Otradnoje (, deutsch Kunigehlen, 1938–1945 Stroppau) ist ein Ort in der russischen Oblast Kaliningrad. Er gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Munizipalkreis Osjorsk im Rajon Osjorsk.
Geographische Lage Otradnoje liegt neun Kilometer südwestlich der Rajonstadt Osjorsk (Darkehmen/Angerapp) an der Regionalstraße 27A-025 (ex R508). Im Ort zweigt die heutige Kommunalstraße 27K-337 nach Uljanowskoje (Klein Beynuhnen/Kleinbeinuhnen) ab, die vor 1945 bis nach Medunischken (1938–1945 Großmedien, heute polnisch: Mieduniszki Wielkie) führte, heute jedoch an der russisch-polnischen Grenze endet.
Vor 1945 war „Beynuhnen“ (1938–1945 Beinuhnen) in Klein Beynuhnen die nächste Bahnstation an der Bahnstrecke von Gumbinnen (heute russisch: Gussew) und Darkehmen bis in das heute in Polen gelegene Angerburg (heute polnisch: Węgorzewo), die heute nicht mehr in Betrieb ist.
Geschichte Kunigehlen war im Jahre 1863 ein Dorf mit 309 Einwohnern.Jürgen Schlusnus: Im Jahre 1874 wurde es Verwaltungssitz und namensgebender Ort eines neu eingerichteten Amtsbezirks im Kreis Darkehmen.Rolf Jehke, Amtsbezirk Stroppau Im Jahre 1907 lebten in Kunigehlen 244 Menschen, ihre Zahl betrug 1933 noch 242 und 1939 bereits 292. Am 3. Juni 1938 (mit amtlicher Bestätigung vom 16. Juli 1938) erhielt der Ort aus politisch-ideologischen Gründen die Namensänderung in „Stroppau“.
Im Januar 1945 wurde der Ort von der Roten Armee besetzt. Die neue Polnische Provisorische Regierung ging zunächst davon aus, dass er mit dem gesamten Kreis Darkehmen (Angerapp) unter ihre Verwaltung fallen würde. Im Potsdamer Abkommen (Artikel VI) von August 1945 wurde die neue sowjetisch-polnische Grenze aber unabhängig von den alten Kreisgrenzen anvisiert, wodurch der Ort unter sowjetische Verwaltung kam. Im Juni 1947 erhielt er den russischen Namen Otradnoje und wurde gleichzeitig Verwaltungssitz eines Dorfsowjets im Rajon Osjorsk.Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 июня 1947 г.«Об образовании сельских советов, городов и рабочих поселков в Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 17. Juni 1947: Über die Bildung von Dorfsowjets, Städten und Arbeitersiedlungen in der Oblast Kaliningrad) Die polnische Umbenennung des Ortes in Kunigiele im Juli 1947Durch die Rozporządzenie Ministrów: Administracji Publicznej i Ziem Odzyskanych z dnia 1 lipca 1947 r. o przywróceniu i ustaleniu urzędowych nazw miejscowości (Verordnung des Ministeriums für die öffentliche Verwaltung und die wiederhergestellten Gebiete vom 1. Juli 1947 über die Wiederherstellung und Bestimmung der offiziellen Ortsnamen) wurde nicht mehr wirksam. Vermutlich 1963 gelangte Otradnoje in den Nowostrojewski selski Sowet. Von 2008 bis 2014 gehörte der Ort zur Landgemeinde Nowostrojewskoje selskoje posselenije, von 2015 bis 2020 zum Stadtkreis Osjorsk und seither zum Munizipalkreis Osjorsk.
