hochkant=1.4|mini|Das Kreisgebiet 1905
Der Landkreis Landsberg (Warthe), bis 1892 Kreis Landsberg (Warthe), bis ins 19. Jahrhundert auch Landsberger Kreis genannt, war ein Landkreis in der preußischen Provinz Brandenburg, der bis 1945 bestand. Sitz der Kreisverwaltung war Landsberg an der Warthe. Heute gehört das ehemalige Kreisgebiet überwiegend zum polnischen Powiat Gorzowski in der Woiwodschaft Lebus. Der Landkreis Landsberg (Warthe) umfasste zuletzt die Stadt Vietz sowie 94 weitere Gemeinden und zwei forstliche Gutsbezirke.
Verwaltungsgeschichte In der nachmittelalterlichen Zeit bildete sich in der Mark Brandenburg eine Gliederung in Kreise heraus. Einer dieser historischen Kreise war der Landsberger Kreis bzw. der Kreis Landsberg, der einen der drei sogenannten Vorderkreise in der Neumark bildete. Das Landratsamt war in der Stadt Landsberg a./Warthe. Im Rahmen der Bildung von Provinzen und Regierungsbezirken in Preußen erfolgte 1816 im Regierungsbezirk Frankfurt eine Kreisreform, bei der der Kreis Landsberg die Orte Blumberg, Groß und Klein Kammin, Ludwigsgrund, Tamsel, Warnick und Wilhelmsbruch an den neuen Kreis Cüstrin abtrat. Zum 1. Januar 1836 wurde der Kreis Cüstrin wieder aufgelöst und die Orte, die bis 1816 zum Kreis Landsberg gehört hatten, kehrten wieder in den Kreis Landsberg zurück.
Am 1. Juli 1891 wurde der Gutsbezirk Briesenhorst aus dem Kreis Soldin in den Kreis Landsberg a./Warthe eingegliedert. Am 1. April 1892 schied die Stadt Landsberg a./Warthe aus dem Kreis aus und bildete fortan einen eigenen Stadtkreis. Damit erhielt der Kreis Landsberg a./Warthe die Bezeichnung Landkreis. In den 1920er Jahren setzte sich die Bezeichnung „Landsberg (Warthe)“ durch.
Gegen Ende der 1920er Jahre wurden im Kreis Landsberg an der Warthe nahezu alle Gutsbezirke aufgelöst und benachbarten Landgemeinden zugeteilt. Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 sowie der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 wurde zum 1. April 1935 das Führerprinzip auf Gemeindeebene durchgesetzt. Im Zweiten Weltkrieg eroberte im Februar 1945 die Rote Armee das Kreisgebiet und stellte es im März/April 1945 unter die Verwaltung der Volksrepublik Polen. Diese vertrieb in der Folgezeit die Einwohner und ersetzte sie durch Polen.
mini|hochkant|Schloss Tamsel, Sammlung A. Duncker. 1863/1864. mini|hochkant|Rittergut Hohenwalde 1863, Sammlung A. Duncker.
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Quelle 1750 12.478 1796 34.111 1816 36.239 Der Regierungsbezirk Frankfurt, in: Christian Gottfried Daniel Stein: Handbuch der Geographie und Statistik des Preußischen Staats, Vossische Buchhandlung, Berlin 1819, S. 210. Digitalisat 1840 58.448 Topographisch-statistische Übersicht des Regierungsbezirks Frankfurt a. d. O. 1844. Harnecker, Frankfurt a. d. O. 1844, S. 30. Digitalisat 1871 77.738 Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Brandenburg und ihre Bevölkerung 1871. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871. Selbstverlag (Dr. Engel), Berlin 1873. PDF/Digitalisat 1890 61.683 1900 58.548 1910 55.613 1925 55.919 1933 55.094 1939 52.481
Landräte 1722–1730 Friedrich Wilhelm von Schöning 1730–1744 George Wilhelm von Schöning 1744–1776 Hans Wotislaw von Wobeser 1776–1792 Christian Wilhelm von Beerfelde 1792–1802 Christian Stephan von Schöning 1803–1808 Christian Ludwig Adolph von Rhade 1813–1840 Wilhelm Sturm 1840–1841 Albert Borsche (kommissarisch) 1841–1847 Gustav Honig 1847–1849 Wilhelm Flottmann 1849–1863 Rudolf von Dewitz (1815–1863) 1863–1897 Robert Jacobs 1897–1905 Arnold Wahnschaffe 1905–1914 Max Constantin Karl Wolfgang Graf Clairon d’Haussonville (1869–1923), Sohn von Graf Max Clairon d’HaussonvilleGothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der Deutschen Adelsgenossenschaft. Teil B. [Briefadel]. 1941. 114. Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1940, S. 88. 1914–1918 Berthold Thon (* 1847) (vertretungsweise) 1919–1922 N.N.; 1920 nachweislich Max Constantin Karl Wolfgang Graf Clairon d’HaussonvilleAmtsblatt der Regierung zu Potsdam und der Stadt Berlin 1920. Stück 4, Ausgegeben am 24. Januar 1920, A. W. Hayn Erben, Potsdam 1920, S. 30. Digitalisat 1923–1930 Hugo Swart 1930–1937 Hans Faust 1937–1944 Friedrich von Alten 1944–1945 Johann Dietrich Lauenstein
