Die FMS Wertmanagement (FMS-WM) in München ist eine deutsche Bad Bank. Sie wurde am 8. Juli 2010 gegründet. Ihr Zweck als Abwicklungsanstalt ist es, die während der Finanzkrise in eine existenzbedrohende Schieflage geratene und dann verstaatlichte Hypo-Real-Estate-Gruppe (HRE) von Risikopositionen und nicht strategienotwendigen Geschäftsbereichen zu befreien und die HRE-Gruppe damit zu stabilisieren. Die FMS Wertmanagement ist eine organisatorisch und wirtschaftlich selbstständige, teilrechtsfähige Anstalt des öffentlichen Rechts innerhalb der Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung (FMSA).
FMS Wertmanagement Zum 1. Oktober 2010 übernahm die FMS Wertmanagement von der Hypo Real Estate Holding AG und deren unmittelbaren und mittelbaren Tochterunternehmen und Zweckgesellschaften im In- und Ausland ein Portfolio im Nominalwert von 175,7 Mrd. Euro. Die FMS Wertmanagement hat den Auftrag, dieses Portfolio wertmaximierend abzuwickeln. Der anfängliche, von der HRE aufgestellte Abwicklungsplan war auf eine Laufzeit von zehn Jahren ausgelegt. Der in dieser Periode nicht abgewickelte Teil des Portfolios sollte zum Ende der Laufzeit buchwertneutral verkauft werden. Seit dem Jahr 2012 legt die FMS-WM jährlich einen aktualisierten Abwicklungsplan vor, der den geänderten Marktbedingungen und den neu gewonnenen Erkenntnissen Rechnung trägt. Der erweiterte Zeithorizont erlaubt es, das Portfolio ohne Zeitdruck zu wirtschaftlich vorteilhaften Marktbedingungen abzuwickeln und so im Interesse des Steuerzahlers Verluste zu minimieren.
Die FMS Wertmanagement ist kein Kreditinstitut oder Finanzdienstleistungsinstitut im Sinne des Kreditwesengesetzes. Sie verfügt über keine Banklizenz und unterliegt keinen regulatorischen Eigenmittel- oder Liquiditätsanforderungen gemäß den Basel-Richtlinien. Sie darf aber alle Arten von Bankgeschäften betreiben, die der Abwicklung des Portfolios dienen. Anders als Banken, die nach IFRS-Standard bilanzieren, bilanziert die FMS Wertmanagement nach den Vorschriften des HGB. Als Aufsichtsbehörden fungieren die FMSA und die BaFin. Als Rechtsaufsicht der FMS Wertmanagement stehen der FMSA umfassende Informations-, Kontroll- und Prüf- sowie Weisungsrechte zu. Sie bestimmt über die Besetzung des Verwaltungsrats, genehmigt Änderungen des Abwicklungsplans und wird bei strategisch wichtigen Entscheidungen, welche die Geschäftstätigkeit der FMS Wertmanagement betreffen, einbezogen. Die FMS Wertmanagement informiert die Aufsichtsbehörde regelmäßig über die laufende Geschäftstätigkeit und legt ihr den Jahresabschluss, den Lagebericht und den Prüfungsbericht vor. Für Verluste, die bei der Abwicklung des Portfolios entstehen, steht laut Statut der FMS Wertmanagement der SoFFin ein. In § 7 Abs. 1 des Statuts heißt es: „Der FMS ist gegenüber der Abwicklungsanstalt sowie gegenüber der FMSA bis zur Auflösung der Abwicklungsanstalt nach § 16 verpflichtet, …. sämtliche Verluste auszugleichen.“ Faktisch belasten Verluste der FMS Wertmanagement damit den Bundeshaushalt. Bis 2014 sind dadurch dem Staat Kosten in Höhe von circa 13 Milliarden EUR entstanden (3,04 Mrd. EUR im Jahr 2010 und 9,939 Mrd. EUR im Jahr 2011).
Das Portfolio Das von der HRE übernommene Portfolio der FMS Wertmanagement umfasst Kredite und Wertpapiere sowie die damit zusammenhängenden Derivate-Positionen. Es ist geprägt durch lange Laufzeiten. In 59 % der Fälle liefen Kreditrisiken erst 2020 oder viel später aus. Der von der HRE mitgegebene Abwicklungsplan gab allerdings als Abwicklungshorizont das Jahr 2020 vor. Viele der übernommenen Konsortialfinanzierungen beinhalten nach Aussage des Managements zudem schwierige Verhandlungspositionen; Kontrolle und Einflussnahme durch die FMS Wertmanagement seien dadurch erschwert. Eine signifikante Anzahl von Kreditpapieren ist nach der Krise nur noch wenig wert und kann deshalb schwer oder nur mit hohen Abschlägen veräußert werden. Und bei einigen Marktsegmenten reflektieren die Margen bei Weitem nicht mehr das heutige Risikoprofil der zugrunde liegenden Assets.
