Erhart Hermann Herz (* 26. April 1908 in Gnölbzig; † 24. Januar 1978 in Freiburg im BreisgauSterberegister des Standesamtes Freiburg im Breisgau Nr. 162/1978.Ermittlungsakte gegen Hermann Herz, Staatsarchiv Freiburg, F176/23 Nr. 171–173) war ein deutscher SS-Führer und Gestapo-Beamter.

Leben Hermann Herz nahm nach dem Abschluss seiner Schulzeit ein Studium der Staats- und Rechtswissenschaften auf. Ohne dieses Studium abzuschließen trat er 1930 in den Polizeidienst ein.Klaus-Michael Mallmann, Jochen Böhler und Jürgen Matthäus: Einsatzgruppen in Polen: Darstellung und Dokumentation. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Stuttgart 2008, S. 38 Am 29. Mai 1937 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 4.340.641),Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/15301029 im selben Jahr trat er der SS bei (SS-Nummer 211.028).Hermann Herz auf www.dws-xip.pl Nach seiner Beförderung zum Kriminalkommissar war er in der Staatspolizeistelle Halle (Saale) tätig. Herz war ab 1938 Dozent an der Grenzpolizeischule Pretzsch an der Elbe.Jens Hoffmann: Das kann man nicht erzählen "Aktion 1005", wie die Nazis die Spuren ihrer Massenmorde in Osteuropa beseitigten, KVV Konkret, Hamburg 2010, ISBN 9783930786534, S. 404ff Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges gehörte Herz dem von Hans Trummler geführten zweiten sicherheitspolizeilichen Kontingent der Einsatzgruppe z. b. V. im okkupierten Polen an, die in der AB-Aktion polnische Intellektuelle ermordete. Danach kehrte er an die Grenzpolizeischule Pretzsch an der Elbe zurück, nahm seine dortige Lehrtätigkeit wieder auf und führte sie nach der Umwandlung der Schule in ein Lazarett an der Sicherheitspolizeischule Drögen in Fürstenberg/Havel fort.

Im Februar 1943 übernahm Herz die Leitung der Staatspolizeistelle Allenstein und stieg im April 1943 zum SS-Sturmbannführer auf. Der Inspekteur der Sicherheitspolizei und des SD in Königsberg Walter Schick informierte und instruierte Hermann Herz Anfang 1944 über die der Geheimhaltung unterliegenden Aktion 1005. Schick übergab Herz eine Karte, auf der die Massengräber der Mordopfer der Einsatzgruppen verzeichnet waren. Herz bildete ein „Enterdungskommando“, dem neben ehemaligen Einsatzgruppenangehörigen, Gestapo-Beamten seiner Dienststelle und Gendarmen auch bis zu 15 jüdische Zwangsarbeiter angehörten. Dieses Kommando öffnete ab Februar 1944 die Massengräber, verbrannte die Leichen und bepflanzte danach die zugeschütteten Gruben zur Tarnung der Verbrechen. Die jüdischen Zwangsarbeiter wurden anschließend im April 1944 erschossen.

Nach Kriegsende trat Herz wieder in den Polizeidienst ein. Er war am Landeskriminalamt Baden-Württemberg und dem Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg tätig, dozierte auch an der Landespolizeischule Freiburg und wurde bis zum Kriminalhauptkommissar befördert. Auf eigenen Wunsch ließ er sich Anfang der 1960er Jahre pensionieren. Die Staatsanwaltschaft Freiburg nahm 1964 Ermittlungen gegen Herz wegen Beihilfe zum Mord an den jüdischen Arbeitshäftlingen des Enterdungskommandos auf. Am 18. März 1966 wurde Herz in einem Verfahren vor dem Schwurgericht des Landgericht Freiburg freigesprochen. Herz hatte zwar zugegeben, dass die 15 Arbeitshäftlinge des Enterdungskommandos auf seine Weisung hin erschossen worden waren; dabei habe er aber unter Befehlsnotstand gestanden.Chroniknet Herz wurde zugutegehalten, dass er die Arbeitshäftlinge für zum Tode verurteilte Straftäter gehalten und befehlsmäßig gehandelt habe.

Literatur Hans-Christian Harten, Die weltanschauliche Schulung der Polizei im Nationalsozialismus, Ferdinand Schöningh Verlag Paderborn 2018, ISBN 978-3-506-78836-8 Jens Hoffmann: „Das kann man nicht erzählen“. „Aktion 1005“ – wie die Nazis die Spuren ihrer Massenmorde in Osteuropa beseitigten. KVV Konkret, Hamburg 2008, ISBN 978-3-930786-53-4 (Konkret – Texte 46/47 Ermittlung). Klaus-Michael Mallmann, Jochen Böhler und Jürgen Matthäus: Einsatzgruppen in Polen: Darstellung und Dokumentation. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-534-21353-5. (Band 12 der Veröffentlichungen der Forschungsstelle Ludwigsburg der Universität Stuttgart.)

Weblinks Eintrag zu Hermann Herz bei der Deutschen Digitalen Bibliothek

Einzelnachweise

Kategorie:Gestapo-Personal Kategorie:Person der Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD Kategorie:Person (deutsche Besetzung Polens 1939–1945) Kategorie:Person (Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg) Kategorie:Polizist (Deutsches Reich) Kategorie:Polizist (Baden-Württemberg) Kategorie:SS-Mitglied Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1908 Kategorie:Gestorben 1978 Kategorie:Mann