Das Kainkollektiv (eigene Schreibweise: kainkollektiv) ist ein in Bochum gegründetes Künstlerkollektiv, das seit 2004 in unterschiedlichen Kollaborationen an theatralen Partituren zwischen Theater, Installation und Performance arbeitet. Es produziert primär eigene Texte und Szenarien. Seit 2013 hat es außerdem zwei deutsch-kamerunische Koproduktionen mit dem Laboratoire de Théatre de Yaoundé (OTHNI) kreiert.
Die Mitglieder des Kollektivs sind als Regisseure, Dramaturgen, Theaterwissenschaftler, Autoren, Musiker, Tänzer und Performer tätig. Die Arbeit in internationalen (Ko-)Produktionen ist zentraler und wichtiger Bestandteil der Theaterarbeit. Dabei sind es nicht so sehr internationale Gastspielreisen, sondern vielmehr tatsächliche Koproduktionen inklusive eigenen Stückentwicklungen, das heißt längerfristige Zusammenarbeiten und Aufenthalte in den genannten Ländern, die die Grundlage dieser Arbeit bilden. So entstanden in und mit Polen zusammen Stücke über die „Spuren von West und Ost“ und „den Verfall der europäischen Städte“ in Krakau (Fasada, Burn Out City) und das „Erbe der Ruhrpolen“ im Ruhrgebiet (Kortländer Saga), über das „deutsche/europäische Kolonialerbe“ in Kamerun (Fin de machine, Fin de mission) sowie über den „Niedergang der (Textil-)Industrie“ in Kroatien (No Logo Opera).
Parallel hierzu entstanden thematisch entsprechende Arbeiten im Ruhrgebiet, z. B. 2014 im Ringlokschuppen Ruhr die (54. Stadt – Im Westen Neues) oder ebenfalls 2014 im Schauspielhaus Bochum (Die Kinder von Opel). In all diesen Arbeiten geht es dem Kainkollektiv um das Wechselverhältnis spezifischer lokaler Bedingungen in den Städten, in denen die Künstler des Kollektivs leben und arbeiten, zur Frage globaler Verhältnisse, die diese Bedingungen zunehmend beeinflussen. Im Kontext dieser Suchbewegung ist die von den Kainkollektivisten erfundene Performance-Serie Globe Operas entstanden: eine „doku-fiktionale, (musik-)theatrale Vorabend-Serie für die globalisierte Welt, kurz bevor die Nacht über sie hereinbricht.“
Auszeichnungen Für seine Theaterarbeit insbesondere in NRW ist das kainkollektiv seit 2012 mit der Spitzenförderung Theater NRW (1. Runde 2012–2015, 2. Runde 2015–2018) durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet. Außerdem erhält es für die Jahre 2015–2017 die Konzeptionsförderung des Fonds Darstellende Künste und wurde 2015 mit dem George Tabori Nachwuchsförderpreis ausgezeichnet.
Auswahl der Produktionen
2017: Hagar. Schauspielhaus Bochum, Ringlokschuppen Ruhr; Erzählt die gemeinsame Geschichte von Judentum, Christentum und Islam als unvollendete Familiensaga. 2017: Still out there. Theater Bremen; Neuinterpretation des Grimm-Märchens von den Bremer Stadtmusikanten. 2016: Fin de mission / ohne Auftrag leben – deutsch-kamerunische Oper(ation) über die Geschichte der Sklaverei, in Kooperation mit: Laboratoire de Théâtre de Yaoundé, Ringlokschuppen Ruhr, FFT Düsseldorf, Kampnagel Hamburg, Doual'art Douala und Goethe-Institut. 2016: Out Of Control // Ein Live Animation Cinema Projekt von kainkollektiv & sputnic // Moks Bremen 2015: Das Glitzern der Welt // Eine Reise im Miniaturformat im öffentlichen Raum // Schauspielhaus Bochum / Favoriten 2016 2015: Burn Out City // Ringlokschuppen Ruhr, FFT Düsseldorf, Teatr Łażnia Nowa Krakau 2014: Aus Aktuellem Anlass // Ringlokschuppen Ruhr, FFT Düsseldorf 2014: No Logo Opera // Ringlokschuppen Ruhr, FFT Düsseldorf, HNK Varaždin 2014: Die Kinder von Opel // Schauspielhaus Bochum 2014: 54. Stadt / Im Westen nichts Neues // Ringlokschuppen Ruhr, Theater Oberhausen 2013: Fin de Machine / Exit.Hamlet Eine deutsch-kamerunische Grenz-Überschreibung // Ringlokschuppen Mülheim, OTHNI - Laboratoire de Théâtre de Yaoundé FFT Düsseldorf, kampnagel Hamburg 2013: Tiere in Städten Installation / Performance-Konzert // Rottstr. 5 Kunsthallen, Festival n.a.t.u.r. Bochum 2013: Kortländer-Saga Ein Ruhr-Polnisches Archäologikum // Ringlokschuppen Mülheim, FFT Düsseldorf, Teatr Nowy (Krakau) 2013: Stadt der guten Hoffnung 2013: Dunkel lockende Welt Ein musikalisch-theatrales Rechercheprojekt in den Kulissen des Ruhrgebiets 2012: And On... tanz lange Tanz-Performance Serie von kainkollektiv und tanz lange // Ringlokschuppen Ruhr, FFT Düsseldorf, Pumpenhaus Münster 2012: Global_Eyes Eine Renaissance-Video-Installation von kainkollektiv & sputnic // Duisburger Akzente 2012: Lessings Gespenster // Schauspiel Dortmund 2011: Fasada 1/2 // Teatr Nowy, Kraków (PL) 2011: StadtRandFluss Eine Performance-Serie zu Geschichte, Gegenwart und Zukunft Mülheims // Ringlokschuppen Mülheim 2011: Der Knacks nach F. Scott und Zelda Fitzgerald und Gilles Deleuze, Schlosstheater Moers 2011: Skinology – 58 Indizien über den Körper (1) Eine Tanz-Performance-Serie in Koproduktion mit Gudrun Lange und dem FFT Düsseldorf, Ringlokschuppen Mülheim und Theater im Pumpenhaus 2010: Stadt ohne Geld, Inszenierungsreihe in Koproduktion mit dem Schauspiel Dortmund 2010: Next Generation - Not in Our Name, in Koproduktion mit Studierenden des Instituts für Theaterwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum sowie dem Schauspielhaus Bochum in einer Textfassung von Ulrike Haß 2010: Stella das Zebra Ein musikalisches Purimspiel, in Koproduktion mit der Oper Dortmund 2010: play_Fatzer vol. 3, in Koproduktion mit dem Ringlokschuppen Mülheim 2009: ALTNEUATLANTIS, in Koproduktion mit dem Ringlokschuppen Mülheim und Theater im Pumpenhaus Münster 2009: BAU nach Kafka, in Koproduktion mit dem Ringlokschuppen Mülheim 2009: Traktor von Heiner Müller, in Koproduktion mit dem Ringlokschuppen Mülheim 2008: Die Schauspieler von Einar Schleef, in Koproduktion mit dem Ringlokschuppen Mülheim und dem Schlosstheater Moers
Weblinks Website des Kainkollektivs
Einzelnachweise
Kategorie:Künstlergruppe (Darstellende Kunst)