mini|hochkant=1.6|Leopardenfelle, Sortiment für einen Mantel

Der Leopard und das Leopardenfell haben in ihren Herkunftsländern bereits im frühesten Altertum eine große Rolle gespielt. Als Kleidungsstück der Neuzeit war der Leopardenpelz um die Mitte des 20. Jahrhunderts, zusammen mit Fellen anderer auffällig gemusterter Katzenarten, besonders gefragt.

Beim Leoparden, auch als Panther bezeichnet, früher auch „Pardellöwe“ genannt, handelt es sich um dasselbe Tier, üblich ist die zweite Bezeichnung vor allem für den Schwarzen Panther, einen totalen Schwärzling (Melanismus).

Geschichte Altertum mini|hochkant|Prinzessin Neferetiabet in einem leopardgemusterten Kleid(datiert auf 2590–2565 v. Chr. – Altes Reich)

In den Ausgrabungen von Çatalhöyük in der heutigen Türkei, eine der ältesten uns bekannten Siedlungen – sie bestand bis etwa 6200 v. Chr. – finden sich Darstellungen des Leoparden, der dort offenbar eine wesentliche Bedeutung hatte. Man geht davon aus, dass sein Fell als Männerbekleidungsstück benutzt wurde, wie es auch auf verschiedenen Wandmalereien von als Jägern gedeuteten Tänzern zu sehen ist.B. Brentjes: Das Leopardenfell im Alten Orient. Berlin u. a. 1966, S. 247; Sekundärquelle: J. Mellaart: The Excavations at the Catal Hüyük. 1961. In: Anatolian Studies. Nr. XII, London 1962, Tafel XIV, XV, XVI u. a. Eine Deutung geht davon aus, dass es sich bei den Tänzen um Initiationsriten handelt.

Auf altorientalischen Kunstwerken ist Leopardenfell als Tracht besonders ausgezeichneter Personen zu sehen. Bestimmte Priesterklassen des Alten Ägypten trugen den vollständigen Leopardenpelz als Amtstracht. Ägyptische Fürstinnen schmückten sich mit dem gefleckten Fell als Prunktracht.

Im zweiten Grabhügel (Kurgan) von Pazyryk im Altai aus dem 4. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung befand sich, neben weiteren Pelzen, ein Paar Reitstiefelchen mit Schäften aus LeopardenfellB. Brentjes: Das Leopardenfell im Alten Orient. Berlin u. a. 1966, S. 245; Sekundärquelle: E. D. Philips: Die Nomadenvölker. In: S. Piggott: Die Welt aus der wir kommen. München 1962, S. 315 ff., die einer skythischen Fürstin mit ins Grab gegeben wurde, als sie ihrem erschlagenen Ehemann in den Tod folgen musste.B. Brentjes: Das Leopardenfell im Alten Orient. Berlin u. a. 1966, S. 245; Sekundärquelle: E. D. Phillips: Die Nomadenvölker. In: S. Pigott: Die Welt aus der wir kommen. München 1962, S. 315 ff. Der lederfarbig und rot gehaltene Fuß- und der Oberrand ist mit Lederapplikationen besetzt und bestickt, die Sohle ist vielfarbig mit Ornamenten und Perlen geschmückt.B. Brentjes: Der älteste erhaltene Stiefel aus Leopardenfell. In: Das Pelzgewerbe 1966 Nr. 4, Verlag Dr. Paul Schöps, Berlin u. a., S. 172–173.

Leopardenjagd, mit Lanze oder Schwert, war ein königlicher Sport, eine Verpflichtung der Herrscher als „Väter“ ihres Volkes. Als Tributzahlungen kamen Leoparden von den Nubiern als lebende Tiere und als Felle nach Ägypten. Um 1500 v. Chr. müssen sie auch schon nach Griechenland exportiert worden sein.B. Brentjes: Das Leopardenfell im Alten Orient. Berlin u. a. 1966, S. 247; Sekundärquelle: A. Champdor: Die altägyptische Malerei. Leipzig 1957, S. 103, 151 u. a. Nur vornehme Ägypter sind im Alten Reich Ägyptens (ungefähr von 2700 bis 2200 v. Chr.) mit Leopardenmänteln abgebildet. Bei den Darstellungen überwiegt jedoch das Leopardenfell als Attribut von Göttinnen bei Repräsentations- und Kultszenen. In Ägypten ist der Leopard das Tier der Göttin Mafdet und der Göttin Seschat, in Syrien der Kriegs- und Liebesgöttin Anat.B. Brentjes: Das Leopardenfell im Alten Orient. Berlin u. a. 1966, S. 245; Sekundärquelle: F. S. Bodenheimer: Animal and Man in Bible Lands. Leiden 1960, S. 174. Die viel verehrte Muttergöttin trägt gelegentlich ein LeopardenhalsbandB. Brentjes: Das Leopardenfell im Alten Orient. Berlin u. a. 1966, S. 247; Sekundärquelle: J. Mellaart: Excavations at Catal Hüyük, 1962. In: Anatolian Studies. Band VIII, London 1963, S. 43–105, Figur 29. oder ein Leopardenfell um den Leib gebunden. Mehrfach wird im Alten und Mittleren Reich (2137 bis 1781 v. Chr.) das Fell als ausgebreitete Sarkophagabdeckung wiedergegeben.B. Brentjes: Das Leopardenfell im Alten Orient. Berlin u. a. 1966, S. 245; Sekundärquelle: H.-L. Gautier: Sacophage No. 6007 de Musée du Caire. In: Annales du service des antiquités de l'Egypte. Band 30. 1930, S. 174–183, Tafel I und III.

