mini|hochkant=1.5|Grundmühle 2011 mini|Grundmühle im Februar 2021

Die Grundmühle ist eine ehemalige Wassermühle im Radeberger Ortsteil Liegau-Augustusbad innerhalb der Gemarkung Liegau-Augustusbad auf dem Flurstück 691. Einer ihrer früheren Namen war Lochmühle (noch um 1830).Top. Landesaufnahme, Meilenblatt. Sign.: 258/XV. dd_hstad-mf_0001674. Sächsisches Hauptstaatsarchiv Dresden Sie liegt am rechten Ufer der Großen Röder am Rand des ältesten sächsischen Landschaftsgartens, des Landschaftsschutzgebietes Seifersdorfer Tal (Sächsische LSG-Nr. d15), und im FFH-Schutzgebiet Nr. 4848-301 Rödertal oberhalb Medingen, nördlich von Dresden und der Dresdner Heide in Sachsen.

Geschichte Das Gelände der Grundmühle gehörte administrativ am Ende des 18. und bis zum Ende des 19. Jahrhunderts zum Rittergut Liegau.Heimatverein Liegau-Augustusbad: Die Grundmühle. Informationsblatt, herausgegeben zur 650-Jahr-Feier von Liegau-Augustusbad 1999

Am Ende des 18. Jahrhunderts finden sich die ersten Nachweise über die Existenz einer Mühle auf dem Gelände der Grundmühle: 1793 verkaufte sie der Müller Johann Christoph Günther an Johann Gottlieb Arnoldt für 1100 Taler und jährlich 80 Taler Erbpachtzins. Zur Grundmühle gehörten damals „zwei Mahlgänge, auch eine Bretschneide- und Ölmühle“, eine Scheune und ein Kuhstall. Johann Gottlieb Arnoldt ließ 1802 das Bäckerhaus bauen, 1803 die nicht mehr sichtbare Mühlgrabenbrücke und 1806 die Röderbrücke.Hanns Franke: Geschichte der Grundmühle. Manuskript 1964, im Archiv des Heimatmuseums Radeberg

Karl Gottlieb Arnoldt, der Sohn von Johann Gottlieb Arnoldt, übernahm 1822 die Grundmühle. Er ließ 1826 das Hauptgebäude, 1837 das langgestreckte Stallgebäude (Anbau an das Hauptgebäude) und 1838 die heute nicht mehr existente Sägemühle errichten. Die Aufzeichnungen des von Arnold beauftragten Mühlenbauers Günther aus Lotzdorf berichten von erneuernden Bauaktivitäten an der Mühlentechnik der Grundmühle: „1848 – Eine Kammuelle (Kammmühle) gebaut, Knochenstampfe angelegt und gebaut mit Vorgelege. 1851: Ein Waßerrad gebaut. 1856: Eine Leter Walcke (Lederwalke) gebaut bei Meister Arnoldt.“ In welchem der vorhandenen Gebäude welche technische Einrichtung eingebaut wurde, ist dabei nicht festgehalten.

Karl Gottlieb Arnoldts Sohn Gustav Adolf Arnoldt übernahm 1864 die Grundmühle. Es findet sich der Hinweis, dass in dieser Zeit die Badegäste des „Curbades Liegau“, das 1857 vom Liegauer Rittergutsbesitzer Johann Georg Herrmann gegründet worden war, des nahen Augustusbades sowie Radeberger Bürger die Grundmühle als Wanderziel und Gaststätte frequentierten. Der für das Jahr 1881 ermittelte Anbau der Küche an das Hauptgebäude deutet auf den Ausbau gastronomischer Aktivitäten in der Grundmühle hin. Aufgrund der Industrialisierung und der Einführung neuer Techniken wurden am Ende des 19. Jahrhunderts viele Wassermühlen unrentabel – das erste Mühlensterben setzte ein. Viele dieser Mühlen wurden zu Gaststätten umgenutzt. Der Betrieb der Schneide- und Sägemühle und der Bäckerei liefen parallel dazu weiter. In dieser Zeit hat sich der Alternativname „Arnoldtsmühle“ für die Grundmühle eingebürgert. Nach Gustav Adolf Arnoldts Tod 1879 führte seine Witwe Emilie Berta Arnoldt die Mühle weiter.

Gotthelf Kühne, Schlossherr von Wachau, kaufte 1889 die Grundmühle und setzte zu ihrer Bewirtschaftung Pächter ein. In dieser Zeit war der gastronomische Betrieb ein wichtiges Standbein. So gehörte die Grundmühle für mehrere Jahrzehnte administrativ zur Gemeinde Wachau.

Im Jahr 1897, nach anderen Quellen erst 1911, gelangte das sogenannte „Wendentor“, ein sorbisches landwirtschaftliches Torgebäude, auf das Grundmühlengelände. Es stammte von der Ausstellung des Sächsischen Handwerks und Kunstgewerbes, die ein Jahr zuvor in Dresden stattgefunden hatte.

