mini|Wappen von Alan Durward Alan Durward (auch: Alan DoorwardJames Balfour Paul (Hrsg.): The Scots Peerage. Band 5. David Douglas, Edinburgh 1908, S. 575 (englisch); .; schottisch-gälisch: Ailean Dorsair; † 1275) war ein schottischer Magnat. Er war der führende schottische Politiker während der Minderjährigkeit von König Alexander III.

Herkunft und Erbe Alan Durward entstammte der Familie de Lundin, die sich nach Lundie in Angus benannte. Er war ein Sohn von Thomas Hostiarius (auch Thomas Durward). Sein Vater hatte während der Herrschaft von König Wilhelm I. das Ehrenamt des königlichen Türwächters bekleidet und wurde nach diesem Amt benannt. Nach dem Tod seines Vaters erbte Alan Durward umfangreiche Besitzungen in Nordschottland. Diese waren neben Lundie Besitzungen um Lumphanan Castle in Mar sowie Ländereien in Mearns, Cluny und Aberdeenshire. Vermutlich gehörte auch Coull Castle in Aberdeenshire zu seinen Besitzungen. Vor 1233 wurde Durward auch Lord of Urquhart am Loch Ness, wo er wahrscheinlich mit dem Bau einer Burg begann. Urquhart hatte sein Vater als Dank für die Niederschlagung der Rebellion von Guthred Macwilliam 1212 erhalten. Aufgrund seiner umfangreichen Besitzungen in Nordschottland wurde Durward zum Rivalen der Familie Comyn, die um 1212 Buchan und um 1229 Lochaber und Badenoch erworben hatten. mini|Die Ruine von Urquhart Castle, mit dessen Bau vermutlich Durward begann

Ansprüche auf die Titel Earl of Atholl und Earl of Mar Der ehrgeizige Durward versuchte, zum Earl erhoben zu werden, um so zu einem der führenden schottischen Magnaten aufzusteigen. Ab etwa 1233 führte er den Titel Earl of Atholl, wobei unklar ist, ob er die Vormundschaft für Patrick, den minderjährigen Erben des Titels erworben hatte.Archibald A. M. Duncan: Scotland. The Making of the Kingdom. Oliver & Boyd, Edinburgh 1975, ISBN 0-05-002037-4, S. 543 (The Edinburgh History of Scotland, Band I). Möglicherweise hatte er auch Foruleth, eine Tante von Patrick geheiratet, die ebenfalls einen Erbanspruch auf den Titel hatte. 1237 bezeugte ein nicht weiter bezeichneter Earl of Atholl, vermutlich Durward, den Vertrag von York. Nach 1237 fiel der Titel aber an den jungen Patrick, der mit Durwards Rivalen Walter Comyn, Earl of Menteith verwandt war. Durward beanspruchte aber nicht nur den Titel Earl of Atholl, sondern erhob Ansprüche auf den Titel Earl of Mar. Sein Großvater Malcolm of Lundie hatte eine Tochter von Gille Críst, 3. Earl of Mar geheiratet. Durward erhob nun gegen William of Mar Anspruch auf den Titel, da die Ansprüche von Gille Christs Tochter bei seinem Tod übergangen worden waren.Michael Brown: The wars of Scotland, 1214–1371. Edinburgh University Press, Edinburgh 2004, ISBN 0-7486-1237-8, S. 36. Seine Ansprüche wurden aber abgewiesen. William, der neue Earl of Mar heiratete eine Tochter von William Comyn, Earl of Buchan, wohl auch um sein Bündnis mit den Comyns gegen Durward zu festigen.Michael Brown: The wars of Scotland, 1214–1371. Edinburgh University Press, Edinburgh 2004, ISBN 0-7486-1237-8, S. 43. Durwards Rivalität zu den Comyns wurde durch seine enge Beziehung zur Familie Bisset gestärkt, die ebenfalls Rivalen der Comyns waren. Als Walter Bisset 1242 des Mordes an Patrick of Atholl beschuldigt wurde, überfielen der Earl of Dunbar und die Comyns die Besitzungen der Bissets und vielleicht auch die nördlich daran angrenzenden Ländereien von Durward. Die beiden Barone Robert de Mowat und Philip de Melville, die gemeinsam das Amt des Justiciars of Scotia innehatten, waren gegen die Fehde machtlos. Daraufhin enthob der König sie ihres Amtes und ernannte stattdessen Alan Durward zum Justiciar of Scotia und damit zum königlichen Vertreter für die Gebiete nördlich des Forth. Um die Fehde zu beenden, stellte er in Mar ein Aufgebot auf. Mit dieser Streitmacht entsetzte er den Aboyne Castle belagerten Bisset und eskortierte ihn zum König. Mit der Aufstellung des Aufgebots erneuerte Durward auch seinen Anspruch auf Mar.Michael Brown: The wars of Scotland, 1214–1371. Edinburgh University Press, Edinburgh 2004, ISBN 0-7486-1237-8, S. 40. Trotz der Unterstützung Durwards wurde Walter Bisset aber auf Druck des Earls of Dunbar und der Comyns Ende 1242 aus Schottland verbannt.