Im Neuen Reich (1550 bis 1070 v. Chr.) war Leopard nicht mehr nur den Königen und Priestern vorbehalten. Auf einem Wandbild aus dem Grab des Rechmire (14. Jh. v. Chr.) haben zwei der kretischen Tributbringer elegante Schurzröcke aus Leopardenfell an.B. Brentjes: Das Leopardenfell im Alten Orient. Berlin u. a. 1966, S. 248; Sekundärquelle: W. Wreszinski: Atlas zur ägyptischen Kulturgeschichte. Leipzig 1936, Band 3, in Tafel 334. Auf den Siegesszenen des Pharaos Tutanchamuns sind Libyer ebenfalls mit Leopardenfellschurzen bekleidet. Hingegen scheinen die in Abbildungen des Neuen Reiches nicht seltenen Fellschurze oder Röcke der afrikanischen Völker nur ausnahmsweise aus Leopardenfell gearbeitet zu sein. Allerdings werden nubische Fürsten manchmal mit kunstvoll gearbeiteten Kleidern dargestellt, die mit Streifen aus Leopardenfell besetzt sind (12. Jh. v. Chr., der Zeit Ramses X.).B. Brentjes: Das Leopardenfell im Alten Orient. Berlin u. a. 1966, S. 248; Sekundärquelle: W. Wreszinski: Atlas zur ägyptischen Kulturgeschichte. Leipzig 1936, Band 3, in Tafel 224.

Auf Einlegearbeiten des Ištar-Tempels von Mari (um 2500 v. Chr.) sind Soldaten und Priester zu sehen, die Leopardenfelle über ihrer übrigen Kleidung tragen.B. Brentjes: Das Leopardenfell im Alten Orient. Berlin u. a. 1966, S. 246; Sekundärquelle: A. Parrot: Le Temple d'Ishtar. Paris 1956, Figur 79, 80, 82, 83, 89. Im Grab des Chnummose (TT30), „Schreiber des Schatzhauses des Hauses des Amun“ in der 20. Dynastie, trägt der Priester das Pantherfell ebenfalls über seiner Stofftracht.B. Brentjes: Das Leopardenfell im Alten Orient. Berlin u. a. 1966, S. 248; Sekundärquelle: W. Wreszinski: Atlas zur ägyptischen Kulturgeschichte. Leipzig 1936, Band 3, in Tafel 127. Tutanchamun (Regierungszeit etwa von 1332 bis 1323 v. Chr.) trägt, vor allem auf Kampf- und Jagddarstellungen, eine Leopardenfellweste.B. Brentjes: Das Leopardenfell im Alten Orient. Berlin u. a. 1966, S. 248; Sekundärquelle: A. Champdor: Die altägyptische Malerei. Leipzig 1957, Tafel 107.