Das Portfolio der FMS-WM umfasste Kredite und Wertpapiere sowie die damit zusammenhängenden Derivatepositionen und wurde in fünf Segmente unterteilt:
Public Sector: In diesem Segment sind überwiegend Anleihen der Staaten der Eurozone, der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union sowie der angrenzenden Staaten Osteuropas zusammengefasst. Darin enthalten waren zum Stichtag 31. Dezember 2010 zum Beispiel Anleihen des Staates Griechenland im Volumen von 7,4 Mrd. Euro. Das Segment Public Sector macht rund 50 Prozent des Gesamtportfolios aus. Structured Products: Dieses Segment umfasst Asset Backed Securities (ABS) verschiedener Art, wie beispielsweise strukturierte Wertpapiere aus dem Bereich der Gewerbe- und Wohnimmobilien, sowie strukturierte Anleihen, die auf Kreditforderungen aus dem öffentlichen Sektor basieren oder in denen Studentenkredite gebündelt sind. Das Segment Structured Products macht rund 25 Prozent des Gesamtportfolios aus. Commercial Real Estate: Dieses Segment setzt sich überwiegend aus nicht leistungsgestörten Finanzierungsprodukten für gewerbliche Immobilien zusammen. Das Segment Commercial Real Estate macht rund 11 Prozent des Gesamtportfolios aus. Infrastructure: Dieses Segment beinhaltet Finanzierungslösungen für internationale Infrastrukturprojekte. Das Segment Infrastructure macht rund 10 Prozent des Gesamtportfolios aus. Workout: In diesem Segment werden leistungsgestörte weitgehend besicherte Immobilienengagements in Europa, Asien und den USA zusammengefasst. Das Segment Workout macht rund 5 Prozent des Gesamtportfolios aus.
Von dem im Jahr 2010 übernommenen Portfolio wurden bis zum Jahresende 2023 kumuliert 77 % abgebaut; das Restportfolio der FMS-WM wurde nominal von ursprünglich rund 176 Mrd. € auf nunmehr 44,4 Mrd. € reduziert.
Verluste durch griechische Staatsanleihen
Bestand im Portfolio Laut einer Präsentation zur Bilanzpressekonferenz am 24. Mai 2011 betrug das Nominalvolumen der im Portfolio der FMS Wertmanagement befindlichen Kredite und Anleihen aus Griechenland zum 31. Dezember 2010 rund 9,1 Mrd. Euro. Darunter befanden sich zu diesem Zeitpunkt griechische Staatsanleihen im Volumen von nominal 7,4 Mrd. Euro. Nur rund 32 Prozent der Forderungen und Anleihen sind dabei in den kommenden zehn Jahren fällig, weitere 32 Prozent des Portfolios haben eine Laufzeit von noch mehr als 20 Jahren. Besonders diese Langläufer sind zu mehr als der Hälfte inflationsindexiert. Das wirtschaftliche Risiko aus dem Griechenland-Exposure gab die FMS Wertmanagement mit 10,8 Mrd. Euro an.
Teilnahme an der Umschuldung Am 2. September 2011 gab der Vorstand per Pressemitteilung bekannt, dass die FMS Wertmanagement plante, sich am Umtausch von Griechenland-Anleihen zu beteiligen. Zu dem Zeitpunkt verfügte die Bad Bank über ein Gesamtvolumen von Anleihen und Krediten mit griechischen Schuldnern von 8,76 Mrd. Euro. Von den 30 Einzelpositionen qualifizierten sich 13 Anleihen mit einem Laufzeitende vor dem Jahr 2020 für den von der griechischen Regierung angebotenen Umtausch in länger laufende Papiere. Das Gesamtnominalvolumen dieser 13 Anleihen betrug 975 Mio. Euro.
