Die Eberswalder Straße ist eine Hauptverkehrsstraße in Berlin-Prenzlauer Berg und Teil des nördlichen Innenstadtrings. 1961–1989 lag sie an der Berliner Mauer. Bebaut vornehmlich mit Häusern aus der Gründerzeit grenzen an die Straße der Mauerpark, der Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark sowie der U-Bahnhof Eberswalder Straße. Benannt ist sie nach der Kreisstadt Eberswalde im Landkreis Barnim.
Straßenverlauf Gut zwei Kilometer nördlich des Berliner Fernsehturms beginnt die Eberswalder Straße nahe der Grenze zum Ortsteil Mitte als Verlängerung der Bernauer Straße an der Kreuzung mit Oderberger- und Schwedter Straße am südlichen Eingang des Mauerparks.Zum genauen, aktuellen Stand des Straßen- und Grenzverlaufs siehe: Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen: Karte Berlin Zoom im Geoportal. (auf größte Detailstufe heranzoomen) Insgesamt gut fünfhundert Meter lang, führt sie zunächst in Richtung Ostnordost, knickt etwa auf halber Strecke in einer Rechtskurve ab und führt in ostsüdöstlicher Richtung weiter zur Kreuzung mit der Schönhauser Allee, um dort in die Danziger Straße überzugehen. An ihrem Knick mündet aus nördlicher Richtung die Emilie-Mosse-Straße als einzige Querstraße in die Eberswalder Straße ein.
Die Eberswalder Straße liegt an der südlichen Grenze der St. Augustinus-Pfarrei sowie seit 2014 im Erhaltungsgebiet Teutoburger Platz, mit dem die Zusammensetzung der Wohnbevölkerung erhalten werden soll.Verordnung zur Erhaltung der Zusammensetzung der Wohnbevölkerung. Bezirksamt Pankow von Berlin, 27. Mai 2014. berlin.de/ba-pankow (PDF) Die Häuser haben eine Hufeisennummerierung, beginnend auf der Südseite an der Ecke zur Oderberger Straße.
Verkehr Straßenbahn Durch die Eberswalder Straße führt die älteste kommunale Straßenbahnstrecke der Stadt, sie wurde am 1. Juli 1908 eingeweiht und verlief zwischen Stettiner Bahnhof (heute: Nordbahnhof) und dem Viehhof an der Landsberger Allee. In der Nachkriegszeit verkehrte die Straßenbahnlinie 4, mit den Endhaltestellen Strelitzer Straße/Bernauer Straße und Warschauer Brücke bzw. Schlesisches Tor. Am 15. Dezember 1951 wurde die Linie 4 an der Sektorengrenze am Übergang zur Bernauer Straße unterbrochen und die Haltestelle Eberswalder Straße / Oderberger Straße wurde zur Endstation.Marcel Götze: Nachkriegsgeschichte ab 1945. berlin-straba.de 1950-59 (Stand: 2. November 2013) Ab April 1963 gab es hier, wenige Meter entfernt von der Berliner Mauer, eine Wendeschleife, die 1975–1976 erweitert wurde.Marcel Götze: Nachkriegsgeschichte ab 1945. berlin-straba.de 1960–1969 (Stand: 2. November 2013)
Im Jahr 2005 ließ die BVG die Gleisanlagen sanieren und verlängerte die Linienführung wieder auf die Strecke über der Bernauer Straße Richtung Nordbahnhof. Seit Mai 2006 verkehrt hier die Metrolinie M10.
Auf dem Mittelstreifen der Eberswalder Straße wurde an der Ecke zur Schönhauser Allee im Juni 2009 eine linksseitige Haltestelle errichtet.Marcel Götze: Nachkriegsgeschichte ab 1945. berlin-straba.de 2000–2009 (Stand: 2. November 2013)
Fahrbahn und Gehwege mini|hochkant|Eberswalder Straße Ecke Schönhauser Allee, 2012
Auf dem gut dreißig Meter breiten Straßenland wurden im Zuge des Ausbaus des Berliner Innenstadtringes von 2008 bis 2010 die Fahrstreifen vierspurig ausgebaut, zwei davon als Mischspuren mit Tramverkehr. Als Mittelstreifen entstand auf großen Teilen der Straße eine etwa drei Meter breite Sperrfläche. Beidseitig wurden die Gehwege ausgebaut sowie Fahrradwege und Parktaschen angelegt. Die Gehwegpflasterung wurde teils mit sogenannten Charlottenburger Platten, teils als Bernburger Mosaikpflaster ausgeführt. Als Straßenbäume wurden im westlichen Teil Platanen (Platanus acerifolia), im östlichen Teil Linden und Winterlinden (Tilia cordata) gepflanzt. Seit dem 1. Oktober 2010 gehört die Eberswalder Straße zur Parkraumbewirtschaftung der Zonen 41 und 43.
