mini|The music lesson. Ölgemälde von Alexandra Exter, ca. 1925. mini|Die Banjo-Stunde. Ölgemälde von Henry Ossawa Tanner aus dem Jahre 1893. Instrumentalunterricht ist Unterricht, bei dem Fertigkeitem zum Spielen eines Musikinstruments und darüber hinaus meist auch weitere musikalische Kompetenzen und Kenntnisse vermittelt werden.

Der nachfolgende Artikel bezieht sich im Wesentlichen auf die Situation des Instrumentalunterrichts in Deutschland.

Geschichte

Weite Verbreitung fand der Instrumentalunterricht mit der Entstehung der bürgerlichen Gesellschaft. Wie insbesondere die Sozialgeschichte des Klaviers zeigt, sind Klavier und Bürgertum eng miteinander verknüpft. Der Klavierunterricht und das häusliche Klavierspiel wurde ein definierender Teil des bildungsorientierten bürgerlichen Lebensstils, der vor allem von Frauen und Mädchen ausgefüllt wurde, da Privat- und Erwerbssphäre scharf voneinander getrennt waren. Ein Symbol des bürgerlichen Selbstverständnisses ist die Wertschätzung des Klaviers und der klassischen Musik bis heute geblieben, wobei sich die Implikationen des Instrumentalunterrichts im Laufe der Zeit jedoch gewandelt haben.

Instrumentalunterricht und Persönlichkeitsentwicklung Unter dem Titel Musik(erziehung) und ihre Wirkung veröffentlichte der Musikpädagoge Hans Günther Bastian im Jahre 2000 die Ergebnisse einer Langzeitstudie, die er von 1992 bis 1998 an einer Reihe von Grundschulen in Berlin durchgeführt hatte. Seine Beobachtungen hatten Bastian u. a. davon überzeugt, dass eine erweiterte schulische Musikerziehung, die das Erlernen eines Instruments einschließt, bei Kindern zu einer Steigerung der Intelligenz – besonders des räumlichen Vorstellungsvermögens –, der geistigen Aufnahmefähigkeit, der Friedfertigkeit und des Selbstwertgefühls führe, und zwar unabhängig vom Bildungsniveau des Elternhauses. Die Intelligenzsteigerung erklärte er als Transfereffekt, d. h., er nahm an, dass bei der intensiven Beschäftigung mit dem komplexen Medium Musik kognitive Funktionen trainiert werden, die IQ-relevant seien. Die erhöhte soziale Kompetenz der musizierenden Kinder führte er auf Trainingseffekte des gemeinsamen Musikspiels zurück. Im Rahmen seiner Theorie der multiplen Intelligenzen hatte Howard Gardner in den 1980er Jahren ähnliche Thesen formuliert, und in der Schweiz hatte Maria Spychiger ähnliche Schulversuche wie Bastian bereits in den 1970er Jahren durchgeführt.Maria Spychiger: Das ist eine Art Heilserwartung an die Musik. In: Neue Zürcher Zeitung am Sonntag, 8. Februar 2009;

Vor dem Hintergrund des Diskurses um die hohe Ausfallquote im schulischen Musikunterricht und der Streichung von Subventionen für gemeinnützige Musikschulen griffen bildungsorientierte deutsche Zeitungen wie die FAZ und Die Zeit Bastians Befunde und Thesen so begierig auf,Musik? Macht total Spaß! In: Die Zeit, Nr. 14/1996. Musik macht klug. In: Die Zeit, Nr. 15/2000. Schüler aus dem Rhythmus. In: Die Zeit, Nr. 29/2002. Geschwollene Hirnbalken. In: Die Zeit, Nr. 17/2005. Konzert im Klassenzimmer. In: FAZ, 20. Oktober 2006. Macht Musik! In: Die Zeit, Nr. 49/2006 dass der sich bald genötigt sah, die Bedeutung der Transfereffekte zu relativieren,Hans Günther Bastian: Schott Musikpädagogik, 2000 zumal ihn die Anfälligkeit der Studie für Presseübertreibungen auch bei Wissenschaftlerkollegen unter Kritik gebracht hatte.Vgl. z. B. Heiner Gembris, Rudolf-Dieter Kraemer, Georg Maas (Hrsg.): Macht Musik wirklich klüger? Musikalisches Lernen und Transfereffekte. 3. Auflage. Wißner, Augsburg 2006, ISBN 3-89639-373-1

Anbieter Anbieter von Instrumentalunterricht sind Privatlehrer, Musikschulen, allgemeinbildende Schulen und Volkshochschulen, gelegentlich wird Unterricht auch vom Instrumentaleinzelhandel angeboten. Diese Angebote stehen zumeist allen Interessierten ohne Zugangsbeschränkungen offen, während der Instrumentalunterricht an einer Musikfachschule (Berufsfachschule für Musik) und Musikhochschule der beruflichen Qualifizierung dient und in der Regel eine Zulassungsprüfung voraussetzt. Für besonders begabte Schüler, die kostenpflichtigen Unterricht erhalten, stehen in vielen Ländern Stipendien zur Verfügung, die von unterschiedlichsten Institutionen zur Verfügung gestellt werden.

