mini|Die überwiegend französischsprachige Enklave von Brüssel. mini|Sprachinseln in Rumänien. mini|Sorbisches Sprachgebiet in Deutschland.
Unter Sprachinsel wird eine bzgl. des Hauptverbreitungsgebiets der Sprache verhältnismäßig kleine geschlossene Sprach- und Siedlungsgemeinschaft verstanden, die sich innerhalb eines größeren fremden Sprachgebiets befindet.
Entstehung von Sprachinseln Zuwanderung kleiner Sprachgruppen in fremde Sprachgebiete (Beispiel: Katalanen auf Sardinien) Zuwanderung einer dominanten Sprachgruppe und der darauf folgenden fast vollständigen Assimilation – bis auf wenige Sprachgemeinschaften – der ursprünglichen Bevölkerung (Beispiel: die Sorben in Ostdeutschland) Aussterben der Sprache in der Zwischenregion zum Verbreitungsgebiet (Beispiel: Viöler Dänisch)
Entscheidend für die Bezeichnung Sprachinsel ist, dass die Sprache im Ursprungsland noch gesprochen wird. Viele Sprachinseln sind heute bedroht oder bereits untergegangen. Die Überlebensfähigkeit einer Sprachinsel ist entscheidend von ihrer Isolierung abhängig. Die äußere Bedrohung durch die Umgebung in politischer, kultureller, religiöser und/oder sprachlicher Hinsicht ist ein ebenso entscheidender Motor für den Erhalt der Sprachinsel, wie seine evtl. geographische Isolierung, z. B. in einem abgelegenen Gebirgstal oder auf einer Insel. Der Wegfall solcher Bedrohungen, wie wir sie nach Auflösung der Sowjetunion erlebten, führte in kurzer Zeit zu fast vollständiger Auflösung auch der Sprachinseln. Insbesondere religiöse Tendenzen können ein entscheidender Motor für die Isolierung der Sprachinsel von ihrer Umwelt und dem Erhalt ihrer Sprache und kulturellen Identität sein. Industrialisierung und Urbanisierung bzw. Suburbanisierung führen oft zu Wanderungsbewegungen (Abwanderung der Sprecher der Sprache nach außerhalb der Sprachinsel, aber auch Zuwanderung von Sprechern anderer Sprachen in das Gebiet der Sprachinsel), welche den Bestand der Sprachinsel gefährden können. Auch eine allgemeine Schulpflicht verbunden mit Unterricht in einer anderen Sprache als jener der Sprachinsel, oder sogar aktive Unterdrückung der Minderheitssprache, können zum Verschwinden von Sprachinseln führen.
Deutsche Sprachinseln mini|Deutsche Sprachinseln in Mitteleuropa 1901.
Bedingt durch verschiedene Siedlungsbewegungen, die im Mittelalter begannen (siehe Deutsche Ostsiedlung) und erst Mitte des 19. Jahrhunderts ihr Ende fanden, gab es bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges, in wenigen Fällen auch bis heute, deutsche Sprachinseln, die über große Teile Ost- und Ostmitteleuropas verstreut waren bzw. sind. Bei den kleinsten dieser Sprachinseln handelt es sich lediglich um einzelne kleine Dörfer, bei den größten um fast geschlossen deutsche Sprachlandschaften (z. B. Siebenbürgen) inmitten fremdsprachiger Gebiete. Diese Sprachinseln fanden sich in weiten Teilen Polens, des Baltikums, Weißrusslands, der Ukraine, Tschechiens, der Slowakei, Ungarns, Rumäniens, Sloweniens und Kroatiens. Einige Sprachinseln befanden sich auch auf dem Gebiet des heutigen Serbiens.
Darüber hinaus gab es deutsche Sprachinseln im Gebiet des Kaukasus, in der Nähe von Sankt Petersburg sowie an einigen Stellen im Ural und in Sibirien.
Auch bei der Besiedlung der Neuen Welt taten sich häufig deutsche Auswanderergemeinschaften zusammen, die jeweils einem bestimmten Herkunftsgebiet entstammten und die im Zielgebiet relativ geschlossen siedelten. Insbesondere im Mittleren Westen der Vereinigten Staaten, im Westen Kanadas, im Süden Brasiliens und in Südchile finden sich noch heute verschieden gut erhaltene deutsche Sprachinseln.
Infolge des Ersten Weltkriegs und schließlich noch einmal im Laufe des Zweiten Weltkriegs entstand in den deutschen Siedlungsgebieten Nordamerikas die Notwendigkeit, die Loyalität zur neugefundenen Heimat u. a. auch dadurch zu bekunden, dass man sich nicht mehr der deutschen Hochsprache oder der verschiedenen deutschen Dialekte bediente. Dies führte dazu, dass die überwiegende Mehrzahl an deutschen Sprachinseln in Nordamerika heute nur noch relikthaft vorhanden sind, indem spätestens seit den vierziger Jahren das Deutsche aus der Öffentlichkeit und aus den meisten Familien verdrängt wurde.
