Die Giebelhäuser in Düsseldorf haben eine lange Tradition. In der Gotik waren Treppen- und Fachwerkgiebel vorherrschend. Im Stil der Renaissance waren geschweifte Fialengiebel, Treppengiebel und Dreiecksgiebel in Düsseldorf zu sehen. Im Stil des Barock wurde das Giebelhaus in Düsseldorf durch verschiedene Architektur beeinflusst: So durch die südniederländisch-süddeutsche Architektur, durch die großen Düsseldorfer Sakralbauten wie St.-Andreas-Kirche und Jesuitenkolleg im italienischen Barockstil, durch das Schloss Ehreshoven und den holländischen Klassizismus. Insgesamt wurde das barocke Giebelhaus durch italienisch-süddeutsche, italienische, italienisch-französische und niederländische Architektur beeinflusst.

mini|Giebelformen am Friedrichsplatz in Düsseldorf vor dem Abbruch. mini|Giebelformen (Paul Sültenfuß) mini|Giebelformen (Paul Sültenfuß)

Gotik Gotische Treppengiebel zeigt das Haus Suitbertus-Stiftsplatz 14 und das Lewen- oder Lieferhaus. Ein gotisches Fachwerkhaus befand sich in der Bolkerstraße 7.

Renaissance Geschweifte Fialengiebel Am Anfang der Düsseldorfer Renaissance stand noch die „konservative Richtung“ mit ihren „geschweiften Fialengiebeln“S. 213.S. 27f. [Die ältesten Backsteinbauten und die Entwicklung der Giebelformen] bzw. [Das Rathaus und sein Einfluss auf die Wonhausbaukunst] Ein Beispiel dafür war das doppelgieblige alte Rathaus, bei dem die Bogenlinie der Giebelschweifung entsprach. Die „welschen“ Giebel (auch „geschweifte Zwerchgiebel“Renaissance … 13 … [Rathaus]) im Stil der Renaissance des Düsseldorfer Rathauses sind bemerkenswert. Auch das Haus zum „Prinz von Oranien“ am Burgplatz 12 zeigte einen geschweiften Fialengiebel. Ebenso das frühere Eckhaus Kurzestraße und Burgplatz. Beide Giebel sind stilistisch mit dem geschweiften Fialengiebel des Alten Rathauses verwandt. Ebenso das Haus Zum Goldenen Hirsch am Marktplatz von 1558. Das Haus Kurze Straße 6 zeigt einen Treppengiebel, von Stufe zu Stufe mit einem Viertelkreis ausgefüllt, S. 32–33.

Treppengiebel Neben den „damals modernen welschen Giebel“ der Renaissance der Bürgerhäuser gab es noch gotische Treppengiebel. Die gotische Tradition der Staffelgiebel bleibt selbst in der Zeit der Hochrenaissance (ab der Mitte des 16. Jahrhunderts) in Nord- und Mitteldeutschland bestehen (Nachgotik).Wilfried Koch: Baustilkunde – Europäische Baukunst von der Antike bis zur Gegenwart. Orbis-Verlag, München 1988, ISBN 3-572-05927-5, S. 365 [Renaissance[…]DEUTSCHLAND[…]Hochrenaissance, ab Mitte des 16. Jh.] Das Haus zum Kurfürsten ist dafür ein Beispiel.S. 3, Objektnr. 1Renaissance … 1 … [Historische Häuser in der Altstadt]

Die Nachgotik beschreibt auch Paul Sültenfuß:

Paul Clemen nennt in Die Kunstdenkmäler des Stadt- und Landkreises Düsseldorf verschiedene Beispiele Häuser mit abgetreppten Staffelgiebeln:

Dreiecksgiebel Dreiecksgiebel zeigen die Jan-Wellem-Kapelle,Renaissance … 126 … [Jan-Wellem-Kapelle/Kreuzkapelle] und die Loretokapelle im Stil der toskanischen Renaissance.S. 101.

Barock

Paul Clemen beschreibt in „Die Kunstdenkmäler des Stadt- und Landkreises Düsseldorf“ verschiedene Beispiele für Giebelhäuser im Stil des Barock:

Paul Sültenfuß nennt in Das Düsseldorfer Wohnhaus bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts verschiedene Giebelhäuser in Düsseldorf im Stil des Barock:

Südniederländisch-süddeutsche Architektur

Vertikalgliederung des Giebels Paul Sültenfuß erklärt in Das Düsseldorfer Wohnhaus bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, wie die Giebelhäuser im Stil des Barock durch die Architektur der südlichen Niederlanden beeinflusst wurde. Im Jahre 1648 hatte das Amsterdamer Rathaus den Anfang für den Barock in den Niederlanden mit Fassaden mit Voluten- oder Dreiecksgiebeln gesetzt.Wilfried Koch: Baustilkunde – Europäische Baukunst von der Antike bis zur Gegenwart, Orbis-Verlag, München 1988, ISBN 3-572-05927-5, S. 363 [Barock[…]NIEDERLANDE[…]Fassade mit Voluten- oder Dreiecksgiebel, auch Knickgiebel] Weiter wurden Giebelhäuser im Stil des Barock durch die süddeutsche Architektur geprägt. Resultat dieser niederländisch-süddeutschen Einflüsse war der Düsseldorfer Volutengiebel des Barock mit Vertikal- oder Horizontalgliederung. Beispiele für die vertikale Gliederung des barocken Volutengiebel Düsseldorfs waren das Haus „Zur Stadt Rom“ und das Haus Ratingerstraße 8. Bei dem Haus „Zur Stadt Rom“ wurde der obere Teil des Giebels von Pilastern mit Rautenmustern gegliedert. Auch das Haus Ratingerstraße 8 zeigt eine vertikale Gliederung des Giebels mit Pilastern; es waren dies Wandpfeiler mit kannelierten Pilastern mit ionischen Kapitellen.S. 53f.

Horizontalgliederung des Giebels

Resultat der südniederländisch-süddeutschen Beeinflussung war auch die bewusste Betonung der Horizontalgliederung des Barockgiebels: „Bei den übrigen Giebelformen fällt die Vertikalgliederung durch Pilasterstellung fort. Um so entschiedener wird die Horizontalgliederung betont als Auflager für die Voluten oder Doppelvolutenpaare“. So bei den Häusern Flingerstraße 38, Zollstraße 6, 8 und 10 („Parallelen zum südniederländischen Barock“S. 3, Objektnr. 1) Marktplatz 7, der alten Rathausapotheke. Die oberen Giebelflächen zeigten zusätzlich runde große Entlüftungslöcher.S. 53f. Südniederländisch und holländisch auch die Gliederung der Fassade des Hauses Rheinort 12: „Das Nachbarhaus [Rheinort]Nr. 12 erinnert an holländische und südniederländische Aufteilung der Fassade durch eng aneinandergereihte Fensteröffnungen. Bedingt war das natürlich durch das schmale Grundstück.“S. 55.

Ungegliederter Giebel

Paul Sültenfuß beschreibt die „alte heimische Überlieferung der glatten, d. h. durch Horizontalgliederung weiter nicht geteilten Giebel […] Man nehme die beiden Häuser Rheinort Nr. 10 und 14 (Abb. 53). Bei Rheinort 10 weist auch die Fassade keinerlei hohe Horizontalgliederung auf […]“S. 53–54. Die heimische Tradition des ungegliederten, glatten Giebels bliebe trotz der südniederländischen und süddeutschen Beziehungen bestehen.

Italienische Architektur Konkav geschwungene Giebellinie Ein Beispiel für den Einfluss auf den Düsseldorfer Wohnhausbau von St. Andreas, dem Jesuitenkolleg, ist das fünfachsige Wohnhaus Rheinstraße 2. Bemerkenswert die konkav geschwungene Giebellinie, die auch bei dem Haus Ratingerstraße 32 wieder erscheint. Daneben das Steinportal mit Pilastereinfassung, reich profilierter Deckplatte und Konsole, die stilistisch mit der Fassaden- und Hofportalen des Jesuitenkollegs verwandt sind. Weiter die symmetrische Stellung der Fenster um die mittlere Achse, ebenso die Fenster der Mittelachse, die mit der Oberleiste ihrer Fenstergewände an den Fassadengesimsen geschweben. Stilistisch verwandt mit der Anordnung der runden Oberfenster der Kirche St. Andreas, wie sich dort die obere Leiste der Fenstergewände zu dem Fassadengesims verhält.I. Band, Abb. 211, 212 Vorbild für die neuen exakten Fenstergewände, sowie die reichere Profilierung von Gesimsen und Gebälken sind die St.-Andreas-Kirche und das Jesuitenkolleg. Die Häuser Rheinstraße 2 (konkav geschwungene Giebellinie)Abb. 56 und Ratingerstraße 32Abb. 62 (konkav geschwungene Giebellinie), die Rathausapotheke Marktplatz 7 (Doppelvolutenpaare) und das Haus Marktplatz 10 (reich gegliedertes Portal) wurden durch die prächtigen Monumentalbauten der Kirche beeinflusst. Sie gelten als die schönsten Barockbürgerhäuser Düsseldorfs.S. 55–56.