Privatlehrer Da die Berufsbezeichnungen der Musik- oder Instrumentallehrer (wie Klavier- oder Gitarrenlehrer) ohne Zusatz eines anerkannten Ausbildungsabschlusses (wie beispielsweise ein Hochschuldiplom) nicht geschützt sind, gibt es bei privaten Instrumentallehrern, die ihre Gebühren direkt mit dem Schüler abrechnen, oftmals deutliche Kompetenzunterschiede, die erhebliche Auswirkungen auf den Unterrichtserfolg haben können. Neben Privatlehrern mit einem instrumentalpädagogischen StudienabschlussIm deutschsprachigen Raum wird dieser Fachbereich an Musikhochschulen und anderen universitären Einrichtungen wie beispielsweise der Uni Halle, der Folkwang Universität und am Salzburger Mozarteum angeboten. oder Musikstudenten und ausgebildeten Berufsmusikern, die ihre Lehrtätigkeit oftmals ohne pädagogische Zusatzqualifikation nebenberuflich, zuweilen jedoch aus wirtschaftlichen Zwängen auch hauptberuflich ausüben, gibt es insbesondere bei Unterrichtsangeboten für Instrumente, die auch oder vorrangig in Genres der populären Musik Verwendung finden (wie Gitarre und Keyboard in der Popmusik), zahlreiche musikalische Laien, die trotz geringer oder fehlender eigener Unterrichtserfahrung als Autodidakten Unterricht anbieten, und die teilweise durch Dumpingpreise die insbesondere in Ballungsgebieten oftmals prekäre Einkommenssituation hochqualifizierter Instrumentallehrer zusätzlich verschärfen.Vergleiche hierzu: Gabriele Schulz, Olaf Zimmermann, Rainer Hufnagel: Arbeitsmarkt Kultur. Zur wirtschaftlichen und sozialen Lage in Kulturberufen. Deutscher Kulturrat e. V., Berlin 2013, ISBN 978-3-934868-30-4. Deutscher Kulturrat PDF (1,78 MB)

Musikschulen Die Angebote öffentlicher und privater Musikschulen sind als Ergänzung zum schulischen Musikunterricht konzipiert und vermitteln über dessen Inhalte hinausgehende musikalische Kompetenzen. Neben dem Instrumental- und Gesangsunterricht bieten sie oft auch Programme zur musikalischen Früherziehung und im Rahmen der Erwachsenenbildung an. Die rund 950 öffentlichen Musikschulen, die in Deutschland im Verband deutscher Musikschulen organisiert sind, beschäftigen bevorzugt Instrumentallehrer, die über einen anerkannten Fachabschluss verfügen, auch wenn bei einem hohen Personalbedarf in Ballungsräumen oder einem geringen Angebot an Fachkräften in ländlichen Gebieten dieser Anspruch nicht immer realisiert werden kann. Daneben existieren viele private MusikschulenBeispiele sind das Franchise-Unternehmen Musikschule Fröhlich und die zum gleichnamigen Instrumentenhersteller gehörigen Yamaha-Schulen., bei denen die Auswahl der Lehrkräfte oftmals mehr nach pragmatischen Kriterien erfolgt, so dass die Unterrichtsqualität in einigen Fächern ähnliche Qualitätsschwankungen wie im Privatunterricht aufweist. Um den Lernenden günstige Tarife anbieten zu können, wird an Musikschulen vielfach Gruppenunterricht erteilt.

Allgemeinbildende Schulen Obwohl z. B. Leo Kestenberg sich in Preußen bereits in den 1920er Jahren dafür eingesetzt hatte, jedes Kind an der Schule ein Instrument erlernen zu lassen, wird Instrumentalunterricht an deutschsprachigen Schulen bis heute nur vereinzelt und meist auch nur an Gymnasien angeboten. Als Gründe dafür gelten ein fehlender gesellschaftlicher und bildungspolitischer Wille, den Musikunterricht gegenüber den als nützlicher empfundenen Haupt- und Kernfächern (v. a. Deutsch, Mathematik) aufzuwerten, und eine ungeeignete Ausbildung der Lehrer.Macht Musik! In: Die Zeit, Nr. 49/2006