Sprachinseln im deutschen Sprachraum Deutschland Sorbische Sprache im Süden Brandenburgs und im Osten Sachsens Polabische Sprache im Wendland. Erloschen gegen Ende des 18. Jahrhunderts; siehe unten ausführlich unter →Slawische Sprachinseln, Polabisch. Moselromanisch im Moselgebiet. Erloschen im 12. Jahrhundert. Pfälzische Sprachinsel am Niederrhein: Pfalzdorf, Louisendorf und Neulouisendorf. Pfälzische Siedlungen mit inzwischen erloschenen Sprachinseln bestanden im 17. Jahrhundert auch in Magdeburg („Pfälzer Kolonie“), Stendal und HalleBei den „Pfälzern“, die der Große Kurfürst in Preußen ansiedelte, handelte es sich teilweise um zuvor aus Frankreich oder den Spanischen Niederlanden in die Pfalz geflohene reformierte Glaubensflüchtlinge („Jungpfälzer“), teilweise um mittel- oder rheinfränkisch sprechende Flüchtlinge des Pfälzischen Erbfolgekrieges. oder nach 1747 in Müggelheim und Rahnsdorf. Saterfriesische Sprache: Saterland Erzgebirgische Sprachinsel im Oberharz (Oberharzisch) Wangerooger Friesisch als Relikt des Alt-Ostfriesischen bis 1930 auf der Insel Wangerooge Hötter Platt: eine ehemalige Nord-Ostniederdeutsche Sprachinsel in Gerresheim (im heutigen Düsseldorf) Fjoldemål, eine Varietät des dänischen Dialekts Sønderjysk bis 1936 in Viöl (dän. Fjolde) Rotwelsch: unter der Sammelbezeichnung „Rotwelsch“ zusammengefasste Soziolekte sind heute fast völlig ausgestorben, gab es aber bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts in verschiedenen Orten, z. B. Jenische Sprache, unter anderem in Leinzell, Pfedelbach und Pleißne im Killertal (Burladingen)Zu Pleißne Burladingen siehe Werner Metzger: Festrede 125 Jahre Schwäbischer Albverein. In: Blätter des Schwäbischen Albvereins 2013, Stuttgart, 4. Mai 2013. Manische Sprache in Gießen, Marburg, Wetzlar (alle in Hessen), Eislingen (Baden-Württemberg) und Bad Berleburg (Nordrhein-Westfalen) Lotegorisch in Carlsberg (Pfalz) Masematte in Münster und im Münsterland Humpisch oder Bargunsch in Westfalen Buttjersprache in Minden (Nordrhein-Westfalen) Kochum in Hundeshagen Henese Fleck in Breyell Lebber Talp in Bell bei Mendig
Luxemburg Rotwelsch: Lakerschmus in Weimerskirch (Luxemburg)
Schweiz Rotwelsch: Mattenenglisch in Bern
Österreich (vgl. auch Minderheitensprachen in Österreich): Burgenlandkroatisch im österreichischen Burgenland, besonders in den Bezirken Eisenstadt-Umgebung und Oberpullendorf. In der Gemeinde Schachendorf beispielsweise beträgt die Anzahl der Burgenland-Kroaten an der Gesamtbevölkerung 73 %. Burgenlandungarn: Die Mehrheit der Burgenlandungarn lebt heute in vier großen Sprachinseln im Burgenland: Oberpullendorf/Felsőpulya, Oberwart/Felsőőr, Siget in der Wart/Őrisziget und Unterwart/Alsóőr. Eine größere Anzahl an Burgenlandungarn lebt auch in der Landeshauptstadt Eisenstadt/Kismarton bzw. weist die Volkszählung 2001 für Frauenkirchen/Boldogasszony, Lutzmannsburg/Locsmánd und Schachendorf/Csajta einen ungarischsprachigen Bevölkerungsanteil von 5 % bis 10 % an der Gesamtbevölkerung aus. Tschechen in Wien
Außerhalb des geschlossenen deutschen Sprachraums mini|Sprachen in Österreich-Ungarn aus: Distribution of Races in Austria-Hungary Historical Atlas, William R. Shepherd, 1911
Der geschlossene deutsche Sprachraum erstreckt sich heute über Deutschland, Österreich, die Deutschschweiz, Liechtenstein, Südtirol, Luxemburg und die deutschen Sprachgebiete in Belgien, Dänemark und Frankreich.
Aserbaidschan Helenendorf, 1938 in Xanlar umbenannt Annenfeld, 1938 in Şəmkir umbenannt Die Bewohner der seit 1818 bestehenden deutschen Kolonien schwäbischer radikaler Pietisten in Aserbaidschan wurden 1941 deportiert.
Dänemark In Jütland siedelten sich 1759/61 Pfälzer Familien an, die bis 1870 deutsche Kirche und Schule beibehielten: Alheden bei Viborg und Randbøl Hede bei Billund Dort siedelten die so genannten „Kartoffeldeutschen“ (Kartoffeltyskere).
