mini|Karl von Wenninger Karl Wenninger, seit 1913 Ritter von Wenninger (* 13. August 1861 in Berg; † 8. September 1917 bei Muncelu, Rumänien), war ein bayerischer Berufsoffizier und Militärdiplomat, zuletzt Generalleutnant und Führer des XVIII. Reserve-Korps im Ersten Weltkrieg.
Leben Herkunft Karl Wenninger wurde als Sohn des bayerischen Kürassieroffiziers Franz Xaver Wenninger (1829–1894) und dessen Ehefrau Mathilde Wenninger geb. Forster (1840–1906) geboren.Siegfried Julius Hirth: Stammbaum der Familie Knorr-Sabbadini. Knorr & Hirth, München 1896, S. 7 (Digitale Sammlungen).Todesanzeige Mathilde Wenninger. In: Münchner Neueste Nachrichten, 24. März 1906 (Nr. 140, Vorabendausgabe), S. 6. Sein Vater war zuletzt Oberst und Kommandeur des Landwehrbezirks München I.Neue Ritter des Militär-Max-Joseph-Ordens. In: Münchner Neueste Nachrichten, 4. September 1917 (Nr. 445, Morgenausgabe), S. 2.
Militärischer Werdegang Karl Wenninger trat nach dem Besuch des Humanistischen Gymnasiums am 28. September 1880 als Offiziersaspirant in das 2. Schwere Reiter-Regiment „Erzherzog Rudolf von Österreich“ der Bayerischen Armee in Landshut ein, in dem auch sein Vater Xaver seit Jahrzehnten diente, ab 1881 bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1882 als Oberstleutnant.Gustav Frhr. von Habermann: Geschichte des Königlich bayerischen 2. Schweren Reiter-Regiments „vacant Kronprinz Erzherzog Rudolf von Oesterreich“. Landshut 1891, Hier wurde Karl am 29. März 1881 zum Fähnrich ernannt sowie am 23. November 1882 zum Sekondeleutnant befördert.Gustav Frhr. von Habermann: Geschichte des Königlich bayerischen 2. Schweren Reiter-Regiments „vacant Kronprinz Erzherzog Rudolf von Oesterreich“. Landshut 1891, S. 219, 222. Vom 1. Oktober 1888 bis 30. September 1891 kommandierte man Wenninger zur Kriegsakademie, die ihm die Qualifikation für die Höhere Adjutantur und in zweiter Linie für den Generalstab aussprach.Othmar Hackl: Die Bayerische Kriegsakademie (1867–1914). C.H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung. München 1989. ISBN 3-406-10490-8. S. 602. Im Anschluss daran folgte seine Kommandierung zur Equitationsanstalt. Dort erhielt er seine Beförderung zum Premierleutnant. Im Oktober folgte seine Versetzung als Adjutant zur 2. Kavallerie-Brigade nach Augsburg. Ab 24. September 1895 war Wenninger für drei Jahre im Generalstab tätig und wurde dort zwischenzeitlich am 28. Oktober 1897 zum Hauptmann befördert. Im Anschluss folgte eine einjährige Verwendung im Generalstab des I. Armee-Korps, bevor er in den Truppendienst wechselte und als Chef eine Eskadron im 5. Chevaulegers-Regiment „Erzherzog Friedrich von Österreich“ in Saargemünd übernahm. Daran schloss sich eine Verwendung im Generalstab der 3. Division in Landau in der Pfalz an. Für zwei Jahre war Wenninger dann ab 21. September 1902 als Lehrer für Kriegsgeschichte und Geschichte der Kriegskunst an der Kriegsakademie tätig, wurde zwischenzeitlich am 23. Oktober 1903 Major und als solcher anschließend nochmals in den Generalstab des I. Armee-Korps versetzt. Am 19. April 1906 wurde er Mitglied der Studienkommission der Kriegsakademie und gleichzeitig mit der Führung des 1. Schwere-Reiter-Regiments „Prinz Karl von Bayern“ beauftragt. Wenningers Ernennung zum Regimentskommandeur erfolgte am 20. Juli 1906. In dieser Stellung beförderte man ihn am 8. März 1907 zum Oberstleutnant sowie am 7. März 1909 zum Oberst. 1907 gehörte er der Kommission zur Umarbeitung der Bayerischen Felddienstordnung und 1908 der Kommission zur Umarbeitung des Kavallerie-Exerzierreglements an. Am 24. September 1909 übernahm er das Kommando der 6. Kavallerie-Brigade in Regensburg. Von dort wurde er am 15. Dezember 1911 als bayerischer Militärbevollmächtigter in den Großen Generalstab nach Berlin berufen. Hier war er zugleich auch stellvertretender Bevollmächtigter Bayerns beim Bundesrat des Deutschen Reiches. Am 7. März 1912 wurde Wenninger Generalmajor. Wenige Tage später, am 13. März, erhielt er den preußischen Kronen-Orden 2. Klasse verliehen.Deutsches Reich. In: Rosenheimer Anzeiger, Nummer 61, 15. März 1912, S. 2.
