Der Landshuter Jugendbuchpreis (LJBP) mit dem Beinamen Auserlesen ist ein durch städtische Mittel finanziertes Leseförderprojekt der Stadtbücherei Landshut. Er wird seit 2009 jährlich verliehen. Gegründet wurde er Ende 2008 von der Arbeitsgruppe LJBP des Jugendleseclubs Landshut, die den Preis organisiert und gestaltet. Die in Landshut ansässige Autorin Mirjam Pressler war bis zu ihrem Tod Schirmherrin des Preises. Nach ihrem Tod hat der Oberbürgermeister Alexander Putz die Schirmherrschaft übernommen. Der Jugendleseclub Landshut nominiert jährlich die 15 besten Jugendbuch-Neuerscheinungen des Vorjahres. Aus diesen Titeln wählt die Jury, die aus Schulklassen verschiedener Schulen und jugendlichen Bibliothekskunden Landshuts gebildet wird, drei Preisträger.

Hintergrund

Jugendleseclub Landshut In Landshut gibt es seit 1991 einen Leseclub der Stadtbücherei Landshut. 1999 wurde er in einen Kinder- und in einen Jugendleseclub geteilt. Von 2003 bis 2008 war der Jugendleseclub Landshut eine von bundesweit sechs Gruppen, die die Jugendjury des Deutschen Jugendliteraturpreises bildeten. Leiter bzw. Teamer des Jugendleseclubs war bis 2017 der Bibliothekar Georg Braun, der selbst mehrere Jahre in der Jury des Deutschen Jugendliteraturpreises tätig war.

Entstehung Angeregt wurde der Jugendliteraturpreis von Georg Braun zusammen mit der Autorin und Übersetzerin Mirjam Pressler, um einen solchen Preis in Zusammenarbeit mit Landshuter Schulen als Leseförderprojekt durchführen zu können. Als 2008 die Jugendjury des Deutschen Jugendliteraturpreises für das folgende Jahr neu ausgewählt wurde, durfte der Landshuter Jugendleseclub aufgrund seiner langjährigen Beteiligung nicht mehr teilnehmen. Daraufhin gründeten Georg Braun und fünf Leseclubmitglieder Ende 2008 die Arbeitsgruppe Landshuter Jugendbuchpreis (AG LJBP). Diese erstellte zunächst ein ausführliches Konzept und ließ dieses von der Leitung der Stadtbücherei Landshut absegnen. Im Anschluss wurden die Landshuter Schulen kontaktiert, damit das Leseförderprojekt im Frühjahr 2009 starten konnte.

Arbeitsgruppe LJBP

Die Arbeitsgruppe LJPB besteht neben dem Leiter Georg Braun aus Jugendlichen des Landshuter Jugendleseclubs. Nach dem Motto „Von Jugendlichen für Jugendlichen“ übernimmt Herr Braun dabei lediglich die Koordination der Treffen und hält den Kontakt zu den Verlagen und Schulleitungen, während Organisation, Gestaltung, Büchervorstellung, Werbung usw. durch die Jugendlichen selbst durchgeführt werden. Die Treffen der Arbeitsgruppe finden unregelmäßig je nach Organisationsbedarf statt, d. h. vor allem im Frühjahr zum Aktionsstart und im Sommer zur Auswertung der Sieger und zur Planung der Schlussveranstaltung – der Preisverleihung – im Salzstadel Landshut.

Konzept und Durchführung Der Leseclub trifft sich jeweils im November und wählt die nach seiner Meinung 15 besten Jugendbuch-Neuerscheinungen des Jahres aus. Für die Auswahl gibt es dabei keine vorgesetzten Maßstäbe und Kriterien, sondern nur die subjektive Meinung der Mitglieder. Für die Nominierung braucht es mindestens 2–3 Stimmen, wobei Ausnahmen möglich sind. Die erstellte Nominierungsliste, die den Titel „Auserlesen“ trägt, wird Anfang Dezember in der Landshuter Buchhandlung Pustet vorgestellt und dann dort und in den Landshuter Büchereien für Kunden und Leser ausgelegt. Die Titel bilden die Vorauswahl für die Vergabe des Landshuter Jugendbuchpreises im folgenden Jahr.

mini|Bewertungsbogen 2013 Die Jury, die aus diesen 15 Titeln die besten drei Bücher auswählt, besteht aus Schulklassen der 7. bis 10. Jahrgangsstufe verschiedener Landshuter Schulen. Bei der Auswahl der teilnehmenden Schulklassen wird auch auf eine gleichmäßige Verteilung auf die entsprechenden Jahrgangsstufen geachtet. Die Mitglieder der AG LJBP (Arbeitsgruppe Landshuter Jugendbuchpreis) stellen den Schülern das Projekt und die Nominierungen in einer Unterrichtsstunde vor. Anschließend werden Bewertungsbögen und je zwei Exemplare der nominierten Bücher in sogenannten Bücherkisten verteilt. Diese Kisten bleiben für drei bis vier Wochen in den Klassen. Mit Unterstützung der Lehrkräfte werden teilweise auch Referate oder Diskussionsrunden in den Unterricht eingebaut. Nach Abgabe der ausgefüllten Bewertungsbögen, welche seit 2011 auch in den städtischen Bibliotheken und bei Bücher Pustet ausliegen, werten die AG-Mitglieder diese aus und beginnen mit der konkreten Planung der Preisverleihung sowie der Erstellung von Werbematerialien und Einladungen.