Im Jahr 1899 wurde dem Ensemble ein „Gartenhaus“ hinzugefügt, das auch „Pavillon“ bzw. „Jägerhäusel“ genannt wurde.

Der Wachauer Schlossbesitzer Kühne ließ die Schneide- und Sägemühle 1909 erneuern.

Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts war die Grundmühle Teil eines dichten Netzes von Angeboten im Bereich von Freizeit und Erholung im Rödertal. Nennenswert ist dabei der nachbarliche Kurbetrieb des Augustusbades, der allerdings am Ende des Zweiten Weltkrieges eingestellt worden ist.Stadtverwaltung Radeberg: „Flächennutzungsplan für Radeberg Stadt mit den OT Liegau-Augustusbad, Großerkmannsdorf und Ullersdorf“

Im Jahr 1929 erhielt der Grundmühlenpächter Rößler die Schankgenehmigung für ein Zimmer, für den Pavillon und den Garten. Dabei handelt es sich um den Raum links vom Haupteingang des Hauptgebäudes. Aus dieser Zeit stammen vermutlich die Putten, die den Eingang zum Biergarten markierten. Drei Jahre später wechselte die Grundmühle den Besitzer: Ein Kurt Lucas, stellvertretender Bankdirektor aus Langebrück, kaufte sie für 25.000 Reichsmark. Eine andere Quelle spricht davon, dass 1933 der Langebrücker Franz Lucas die Grundmühle von den Erben des Wachauer Schlossherrn Kühne erworben habe.

Beide sind sich allerdings einig, dass ab 1933 Karl Tänzer die Grundmühle gepachtet hatte und diverse Umbauten vornahm. Er ließ das Mahlwerk im Hauptgebäude entfernen und den Raum zum sogenannten „Mühlstübchen“ ausbauen. Das ist der Raum rechts des Haupteingangs der Grundmühle, der direkt an den Mühlgraben grenzt, bis zu diesem Zeitpunkt ein Wirtschaftsraum war und die Mahltechnik beherbergte. Damit ging die Ära der Grundmühle als Mahl- bzw. Getreidemühle zu Ende. Das Mühlstübchen wurde mit einem Kachelofen mit Ofenbank, einer Anrichte, einer Garderobe und einem großen Bleiglasfenster mit Wappen ausgestattet. Weiterhin ließ Karl Tänzer das Stallgebäude umbauen. In den oberen Stockwerken des Stalles und des Hauptgebäudes richtete er Ferienzimmer ein. Die Gaststube wurde vergrößert. Die Fassade des Bäckerhauses wurde saniert. Außerdem ließ Tänzer das Ufer der Röder neu befestigen und den Bereich zwischen Großer Röder und Hauptgebäude gartenartig zu einem „botanischen Schmuckstück“ gestalten.

In die Sägemühle, die mittlerweile gleichzeitig auch als Möbeltischlerei fungierte, wurde 1935 ein Dieselmotor eingebaut. Damit ging die Ära der Nutzung der Wasserkraft in der Grundmühle zu Ende. Noch 1940 arbeitete das Säge- und Hobelwerk unter dem Besitzer Alfred Nacke.

Die Bäckerei wurde 1938 geschlossen, das Gebäude wird seitdem als Wohnhaus genutzt.

Im Jahr 1952 verkaufte Franz Lucas die Grundmühle an August Rohusch. Dieser verließ 1953 die DDR. Die Grundmühle ging anschließend in den Besitz der Gemeinde Wachau über.

Während der DDR-Zeit war die Grundmühle ein beliebtes Ausflugslokal, das Open-Air-Tanzveranstaltungen mit Kapelle in der warmen Jahreszeit anbot. Dabei wurde als Gastraum nur der linke Raum im Hauptgebäude genutzt. Das „Mühlstübchen“ war speziellen Veranstaltungen, wie z. B. Silvester- und Faschingsfeiern, vorbehalten. Gleichzeitig wurden seit den 1950er Jahren im Rahmen des FDGB-Feriendienstes Urlauber in der Grundmühle beköstigt. Nur wenige wohnten auch in der Grundmühle, der Großteil der Urlauber war dabei in Privatzimmern in den Häusern am Fasanenweg untergebracht. Der Gemeinschaftsraum für die Urlauber befand sich im Jägerhäusel.

Im Jahr 1954 brannten die Sägemühle und Möbeltischlerei ab.

Das Jägerhäusel wurde 1985/1986 abgerissen. Es war baufällig und einsturzgefährdet. Sein Fundament, das als Tanzboden und Terrasse Verwendung fand, ist noch erhalten.