Amtsbezirk Kunigehlen/Stroppau 1874–1945 Am 6. Mai 1874 wurde Kunigehlen Sitz eines nach ihm benannten Amtsbezirks, zu dem sechs Landgemeinden gehörten, die alle bis 1945 – wenn auch ab 1938 mit veränderten Namen – in diesem Amtsbezirk blieben: Name (bis 1938) Name (1938–1945) russischer Namenach 1945 Alt Sauskoyen Altsauswalde Rossoschanka Groß Beynuhnen Großbeinuhnen Tschernyschewka Kundszicken,ab 1936: Kundschicken Sandeck Schischkowo Kunigehlen Stroppau Otradnoje Neu Beynuhnen Neubeinuhnen Chmelnizkoje Neu Sauskoyen Neusauswalde Rossoschanka
Otradnowski selski Sowet 1947–1963 Der Dorfsowjet Otradnowski selski Sowet (ru. Отрадновский сельский Совет) wurde im Juni 1947 eingerichtet. Im Jahr 1963 wurde der Dorfsowjet in den neu gebildeten Lwowski selski Sowet einbezogen.Information auf www.klgd.ru Einige Orte gelangten auch in den Nowostrojewski selski Sowet.
Ortsname Name bis 1947/50 Jahr der Umbenennung Bogdanowo (Богданово) Emmahof 1947 Chmelnizkoje (Хмельницкое) Neu Beynuhnen, 1938–1945:"Neubeinuhnen" 1947 Doroschnoje (Дорожное) Schunkarinn, 1938–1945: „Schlieben“1950 Fastowo (Фастово) Klein Pelledauen, 1938–1945: „Kreuzstein“1950 Iljino (Ильино) Neu Gudwallen1950 Juchowo (Юхово) Ramberg1950 Konewo (Конево) Waldhorstbis 1923 Szameitschen1950 Krestjanskoje (Крестьянское) Fritzendorf1947noch einmal 1950 Lesnitschje (Лесничье) Milchbude1950 Lwowskoje (Львовское) Gudwallen1947 Meschdulessje (Междулесье) Alt Thalau1947 Meschduretschje (Междуречье) Auerfluß1947in Meschretschje Minskoje (Минское) PelledauenOffenbar die westlich der Angerapp gelegenen zu Klein Pelledauen (Kreuzstein) (?) gehörenden nördlichen Einzelhöfe.1947 Oneschino (Онежино) Oszeningken/Oscheningken, 1938–1945: „Hasenbrück“1950 Otpor (Отпор) Osznagorren/Oschnagorren, 1938–1945: „Adlermark“1950 Otradnoje (Отрадное) Kunigehlen, 1938–1945:"Stroppau"1947 Rossoschanka (Россошанка) Alt u. Neu Sauskoyen,Der umbenannte Ort wurde als „Sausken“ bezeichnet. 1938–1945:"Alt- u. Neusauswalde"1947 Rubinowka (Рубиновка) Rauben1947 Schischkino (Шишкино) Kundszicken/Kundschicken, 1938–1945: „Sandeck“1947 Setschenowo (Сеченово) Menturren1950 Sutschkowo (Сучково) Mikalbude, 1938–1945:"Mickelau" 1950 Tscheljuskino (Челюскино) Klein Bretschkehmen, 1938–1945: „Kleinbrettken“1950 Tschernyschewka (Чернышевка) Groß Beynuhnen, 1938–1945:"Großbeinuhnen" 1947 Uljanowskoje (Ульяновское) Klein Beynuhnen, 1938–1945:"Kleinbeinuhnen" 1947 Wladimirowka (Владимировка) Klein Sobrost1947 Wolnoje (Вольное) Wollehlen1947
Kirche In Kunigehlen/Stroppau lebte vor 1945 eine überwiegend zur evangelischen Kirche gehörende Bevölkerung. Bis 1647 war der Ort in das Kirchspiel Dombrowken (1938–1945 Eibenburg, heute polnisch: Dąbrówka) eingepfarrt, kam dann bis 1700 zum Kirchspiel Ballethen (heute russisch: Sadowoje) und danach bis 1945 zum Kirchspiel Darkehmen (1938–1946 Angerapp, heute russisch: Osjorsk) innerhalb des Kirchenkreises DarkehmenJürgen Schlusnus: in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.
Heute liegt Otradnoje im Einzugsgebiet der neu gebildeten evangelischen Gemeinde der Salzburger Kirche in Gussew (Gumbinnen). Sie gehört zur ebenfalls neu geschaffenen Propstei Kaliningrad innerhalb der Evangelisch-Lutherischen Kirche Europäisches Russland (ELKER).
Einzelnachweise und Anmerkungen
Otradnoje (Kaliningrad, Osjorsk)