Kommunalverfassung Der Kreis Landsberg gliederte sich zunächst in die Stadt Landsberg a./Warthe, in Landgemeinden und – bis zu deren nahezu vollständiger Auflösung im Jahre 1928 – in Gutsbezirke. Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 gab es ab dem 1. Januar 1934 eine einheitliche Kommunalverfassung für alle preußischen Gemeinden. Mit Einführung der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 trat zum 1. April 1935 im Deutschen Reich eine einheitliche Kommunalverfassung in Kraft, wonach die bisherigen Landgemeinden nun als Gemeinden bezeichnet wurden. Diese waren in Amtsbezirken zusammengefasst. Am 1. Juli 1935 erhielt die Gemeinde Vietz (Ostb.) das Stadtrecht.
Verkehr Landsberg an der Warthe wurde schon 1857 durch die Strecke Küstrin–Schneidemühl der staatlichen Preußischen Ostbahn, die parallel zu Warthe und Netze nach Osten führte, an das neu entstehende Eisenbahnnetz angeschlossen >115.0<.
Die Stargard-Cüstriner Eisenbahn-Gesellschaft kam 1882 hinzu, berührte aber nur die Station Berneuchen im Nordwestzipfel des Kreises >116.a<.
Erst um die Jahrhundertwende wurde Landsberg zum lokalen Knotenpunkt. 1896/99 führte die Preußische Staatsbahn eine Nebenbahn nach Meseritz >116.f< und 1912 die Linien nach Soldin und Zielenzig >116.d+h<.
Wegen der Grenzziehung nach dem Jahre 1919 erbaute die Deutsche Reichsbahn 1935/36 eine Verbindung von Schwerin nach Kreuz, die den Südosten des Kreises durchzog >116.g<.
Die Zahlen in >< beziehen sich auf das Deutsche Kursbuch 1939.
Städte und Gemeinden Stand 1945 Dem Landkreis Landsberg (Warthe) gehörten 1945 die folgenden Gemeinden an: Alexandersdorf Alt Gennin Altensorge Annenaue Balz Bergkolonie Berkenwerder Berneuchen Beyersdorf Blockwinkel Blumberg Blumenthal Borkow Briesenhorst Brückendorf Bürgerbruch Christophswalde Cocceji-Neudorf Cocceji-Neuwalde Dechsel Derschau Diedersdorf Döllensradung Dühringshof Egloffstein Eulam Fichtwerder Gennin Gerlachsthal Giesen Giesenaue Gralow Groß Kammin Gürgenaue Hagen Heinersdorf Himmelstädt Hohenwalde Hopfenbruch Jahnsfelde Johanneshof Johanneswunsch Karolinenhof Kattenhorst Kernein Kladow Landsberger Holländer Liebenow Lindwerder Lipke Lipkeschbruch Loppow Lorenzdorf Lossow Lotzen Louisenaue Ludwigshorst Ludwigsruh Marienspring Marienwiese Marwitz Massin Massow Morrn Neuendorf Ober Alvensleben Ober Gennin Plonitz Pollychen Pollychener Holländer Pyrehne Ratzdorf Raumerswalde Rohrbruch Roßwiese Schönewald Schützensorge Seidlitz Stennewitz Stolberg Nm. Stolzenberg Tamsel Tornow Unter Gennin Vietz (Ostb.), Stadt Warnick Wepritz Wildenower Försterei Wormsfelde Woxholländer Zantoch Zanzhausen Zanzin Zechow Zettritz
Zum Landkreis gehörten außerdem die gemeindefreien Gutsbezirke Forst Landsberger Heide und Forst Massiner Heide. Des Weiteren gesondert zu Massin zugehörig und weitestgehend eigenständig war das Haus Griffgenstein.Besitzer: Buchautor, Sanitätsrat Dr. Wilhelm Brügelmann von Griffgenstein. Zu Himmelstädt gehörte wiederum die Domäne Cladow. Weitere Gutsareale, insbesondere die Vorwerke Jägerswerder oder Zanzin, sind nur in den Güter-Adressbüchern erfasst. Einen Sonderstatus kommt den Gütern Kuhburg-Seidlitz und Sophienaue zu.Ernst Seyfert: Güter-Adreßbuch für die Provinz Brandenburg. . Handbuch der Königlichen Behörden. In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adressbücher. Band VII, 2. Auflage, Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1914, S. 270 ff.
