mini|hochkant=1.2|Neustadt (Wied), Luftaufnahme 2013 Neustadt (Wied) (gesprochen auch Neustadt an der Wied) ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Neuwied in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Asbach an. Neustadt ist gemäß Landesplanung als Grundzentrum ausgewiesen.Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten

Geographie Geographische Lage Neustadt (Wied) liegt im Naturpark Rhein-Westerwald, direkt an der Wied, einem Nebenfluss des Rheins.

Die Gemeinde befindet sich mit jeweils rund 35 Straßenkilometern Entfernung zwischen der Kreisstadt Neuwied und Bonn nahe der Grenze zu Nordrhein-Westfalen. Die umliegenden Städte Linz am Rhein, Bad Honnef, Bad Hönningen, Königswinter und Hennef (Sieg) können in 15 bis 25 km erreicht werden, der Hauptort Asbach innerhalb der Verbandsgemeinde in 7 km.

Der Ortsteil Fernthal wird vom Fernthaltunnel, einem 1555 m langen Eisenbahn-Tunnel der Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main unterquert, der Ortsteil Ammerich durch den Ammerichtunnel.

Gemeindegliederung mini|Hombach, Luftaufnahme (2016) mini|Oberhoppen, Luftaufnahme (2016) mini|Prangenberg, Luftaufnahme (2016) mini|Vogtslag, Luftaufnahme (2016) mini|Oberetscheid, Luftaufnahme (2016) Zur Ortsgemeinde Neustadt gehören 56 Dörfer, Weiler und Wohnplätze (Stand 31. Dezember 2020):

Ortschaft Einw. Als-Au 43 Altenhütte 1 Ammerich 75 Bertenau 42 Borscheid 248 Brüchen 72 Bühlingen 190 Dasbach 60 Dinkelbach 38 Ehrenberg 198 Eilenberg 102 Etscheid 249 Fernthal 520 Funkenhausen 95 Gerhardshahn 61 Grube Anxbach 46 Grube Ferdinand 17 Grübelsberg 9 Grübelshof 5 Ortschaft Einw. Hammerhof 6 Hombach 430 Hombachsmühle 5 Jungfernhof 70 Kodden 59 Krummenau 46 Manroth 33 Mettelshahn 10 Mittelelsaff 29 Neschen 262 Neschermühle 7 Neustadt 1.444 Niederetscheid 62 Niederhoppen 3 Oberelsaff 46 Oberetscheid 101 Oberhoppen 62 Paffhausen 15 Panau 52 Ortschaft Einw. Prangenberg 26 Rahms 358 Rott 213 Rotterheide 150 Rüddel 57 Scharenberg 104 Steeg 54 Steinshof 36 Strauscheid 325 Telegraf 2 Thalhof 18 Unterelsaff 85 Vogtslag 48 Wahrenberg 6 Weißenfels 84 Wied 72 Wiedmühle 89 Wölsreeg 29

Geschichte Die erste – in Fachkreisen umstrittenePaul Girnstein: Ursprung von Neustadt (Wied). Ulf Lind: Älteste Quellen über Altenwied und Neustadt. In: Heimatblatt Altenwied 2010/2011. S. 167–214. – urkundliche Erwähnung des Ortes wird bisher auf das Jahr 1185 (nach dem Siegburger Mirakelbuch) datiert. Die „parochia Niwinstat“ (Kirchspiel Neustadt) wird 1213 in einer Urkunde des Klosters Heisterbach genannt. Über fünf Jahrhunderte gehörte Neustadt an der Wied zum Amt Altenwied und war somit – mit Unterbrechungen – in kurkölnischer Landesherrschaft. Die frühe Pfarrgeschichte ist eng mit dem Namen der saynischen Gräfin Mechthild von Sayn verknüpft, die 1254 das Patronat der Zisterzienserabtei Heisterbach übertrug. Die pfarrliche Betreuung durch Heisterbach hatte bis zur Auflösung der Abtei 1803 im Zuge der Säkularisation Bestand. 1815 wurde Neustadt preußisch.

Seit dem 17. Jahrhundert bestand in Neustadt eine 1902 stillgelegte Erzgrube, an die der Straßenname „Im Schiefer“ erinnert.Heiner Strauß: „Im Schiefer“ – eine vergessene Grube in Neustadt/Wied (1617–1902). Zeitschrift zur Geschichte des Berg- und Hüttenwesens – Fischbacher Hefte, 16. Jahrgang, Heft 2-2010, S. 40–50 Der Betrieb der 1912 eröffneten Kasbachtalbahn wurde 1961 eingestellt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erlangte Neustadt Bedeutung als Fremdenverkehrsort („Sommerfrische“) mit Hotels, Gaststätten, Pensionen und einem Strandbad an der Wied.

Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Neustadt (Wied) besteht aus 22 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat: Wahl SPD CDU FDP FWG BLN Gesamt 2024 3 12 1 – 6 22 Sitze 2019 5 12 2 – 3 22 SitzeDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2019, Stadt- und Gemeinderatswahlen. 2014 4 14 1 2 1 22 Sitze 2009 4 13 1 4 – 22 Sitze 2004 4 14 1 3 – 22 Sitze FWG = Freie Wählergemeinschaft Neustadt (Wied) e. V. BLN = Bürgerliste Neustadt e. V.

Bürgermeister Thomas Junior (CDU) wurde im Juni 2019 Ortsbürgermeister von Neustadt. Bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 war er mit einem Stimmenanteil von 56,23 % gewählt worden. Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 wurde er als einziger Bewerber mit 77,3 % für weitere fünf Jahre in seinem Amt bestätigt.

Juniors Amtsvorgängerin Jutta Wertenbruch (ebenfalls CDU) hatte dieses Amt 15 Jahre inne.

Wappen

Gemeindezusammenlegungen mini|Arbeitsgemeinschaft Neustadt in Europa Lange Zeit gehörte das Kirchdorf Neustadt zu Bertenau. Die Gemeinde Bertenau wurde 1953 in Neustadt umbenannt.

Die heutige Gemeinde Neustadt (Wied) wurde am 1. Januar 1969 aus den aufgelösten Gemeinden Bühlingen (915 Einwohner), Elsaffthal (802 E.), Neustadt (Wied) (2090 E.) und Rahms (999 E.) neu gebildet.

Städtepartnerschaften Neustadt ist Mitglied der größten europäischen Städtefreundschaft Neustadt in Europa, in der sich 36 Städte und Gemeinden mit Namen „Neustadt“ aus sechs Ländern (Deutschland, Österreich, Tschechische Republik, Slowakei, Polen, Niederlande) zusammengeschlossen haben. Im Rahmen von Neustadt in Europa sind Bergneustadt im Norden und Neustadt/Westerwald im Osten (jeweils 45 Kilometer entfernt) die nächsten Nachbarn.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Kulturdenkmäler In Neustadt (Wied) befinden sich einige unter Denkmalschutz gestellte Kulturdenkmäler: die katholische Pfarrkirche St. Margarita, eine neugotische Bruchsteinhalle, erbaut 1869–1873; die katholische Antoniuskapelle im Ortsteil Etscheid, ein kleiner barocker Saalbau aus dem Jahr 1680; die katholische Kapelle St. Maria Mater Dolorosa im Ortsteil Fernthal, ein fünfachsiger romanisierender Bruchsteinsaal, erbaut 1911–1912; die Burg Altenwied im Ortsteil Wied, teilweise restauriert und heute im Privatbesitz, geht zurück auf eine im 12. Jahrhundert errichtete Burg, die von der Mitte des 13. Jahrhunderts Sitz des kurkölnischen Amtes Altenwied war; in den Ortsteilen verschiedene Fachwerkhäuser.

mini|Neustadt (Wied), katholische Pfarrkirche St. Margarita

Heimatmuseum Heimatmuseum „Bi et fröher wor“

Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Straßen: Bundesautobahn 3 – zwei Anschlussstellen: Bad Honnef/Linz/Asbach und Neustadt (Wied)/Fernthal Eisenbahn: Der 1912 eröffnete Bahnhof Neustadt (Wied) an der Bahnstrecke Kasbachtalbahn von Linz nach Flammersfeld wurde 1960 stillgelegt. Heute sind die nächstgelegenen Bahnhöfe ca. 20 km entfernt im Rheintal (Linz/Rhein, Bad Honnef), und im Siegtal (Hennef/Sieg, Eitorf). Personennahverkehr: Direkte Busverbindungen im Netz des Verkehrsverbund Rhein-Mosel (VRM) und des Verkehrsverbundes Rhein-Sieg (VRS) bestehen nach Horhausen, Neuwied, Linz am Rhein, Eitorf und Asbach. Fernwanderwege: Der Westerwald-Steig führt nach Strauscheid, einem Ortsteil von Neustadt (Wied)

Öffentliche Einrichtungen Neustadt verfügt über drei Schulen und drei kirchlich getragene Kindergärten. Die Grundschule „In der Au“ versorgt in erster Linie die Ortsgemeinde Neustadt, während das Einzugsgebiet der Staatlichen Realschule und des Wiedtal-Gymnasiums über die Verbandsgemeinde hinausreicht.