Die Grundmühle wurde 1964 (zusammen mit dem damaligen Kleinwachau) in die damals eigenständige Gemeinde Liegau-Augustusbad eingegliedert.Chronik des Heimatvereins von Liegau-Augustusbad. Ortsgeschichte

Im Jahr 1984 wurde „...in Anerkennung einer vorbildlichen gastronomischen Betreuung im Rahmen des Sozialistischen Wettbewerbs dem Kollektiv der Konsum-Gaststätte Grundmühle die Urkunde für ‚Hohe Qualität in der Gastlichkeit‘ im Leistungsvergleich der Gaststätten und Hotels des Bezirkes Dresden verliehen“.Urkunde, in der Grundmühle hängend

Der Gaststättenbetrieb wurde 1989 eingestellt. Seit 1993 wird das gesamte Objekt der Grundmühle privat genutzt.

mini|Umgebung der Grundmühle mit Lageplan vorhandener und ehemaliger Gebäude

Landschaft und Umgebung

Die Grundmühle liegt im Seifersdorfer Tal, das seit 2006 Teil des Europäischen Schutzgebietes Natura 2000 (zugehörig zum insgesamt 770 ha großen FFH-Schutzgebiet Nr. 4848-301 Rödertal oberhalb Medingen) ist und damit strengen natur- und vogelschutzrechtlichen Bestimmungen unterliegt. Das Grundmühlen-Gebiet ist landschaftlich von Laubwald und an die Röder anschließenden Feuchtwiesen charakterisiert. Der Radeberger Rundwanderweg und der Heide- und Talwanderweg führen über eine Bruchsteinbrücke mitten durch das Ensemble zwischen Bäckerhaus und Hauptgebäude hindurch und anschließend längs des Grundmühlengrundstücks entlang. Der Fernwanderweg Lausitzer Schlange führt ebenfalls direkt an der Grundmühle vorbei.

Das Grundstück der Grundmühle besteht aus einem Abschnitt der Talsohle des Rödertals. Dazu gehören zwei markante Auwiesen. Etwa 150 Meter von der Grundmühle flussaufwärts finden sich Reste eines Wehres in der Röder. An dieser Stelle zweigte am rechten Röder-Ufer der Mühlgraben ab, der das vermutlich unterschlächtige Mühlrad der Grundmühle mit Wasser versorgte. Der Mühlgraben existiert noch, ist aber an manchen Stellen verlandet, und mündet etwa 400 Meter flussabwärts der Grundmühle in die Röder.

Die Stadt Radeberg orientiert die Entwicklung des Gebietes auf „sanfte landschaftsorientierte Erholung und Freizeitgestaltung“. Das Grundstück der Grundmühle steht im Zusammenhang des von der Stadt Radeberg anvisierten geplanten touristisch nutzbaren Grünsystems „Grünes Band“, das das Tal der Großen Röder mit dem LSG Hüttertal, das Tal der Schwarzen Röder sowie den Radeberger Hofegrundbach einbezieht. Diese Landschaften sollen nicht weiter verbaut werden, dürfen jedoch durch Wanderwege bzw. Lehrpfade erschlossen werden.

Über die Grundmühle hat man Zugang zur Kulturlandschaft Seifersdorfer Tal von Liegau-Augustusbad aus.

Architektur Das Ensemble der Grundmühle steht unter Denkmalschutz. (Stand: 10. Juli 2006; PDF; 113 kB) Es besteht aus mehreren Gebäuden, die über das Grundstück verteilt sind.

Bäckerhaus mini|Bäckerhaus Das wohl zweitälteste Gebäude ist das „Bäckerhaus“. Im Sandsteingewände seines Portals im Korbbogen befindet sich die Inschrift „JGA|1802“, die auf das Erbauungsjahr 1802 und den Bauherrn Johann Gottlieb Arnoldt schließen lässt. Das Erdgeschoss des Bäckerhauses besteht aus gebrannten Ziegeln auf einem Sockel aus Bruchstein, der bis in die Röder hinabreicht. Im Innern finden sich Reste eines Backofens. Das Obergeschoss besteht aus Fachwerk. Das Haus ist mit einem Satteldach gedeckt. Bis 1938 wurde es als Bäckerei genutzt, danach als privater Wohnraum. Das Gebäude wurde 1933 und während der DDR-Zeit teilweise saniert.

Grundmühle mini|hochkant=1.0|Eingang der Grundmühle Das Hauptgebäude ist zweifach mit „Grundmühle“ in gebrochener Schrift beschriftet. Es ist vermutlich in den 1980er Jahren renoviert worden.

Im Sandsteingewände seines Portals im Korbbogen ist eine Schlussstein mit der Inschrift „A. 1826“ sichtbar, die auf die entsprechende Entstehungszeit und den Bauherren Karl Gottlieb Arnoldt schließen lässt. Über dem Portal befindet sich ein weiterer Schlussstein (wohl zu dekorativen Zwecken), auf dem wappenartig ein Hirschkopf mit einer Tulpe im Maul und zwei einzelnen Sternen zu sehen ist. In den dreißiger Jahren befand sich eine Sonnenuhr an der Süd-Ost-Fassade.

Das Haus ist mit einem Krüppelwalmdach gedeckt, der Dachboden ist voluminös und zweistöckig.