Vor 1945 aufgelöste Gemeinden Albrechtsthal, 1929 zu Lipke Antoinettenlust, 1929 zu Louisenaue Bayershorst, 1929 zu Ludwigshorst Bergenhorst, 1929 zu Ludwigshorst Bernhardinenhof, 1929 zu Lipke Christiansaue, 1929 zu Lipkeschbruch Esperance, 1929 zu Louisenaue Friedrichsberg, 1938 zu Dühringshof Friedrichsthal, 1929 zu Johanneshof Groß Rehne, 1929 zu Brückendorf Klein Kammin, 1929 zu Stolberg Nm Kleinheide, 1929 zu Balz Klementenschleuse, 1929 zu Johanneshof Leopoldsfahrt, 1931 zu Derschau Liebenthal, 1930 zu Blockwinkel Logau, 1935 zu Woxholländer Ludwigsthal, 1929 zu Ludwigshorst Meyershof, 1929 zu Eulam Neu Gennin, 1929 zu Gennin Nieder Alvensleben, 1929 zu Massow Pyrehner Holländer, 1929 zu Brückendorf Rodenthal, 1931 zu Derschau Scharnhorst, 1934 zu Vietz Spiegel, 1929 zu Döllensradung Wilhelmsbruch, 1929 zu Stolberg Nm.
Namensänderungen In den 1920er und 1930er Jahren wurde die Schreibweise für folgende Orte geändert: Czettritz → Zettritz Louisenaue → Luisenaue Vietz → Vietz (Ostb.)
Literatur Friedrich Wilhelm August Bratring: Statistisch-topographische Beschreibung der gesammten Mark Brandenburg. Band 3: Die Neumark Brandenburg enthaltend. Verlag Friedrich Maurer, Berlin 1809, S. 143–168.; Ortsregister für alle drei Bände, S. 357–390. Topographisch-statistische Uebersicht des Regierungs-Bezirks Frankfurt a. d. Oder. Aus amtlichen Quellen zusammengestellt. Frankfurt a. d. O. 1844, S. 108–128. Heinrich Berghaus: Landbuch der Mark Brandenburg und des Markgrafthums Nieder-Lausitz, Band 3, Adolph Müller, Brandenburg 1856, S. 451–465. W. Riehl und J. Scheu (Hrsg.): Berlin und die Mark Brandenburg mit dem Markgrafenthum Nieder-Lausitz in ihrer Geschichte und in ihrem gegenwärtigen Bestande. Selbstverlag Expedition Scheu, Berlin 1861, S. 462–477. Topographisch-statistisches Handbuch des Regierungs-Bezirks Frankfurt a. O. Verlag von Gustav Harnecker u. Co., Frankfurt a. O. 1867, S. 122–142. Königliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke des Preussischen Staates und ihre Bevölkerung. Teil II: Provinz Brandenburg, Selbstverlag, Berlin 1873, S. 144–151. Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staates. 2. Auflage. Band 2, Verlag Grg. Ferd. Otto Müller, Berlin 1874, S. 93–94, Ziffer 3. Beiträge zur Geschichte des Bergbaues in der Provinz Brandenburg. Band 4, Hermann Cramer, Halle 1872–1889. Reprint, (Faksimilie), Potsdam 2011. ISBN 978-3-88372-003-6. Kurt Reißmann: Die Kunstdenkmäler des Stadt- und Landkreises Landsberg (Warthe). In: Die Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg. Band 7/3, Hrsg. Brandenburgischer Provinzialverband, Gesamtleitung: Heinrich Jerchel, Deutscher Kunstverlag, Berlin 1937.
Weblinks
Kreis Landsberg (Warthe), Hrsg. CompGen e. V. Berlin. Landkreis Landsberg (Warthe) – Territorial.de, Hrsg. Rolf Jehke.
Einzelnachweise
Landsberg Kategorie:Powiat Gorzowski Kategorie:Aufgelöst 1945