|} Die Bahnstrecke Ottawa–East Alburgh ist eine Eisenbahnstrecke in Ontario und Québec (Kanada) sowie Vermont (Vereinigte Staaten). Sie ist 217,6 Kilometer lang und verbindet unter anderem die Orte Ottawa, Casselman, Alexandria (alle in Ontario), Coteau-du-Lac, Salaberry-de-Valleyfield, Lacolle (in Québec) und Alburgh (Vermont). Die Strecke ist zwischen dem alten Endbahnhof in Ottawa und dem Abzweig Hawthorne in Ontario sowie zwischen Cécile und Cantic in Québec stillgelegt.

Der westliche Teil zwischen Hawthorne und De Beaujeu gehört der VIA Rail Canada, der Abschnitt von De Beaujeu bis Cécile der Canadian National Railway und der östliche Teil zwischen Cantic und East Alburgh der New England Central Railroad. Mitbenutzungsrechte bestehen zwischen Hawthorne und De Beaujeu sowie Cantic und East Alburgh für die Canadian National, sowie zwischen De Beaujeu und Coteau für die VIA Rail. Canadian National und New England Central betreiben den Güterverkehr auf ihren jeweiligen Streckenabschnitten, die VIA Rail führt mit den Zügen von Montreal nach Ottawa den Corridor-Personenverkehr durch, die die Strecke von Hawthorne bis Coteau benutzen.

Geschichte Bau

Zunächst gründete John Rudolphus Booth am 14. April 1871 die Montreal and City of Ottawa Railway und später die Coteau and Province Line Railway and Bridge Company. Die M&COR wollte eine neue schnellere Verbindung zwischen Montreal und Ottawa herstellen, die C&PL eine Strecke von Coteau über den Sankt-Lorenz-Strom in Richtung Rouses Point bauen. Am 15. Mai 1879 entstand aus der Fusion dieser beiden Gesellschaften die Canada Atlantic Railway (CAR). Ziel war es nun, Ottawa an das US-amerikanische Eisenbahnnetz anzuschließen, ohne den Umweg über Montreal in Kauf nehmen zu müssen, aber gleichzeitig eine schnelle Verbindung nach Montreal zu haben. Die Strecke wurde von Coteau an der Grand-Trunk-Hauptstrecke aus abschnittsweise eröffnet. Bereits ab dem 1. Januar 1882 fuhren die Züge von Coteau bis Casselman, obwohl dieser Abschnitt erst am 1. Februar offiziell eröffnet wurde. Im Mai war Limoges erreicht und am 15. Juli Carlsbad Springs kurz vor Ottawa. Am 13. September 1882 ging der letzte Abschnitt der Strecke bis Ottawa in Betrieb. Der Endbahnhof lag in Ottawa an der Elgin Street. Die CAR vereinbarte mit der Grand Trunk Railway die Mitbenutzung der Strecke von Coteau bis Montreal, sodass ab dem 1. November 1882 durchgehende Expresszüge angeboten werden konnten. Nachdem kurz darauf die Genehmigung für den Bau der Brücke über den Sankt-Lorenz-Strom erteilt wurde, konnte 1890 die Strecke über Coteau hinaus bis Lacolle Junction (später Cantic) verlängert werden, ab wo für einige Kilometer eine Grand-Trunk-Strecke bis Rouses Point in New York mitbenutzt werden durfte.

Bahnhöfe in Ottawa

miniatur|links|Bau der neuen Central Station in Ottawa, 1910. Ab 1. Januar 1885 fuhren die Züge in Ottawa über den bisherigen Endbahnhof hinaus bis Chaudière Falls, einem Endbahnhof nahe der Kreuzung Richmond Road (heute Albert Street)/Preston Street, neben der Broad Street Station. Bereits im Juni 1888 endete der Personenverkehr zu diesem Bahnhof wieder, da man an einer Verlängerung zur Bridge Street (heute Booth Street) baute. Ende 1888 ging diese Verlängerung in Betrieb und der Bahnhof Bridge Street mit einigen Holzverladestellen wurde eröffnet. In Fahrplänen wurde die neue Station weiterhin als Chaudière Falls bezeichnet. Am 26. April brannte der Bahnhof zusammen mit großen Teilen der Stadt und der Nachbarstadt Hull ab. Er wurde durch einen Neubau ersetzt, der bis zur Stilllegung der Strecke in den 1960er Jahren stand. Am 23. Dezember 1895 eröffnete man eine Zweigstrecke entlang dem Rideau Canal zunächst bis zu einem provisorischen Endbahnhof an der Maria Street (heute Laurier Avenue). Der Personenverkehr zur Bridge Street konnte damit eingestellt werden. Die Ottawa Central Station wurde am 28. September 1896 am Ende der neuen Zweigstrecke direkt hinter dem provisorischen Bahnhof Maria Street eröffnet. Dies war nötig, da 1893 die Bahnstrecke Ottawa–Depot Harbour der Ottawa, Arnprior and Parry Sound Railway teilweise eröffnet wurde, und die Züge anfangs in einem provisorischen Endbahnhof in Chaudière Junction endeten. Die Central Station diente nun beiden Strecken als Endbahnhof, obwohl einige Züge aus Richtung Coteau weiterhin den Bahnhof Elgin Street benutzten. Ab 1898 benutzte auch die Montreal and Ottawa Railway für ihre neugebaute Hauptstrecke den Bahnhof Maria Street mit.