Aufstieg zum führenden Ratgeber von Alexander II. Obwohl es Durward nicht gelungen war, als Earl anerkannt zu werden, stieg er vor 1244 zu einem der führenden schottischen Barone auf. König Alexander II. versuchte, den Einfluss der beiden rivalisierenden Adelsfraktionen um Walter Comyn, Earl of Menteith und um Patrick, 5. Earl of Dunbar zu begrenzen. Er wählte deshalb Durward, der bislang nur wenig politischen Einfluss hatte und keiner der beiden Gruppen zugerechnet wurde, zu seinem neuen Hauptratgeber.Alan Young: Noble Families and Political Factions in the Reign of Alexander III. In: Norman H. Reid (Hrsg.): Scotland in the Reign of Alexander III, 1249–1286. John Donald, Edinburgh 1990, ISBN 0-85976-218-1, S. 4. Durward war der erste schottische Magnat, der 1244 den Vertrag von Newcastle beschworen durfte, den Alexander II. mit dem englischen König Heinrich III. geschlossen hatte. Durward stand nun so hoch in der Gunst des Königs, dass dieser ihm seine einzige uneheliche Tochter Marjory zur Frau gab. Bis zum Tod des Königs konnte Durward offenbar den Einfluss von Comyns stark einschränken.Archibald A. M. Duncan: Scotland. The Making of the Kingdom. Oliver & Boyd, Edinburgh 1975, ISBN 0-05-002037-4, S. 551 (The Edinburgh History of Scotland, Band I).

Führender schottischer Politiker während der Minderjährigkeit von Alexander III.

Führung der Regierung von 1249 bis 1251 Wahrscheinlich nahm Durward 1249 am Feldzug von Alexander III. gegen die westschottischen Inseln teil, bei dem dieser erkrankte und starb.Michael Brown: The wars of Scotland, 1214–1371. Edinburgh University Press, Edinburgh 2004, ISBN 0-7486-1237-8, S. 44. Der König hatte offenbar vor seinem Tod keine Regelungen mehr für eine Regentschaft getroffen.D. E. R. Watt: The minority of Alexander III of Scotland. In: Transactions of the Royal Historical Society, 1971, Band 21, S. 6. Der Sohn und Nachfolger des Königs, der siebenjährige Alexander III., wurde nur fünf Tage nach dem Tod seines Vaters inthronisiert. Durward eilte von der westschottischen Küste zum Krönungsort nach Scone, um seine Stellung zu halten. Er beanspruchte das Recht, den jungen König vor seiner Inthronisation zum Ritter zu schlagen. Als Vorbild diente ihm hier William Marshal, der 1217 Heinrich III. zum Ritter geschlagen hatte und dann Leiter des Regentschaftsrat geworden war.D. E. R. Watt: The minority of Alexander III of Scotland. In: Transactions of the Royal Historical Society, 1971, Vol. 21, S. 7. Dieses Privileg wurde Durward aber von Walter Comyn und anderen schottischen Magnaten verwehrt. Als Kompromisslösung wurde der König von David of Bernham, dem Bischof von St Andrews zum Ritter geschlagen. Trotz dieses Rückschlags beanspruchte Durward weiter das Amt des Justiciars of Scotia und die Leitung der schottischen Regierung. Er wurde von Robert Menzies als Chamberlain und Robert Kenleith als Kanzler unterstützt. Sie ließen Urkunden der Regierung stets von vielen Magnaten bezeugen, um so allgemeine Anerkennung zu erhalten. Rasch wurde jedoch klar, dass Durward nicht die Autorität und den Rückhalt unter den schottischen Magnaten hatte, um ohne Unterstützung durch den König die Regierung zu leiten. Walter Comyn blieb unangefochten der mächtigste schottische Magnat und ein Rivale von Durward. Der Verfasser der Melrose Chronicle behauptete, dass Durward sich an den Papst gewandt hätte, um seine Tochter als Nachfahrin des Königs legitimieren zu lassen. Als Nichte des Königs wäre sie dann dessen Thronerbin geworden, solange der König selbst keine Kinder hatte. Dies hätte natürlich Durwards Stellung gestärkt, doch außer dem Eintrag in der Chronik gibt es hierfür keine weiteren Belege.Archibald A. M. Duncan: Scotland. The Making of the Kingdom. Oliver & Boyd, Edinburgh 1975, ISBN 0-05-002037-4, S. 561 (The Edinburgh History of Scotland, Band I).

