Mouthier-en-Bresse [] ist eine französische Gemeinde in der Region Bourgogne-Franche-Comté im Département Saône-et-Loire. Sie gehört zum Arrondissement Louhans, zum Kanton Pierre-de-Bresse und zum Gemeindeverband Bresse Nord Intercom’. Die Gemeinde hat Einwohner (Stand ), sie werden Moustiérois, resp. Moustiéroises genannt.

Geografie mini|links|Lage der Gemeinde im Arrondissement Louhans

Lage und Struktur Die Gemeinde liegt an der nordöstlichen Grenze des Arrondissement Louhans, das nördliche, östliche und südliche Gemeindegebiet grenzen an das Département Jura. Nachbargemeinden sind im Norden Neublans-Abergement, Les Hays, Les Essards-Taignevaux und im Nordosten schließt sich Rye an. Diese Gemeinden gehören alle zum Département Jura. Im Osten folgt Beauvernois und im Süden Chapelle-Voland (Jura). Im Südwesten stößt die Gemeinde an Bellevesvre, weiter nördlich an Torpes und schließlich im Nordwesten an Authumes.

Die Gemeinde liegt in der Landschaft der Bresse bourguignonne, die nördlichen Gebiete der Gemeinde werden bereits zur Landschaft Vallée de la Saône gerechnet.

Die Gemeinde wird durch INSEE eingestuft als «ländliche Ortschaft mit stark verstreuter Besiedlung». Die Bevölkerung lebt zu einem kleinen Teil im Bourg, die meisten in den 22 Weilern und in weit verstreuten Einzelsiedlungen.

Die Gemeinde weist 882 Hektar bewaldete Flächen auf, was 29,3 % der Gemeindefläche entspricht. Die Bewaldung setzt sich zusammen aus 59 % Laubwald und 38 % Eichen- und Buchenwald. Die bewaldeten Flächen liegen vor allem im Norden – Forêt de Dissey – und Süden der Gemeinde – Forêt de la Chaux d’Event, Bois du Chanet – dazu bestehen verstreut kleinere Waldflächen.

In der Gemeinde werden 1714.6 Hektar (56 % des Gemeindegebietes) als landwirtschaftlich genutzt deklariert, davon sind 3,5 Hektar für den Bioanbau zugelassen (Stand 2024). Rund 41 % des Landwirtschaftslandes wird permanent als Wiese genutzt, auf 3 % wird Raps, auf 17 % wird Weichweizen und auf rund 15 % Körner- und Silomais angebaut.

Gewässer An stehenden Gewässern finden wir entlang der Nordwestgrenze einen markanten Gürtel von Étangs, die die Gemeindegrenze bilden. Im Norden, gemeinsam mit Neublans-Abergement, liegt der Étang du Meix, darnach folgt der Étang du Fay und schließlich der Étang de Ramouille. Weiter südlich, am Forêt de Dissey, liegt der Étang Lapierre, beim Weiler La Verne der Étang de la Verne und schließlich beim Weiler La Chouillère noch der Étang Ravot. Dazu finden sich auf dem Gemeindegebiet etwa 12 weitere Étangs, deren Namen nicht bekannt sind.

An fließenden Gewässern finden wir als Hauptfluss La BrenneLa Brenne, Länge 53,79 km, Zufluss zum Bras la Seillette Aval, Quelle bei in Miéry auf ca. 437 m, Mündung bei in Sens-sur-Seille auf ca. 181 m, La Brenne auf sandre.eaufrance.fr, die zwischen Rye und Bellevesvre die Gemeinde von Ost nach West in der Nähe des Bourg durchzieht. Im Südosten zieht sich La ChauxLa Chaux, Länge 12,14 km, Zufluss zur Brenne, Quelle bei in Commenailles auf ca. 214 m, Mündung bei in Mouthier-en-Bresse auf ca. 191 m, La Chaux auf sandre.eaufrance.fr der Gemeindegrenze entlang, um nahe des Moulin de Hiège in die Brenne zu münden. Von Rye her fließt La DormeLa Dorme, Länge 15,74 km, Zufluss zur Brenne, Quelle bei in Bretenières auf ca. 234 m, Mündung bei in Mouthier-en-Bresse auf ca. 190 m, La Dorme auf sandre.eaufrance.fr in die Gemeinde, mündet aber nach kurzer Distanz nördlich des Moulin de Hiège ebenfalls in die Brenne. Im Norden der Gemeinde entspringt der Ruisseau des TenaudinsRuisseau des Tenaudins, Länge 13,43 km, Zufluss zur Brenne, Quelle bei in Mouthier-en-Bresse (als Bief Fourneau) auf ca. 212 m, Mündung bei in Torpes auf ca. 186 m, Ruisseau des Tenaudins auf sandre.eaufrance.fr, der als Bief der Étangkette dient, die sich der nordwestlichen Gemeindegrenze entlang zieht. Bleibt noch La DargeLa Darge, Länge 10,2 km, Zufluss zur Brenne, Quelle bei in Mouthier-en-Bresse auf ca. 209 m, Mündung bei in Le Planois auf ca. 184 m, La Darge auf sandre.eaufrance.fr, sie entspringt auf dem Gemeindegebiet ganz im Süden, um nach Westen zu fließen und in Le Planois in die Brenne zu münden.

