Fallout: New Vegas ist ein 2010 erschienenes Action-Rollenspiel aus der seit 1997 bestehenden Fallout-Serie. Das von Obsidian Entertainment entwickelte Spiel ist ein eigenständiger Ableger der Reihe. Es basiert zwar wie Fallout 3 auf der Gamebryo-Engine, ist jedoch nicht als direkter inhaltlicher Nachfolger anzusehen.
Am 10. Februar 2012 erschien die Ultimate Edition des Spiels. Sie enthält das mit dem finalen offiziellen Patch versehene Hauptspiel und alle sechs erschienenen Download-Erweiterungen.
Handlung
mini|Der Hoover Dam steht in Fallout: New Vegas im Zentrum des Konflikts zwischen den Fraktionen. Die Handlung ist im sogenannten Fallout-Universum angesiedelt, dessen Geschichte seit etwa dem Jahre 1950 von der realen Welt divergiert. Die Spielwelt erstreckt sich auf das Zentrum sowie die nahe Umgebung des Fallout-Pendants zur US-Glücksspielmetropole Las Vegas, die nach einem Atomkrieg im Jahre 2077 und der darauf folgenden großen nuklearen Katastrophe in New Vegas umbenannt wurde. Die Geschehnisse des Spieles finden im Jahre 2281 statt, also mehr als 200 Jahre nach der nuklearen Katastrophe und nur vier Jahre nach den Geschehnissen in Fallout 3. Das Ödland der Mojave-Wüste, in der die Stadt New Vegas liegt, wurde im Atomkrieg der USA gegen China nur wenig in Mitleidenschaft gezogen. So sind weite Landstriche von größeren Zerstörungen und Verseuchungen verschont geblieben. In der Spielwelt finden sich deshalb vereinzelt auch Gebiete mit einer unberührten Vegetation und weitgehend intakten Gebäuden. In dieser Landschaft findet ein Drei-Parteien-Krieg zwischen den Bewohnern von New Vegas, der Regierung der Republik Neu-Kalifornien (RNK) und der Caesar’s Legion statt. Im Zentrum des Konflikts steht dabei der Hoover Dam, der selbst nach 200 Jahren des Verfalls noch immer fähig ist, den Großraum um New Vegas mit Strom zu versorgen. Dort stehen sich Caesar’s Legion und die RNK in einer Pattsituation gegenüber. Die RNK macht sich für die Werte einer demokratischen und zentralistischen Gesellschaftsordnung stark, wie sie vor dem Atomkrieg herrschten, und möchte Ordnung und Gerechtigkeit im Mojave-Ödland wiederherstellen. Die nach dem Vorbild der römischen Legionen organisierte Caesar’s Legion agiert vor allem nach dem Faustrecht und versucht, die Ausbreitung der ursprünglich aus Kalifornien stammenden RNK Richtung Osten einzudämmen. Die Bewohner von New Vegas versuchen hauptsächlich ihre Unabhängigkeit zu bewahren und bestehen aus zahlreichen kleinen, teils neutralen, teils untereinander verfeindeten Gruppen. Im weitläufigen Ödland finden sich zusätzlich noch weitere unabhängige Fraktionen.
Der Spieler schlüpft in die Rolle eines Kuriers, der angeschossen und auf einem Friedhof verscharrt wurde. Er wird von einem Roboter ausgegraben und von einem Arzt namens Dr. Mitchell in dessen Haus in der kleinen Siedlung Goodsprings, die weit südlich von New Vegas liegt, wieder geheilt.
Nach seiner Genesung begibt sich der Spieler auf die Suche nach den Männern, die ihn beinahe umgebracht haben. Ohne Erinnerung an die vorangegangenen Ereignisse muss er außerdem im weitläufigen Mojave-Ödland und in der Stadt New Vegas nach Hinweisen zu dem verschwundenen Paket suchen, das er ausliefern sollte. Im weiteren Spielverlauf müssen Haupt- und Nebenquests für die verschiedenen Fraktionen absolviert werden, die die Haupthandlung vorantreiben und beeinflussen. Der Spieler hat dabei die Möglichkeit, sich einer der großen Fraktionen anzuschließen. Je nachdem, welche der zahlreichen Nebenquests absolviert werden, welche Entscheidungen im Rahmen der Hauptquests getroffen werden und welcher Fraktion man sich anschließt, kann der Spieler die Entwicklung und den Ausgang des Konflikts bestimmen. Ultimatives Ziel der großen Fraktionen ist es dabei, die Kontrolle über New Vegas und den Hoover Dam und damit auch über das Ödland zu erlangen, was schließlich in einer entscheidenden Schlacht an der Hoover-Talsperre gipfelt.