Sturz und Exil 1250 beklagten sich mehrere Prälaten über Übergriffe durch Adlige, die von Durward nicht geahndet würden. Wohl auf Druck dieser Prälaten wandte sich 1251 eine Gruppe von schottischen Magnaten, wahrscheinlich die Comyns, an den englischen König Heinrich III. Sie baten ihn um Unterstützung, wobei sie offiziell um die Hochzeit von Alexander III. mit Margarete, einer Tochter von Heinrich III. ersuchten. Diese Heirat war bereits 1244 vereinbart worden und wurde Weihnachten 1251 im nordenglischen York gefeiert. Allerdings suchten die Comyns einen Anlass, um Durward zu stürzen, und auch der englische König wünschte sich eine schottische Regierung, die seine Interessen stärker unterstützte, als Durward es tat. Durward hatte unter anderem bei der Kurie um Erlaubnis gebeten, dass Alexander III. nach westeuropäischem Vorbild gesalbt und gekrönt werden sollte.D. E. R. Watt: The minority of Alexander III of Scotland. In: Transactions of the Royal Historical Society, 1971, Band 21, S. 9. Dies hätte den Rang des schottischen Königs aufgewertet, weshalb der englische König dagegen erfolgreich Einspruch eingelegt hatte. Unmittelbar nach der Hochzeit erhoben Walter Comyn und der Earl of Mar schwere Anschuldigungen gegen Durward. Durward und seinen Unterstützern drohte die Verhaftung, worauf sie flohen.Michael Brown: The wars of Scotland, 1214–1371. Edinburgh University Press, Edinburgh 2004, ISBN 0-7486-1237-8, S. 47. Die neue schottische Regierung wurde von Walter Comyn dominiert, obwohl dieser selbst weiterhin kein Amt übernahm. Dem neuen Regentschaftsrat gehörten mit John de Balliol und Robert de Ros auch zwei Vertreter des englischen Königs an, deren Einfluss jedoch begrenzt blieb. Nach diesem Rückschlag gelang es Durward, sich mit dem englischen König zu verständigen. Im Juli 1252 durfte er offiziell nach England ins Exil gehen. Er wollte sich aber nun nicht nur mit dem englischen König verständigen, sondern hatte wie zuvor Walter Comyn erkannt, dass er dessen Unterstützung benötigte. Deshalb nahm er als Vertreter für den Earl of Strathearn von 1253 bis 1254 an der Expedition des englischen Königs in die Gascogne teil. Von Frankreich aus begleitete Durward dabei den englischen Thronfolger Eduard nach Nordspanien zu dessen Hochzeit in Burgos.Archibald A. M. Duncan: Scotland. The Making of the Kingdom. Oliver & Boyd, Edinburgh 1975, ISBN 0-05-002037-4, S. 563 (The Edinburgh History of Scotland, Band I). Während der Expedition denunzierte Durward aber auch seine schottischen Gegner, versprach dem englischen König Unterstützung für seine politischen Ziele und gewann so sein Vertrauen. Heinrich III. entschädigte ihn mit £ 50 für seine Aufwendungen, anstatt dieser Summe erhielt Durward 1257 die Verwaltung von Bolsover Castle im englischen Derbyshire. Die Burg blieb bis Oktober 1274 in Durwards Besitz, dazu wurde Durward von der Steuer der Tallage auf die zur Burg gehörigen Ländereien befreit.

Führung der Regierung von 1255 bis 1257