Holländische Architektur Die Giebelhäuser der Barockzeit wurden ebenfalls durch das holländisch, klassizistisch geprägte Schloss Ehreshoven geprägt: Beispiele sind das Haus Neustraße 26 und das Haus Marktstraße 8. Beide Gebäude zeigen eine ähnliche Volutenzeichnung, Kuppelpyramiden und eine seltsame Rahmenform der Rundfenster (oben mit einer runden Deckplatte und unten die Schleifenenden auseinander laufend).Abb. 67 Richard Klapheck sieht in Neue Baukunst in den Rheinlanden bei diesen Bauten eine stilistische Verwandtschaft zu Schloss Ehreshoven.II. Band, S. 51.S. 57.

Durch die Architektur Amsterdams beeinflusst war das kriegszerstörte barocke Haus Flingerstraße 3. Es zeigte holländisch-klassizistischen Einfluss. Der Giebelaufbau war hoch und rechtwinklig mit flachem Bogenabschluss. Die Voluten waren ohne starkes Profil und Relief.S. 58.

Auch das Douvenhaus war ein Beispiel für ein Wohnhaus im Stil des Barock, der durch den holländischen Klassizismus maßgeblich beeinflusst wurde:S. 68. „Bemerkenswert ist der ausgesprochene Klassizismus dieser Düsseldorfer Baukunst vom Anfang des 18. Jahrhunderts, der jedenfalls von den italienischen Baumeistern des Hofes abhängt und wie in Holland und im Klevischen den Einfluss Palladios bekundet“.Hans Vogts: Das Bürgerhaus in der Rheinprovinz, Düsseldorf 1929, S. 324 [Abbildung Nr. 362. Düsseldorf Stiftsplatz 6, Portal vom Wohnhaus des Hofmalers van Dauven, 1713.]. (aus der Reihe: Verband deutscher Architekten und Ingenieur-Vereine (Hrsg.): Das Bürgerhaus im Deutschen Reich und in seinen Grenzgebieten, Druck und Verlag L. Schwann in Düsseldorf). „Es redet dieselbe Sprache wie die gegenüberliegende [Josephs]Kapelle und das daran anstossende Kloster der Karmelitessen, d. h. die des holländischen Klassizismus“.S. 68. Es war ein Backsteinbau, auf dessen dunkelroter Fläche sich die hellen Tür- und Fensterrahmen leuchtend abhoben. Es war einst eines der vornehmsten Häuser, das die Zeit Johann Wilhelms im Jahre 1713 der Stadt geschenkt hat. Der Hofmaler hatte viele Porträts gemalt. So für drei Kaiser, drei Kaiserinnen, fünf Könige, sieben Königinnen und viele Fürsten.

Ital.-süddt., ital., ital.-franz. und niederl. Architektur mini|200px| Haus Goldener Helm, Flinger Straße 1 heute

Die großen Umrisslinien der Voraussetzungen zur Gestaltung des barocken Düsseldorfer Bürgerhauses bestanden folglich aus italienisch-süddeutschen, italienischen, italienisch-französisch und niederländischen Einflüssen. Beispiel dafür ist das Haus „Zum goldenen Helm“: „[es] ist ein überaus bezeichnendes Beispiel der verschiedenen Einflüsse, die dem Düsseldorfer Wohnhaus der Barockzeit das eigenartige und abwechslungsreiche Gepräge gegeben haben […]“.S. 57. Einfluss der St.-Andreas-Kirche zeigt die Fassade: Die Volutenlinien des Bürgerhauses weisen auf die Fassade von St. Andreas hin (süddeutsch-italienischer Einfluss).I. Band, Abb. 211S. 57. Die unterschiedlichen barocken Fensterformen des Hauses zum goldenen Helm sind verwandt mit Schloss Bensberg und dem Düsseldorfer Schlossprojekt (italienisch-französischer Einfluss).II. Band, Abb. 27–33 Holländisch-klassizistisch ist die einheitliche zusammenfassende Rahmenkomposition von Portal und Mittelfenster durch überleitende Voluten am Fuße der Seitenleisten dieses Fenster. Dies ist stilistisch verwandt mit der Komposition an der Fassade der Kapelle der Karmelitessen (Josephskapelle): „Es ist charakteristisches holländisch-klassizistisches Motiv, durch eine solche zusammenfassende Einrahmung den ganzen dekorativen Schmuck einer Fassade auf die Mittelachse zu konzentrieren“.S. 58. Auch das Motiv der schwebenden Früchtekränze im Giebel sind auf „holländisch-klassizistischen Einfluss zurückzuführen, der sich ja auch sonst allenthalben in den Ländern am Niederrhein und im benachbarten Westfalen breitmachte“.S. 58.I. Band, Abb. 330–339 und Alt-Westfalen Abb. 206–234.