Spielprinzip Spielmechanik
Die Spielmechanik unterscheidet sich nur geringfügig vom inoffiziellen Vorgänger Fallout 3. Zur Charaktererstellung werden dem Spieler zu Beginn des Spiels vom Arzt Dr. Mitchell im Rahmen der Behandlung einige Fragen gestellt. Auf der Grundlage der Antworten wird das Aussehen des Spielcharakters bestimmt und ihm Fähigkeiten und Charaktereigenschaften zugeordnet, beispielsweise in Bezug auf Intelligenz, Verhandlungsgeschick, Körperkraft und Umgang mit verschiedenen Waffentypen. Diese Fähigkeiten können später weiter verbessert werden, indem der Spielcharakter Bücher liest, die überall im Ödland verteilt zu finden sind.
Im Vergleich zu Fallout 3 gibt es leichte Veränderungen im V.A.T.S.-Modus, in dem nun jede Nahkampfwaffe einen Spezialangriff ausführen kann. Zudem kann in den Spieloptionen das Zielen über Kimme und Korn ein- oder ausgeschaltet werden. Der Spieler hat nun die Möglichkeit, seine Waffen zu modifizieren, etwa mit einem Zielfernrohr oder einem größeren Magazin. Powerrüstungen sind nicht mehr unzerstörbar, zudem gibt es nun verschiedene Rüstungen und Kleidungen, welche jeweils einer bestimmten Fraktion angehören und beim Tragen entsprechende Auswirkungen auf das Verhalten von NPCs haben. Außerdem können nun Gegenstände, wie beispielsweise Nahrung oder Munition, selbst hergestellt werden. Im Mojave-Ödland wachsen verschiedene Pflanzen, die eingesammelt und verarbeitet werden können. Mittels Lagerfeuern lassen sich, die richtigen Zutaten vorausgesetzt, eigenhändig Lebens- und Heilmittel herstellen, die vor allem für den neuen optionalen Hardcore-Modus relevant sind. In diesem hat der Spieler unter anderem mit Hunger und Durst zu kämpfen, Munition besitzt ein Eigengewicht, Begleiter können sterben (siehe unten) und Stimpaks heilen nur noch über einen bestimmten Zeitraum (gleiches gilt für das Bekämpfen von Verstrahlung mit RadAway), außerdem lassen sich verkrüppelte Körperteile nicht mehr mit Stimpaks oder Schlaf heilen (außer im eigenen Bett), und eine Arzttasche heilt nur noch ein Körperteil vollständig oder alle minimal, während sie im normalen Modus stets alle Körperteile komplett heilt. Die noch in Fallout 3 vorhandenen, generisch wirkenden Innenareale und Höhlen wirken „handgemachter“ und weniger zufallsgeneriert, wodurch die ohnehin sehr große Spielwelt einiges an optischer Abwechslung gewinnt. Außerhalb der Haupthandlung und Nebenmissionen hat man die Möglichkeit, sich in diversen Kasinos die Zeit mit Glücksspielen wie etwa Black Jack, Spielautomaten und Roulette zu vertreiben. Ebenfalls kann man gegen viele der NPCs das Kartenspiel Karawane spielen, welches eigens für Fallout: New Vegas entwickelt wurde. Wie auch im Vorgänger Fallout 3 gibt es eine Schnellreisefunktion, mit deren Hilfe sich der Spieler direkt an bereits entdeckte Orte begeben kann. Im Gegensatz zu Fallout 3 können rekrutierbaren Begleitern über die neue Funktion des Companion-Wheel direkt rudimentäre Befehle wie z. B. Kampfaggressivität, Inventarzugriff oder einzuhaltender Abstand erteilt werden, ohne einen Dialog führen zu müssen.