Nicht nur zu Kleidung wurden Leopardenfelle verarbeitet. Im Grab des Kenamun (TT93)B. Brentjes: Das Leopardenfell im Alten Orient. Berlin u. a. 1966, S. 248; Sekundärquelle: W. Wreszinsky: Atlas zur ägyptischen Kulturgeschichte. Leipzig 1936, Band 3, in Tafel 158. wird ein großer Schild herbeigebracht, der mit dem Fell bezogen zu sein scheint. Auf einer der bekanntesten Musikerinnenszenen, eine Wandmalerei aus dem Grab eines Mannes namens „Nacht“, das heißt „der Starke“, in der thebanischen Totenstadt ist der Resonanzkörper einer Harfe mit Leopardenfell bespannt (Regierungszeit Thutmosis IV., 1425 bis 1401 v. Chr.). Eine besondere Gabe Nubiens an den Pharao scheinen im Neuen Reich Prunktische gewesen zu sein, die mit Gold und Leopardenfellen geschmückt waren, beispielsweise im Grab des Huy, des Vizekönigs von Kusch unter Tutanchamun.B. Brentjes: Das Leopardenfell im Alten Orient. Berlin u. a. 1966, S. 248; Sekundärquelle: W. Wreszinsky: Atlas zur ägyptischen Kulturgeschichte. Leipzig 1936, Band 3, in Tafel 300. Im Grab des Tutanchamun (KV62) fanden sich in der Vorkammer zudem sowohl die Nachbildung eines LeopardenfellesThe Griffith Institute. Tutankhamun: Anatomy of an Excavation. The Howard Carter Archives: Leopard-skin cloak (Leopardenfellmantel), Carter No.: 021t, Foto Harry Burton: p0422, abgerufen am 22. August 2014 als auch ein echtes. Das echte, sehr kleine Leopardenfell lag auf einer Holztruhe, es war nur noch schlecht erhalten.The Griffith Institute. Tutankhamun: Anatomy of an Excavation. The Howard Carter Archives: Remains of a leopard-skinrobe (Überreste einer Leopardenfellrobe), Carter No.: 046ff, Foto Harry Burton: p0009, abgerufen am 22. August 2014. Zu beiden fand sich auch ein künstlicher, vergoldeter Leopardenkopf, der als Halter des Felles diente.

Die Fahnenträger der römischen Legionen, Sammelpunkt der angreifenden Streitkräfte, trugen traditionell Leopardenfelle über ihrer Kleidung, daneben auch andere Fellarten wie Löwenfell, Bären oder Wildschwein. Ein Höchstpreisedikt (Taxordnung) des Kaisers Diokletian aus dem Jahr 301 n. Chr. belegt den Handel mit Leopardenfellen im Römischen Imperium. Der Maximalpreis für Leopardenfelle betrug: unbearbeitet 1000 Denar, bearbeitet 1250 Denar, am teuersten waren Robbenfelle mit 1250 beziehungsweise 1500 Denar. Ein Marderfell kostete im Vergleich dazu 10 und 15 Denar.

Neuzeit mini|hochkant|Chinesischer Leopard u. a.; Felldecke aus dem Yangtsetal, um 1900

Um 1900 benutzte der Pelzhandel noch für alle Großkatzen mit dunkelgezeichneten Flecken den Oberbegriff Leopard. Bis zum Ersten Weltkrieg wurden wirkliche Leopardenfelle wie auch die anderer Großkatzen vorwiegend zu Vorlegern (naturalisiert, mit Kopf und Pfoten), Satteldecken und Ähnlichem verarbeitet. Die größten Leopardenfell-Anlieferungen erfolgten damals aus China.

Während im Alten Ägypten zumeist der Totenpriester das Leopardenfell trug, so ist es in Zentralafrika der Beschneidungspriester. Bei den Nuba trägt der Priesterkönig bei den Beschneidungsfeiern das Katzenfell. Bei den Luba haben die Beschneidungspriester den Namen „Leopard“ (oder Löwe). Der in Urundi bestehende Ryangombe-Bund vereinigt Menschen, die Leopardenfelle anlegen, um sich in „Ryangombe“ (Leoparden) zu verwandeln. Bei den Egbo Nigerias tragen die Angehörigen des obersten Geheimgrades eine Leopardenmaske. „Die Würdenträger dieses Bundes (des Mken-Bundes der Bamileke) tragen bei den Tänzen Pantherfelle, und das Kultidol dieses Bundes steht auf einem Pantherfell...“B. Brentjes: Zu den Felltrachten in afrikanischen Ritualen. Primärquelle: Helmut Straube: Die Tierverkleidungen der afrikanischen Naturvölker. In: Studien zur Kulturkunde. Band 13, F. Steiner, Wiesbaden 1955. Die Leopardenbünde sind bis zur Sierra Leone hin verbreitet, zumeist herrscht der Glaube, durch Anlegen des Felles selbst zur Raubkatze zu werden. Gleichzeitig waren Löwe und Leopard fast ausschließlich die Symbolfiguren afrikanischer Könige, die zum Teil das Fell oder zumindest Fellstreifen oder Fellmützen daraus trugen. Weit verbreitet ist das Fell als Thronpolster, so bei den Akan und den Schilluk. Der König wurde mancherorts sogar als die Verkörperung der Großkatze angesehen – die Uganda-Herrscher ließen sich nie die Nägel schneiden, da sie Leopardenkrallen seien. Der Königsschirm der Aschanti wird von einem ausgestopften Leoparden geschmückt. An vielen Orten zieren Leopardenfelle die Königstrommeln und die Musikanten tragen Katzenfelle. Die Schillukherrscher wurden in Leopardenfellen bestattet, ebenso die Bantu-Häuptlinge Südostafrikas.