Bayerischer Militärbevollmächtigter Erhebliche öffentliche Kritik erntete Wenninger nach einem skandalösen Auftritt im Reichstag am 9. April 1913, für den er sich tags darauf entschuldigen und seine Äußerungen zurücknehmen musste. Er hatte mit scharfer Polemik auf eine Rede des Zentrums-Abgeordneten und pensionierten bayerischen Generalmajors Caspar Haeusler reagiert, der die umstrittene Wehrvorlage für 1913 kritisiert und eine Verkürzung der Militärdienstzeit gefordert hatte. Da Wenninger Haeusler in seiner Reaktion unsachlich angegriffen, des Paktierens mit der politischen Linken beschuldigt und ihm den militärischen Sachverstand abgesprochen hatte, wurde ihm vorgeworfen, den Respekt vor dem Abgeordnetenamt missachtet und als bayerischer Bevollmächtigter die Würde des Parlaments verletzt zu haben.Michael Epkenhans (Hrsg.), Albert Hopman: Das ereignisreiche Leben eines ‚Wilhelminers‘. Tagebücher, Briefe und Aufzeichnungen 1901 bis 1920 von Albert Hopman. R. Oldenbourg Verlag, München 2004, ISBN 3-486-56840-X, S. 317 u. Anm. 160.
Im Spätherbst des Jahres 1913 setzte Wenninger im Rahmen der Vorbereitungen zur deutschen Militärmission in die Türkei durch, dass einige Stellen der zu entsendenden Instruktoren bayerischen Offizieren vorbehalten blieben, darunter der Mediziner Georg Mayer und der Artillerist Friedrich Kreß von Kressenstein.Winfried Baumgart (Hrsg.): Friedrich Freiherr Kreß von Kressenstein. Bayerischer General und Orientkenner. Lebenserinnerungen, Tagebücher und Berichte 1914–1946. Ferdinand Schöningh, Paderborn 2020, ISBN 978-3-506-70344-6, S. 53. In Würdigung seiner Verdienste wurde Wenninger am 27. September 1913 mit dem Ritterkreuz des Verdienstordens der Bayerischen Krone beliehen.Walter Schärl: Die Zusammensetzung der Bayerischen Beamtenschaft von 1806 bis 1918. S. 273. Damit verbunden war die Erhebung in den persönlichen Adelsstand, und er durfte sich nach der Eintragung in die Adelsmatrikel „Ritter von Wenninger“ nennen.Adelsmatrikel. In: Münchner Neueste Nachrichten, 3. Oktober 1913 (Nr. 506, Morgenausgabe), S. 4.
Beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs blieb er zunächst bayerischer Militärbevollmächtigter und war jetzt im Großen Hauptquartier tätig. Bei der ersten Verlegung des Hauptquartiers von Berlin nach Koblenz am 16./17. August 1914 beschaffte von Wenninger einen Hektoliter bayerisches Bier für die Reisenden, was zur guten Stimmung in dem zur Vermeidung von Behinderungen des Truppenaufmarsches auf Nebenstrecken nach Westdeutschland geleiteten Hof- und Sonderzugkonvoi beitrug.Gerhard P. Groß: Das Große Hauptquartier im Ersten Weltkrieg (= Zeitalter der Weltkriege. Band 24). Walter de Gruyter, Berlin/Boston 2022, ISBN 978-3-11-078000-0, S. 3.