Seit Oktober 1991 heißt der nahe Bahnhof der Hochbahn auf der Schönhauser Allee U-Bahnhof Eberswalder Straße. 1913 war er unter dem Namen Danziger Straße eröffnet worden und hieß zu DDR-Zeiten U-Bahnhof Dimitroffstraße.
Geschichte Ab 1780 gehörte die Gegend zum ausgedehnten Acker Tractus des Vorwerks Niederschönhausen. Zu dieser Zeit bestanden bereits die Schönhauser Allee und der Feldweg Verlorener Weg, heute Schwedter Straße.Mencelius: Plan der Berliner Hufen. Konigl. Lith. Institut Berlin 1823. stadtmuseum.de (Mit handschriftlicher Markierung des späteren Exerzierplatzes.) 1823 erwarb Christian Wilhelm Griebenow das Vorwerk, parzellierte es und verkaufte zwei Jahre später ein gut zwanzig Hektar großes Stück an das preußische Militär, das hier einen der drei großen Exerzierplätze im Berliner Norden anlegte, heute liegt hier der Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark.
1826: Verbindungsweg südlich des Exerzierplatzes Um das Gebiet aufzuwerten, legte Griebenow 1826 mehrere Erschließungsstraßen an, darunter eine Straße unmittelbar südlich des Exerzierplatzes als Verbindung von Verlorenem Weg und Schönhauser Allee.Christian Wilhelm Griebenow: Wilhelm Griebenow’s Erlebnisse. Von ihm selbst geschrieben. Selbstverlag des Verfassers, Berlin 1864. S. 170–171. zlb.de Sie verlief von der Schönhauser Allee 141 in gerader Linie westsüdwestwärts bis zum heutigen Süd-Eingang des Mauerparks an der Schwedter Straße. Der westliche Teil der heutigen Eberswalder Straße 1–14 folgt diesem von Griebenow angelegten Straßenverlauf.Carl Birck: Neuester Situations-Plan Von Berlin. Verlag der S. Schropp’schen Hof-Landkartenhandlung, Berlin 1866. zlb.de Am östlichen Ende dieser namenlosen Straße gründete die St. Elisabethgemeinde 1855 an der Ecke Schönhauser Allee die Zionskapelle, eine Vorläuferin der ZionskircheDie Anfänge der Zionskirche. Förderverein Zionskirche e. V. Die Schönhauser Allee 141 ist heute Standort der Diakonie. und südlich davon 1858 ein Siechenhaus für Frauen, es stand an der Schönhauser Allee dort, wo heute die Eberswalder Straße einmündet. Die Straße südlich des Exerzierplatzes wurde von den 1860er bis in die 1880er Jahre in den Plänen der Berliner Verwaltung als Straße 53, Abtheilung XI geführt. 1864 war die Straße 53 noch unbewohnt.Communal-Blatt der Haupt- und Residenz-Stadt Berlin, 14. Mai 1865, S. 242. zlb.de
1877: Anschluss an die Danziger Straße mini|Neuer Knick für die Straße 53: Bebauungsplan von 1875
1877 wurde der Straßenverlauf geändert und bekam seine heutige, abgeknickte Form: In Verlängerung der bestehenden Danziger Straße wurde die Bebauung an der Schönhauser Allee durchbrochen und die Straße in gerader Linie bis zum Exerzierplatz weitergeführt.Landesarchiv Berlin: Straße 53 der Abteilung XI des Bebauungsplanes, seit 1889 Eberswalder Straße. A Rep. 000-02-01, Nr. 537 Zur Freilegung der Straße wurden die Anlieger enteignet, das Siechenhaus an der Schönhauser Allee sowie ein von Griebenow errichtetes Wärterhaus am Exerzierplatz wurden abgerissen.Sitzung der Stadtverordneten=Versammlung am 31. Mai 1877. Berichterstattung, betreffend die Freilegung der Straße 53, Abtheilung XI. des Bebauungsplanes, von der Schönhauser Allee bis zur Straße 9. Berlin 1877. S. 240. zlb.de Die enteigneten Anlieger waren: Kaufmann Prillwitz, Elisabeth Siechenhaus, Zimmermeister Elend, Prediger Distelkamp, der Militärfiskus sowie der Baumschulenbesitzer Lorberg.Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin. Berlin 1882. S. 101. zlb.de Nach einigen Verzögerungen wurde 1881 die Pflasterung der Straße 53 fertiggestellt.Städtische Baudeputation: Bericht über die Städtische Bauverwaltung. In: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin. No. XVIII. Berlin 1881. S. 9. zlb.de Als erstes größeres Gebäude entstand 1875–77 das neue St. Elisabeth Stift am heutigen Ort, gleichzeitig ging am westlichen Ende der Straße der Bahnhof der Berliner Nordbahn in Betrieb. Am 12. April 1889 bekam die Straße ihren Namen – wie zuvor die Bernauer Straße wurde auch die Eberswalder Straße nach einer Stadt im Landkreis Barnim benannt.Bekanntmachung des Magistrats. In: Gemeindeblatt der Stadt Berlin, 14. April 1889, S. 150. zlb.de
1951–2025: Eingliederung eines Teils der Sonnenburger Straße Im Jahr 1912 erwarb die Stadt das Gelände des alten Exerzierplatzes und widmete es zu einer Sportstätte um. Die Stadtverordnetenversammlung beschloss im selben Jahr, die Sonnenburger Straße quer über das Sportgelände zu verlängern von der Kreuzung Gaudystraße südwärts bis zum Knick der Eberswalder Straße. Von 1920 bis 1935 hieß dieser Abschnitt Rudolf-Mosse-Straße. 1951 wurde mit dem Bau des neuen Sportparks die Sonnenburger Straße überbaut und unterbrochen und ihr südliches Ende bis 2025 in die Eberswalder Straße eingegliedert (ehemalige Hausnummern 36–39). Seit 2025 heißt dieser Abschnitt Emilie-Mosse-Straße.