Verkehrswege Von Bellevesvre her zieht sich die Departementsstraße D23 durch das nördliche Gemeindegebiet und führt nach Neublans-Abergement, wo sie die Nummer D13 des Département Jura erhält. Ebenfalls von Bellevesvre her verläuft ganz im Süden die D137, zieht sich nördlich durch den Bourg und weiter über den Weiler Dissey nach Rye. Ganz im Süden und ohne eine Siedlung zu berühren, zieht sich noch die D323 für 2,6 Kilometer durch das Gemeindegebiet. Sie liegt auf der Trasse einer Römerstraße, die von Bellevesvre nach Sellières und Poligny führte. Weiler und Fluren Historisch gehören zur Gemeinde folgende Weiler und Fluren: Les Abergiers, La Baraque, Les Baudrières, Belleville, Bellevue, Belmeix, Les Beuillis, Bois-de-Dissey, La Brenne (Gewässer), Les Champs, Les Champs-de-Gourins, Champs-Neufs, Charbonnière, Le Châtelet, Chaux-d’Event, Chez-Guignol, Chouillère, Le Colombier, La Cour-aux-Dames, Les Creuillons, Dissey, les Doinsserans, Dorme, Le Durlet, Espront, L’Étang-Girardin, Events, Favry, Foisset, Four-en-ChauxDer Flurname Four-en-Chaux ist eine Besonderheit, er taucht ausschließlich in Mouthier en Bresse auf. Der Flurname nimmt auch nicht Bezug auf einen Kalkofen wie oft angenommen wird. Die Bezeichnung nimmt vielmehr Bezug auf die Römerstraße. Die häufigen Bezeichnungen Chaux in der Bresse gehen zurück auf das lateinische callis für die Straße. Das Four hingegen geht zurück auf das lat. foris (vor, außerhalb, bei). Tatsächlich liegt etwa 6 Kilometer östlich die Gemeinde La Chaux, aber auch lediglich einige Hundert Meter südlich liegt ein Weiler namens La Chaux direkt an der D323, im heutigen Gemeindegebiet von Chapelle-Voland. So dürfte die Bezeichnung Four-en-Chaux zurückzuführen sein auf gallo-röm. foris calle im Sinne von in der Nähe der Straße. Dass der Flurname keinesfalls mit Kalkstein zusammenhängt, geht aus der Geomorphologie der Bresse eindeutig hervor., Gehere, La Gradelière, la Grange, Grange-Bourreau, Hiège, Malestière, Les Marres, Migrin, La Mistenflûte, Les Moirots, Moulin de l’Etang-Neuf, Moulinot, Petit-Chouillère, Les Petites-Rèpes, Les Rattes, La Ronce, Le Rond, Sarmanat, La Verne, Les Vernes de Four-en-Chaux, La Ville-Neuve, Les Viserons. Höhenprofil mini|400px Das Höhenprofil beginnt bei der Étang-Kette im Nordwesten der Gemeinde. In einer Senke liegt ein Bief, gefolgt von einer Hochebene, die sich von Chouillère bis Neublans-Abergement zieht. Der tiefste Punkt in diesem Profil bildet die Brenne, die unmittelbar nördlich des Bourg fließt. Etwas nordwestlich vom Bourg befindet sich der Weiler Dissey, nahezu 20 Meter höher als der Bourg. Die Brenne, die dazwischen liegt, hat oft dafür gesorgt, dass die Verbindung zwischen den Siedlungen unmöglich war. Die Bresse-Ebene im südlichen Teil des Profils wird immer wieder durchbrochen von Biefs, die einst Étangs bedienten, die heute aufgelassen sind.

Klima Das Klima in Mouthier-en-Bresse ist warm und gemäßigt. Es gibt das ganze Jahr über deutliche Niederschläge, selbst der trockenste Monat weist noch hohe Niederschlagsmengen auf. Die Klassifikation des Klimas nach Köppen und Geiger ist Cfb ((Gemäßigtes) Ozeanklima). Die Temperatur liegt im Jahresdurchschnitt bei 11,7 °C. Der wärmste Monat ist der Juli mit einer Durchschnittstemperatur von 20,7 °C, der kälteste der Januar mit 3,0 °C. Über ein Jahr verteilt summieren sich die Niederschläge auf 1173 mm, dabei ist der November mit 1228 mm der niederschlagsreichste, während Juli und August als trockenste Monate 73 mm aufweisen. Über das ganze Jahr werden etwa 2786 Sonnenstunden gezählt.