Begleiter Auf seinen Streifzügen durch das Mojave-Ödland lernt der Spieler wieder verschiedene NPCs kennen, die sich ihm als Begleiter anbieten, wobei dies öfter als in Fallout 3 geschieht. Diese sind in den meisten Fällen menschlicher Gestalt. Es gibt aber auch nichtmenschliche Begleiter wie z. B. einen blauen Supermutanten aus dem sogenannten Nachtvolk oder einen Sicherheitsroboter namens ED-E. Der Spieler kann zu einem Zeitpunkt jeweils nur einen menschlichen bzw. menschenähnlichen und einen mechanischen Spielcharakter (Sicherheitsroboter ED-E oder Cyberhund Rex) an seiner Seite haben. Davon bringt jeder eine separate Einführungsquest mit, was die Identifikation mit der jeweiligen Spielfigur erhöht und Einfluss auf das Schicksal kleinerer Fraktionen, die mit dem Begleiter in Zusammenhang stehen, haben kann. Im normalen Modus können Begleiter nicht sterben, sondern werden nur für kurze Zeit bewusstlos. Im Hardcore-Modus hingegen können Begleiter permanent sterben. Jeder menschliche Begleiter besitzt als Grundausstattung jeweils eine Fern- und Nahkampfwaffe, die keine Munition verbrauchen und niemals kaputt gehen. Der Spieler hat die Möglichkeit diese Waffen durch bessere zu ersetzen, wobei in diesem Fall allerdings Munition benötigt wird und diese Waffen sich wie beim Spieler abnutzen. Auch kann der Spieler jeden Begleiter mit einer anderen Rüstung als der Standardkleidung ausstatten, der Begleiter rüstet dann automatisch die stärkste intakte Rüstung im Inventar aus, allerdings funktioniert das bei Fraktionskleidung nur, sofern der Begleiter der jeweiligen Fraktion angehört, anderenfalls lässt er sie gleich wieder fallen. Der Spieler erhält zudem auch Zugriff auf individuelle Fähigkeiten der Begleiter (sogenannte Extras oder Perks), beispielsweise eine frühzeitigere Feinderkennung auf dem HUD (Begleiter ED-E), Markierung von Zielen beim Zoomen (Begleiter Boone) oder die Möglichkeit, Gegenstände ohne Werkbank herzustellen (Begleiter Veronica). Diese Extras bleiben dem Spieler so lange erhalten, wie der Begleiter lebt und dem Spieler als aktiver Begleiter zugeordnet ist. Letzteres gilt auch für Begleiter, die an einer beliebigen Örtlichkeit auf Anweisung hin warten.
Gruppierungen
In Fallout: New Vegas spielen die verschiedenen Fraktionen eine noch größere Rolle als in Fallout 3. So bestimmt der Ruf des Spielers bei einer Fraktion, ob die dazugehörigen Handlungsstränge und Missionen weiter verfolgt werden können oder nicht. In jeder Ortschaft kann der Spieler so, je nachdem wie er sich verhält, entweder auf Freunde oder Feinde treffen. Leidet der Ruf bei einer Gruppierung zu stark, wird er von deren Mitgliedern unvermittelt angegriffen. Dem lässt sich zum Beispiel dadurch entgegenwirken, dass man sich wie ein Mitglied der Gruppe verkleidet. Neben den Hauptfraktionen gibt es in Fallout: New Vegas viele Nebenfraktionen, beispielsweise die Kings im Stadtteil Freeside, die Anhänger der Apokalypse, die Rumser, die Großkhane und Pulverbanditen. Die Stählerne Bruderschaft und vor allem die Enklave spielen im Vergleich zu Fallout 3 nur eine Nebenrolle. Der Spieler kann der Stählernen Bruderschaft allerdings beitreten, indem er bestimmte Aufgaben für diese erfüllt.
Im Laufe der Spielhandlung wird man letztlich kurz vor Spielende dazu aufgefordert, für eine der Hauptgruppierungen (Republik Neu-Kalifornien, Caesar’s Legion, Robert House oder Ja-Sager) Partei zu ergreifen. Es ist jedoch möglich, bis kurz vor Ende des Haupt-Handlungsstrangs eine weitgehend neutrale Position einzunehmen.
Die Republik Neu-Kalifornien (RNK) mini|Flagge der NCR Die RNK (engl.: New California Republic, NCR) wurde 2241 aus dem kalifornischen Staatenverband Shady Sands, Maxson, Hub, Dayglow und Boneyard gegründet. Die RNK ist im Fallout-Universum die bevölkerungsreichste und damit größte Fraktion. Die Stärke ihrer Armee ist dadurch um ein Vielfaches höher als die der meisten anderen Gruppierungen. Ihre konservative politische Gesinnung und demokratische Struktur macht sie mit der alten Regierung der USA vergleichbar. Nachdem die RNK ihre Macht in Kalifornien gesichert hatte, versucht sie nun, ihren Einflussbereich weiter nach Osten auszudehnen. Ihre Truppen sind überall westlich der Hoover-Talsperre (inklusive des Hoover Dam selbst) anzutreffen, vor allem in der Grenzregion zum von der Legion besetzten Territorium, direkt in New Vegas, in dem sich ihr lokales ziviles und militärisches Hauptquartier befindet, aber auch an strategisch wichtigen Orten im Ödland. Die Flagge der Republik Neu-Kalifornien ist an die Flagge des Bundesstaats Kalifornien angelehnt, zeigt aber statt eines normalen einköpfigen Bären einen mutierten Bären mit zwei Köpfen.
Caesar’s Legion