In Südostjütland siedelte sich im Jahre 1772 eine Herrnhuter Brüdergemeine an: Christiansfeld (Sprachinsel erloschen)
Georgien Katharinenfeld, 1921 in Luxemburg umbenannt Elisabethtal bei Tiflis, 1921 in Asureti umbenannt Die Bewohner der seit 1818 bestehenden deutschen Kolonien schwäbischer radikaler Pietisten in Georgien wurden 1941 deportiert.
Irland Rathkeale, Ansiedlung von Pfälzern nach der Massenauswanderung der Pfälzer (1709), Sprachinsel um 1850 erloschen, „Museum and Heritage Centre“ der „Irish Palatine Association“
Italien mini|Deutsche Sprachinseln in Norditalien:
Die ethnischen Minderheiten in Italien werden durch das Gesetz Nr. 482 „Zum Schutz der historischen Sprachminderheiten“ vom 15. Dezember 1999 geschützt.
Walserische Sprachinseln in der autonomen Region Aostatal Gressoney: Gressoney-La Trinité, walserdeutsch Greschune-Oberteil, Gressoney-Saint-Jean, walserisch Greschunei Onderteil òn Méttelteil. (Eigentlich Sprach-Halbinseln, da an den deutschsprachigen Teil des Wallis grenzend. Deutsch ist in der älteren und mittleren Generation noch weit verbreitet, in der jüngeren nicht mehr.) Niel (Sprachinsel erloschen). Issime, walserisch Éischeme. (Deutsch ist in der älteren und mittleren Generation noch weit verbreitet, in der jüngeren nicht mehr.)
in der Provinz Vercelli Alagna Valsesia, walserdeutsch Im Land oder Lanja (eigentlich Sprach-Halbinsel, s. unter Gressoney; Deutsch in der älteren Generation noch teilweise verbreitet). Rima, walserdeutsch In d Arimmu (Sprachinsel erloschen). Rimella, walserdeutsch Remmalju (Deutsch noch verbreitet benutzt, jedoch generell starker Bevölkerungsschwund). Riva Valdobbia, walserdeutsch Rifu (Sprachinsel längst erloschen).
in der Provinz Verbano-Cusio-Ossola (eigentlich außer Campello Monti und Ornavasso Sprach-Halbinseln, s. unter Gressoney) Agàro, walserdeutsch Ager (Sprachinsel erloschen, Ort nur noch Sommersiedlung). Ausone, walserdeutsch Opsu (Sprachinsel erloschen, Ort nur noch Sommersiedlung). Campello Monti, walserdeutsch Ggampel (Sprachinsel erloschen). Formazza, walserisch Pomatt (Deutsch ist in der älteren und mittleren Generation noch weit verbreitet, in der jüngeren nicht mehr). Macugnaga, walserischdeutsch Maggana (Deutsch bei wenigen alten Leuten noch im Gebrauch). Salecchio, walserdeutsch Saley (Sprachinsel erloschen, Ort nur noch Sommersiedlung). Ornavasso, walserdeutsch Urnafasch (Sprachinsel längst erloschen).
Zimbrische Sprachinseln (Italien)
Hochebene östlich von Rovereto (Provinz Trient, Region Trentino-Südtirol): 1 Luserna, dt. Lusern: am besten erhaltene und aktivste Sprachinsel; 90 % der Einwohner sprechen im Alltag zimbrisch. 2 Folgaria, zimbrisch Folgrait, dt. Vielgereuth: Sprachinsel heute nicht mehr aktiv, zuletzt in den Weilern Carbonare (Kohligen) und San Sebastiano (Sankt Sebastian) 3 Lavarone, zimbrisch Lavròu, dt. Lafraun (Sprachinsel seit dem 20. Jh. nicht mehr aktiv) Daran angrenzende Täler, in denen bis ins 19. Jh. deutsch/zimbrisch gesprochen wurde: Vallarsa, dt. Brandtal Val Terragnolo, dt. Leim- oder Laimtal Valle dei Ronchi, dt. Reuttal
Sieben Gemeinden, zimbrisch Siben Komoin, ital. Sette Comuni (Provinz Vicenza, Region Venetien): 1 Asiago, zimbrisch Sleghe, dt. Schlege 2 Gallio, zimbrisch Gelle/Ghel, dt. Gelle 3 Roana, zimbrisch Robàan, dt. Rovan 4 Fozza, zimbrisch Vüsche/Vütsche 5 Enego, zimbrisch Ghenebe, dt. Jeneve 6 Rotzo, zimbrisch Rotz 7 Lusiana, zimbrisch Lusaan, dt. Lusian Das Zimbrische in den Sieben Gemeinden führt nur noch ein Nischendasein in Roana und dessen Ortsteil Mezzaselva (Mittewald).
Dreizehn Gemeinden, italienisch Tredici Comuni (Provinz Verona, Region Venetien): 1 Azzarino, dt. Asarin 2 Badia Calavena, dt. Kalwein, zimbrisch Kalfàain oder Màbado 3 Bosco Chiesanuova, dt. Neuenkirchen, zimbrisch Nuagankirchen