Toponymie Die erste Erwähnung des Ortes geht zurück auf das Jahr 926, Cœnobium Æthicens findet sich in der Bibliothek der Abtei Cluny, 1089 wird dort das Monasterium Sancti-Eugendi Etice erwähnt. Schließlich wird 1275 der Prior Monasterii in Brissia, also der Vorsteher des Klosters in der Bresse genannt. Aus dieser Bezeichnung bildete sich im Laufe der Zeit der Ortsname Mouthier-en-Bresse. Bei dem Heiligen, dem die Kirche geweiht war, handelte es sich um Eugendus.

Geschichte Der Name geht auf ein Benediktinerkloster zurück, das im 10. Jahrhundert errichtet und den Namen Monasterium in Brixia trug. Diese Bezeichnung ging später auf die Pfarrei und letztlich auf die Gemeinde über. Über das Kloster ist wenig bekannt, die Archive wurden wohl während der zahllosen Kriege im burgundisch-freigräflichen Grenzgebiet vernichtet. Die Gründung dürfte auf Bernon zurückgehen, dem nachmaligen, ersten Abt des Klosters Cluny, der durch die Herren von Bellevesvre unterstützt wurde. Das Kloster ist jedenfalls in Bernons Testament erwähnt, der dort seine Nachfolge für seine Abteien regelte und für Cœnobium Æthicense (Mouthier-en-Bresse) seinen Neffen Widon bestimmte. In verschiedenen Dokumenten aus dem 11. und 12. Jahrhundert wird Mouthier als Niederlassung des Klosters Baume genannt. Das Kloster wurde während der Revolution zerstört, es finden sich keine Spuren mehr. Während Jahrhunderten litten die Einwohner des Ortes unter den Abgaben und den Folgen der Toten-Hand. Durch die Unveräußerlichkeit der Güter, die der Kirche geschenkt worden waren, konnten die Eigenleute kein Eigentum erwerben.

1789 war Mouthier durch die Brenne in zwei Gemeinden geteilt, Mouthier südlich und Dissey nördlich, beide zur Vogtei Chalon-sur-Saône gehörig und kirchlich von Auxonne abhängig. Die Kirche mit dem Patrozinium des hl. Vitus, gehörte zur Diözese Besançon, zum Dekanat Neublans und unterstand der Kollatur des Klosters Baume-les-Messieurs, sie wurde im 18. Jahrhundert neben der Klosterkirche erbaut. Man pflegte die kranken Kinder über den Vitus-Stein zu rollen, damit sie wieder gesund wurden. 1889 erhielt der Weiler Chouillère ein eigenes Schulhaus, bis dahin wurden die Kinder in den Wohnhäusern des Weilers unterrichtet. Die Mädchenschule in Mouthier bestand bis 1965, die Knabenschule wurde zur Mairie. 1988 bestanden noch 61 Landwirtschaftsbetriebe.

In Mouthier befanden sich zwei Burgen, diejenige von Dissey, die in der Gegend von le Colombier lag, und diejenige von Events, von der ebenfalls keinerlei Spuren mehr vorhanden sind. Im Weiler Rond, direkt östlich angrenzend an Bellevesvre, bestand eine Motte, die mehrmals von den spanischen Habsburgern benutzt wurde, um ihre Angriffe gegen Bellevesvre zu führen.

Nachdem das Haus Burgund 1477 in männlicher Linie ausgestorben war, ging das Herzogtum Burgund an Frankreich, die Franche-Comté jedoch an den Burgundischen Reichskreis. Die Kriege im 16. und 17. Jahrhundert (Krieg gegen den savoyardischen Herzog Karl Emanuel I., Dreißigjähriger Krieg und Devolutionskrieg) bescherten dem Ort am äußersten Grenzpunkt des Herzogtums Burgund schreckliche Katastrophen.

Als sich Frankreich im Zweiten Weltkrieg unter deutscher Besatzung befand, organisierte der 1911 in Mouthier-en-Bresse geborene Bauer und Kommunist André Guipet zusammen mit Paul Buatois die Verteilung von Zeitungen der Résistance und führte Sabotageaufträge an der von den Deutschen benutzten Bahninfrastruktur aus. Später trat er bewaffneten Verbänden des Widerstands bei. Die Herren von Mouthier-en-Bresse Mouthier war von alters her Sitz eines Klosters, das zum Priorat wurde und von der Abtei Baume-les-Messieurs abhing. Der Prior war Herr über die Steuerpflichtigen und übte das Recht der Toten Hand aus. Noch wenige Jahre vor der Revolution stöhnten die Einwohner unter der Last der vielfältigen Abgaben.