1961–1989: Sackgasse zur Berliner Mauer mini|hochkant|Eberswalder Straße und Berliner Mauer, Oktober 1989
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs endete die Eberswalder Straße direkt an der sowjetisch-französischen Sektorengrenze, die entlang der Schwedter Straße verlief. Mit Beginn des Mauerbaus 1961 querte der Grenzstreifen die Kreuzung am Übergang zur Bernauer Straße. Um einen Blickkontakt mit West-Berlinern über die Sperranlagen hinweg zu verhindern, wurde im Herbst 1961 eine etwa fünf Meter hohe Sichtblende aus Holz errichtet. Später wurde die Blende durch eine massive Betonmauer ersetzt. Die Eberswalder, Oderberger und Schwedter Straße waren nun Sackgassen, die nur über den Gehsteig miteinander verbunden waren. Auf den Fahrbahnen standen in den 1980er Jahren zur Durchfahrtsicherung große Blumenschalensperren aus Beton. Im Juli 1988 wurde im Zuge eines Gebietsaustauschs zwischen Ost- und West-Berlin die Sektoren- und heutige Bezirksgrenze westwärts verlegt. Der Mauerstreifen wurde verbreitert, und die Grenzmauer verlief nun nicht mehr direkt über die Kreuzung, sondern querte die Bernauer Straße etwa fünfzig Meter weiter westlich.
Mit dem Fall der Mauer im Jahr 1989 wurden in der Nacht vom 10. zum 11. November die ersten Abrissarbeiten an der Kreuzung Oderberger/Schwedter/Bernauer Straße vollzogen. Noch am gleichen Morgen wurde für Fußgänger der Grenzübergang Eberswalder Straße eröffnet.Christine Kisorsy u. a.: Die weiße Linie, Mauer und Flucht im Berliner Nordosten. Herausgegeben von Museum Pankow. Textpunkt Verlag, Berlin 2012, Kapitel: Eberswalder Straße | Bernauer Straße, S. 12–21.
Bebauung St. Elisabeth Stift, erbaut 1877
1858 gründete die Gemeinde St. Elisabeth an der Schönhauser Allee gegenüber der Danziger Straße das St. Elisabeth Stift mit Platz für fünfzig alte und pflegebedürftige Menschen. Das Gebäude stand direkt an der Einmündung der heutigen Eberswalder Straße und musste in den 1870er Jahren wegen des Baus der neuen Straße abgerissen werden. Als Ersatz errichtete Baumeister Friedrich August Wilhelm Strauch Denkmaldatenbank. einhundert Meter weiter westlich das heutige Stiftsgebäude. 1877 wurde es mit Platz für nun einhundert Bewohnerinnen als kirchliches Siechenhaus für Frauen eröffnet. 1883 und 1893 erweiterte der Berliner Architekt Kurt Berndt den Bau durch mehrere Seitenflügel im Stil des Spätklassizismus. Seit 1980 befindet sich auf dem Hof ein Glockenstuhl samt der alten Glocke der Fachwerkkirche Alt Placht. Das Stift in der Eberswalder Straße 17/18 wird seit 2010 von der Stephanus-Stiftung geführt.
Güterbahnhof 1877–1980
Am westlichen Ende der Straße wurde 1877 auf dem Gelände des heutigen Mauerparks ein Güterbahnhof eröffnet. Er trug zunächst die Bezeichnung Güterbahnhof der Nordbahn bzw. Berlin Nordbahnhof und wurde 1950 in Eberswalder Güterbahnhof umbenannt. Er blieb über einhundert Jahre – selbst nach dem Mauerbau – bis in die 1980er Jahre auf der West-Berliner Seite in Betrieb.
Gemeindeschule 1888–1945 mini|hochkant=0.85|Eberswalder Straße 10: ehemaliges Lehrerwohnhaus, 2011