Truppenkommandos und Tod im Ersten Weltkrieg Nach seiner Beförderung zum Generalleutnant am 10. September 1914 wurde Karl von Wenninger am 7. November 1914 Kommandeur der bayerischen Kavallerie-Division und führte den Großverband u. a. in der Schlacht bei Ypern und den darauffolgenden Stellungskämpfen in Flandern. Im März 1915 gab Wenninger das Kommando ab und übernahm die im Artois stehende bayerische 3. Infanterie-Division. Im September und Oktober konnte sie in der dort stattfindenden Herbstschlacht bei La Bassée und Arras mehrfach feindliche Durchbruchsversuche vereiteln. Während der Schlacht an der Somme verteidigte die Division den Abschnitt Martinpuich-Foureaux-Wald. Im April 1917 stand die Division an der Arrasfront südlich der Scarpe. Während der Schlacht von Arras gelang unter Wenningers Führung die Abwehr von drei Angriffen der Engländer und die Stabilisierung des Frontabschnittes. Für diese Leistung wurde Wenninger von König Ludwig III. im selben Jahr der Militär-Max-Joseph-Orden verliehen. Zudem erhielt er von Wilhelm II. am 1. Mai 1917 den Orden Pour le Mérite.
Am 5. Juni 1917 wurde er zum Führer des preußischen XVIII. Reserve-Korps ernannt, das zu diesem Zeitpunkt bei Reims lag und das Generalkommando Aisne bildete. Ende Juli 1917 wurden Teile des Korps zur Unterstützung der deutschen Sommeroffensive in der Moldau nach Rumänien verlegt und dort mit der 217. Infanterie-Division und der k.u.k. 62. Division unter Wenningers Oberbefehl als Kommandierender General zusammengefasst.Hans Garcke: Siebenter Abschnitt. Der Krieg im Osten 1917/18. In: Max Schwarte (Hrsg.): Der Weltkampf um Ehre und Recht. Der deutsche Landkrieg. Dritter Teil. Johann Ambrosius Barth, Leipzig 1925, S. 311–315 (Unterabschnitt „5. Die Kämpfe in der Moldau im Juli und August 1917“). In der dritten Phase der Schlacht von Mărășești (Schlacht bei Varniţa und Muncelu), in der Wenninger die maßgebliche Planung und Führung der aktiven Angriffsoperationen übernahm und dabei die Ausnutzung feindlicher Schwachstellen beabsichtigte, um die Offensive doch noch zu einem Erfolg zu bringen, gelang seinen Truppen Ende August 1917 der zuvor lange missglückte Durchbruch durch die an dieser Stelle von russischen Einheiten besetzte Front und die Einnahme des Ortes Muncelu (nordwestlich von Panciu). Während der rumänischen Rückeroberungsversuche nach dem Abbruch der deutschen Offensive wegen der extrem hohen Verluste fiel Wenninger am 8. September 1917 bei der Inspektion einer deutschen Vorpostenstellung auf der Höhe von Secului durch den Einschlag einer rumänischen Artilleriegranate. Wenninger war nach dem im November 1916 als Kommandeur der 22. Infanterie-Brigade gefallenen bayerischen Generalmajor Maximilian Pecht (1858–1916) der zweite deutsche (und zugleich bayerische) Offizier im Generalsrang, der auf dem Rumänienfeldzug zu Tode kam.Constantin Kiriţescu: Istoria războiului pentru întregirea României, 1916–1919. Band 2, Editura Științifică şi Enciclopedică, Bukarest 1989, S. 165–177 (Wenningers Tod S. 174).Deutsche Verlustlisten des Ersten Weltkrieges: Ausgabe 1676 vom 19. Oktober 1917 (Bayern 363), S. 21227 (Wenninger, Karl, Ritter von, Gen.-Ltn., Milit.-Bevollm. in Berlin u. stellv. Bevollm. z. Bundesrat des Deutschen Reiches – 13. 8. Berg, Niederb. – gefallen).
mini|Max Slevogt: Mondnacht Neukastel – Blick auf die Madenburg, 1917
Gedenken Er war mit dem Maler Max Slevogt befreundet, der im Ersten Weltkrieg auch als Frontmaler tätig gewesen war und auf die Nachricht von Wenningers Tod in Rumänien das melancholische Gemälde Mondnacht Neukastel schuf.Sandra Köhler: Mondnacht Neukastel. In: Blog der Liebermann-Villa. 31. Oktober 2014, abgerufen am 30. November 2022. Erhalten ist auch ein handschriftlicher Kondolenzbrief des Komponisten Richard Strauss an die Witwe, in dem er ihr zum kurz hintereinander erlittenen Verlust ihres jüngsten Kindes und ihres Gatten sein Beileid ausspricht.
Karl Ritter von Wenninger und seine Frau Corry sind zusammen mit ihrer Tochter Nelly verheiratete Waldmann nebst Anton Waldmann auf dem Münchner Waldfriedhof (Grab 111-W-30) bestattet.
mini|hochkant|Grabstätte Waldmann-Wenninger auf dem Münchner Waldfriedhof im Februar 2026
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