Verlängerung nach Vermont

Nachdem der Verkehr auf der Strecke sich gut entwickelte, suchte man nach direkterem Anschluss in Richtung Swanton. Zwar konnte man in Rouses Point Wagen an die Central Vermont Railway übergeben, aber eine eigene Strecke, die diesen Knotenpunkt umfuhr, wurde angestrebt. 1897 wurde also in Vermont die Vermont and Province Line Railway gegründet und noch im gleichen Jahr ging am 13. Dezember die Verlängerung bis East Alburgh in Betrieb. Mit der Central Vermont vereinbarte man eine Mitbenutzung bis Swanton, und im Gegenzug durfte die Central Vermont die neue Strecke bis Cantic mitbenutzen. Die Grand Trunk hatte am 15. August 1904 die CAR übernommen und hatte ab 1. Oktober 1905 auch die Betriebsführung auf der Bahnstrecke inne. Sie wollte nun der Stadt Ottawa einen neuen repräsentativen Bahnhof bauen, der anstelle der alten Central Station entstehen sollte. Am 1. Juni 1912 wurde das neue Bahnhofsgebäude der Central Station eröffnet. Ab 1921, nachdem auch die Canadian Pacific ihre Züge dorthin fahren ließ, hieß der Bahnhof offiziell Ottawa Union Station, einen Namen den die Broad Street Station bis dahin inoffiziell trug. Bis 31. Juli 1966 hielten hier die meisten Züge von und nach Ottawa. An diesem Tag wurden die Stadtstrecken durch Ottawa stillgelegt und der neue Hauptbahnhof östlich des Zentrums an der Strecke der ehemaligen Montreal&Ottawa (heute Canadian Pacific Railway) eröffnet. Zu diesem Bahnhof entstanden gleichzeitig mehrere Verbindungsstrecken.

Weitere Entwicklung

Bereits im Sommer 1917 war der Personenverkehr zwischen Cantic (damals Lacolle Junction) und East Alburgh eingestellt worden, der 1946 wiederaufgenommen wurde, als die Central Vermont ihre Expresszüge nach Montreal über die Strecke umleitete. 1931 endete zwischen Aubrey und Cantic der Personenverkehr. Um 1940 wurde er zwischen Valleyfield und Aubrey ebenfalls eingestellt. Mitte der 1950er Jahre fuhren auch zwischen Coteau und Valleyfield die letzten Personenzüge. Der Personenverkehr zwischen Cantic und East Alburgh wurde schließlich im September 1966 erneut eingestellt, um 1972 durch die Amtrak mit ihrem Expresszug Montrealer wieder aufgenommen und erst im April 1995 endgültig eingestellt zu werden. Seit 1978 betreibt die VIA Rail Canada auf dem Abschnitt von Ottawa bis Coteau den Personenverkehr. Die Strecke zwischen Cécile Junction und Cantic wurde in den 1990er Jahren stillgelegt. Ebenfalls in den 1990er Jahren erwarb die VIA Rail die Strecke zwischen dem Abzweig Hawthorne und De Beaujeu (heute als Alexandria Subdivision bezeichnet) von der Canadian National Railway.

1995 übernahm die New England Central Railroad (NECR) die Central Vermont Railway von der Canadian National und kaufte auch den Streckenabschnitt von Cantic bis East Alburgh. Der Tausch von Güterwagen zwischen Canadian National und der NECR erfolgt in St. Albans südlich von East Alburgh, so dass die Güterzüge auf dem NECR-eigenen Streckenteil Cantic–East Alburgh üblicherweise von Canadian National befördert werden.