Das Wiedtal-Gymnasium wurde 1976 in Trägerschaft des Kreises Neuwied gegründet.

Durch die unmittelbare Nähe zur Staatlichen Realschule kommen die Schüler in den Genuss der Vorteile eines Schulzentrums mit gemeinsamen Einrichtungen wie z. B. Zentralbibliothek und Fachräume. Zwischen den Schulen des Schulzentrums besteht vor allem in der Orientierungsstufe (Klassen 5 und 6) eine enge Zusammenarbeit (z. B. in einigen Fächern gleiche Lernmittel, Lehreraustausch). Dadurch kann am Ende der Orientierungsstufe eine fundierte Laufbahnempfehlung gegeben werden. Die neuen Klassen 5 sind so zusammengesetzt, dass Kinder aus derselben Grundschule möglichst auch dieselbe Klasse besuchen können.

Am Ort gibt es eine kommunale Gemeindebücherei. Außerdem sind in Neustadt eine katholische und eine evangelische Kirchengemeinde mit eigenen Kirchen vorhanden sowie das Alten- und Pflegeheim St. Josefshaus. Der Ort verfügt über ein Sportzentrum, ein Bürgerhaus mit Sport- und Mehrzweckhalle und die im Januar 2004 offiziell eingeweihte Wiedparkhalle, die kulturellen und geselligen Veranstaltungen dient.

Wirtschaft Die M+C Schiffer GmbH, der europaweit größte Anbieter von Zahnbürsten, hat ihren Sitz in Neustadt.

Des Weiteren befand sich bis 2020 im Ortsteil Rahms auf dem „Birkenstock Campus“ der Verwaltungssitz des Schuhherstellers Birkenstock. Seit Januar 2021 ist auch der „Wirtgen Campus“ als Sitz der Immobilien- und Vermögensverwaltung Wirtgen Invest Family Office in Betrieb.

Persönlichkeiten Rudi Gutendorf (1926–2019), Fußballtrainer und Träger des Bundesverdienstkreuzes, wohnte in Neustadt. Johannes Füllenbach (1935–2023), katholischer Theologie und Steyler Missionar

Markus Mimzek (* 1977), als Kabarettist und Comedian bekannt unter dem Künstlernamen Ralf Senkel, lebt in Neustadt. Roman Lob (* 1990), Sänger und Teilnehmer am Eurovision Song Contest 2012, ist in Neustadt aufgewachsen.

Literatur Günter Krambo (Hrsg.): Nöissend bi et fröher wor. Gedruckter Text in Hochdeutsch, 9 Std. Hörbuch im Dialekt, 500 Fotos. Neustadt 2012. Peter Lorscheid (Hrsg.): Neustadt (Wied), gestern und heute: Ein Spaziergang durch die Ortsgeschichte mit Fotos aus 130 Jahren, Neustadt 2021. Lorenz Klein (Hrsg.): Wörterbuch Nöissender Platt (Unser Dialekt). 387 Seiten, Neustadt 2001. Hellmuth Gensicke: Landesgeschichte des Westerwaldes. 3. unveränd. Nachdruck von 1958, Wiesbaden 1999, ISBN 3-922244-80-7. Albert Hardt: Im Lande der Neuerburg an der Wied. 2., erweit. Aufl., Waldbreitbach 1988. Paul Girnstein: Altenwied und sein Umfeld bis ins 14. Jahrhundert. Linz 2008. Festausschuss zur 700-Jahrfeier der Pfarrkirche Neustadt (Hrsg.): Neustadt-Wied – ein Fest- und Heimatbuch 1229–1929. Asbach 1929. (dilibri). Ortsgemeinde Neustadt (Wied) (Hrsg.): Neustadt (Wied) Heimat im Wandel der Jahrhunderte. Reckinger & Co., Siegburg 1985. Gisbert Becker: Neustadt (Wied). Bilder aus vergangenen Tagen. Geiger-Verlag, Horb am Neckar 1989. Gerhard R. Petersohn (Hrsg.): Familienbuch Neustadt (Wied) 1661–1820. Merklingen 2003. Genealogische Auswertungen verschiedener Kirchenbücher und anderer Quellen aus der Region.

Weblinks

Ortsgemeinde Neustadt (Wied) bei Hierzuland, SWR Fernsehen bei Hierzuland, SWR Fernsehen bei Hierzuland, SWR Fernsehen

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Neuwied Kategorie:Ersterwähnung 1185