Das Plakat, welches für die Preisverleihung wirbt, entwirft und malt ein Jugendlicher. Die Schriftgestaltung des Plakats übernimmt die AG LJBT und die Stadtbücherei Landshut. Ab Ende Juni bis Anfang Juli hängt es in Bibliotheken, Schulen und öffentlichen Einrichtungen aus. Mit dem Motiv entstehen des Weiteren Handzettel mit Informationen über den Preis auf der Rückseite sowie Einladungskarten für die Teilnehmenden Schüler für die Abschlussveranstaltung. Werden diese Karten auf der Abschlussveranstaltung in den aufgestellten Lostopf eingeworfen nimmt der Schüler an einer Geschenkverlosung am Ende der Veranstaltung teil.

Abgabetermin der ausgefüllten Bewertungsbögen ist Ende Juli. Anfang August werten Mitglieder der AG LJBP diese aus und starten mit der konkreten Planung der Preisverleihung.

Die Preisverleihung findet jährlich Anfang Oktober im Landshuter Veranstaltungsraum Salzstadel statt. Regelmäßig werden dazu bekannte Autoren und Vertreter der Stadtverwaltung eingeladen. Die Moderation der Veranstaltung erfolgt durch Arbeitsgruppen-Mitglieder und wird von anderen Jugendlichen musikalisch begleitet. Im Rahmen der Preisverleihung werden die drei besten Bücher in zufälliger Reihenfolge von AG-Mitgliedern szenisch präsentiert und im Anschluss die drei Preisträger mit einer Laudatio verkündet. Außerdem erfolgt eine Verlosung unter allen Schülern, die in der Jury mitgewirkt haben.

Hauptziel des Landshuter Jugendbuchpreises ist die Förderung des Lesens. Schüler sollen damit unabhängig von der Schullektüre einen Zugang zu Büchern bekommen, Buchempfehlungen Gleichaltriger erhalten und so an bislang unbekannte Literatur herangeführt werden. Außerdem dient der Jugendbuchpreis der Förderung der Zusammenarbeit zwischen den Schulen und der Bibliothek und der öffentlichkeitswirksamen Förderung von (Jugend-)Literatur sowie einem zielgruppenorientierten Bestandsaufbau öffentlicher Bibliotheken.

2009 Im ersten Jahr gab es zwei Bücherkisten mit je zwei Exemplaren der 15 nominierten Titel (Auserlesen-Liste 2008), welche von März bis Juli den Klassen jeweils für vier Wochen zur Verfügung standen. Die Jury wurde aus acht Klassen von sechs Landshuter Schulen (von der Hauptschule bis zum Gymnasium) gebildet. Abgegeben wurden ca. 200 Bewertungsbögen, was im Schnitt einem Bewertungsbogen pro Schüler entspricht. Zu den Beitragenden während der Preisverleihung am 2. Oktober 2009 gehörten der Jugendbuchautor und Poetry-Slam-Performer Jaromir Konecny mit seinem Beitrag „Wer ist hier der Schriftsteller, verdammt?“ sowie die Schirmherrin des Literaturpreises Mirjam Pressler, die der aktivsten Klasse eine Sonderlesung schenkte. Die Preisvergabe an Autoren und Verlage erfolgte auf der Frankfurter Buchmesse.Preisverleihung von "Auserlesen - Landshuter Jugendbuchpreis". In: Landshuter Zeitung. 28. September 2009. ()

2010

Aufgrund der positiven Resonanz und zahlreicher Anfragen von Lehrern, die mit ihrer Klasse als Jury teilnehmen wollten, bekam die AG LJBP für ihr Projekt eine weitere Bücherkiste. Die Jury bestand diesmal aus zwölf Klassen von sieben Schulen, die ihre Bewertungen zwischen März und Juli abgeben konnten. Erstmals konnte auch unabhängig von der Zugehörigkeit zu einem Klassenverband an der Bewertung teilgenommen werden.Online-Ausgabe des Börsenblatts des Deutschen Buchhandels vom 9. August 2010. Abgegeben wurden ca. 400 Bewertungsbögen. Zur Preisverleihung am 1. Oktober 2010 war wieder Jaromir Konecny eingeladen, der diesmal aus seinem Buch „Doktorspiele“ vorlas. Außerdem unterhielt der deutsche Poetry-Slammer Heiner Lange das Publikum. Für die musikalische Untermalung der Veranstaltung sorgte Ricarda Burger auf dem Flügel. Die Schirmherrin schenkte der fleißigsten Klasse ein Buchpaket.