Streckenbeschreibung In der Innenstadt Ottawas

miniatur|links|Ehemalige Ottawa Union Station, heute Konferenzzentrum. Die Strecke begann von 1896 bis 1966 in der Union Station von Ottawa. Das Gebäude steht noch und wird seit der Stilllegung der Strecke als Konferenzzentrum der kanadischen Regierung benutzt. Die Bahn verlief von hier entlang dem Rideau Canal in südöstliche Richtung. Dort wo heute die Nicholas Street in den Ontario Highway 417 mündet, befand sich bis 1966 eine komplizierte Gleiskreuzung. Hier verteilten sich die aus der Union Station kommenden Bahnstrecken. Nördlich der Bahnstrecke lag an der Mann Avenue auch der Endbahnhof der New York Central Railroad, den sie ab 1941 wieder im Personenverkehr nutzte, um die Kosten für die Mitbenutzung der Strecke zur Union Station einzusparen. Nordöstlich zweigte hier die Strecke der Canadian Northern Railway in Richtung Montreal ab. Nach Südwesten schloss die CAR-Strecke zur Bridge Street Station an. Die Hauptstrecke in Richtung Vermont sowie die Hauptstrecken der Montreal and Ottawa Railway und der New York Central führten von hier weiter südostwärts.

Die Strecke zur Bridge Street Station überquert kurz hinter der Gleiskreuzung den Rideau Canal. Auf ihrer Trasse verläuft hier heute der Ontario Highway 417. Unmittelbar hinter der Brücke, an der Catherine Street, lag der Endbahnhof Elgin Street, der den Zügen aus Richtung Coteau bis Ende 1884 als Endstation diente. Auch danach war der Bahnhof noch bis 1895 Haltepunkt von Personenzügen. An den Bahnhof schloss sich der Güterbahnhof Bank Street an, wo auch ein provisorischer Bahnsteig gebaut wurde und noch in den 1940er Jahren einzelne Züge endeten. Auch die New York Central benutzte diesen Bahnhof bis 1941 mit. Die Strecke verläuft weiter bis Chaudière Junction, an der Preston Street. Hier zweigte die Strecke nach Depot Harbour ab, einem der einst wichtigsten Getreidehäfen des Landes. Die Strecke bog in Richtung Nordwesten ab und führte nun parallel zur Bahnstrecke Chaudière Junction–Hull der ehemaligen Bytown and Prescott Railway, die heute noch existiert und Teil der Trillium Line ist. Die ehemalige Bahntrasse biegt nach der Unterquerung der Somerset Street in Richtung Nordosten ab. Hier lag von 1885 bis 1888 die provisorische Endstation der Strecke, direkt neben dem Bahnhof Broad Street der Canadian Pacific Railway, der bis 1921 als zweiter Hauptbahnhof durch diese Bahngesellschaft genutzt wurde. Die Strecke setzte sich ab 1888 noch einige hundert Meter fort und endete im Holzverladebahnhof an der Bridge Street, die heute Booth Street heißt und nach dem Gründer der Canada Atlantic Railway, John Rudolphus Booth, benannt wurde. Von 1888 bis 1895 endeten hier auch die Personenzüge.

Von Ottawa bis Coteau

Die von den beiden Endbahnhöfen vereinigte Strecke überquert kurz hinter dem Gleiskreuz den Rideau River. Östlich der Brücke schließt sich eine weitere umfangreiche ehemalige Gleiskreuzung an. Hier kreuzt die Hauptstrecke der früheren Canadian Northern Railway nach Capreol, die Teil der transkontinentalen Strecke dieser Bahngesellschaft war und heute der VIA Rail Canada gehört. Zu dieser Strecke gab es eine Verbindungskurve. Direkt daneben lag die Strecke der Bytown&Preston, die älteste Bahnstrecke Ottawas, die hier ebenfalls niveaugleich kreuzte. Die in diesem Bereich heute teilweise überbaute Strecke in Richtung Coteau verläuft nun weiter durch ein Industriegebiet. Einige Anschlüsse werden hier weiterhin von der Canadian National bedient. Kurz danach ist der nächste Gleisknoten erreicht, der Abzweig Hawthorne, an dem das heute noch befahrene Streckengleis aus der 1966 eröffneten Verbindungsbahn zur neuen Ottawa Station abzweigt. Hier kreuzte einst auch die Bahnstrecke Ottawa–Tupper Lake der New York Central Railroad.