 1350 hatte Bremen rund 20.000 Einwohner, 1748 waren es 28.000 Einwohner, 1875 wohnten 102.499 Bürger in der Stadt, 1911 bereits 250.000, Ende 1945 schon 366.427 Einwohner, 1956 waren es 507.952 Einwohner und 2010 schließlich 547.340 Einwohner.

1845 wohnten in Bremerhaven 3000 Bürger, 1900 waren es 20.315 Einwohner, 1945 im vereinigten Wesermünde 98.577 und 1974 wurde mit 144.529 Einwohnern der Höchststand erreicht. Danach nahm die Einwohnerzahl deutlich ab: 2010 waren es 113.366 Einwohner in Bremerhaven, ein Minus von rund 21 %.

Die langfristige Einwohnerentwicklung von Bremen und jene von Bremerhaven ließen mit Oldenburg, Wilhelmshaven und den Umlandgemeinden eine wirtschaftlich bedeutende Metropolregion Nordwest mit 2,72 Millionen Einwohnern entstehen.

Wirtschaftsbereiche Nach Angaben der Handelskammer Bremen gab es 2011 in Bremen 5544 Betriebe in der gewerblichen Wirtschaft, davon 145 Betriebe des Mittelstandes, der Rest Kleinbetriebe mit weniger als 50 Beschäftigte. 298 Betriebe bilden dabei aus und stellten 3407 Auszubildende ein.

2015 waren im Land Bremen 5311 Gewerbe angemeldet, weniger als im Vorjahr. Durchschnittlich beliefen sich die Gewerbe von 1996 bis 2015 auf 5892 Anmeldungen pro Jahr. Unterschiedlich waren die Entwicklungen in Bremerhaven und Bremen: In Bremerhaven stieg die Zahl der Gewerbeanmeldungen (+7,1 Prozent), in Bremen waren es weniger (−9,9 Prozent).Der Senator für Inneres: Gewerbetätigkeit im Land Bremen 2015. In: Pressestelle des Senats: Mitteilung vom 26. Februar 2016.

Hafen- und Seewirtschaft

mini|Containerschiff am Container-Terminal Bremerhaven mini|Kalihafen Bremen Hinweis: Zu Angaben über die Einzelstandorte, den Seeverkehr, den Hafenumschlag, die Containerhäfen, den Passagierverkehr, den Kraftfahrzeug-Umschlag und die Binnenschifffahrt siehe bei den o.a. Hauptseiten, insbesondere bei Hafengruppe Bremen/Bremerhaven.

Die Schifffahrt hatte in Bremerhaven und Bremen eine prägende Bedeutung. Sie ist auch heute noch ein wichtiger Wirtschafts- und Arbeitsmarktfaktor. Die Bremischen Häfen in Bremen und Bremerhaven bilden den zweitgrößten deutschen Universalhafen. 2017 liefen 7328 Handelsschiffe die Häfen in Bremen und Bremerhaven an (Vorjahr: 7222).

2005 waren bundesweit 174.000 Arbeitsplätze von den Bremischen Häfen abhängig, davon 86.000 im Land Bremen.Forschungsprojekt der Kieserling Stiftung. In: Der Senator für Wirtschaft und Häfen der Freien Hansestadt Bremen (Hrsg.): Die Bremische Häfen – Hafenspiegel 2009. Die bremischen Häfen sicherten 2019 im Bundesland Bremen direkt 38.800 Arbeitsplätze.

2008 wurde in der Hafengruppe im Güterverkehr über See 74,5 Mio. Tonnen umgeschlagen, 2013 waren es 78,8 Mio. Tonnen. 2008 legten 9646 Schiffe mit insgesamt 200 Mio. BRZ an, davon 5276 Containerschiffe, 1627 Stückgutfrachtschiffe, 1050 Ro-Ro-Schiffe/Fährschiffe, 570 Fahrzeugtransportschiff, 482 Schüttgutfrachter, 350 Tanker, 78 Passagierschiffe und 213 sonstige Schiffe. Der Containerumschlag hat einen Anteil von rund 75 %.

Bremerhaven kann tiedeunabhängig bei einem Tiefgang von 12,8 m (nach Ausbau 13,8 m) von großen Containerschiffen erreicht werden.

Der Schwerpunkt des wachsenden Umschlaggeschehens liegt in Bremerhaven. Der südlichste deutsche Seehafen Bremen konzentriert sich auf wertschöpfungsintensive Tätigkeiten.

Bremens wichtigste Handelspartner sind die USA, die VR China, Norwegen, Russland, Schweden, Niederlande, Polen, Finnland, Großbritannien, Lettland, Kanada, Italien, Vereinigte Arabische Emirate, Hongkong, Indien und Singapur. Knapp die Hälfte des Warenumschlags finden zu Staaten in Europa statt.

In den Häfen wurden im Jahr 2021 69.696.000 Tonnen seeseitig umgeschlagen, davon 9.697.000 Tonnen als Massengut, 8.360.000 Tonnen als Stückgut und 51.639.000 Tonnen als Stückgut in 5.019.000 Containern sowie 1.718.000 Fahrzeuge.

In Bremerhaven wurden 2021 seeseitig 56.839.000 Tonnen umgeschlagen. Es sind angesiedelt das Container-Terminal Bremerhaven, einer der größten Containerhäfen der Welt mit rund 5 km Kajenlänge für 14 Liegeplätze und 2013 mit rund 5,8 Mio. umgeschlagenen Container (5,45 Mio. TEU)