2011 mini|AG LJBP 2011 Auch im dritten Jahr gab es eine Steigerung der Teilnehmerzahl: es nahmen 17 Klassen aus acht Schulen teil. Insgesamt wurden 566 ausgefüllte Bewertungsbögen abgegeben. Die Preisverleihung fand am 7. Oktober 2011 statt.Preisverleihung des Landshuter Jugendbuchpreises 2011. Webseite des ÖBiB Öffentliche Bibliotheken in Bayern, Bayerische Staatsbibliothek, Landesfachstelle für das Öffentliche Bibliothekswesen. () Die Übergabe des 2. Preises erfolgte an Uwe-Michael Gutzschhahn, Übersetzer von Rachel Wards „Numbers“, die des 1. Preises, an den Script5-Pressesprecher Dominik Nuese. Jugendbuchautor und Poetry-Slammer Jaromir Konecny las Plattenbaugeschichten und die Flaschendreh-Szene aus seinem Roman „Krumme Gurken“ vor. Außerdem wurden unter allen Juryteilnehmern Buchpreise und Gutscheine verlost. Mirjam Pressler schenkte der fleißigsten Schulklasse eine Lesung.

2012 Der vierte Landshuter Jugendbuchpreis wurde am 5. Oktober 2012, wieder im Rahmen einer Abendveranstaltung im Salzstadel, vergeben. Analog zu den Vorjahren erfolgte die Auswahl der Preisträger aus insgesamt 424 abgegebenen Bewertungsbögen. Erstmals wurde dabei ein Titel (Rachel Ward: Numbers – Den Tod vor Augen) erneut ausgezeichnet.Preisverleihung des Landshuter Jugendbuchpreises 2012. Mitteilung des ÖBiB Öffentliche Bibliotheken in Bayern vom 19. Oktober 2012. ()

Prämierte Bücher

2009

Nominierte Titel Michael Gerard Bauer: Nennt mich nicht Ismael! Aus dem Englischen von Ute Mihr. Hanser, 2008, ISBN 978-3-423-62435-0. Alina Bronsky: Scherbenpark. Kiepenheuer & Witsch, 2008, ISBN 978-3-462-04150-7. Sophie Dahl: Die Spiele der Erwachsenen. Aus dem Englischen von Maria Mill. Bloomsbury, 2008, ISBN 978-3-8333-5053-5. Sharon Dogar: Salzwassersommer. Aus dem Englischen von Petra Koob-Pawis. Arena, 2008, ISBN 978-3-401-50141-3. Thea Dorn: Mädchenmörder. Manhattan, 2008, ISBN 978-3-442-47156-0. Uzodinma Iweala: Du sollst Bestie sein! Aus dem Englischen von Marcus Ingendaay. Ammann, 2008, ISBN 978-3-596-18449-1. Lise Knudsen: Die schwarzen Flügel. Aus dem Norwegischen von Maike Dörries. Baumhaus, 2008, ISBN 978-3-8339-3668-5. Erlend Loe: Ich bring mich um die Ecke. Aus dem Norwegischen von Hinrich Schmidt-Henkel. Kiepenheuer & Witsch, 2008, ISBN 978-3-462-04017-3. Stephenie Meyer: Seelen. Aus dem Amerikanischen von Katharina Diestelmeier. Carlsen, 2008, ISBN 978-3-551-31036-1. Joyce Carol Oates: Nach dem Unglück schwang ich mich auf, breitete meine Flügel aus und flog davon. Aus dem Amerikanischen von Birgitt Kollmann. Hanser, 2008, ISBN 978-3-423-62448-0. Jodi Picoult: 19 Minuten. Aus dem Amerikanischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann. Piper, 2008, ISBN 978-3-492-25398-7. Bethan Roberts: Stille Wasser. Aus dem Englischen von Ulrike Becker. Kunstmann, 2008, ISBN 978-3-88897-514-1. Gerd Schneider: Kafkas Puppe. Arena, 2008, ISBN 978-3-401-50148-2. Oliver Storz: Die Freibadclique. Schirmer Graf, 2008, ISBN 978-3-548-61014-6. Markus Zusak: Die Bücherdiebin. Aus dem Englischen von Alexandra Ernst. cbj, 2008, ISBN 978-3-570-30627-7.

Sieger Thea Dorn: Mädchenmörder. Manhattan, 2008, ISBN 978-3-442-47156-0. Jodi Picoult: 19 Minuten. aus dem Amerikanischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann. Piper, 2008, ISBN 978-3-492-25398-7. Stephenie Meyer: Seelen. aus dem Amerikanischen von Katharina Diestelmeier. Carlsen, 2008, ISBN 978-3-551-31036-1.

2010

Nominierte Titel Isabel Abedi: Lucian. Arena, 2009, ISBN 978-3-401-06203-7. Sherman Alexie: Das absolut wahre Tagebuch eines Teilzeitindianers (Illustrationen von Ellen Forney), aus dem Amerikanischen von Gerald Jung und Katharina Orgaß. dtv, 2009, ISBN 978-3-423-78259-3.