Im Geschäftsbericht der FMS Wertmanagement für 2011 heißt es auf Seite 24: „Beim Umtausch von Griechenland-Anleihen unter Beteiligung des Privatsektors (PSI) im ersten Quartal 2012 hat sich die FMS Wertmanagement mit über 90 % des ursprünglichen zum Umtausch qualifizierten Bestands von EUR 8,91 Mrd., also mit EUR 8,26 Mrd. nominal beteiligt. Weitere EUR 654 Mio. nominal konnten noch vor dem Umtausch mit einem Barwertvorteil von mehr als EUR 65 Mio. gegenüber dem Umtauschangebot verkauft werden. Nach dem erfolgten Umtausch erhielt die FMS Wertmanagement neue Griechenland-Anleihen mit einem Nominalvolumen von EUR 2,6 Mrd. sowie weitere rund EUR 1,4 Mrd. von EFSF-Bonds. Das Griechenland-Portfolio musste zusammen mit den korrespondierenden Derivate-Positionen zum Jahresabschluss mit EUR 8,9 Mrd. wertberichtigt werden.“ Die dadurch entstandenen Verluste wurden von der SoFFin übernommen.
Kontroverse In ihrer gedruckten sowie ihrer Online-Ausgabe erhob die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) am 12. September 2014 gravierende Vorwürfe gegen die Verantwortlichen der FMS Wertmanagement und ihre Aufsichtsbehörden: Nach ihrer Darstellung ist durch Fehlverhalten ein Schaden von 2,56 Milliarden € entstanden. Die Hypo Real Estate sei nach der Europäischen Zentralbank mit 9 Milliarden € der größte Gläubiger Griechenlands gewesen. Im Portfolio seien Anleihen gewesen, für die ausländisches (nicht griechisches) Recht maßgebend gewesen sei. Diese hätten nur mit Zustimmung einer Mehrheit der Gläubiger umgeschuldet werden können. Andere deutsche Kreditinstitute hätten sich in Gläubigerausschüssen organisiert und eine Umschuldung vermeiden können. Dies habe die FMS Wertmanagement nicht getan, sondern die Papiere zu ca. 30 % an der Börse verkauft. Die Erwerber, Hedgefonds, hätten die Wertpapiere später zu 100 % zurückbezahlt bekommen. Bei anderen Anleihen, die ebenfalls nicht griechischem, sondern ausländischem Recht unterlegen hätten, habe die Bank freiwillig am Schuldenschnitt teilgenommen. Der Finanzmarktstabilisierungsfonds (SoFFin) wies die Vorwürfe zurück: Zum Zeitpunkt der Entscheidung sei nämlich sehr fraglich gewesen, „inwieweit es ohne den Schuldenschnitt überhaupt zu Rückzahlungen durch Griechenland gekommen wäre“. Der FAZ zufolge ist der Verlust oder die öffentliche Auseinandersetzung darüber der Grund dafür, dass Christopher Pleister seinen Ende 2014 auslaufenden Vertrag beim SoFFin nicht verlängern wird.FAZ vom 23. September 2014, S. 20: Nach Griechenland-Debakel vergeht Soffin-Chef die Lust.
In ihrer Ausgabe vom 25. Oktober 2014 berichtet das Wochenmagazin Die Zeit über die in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erhobenen Vorwürfe: „Papiere, die der ZEIT vorliegen, sowie Gespräche mit Beteiligten und Parlamentariern zeichnen jedoch ein anderes Bild: Demnach entschied das Abwicklungsinstitut erst nach langen Diskussionen, mehr griechische Anleihen als zwingend notwendig einzureichen.“ Und weiter: „Dass einige dieser Investoren die wenigen verbliebenen Anleihen heute zu 100 Prozent zurückgezahlt bekommen, ist für die FMS Wertmanagement kein Argument. In einem Papier heißt es dazu: Diese Anleihen aus einer vagen Hoffnung auf Besserung herauszuhalten, sei damals eine sehr aggressive Strategie gewesen, ‚die sich zwar ein Hedgefonds zu eigen machen kann, der auch bereit ist, einen Totalverlust seiner Papiere zu riskieren, nicht aber eine Abwicklungsanstalt öffentlichen Rechts‘. Zocken, so das Argument, konnten einige Investoren nur, weil andere wie die FMS überhaupt erst sicherstellten, dass die Umschuldung glückte und die restlichen Anleihen nicht auf null fielen.“ Teilnehmer der geheimen Sitzung des Finanzmarktgremiums von Ende September, die sich mit den Vorwürfen beschäftigt haben, „halten die Vorwürfe für abgehakt“, berichtet die Zeit in diesem Artikel.
Am 9. Januar 2015 berichtet das Handelsblatt, dass die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen den Vorstand der FMS Wertmanagement eingestellt worden seien, weil es keine Anhaltspunkte für strafrechtlich relevante Pflichtverletzungen der Vorstände gebe.
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