Eine Pionierrolle bei der Einführung eines flächendeckenden schulischen Instrumentalunterrichts nahm die im Schuljahr 2007/2008 gestartete Bildungsinitiative „Jedem Kind ein Instrument“ ein, die es sich zum Ziel gesetzt hatte, jedem Grundschulkind des Ruhrgebiets die Möglichkeit zu bieten, ein Musikinstrument eigener Wahl zu erlernen. Initiativen zur musikalischen Förderung im Grundschulbereich waren auch außerhalb Nordrhein-Westfalens entstanden, etwa an der Schloßparkschule in Völklingen-Geislautern.https://www.streicherprojekt.de/projekt/projektbeschreibung/ Regelmäßig wird Instrumentalunterricht an musischen Gymnasien und Musikinternaten angeboten.Beispiele: Schloss Belvedere. In: Die Zeit, Nr. 8/2008.

Das in Deutschland im schulischen Musikunterricht seit dem 20. Jahrhundert verbreitete Klassenmusizieren mit Blockflöten oder Orff-Instrumenten zielt auf die Gehörbildung und die Erfahrung gemeinsamen Musizierens, aber nicht auf ein technisch anspruchsvolles Spiel und kann darum zwar als Instrumentalpropädeutik, aber nicht als Instrumentalunterricht im engeren Sinne eingestuft werden.

Anbieter spezieller Unternehmens- und Unterrichtskonzepte mini|Das Spielen in der Gruppe ist ein Kernelement der Suzuki-Methode. Bei überregional vertretenen kommerziellen Musikschulen, wie beispielsweise der Modern Music School oder Yamaha Music School, handelt es sich meist um Franchising-Konzepte, die in den örtlichen Filialen durch die räumliche Ausstattung, Vorgaben für die Lehrpläne, normierte Unterrichtsmaterialien und Fortbildungsmaßnahmen für die Lehrkräfte einheitliche Qualitätsstandards im Sinne der jeweiligen Unternehmensphilosophie anstreben.

Bei Unterrichtsanbietern mit Bezeichnungen wie Suzuki-Lehrer, Suzuki-Musikschule, Suzuki-Verein geht es darüber hinaus auch um die Umsetzung eines weltanschaulichen Gesamtkonzepts, das als Suzuki-Methode internationale Verbreitung gefunden hat.

Musikfachschulen und Musikhochschulen Aufgrund der durch Unterrichtsstruktur und Zielsetzung bedingten Zulassungsbeschränkungen sind die der Ausbildung künftiger Berufsmusiker und Instrumentalpädagogen dienenden Musikfachschulen und Musikhochschulen nicht mit anderen Anbietern von Instrumentalunterricht vergleichbar.

Musikfachschulen oder Berufsfachschulen setzen mindestens einen Hauptschulabschluss voraus, die Angebote von Konservatorien und Musikhochschulen richten sich dagegen im Regelfall an Bewerber, die eine allgemeine Hochschulzugangsberechtigung haben. Die Aufnahme des Studiums in einem Instrumentalfach setzt in der Regel einen vorherigen Instrumentalunterricht mit mehrjährigem und intensivem Übungspensum voraus, da der Zugang zum Studium zumeist vom Bestehen einer Aufnahmeprüfung zum Nachweis der künstlerischen Befähigung abhängig ist.

Das Angebot an Instrumentalunterricht beinhaltet zumeist die klassischen Solo-, Ensemble- und Orchesterinstrumente, kann aber auch von stilistischen Schwerpunkten bestimmt sein (Historische Instrumente, volkstümliche Instrumente, Instrumente der Popmusik) und daher je nach Ausbildungsinstitut auch Unterschiede aufweisen. Der Instrumentalunterricht besteht im Regelfall aus dem von den Studierenden gewählten Hauptfach und dem Erlernen eines je nach Studienrichtung als Pflichtfach vorgeschriebenen zweiten Instruments. Obwohl der Instrumentalunterricht nur einen Teilaspekt der inhaltlich breit gefächerten Ausbildung darstellt, können mangelhafte Leistungen im Hauptfach in der Abschlussprüfung nicht durch andere Fächer kompensiert werden.

Ferienkurse und Musikworkshops mini|Teilnehmer eines Ferienkurses bei der täglichen Orchesterarbeit (ASCAP and Manhattan School of Music Summer Camp, 2007). Eine Ergänzung des üblichen Unterrichtsangebots sind von unterschiedlichsten institutionellen oder privaten Anbietern ausgerichtete Musikworkshops, die als Wochenendveranstaltungen oder Ferienkurse von zumeist ein- bis zweiwöchiger Dauer stattfinden.