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mini|400px|Rathaus in Erding

Ensemble Altstadt Erding

Erding wurde als Neugründung im Bereich der alten bayrischen Siedlung Altenerding im zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts an der das Hochstift Freising umgehenden Fernstraße Schongau-München-Landshut durch Herzog Otto I. von Bayern angelegt. Bewusst wurde die Stadt als herzoglicher Stützpunkt gegen das Hochstift geschaffen. Ihre birnenförmige Gestalt ergibt sich aus den beiden bogenförmigen Wasserläufen der Sempt im Osten und des künstlich vertieften Fehlbaches im Westen, welche die Längsseiten der Stadt umschließen und Erding fast den Wert einer Wasserfestung verliehen. Mauer, Graben und Wall, in Resten noch vorhanden, existieren bereits im Gründungsjahrhundert und wurden vom 15. bis zum 17. Jahrhundert weiter ausgebaut; der gegen Freising gerichteten Westseite der Stadt wurde in diesem Zusammenhang besondere Aufmerksamkeit gewidmet. mini|Ein Teil der Stadtbefestigung Erdings Die innere Struktur des Stadtgrundrisses zeigt wesentliche Züge, die auch aus den weiteren wittelsbachischen Stadtneugründungen des 13. Jahrhunderts bekannt sind. Eine 400 m lange Nord-Süd-Achse, die Lange Zeile (zu der auch die Friedrich-Fischer-Straße gehört), durchläuft die gesamte Längsausdehnung der Stadt vom ehemaligen Freisinger zum ehemaligen Haager Tor. Sie ist als großzügiger Straßenmarkt ausgebildet, der sich zu den Enden hin verjüngt und durch das ehemalige, 1866 durch die Schrannenhalle ersetzte, freistehende Rathaus (seit 2025 ohne Nutzung) in zwei Abschnitte geteilt wird.

Dieser Teilungspunkt auf der Höhe der größten, 280 m messenden Breitenausdehnung der Stadt, ist das Gelenk des gesamten Stadtorganismus; auf ihn trifft senkrecht die ostwestliche Querachse (Landshuter Straße), ebenfalls ein Straßenmarkt, der im Osten noch durch das Landshuter Tor abgeriegelt ist, sich vor dem ehemaligen Rathaus zum Schrannenplatz ausweitet, jedoch keine Verlängerung in die westliche Stadthälfte findet. Vielmehr liegt diese vierte, auffallend schmale westliche Halbachse südlich versetzt im kleinsten der vier Stadtviertel, doch unter dem Schutz der ehemaligen Herzogsburg.

Die Vielzahl und die Größe der Marktflächen in der Stadt belegen den über die anfängliche strategische Bedeutung Erdings später weit hinausgehenden Rang als Handelszentrum, speziell für Getreide und Vieh, in einem fruchtbaren Umland.

Die Pfarrkirche St. Johann, ein Hallenbau der 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts, hält sich von den Marktachsen zurück, deckt ihre gegen den Stadtkern gerichteten Ostpartien durch das Rathaus (bzw. den Nachfolgerbau) ab, rückt aber andererseits ihren Turm, einen freistehenden Baukörper des 14. Jahrhunderts, als Stadt- und Wachtturm gegen die Stadtmitte. Die Bedeutung des ehemaligen Rathauses als Angelpunkt des Stadtgefüges wird dadurch noch akzentuiert. Eine zweite kleinere Kirche, die Frauenkirche des 14. Jahrhunderts, ordnet sich der Umbauung des Schrannenplatzes ein und ist als Marktkirche zu verstehen. Auch die Hl.-Geist-Kirche des 15. Jahrhunderts mit dem Spital am Landshuter Tor ordnet sich streng der südlichen Flucht der Querachse ein. mini|Alte Ansicht von Erding (Merian) Von den Bürgerhäusern sind die älteren im großen Stadtbrand von 1648 vernichtet worden. Längs der historischen Marktstraße und Gassen überwiegen Wohnbauten des 18. Jahrhunderts, meist breitgelagerte zweigeschossige Giebelhäuser vom steileren Landshuter Typ wie auch vom Typ des Bürgerhauses der Inn-/Salzachstädte mit Vorschussmauer. Einige Adelspalais des 18. Jahrhunderts setzen innerhalb dieser bürgerlichen Bebauungen besondere Akzente (ehemaliges Palais Preysing, jetzt Rathaus, in der Landshuter Straße, ehemaliges Palais Widnmann in der Langen Zeile). In den Nebengassen ist die historische Bebauung hinsichtlich Höhe und Aufwand merklich zurückgestuft.

Von den historischen, sehr früh belegten Vorstädten ist die im 14. Jahrhundert angelegte, in ihrem Grundriss sehr prägnant erscheinende Neustadt (Haager Vorstadt) durch Fliegerangriffe 1945 und den folgenden Wiederaufbau so stark ihrem ehemaligen Charakter entfremdet, dass auf einen Einschluss in das Ensemble verzichtet wurde. In der Langen Zeile und in der Friedrich-Fischer-Straße sind in den letzten dreißig Jahren durch unmaßstäbliche Neubauten Störungen im Ensemble entstanden. Die Weite der Marktstraßen und die verhältnismäßig niedrige Bebauung mit altbairischen Bürgerbauten geben der Stadt bis in die Gegenwart das Gepräge einer Gründungsstadt und darüber hinaus einer altbairischen Landstadt.

Umgrenzung des Ensembles: Am Herzoggraben, von der Fußgängerbrücke an der Geheimrat-Irl-Straße dem Semptverlauf nach Norden folgend bis zur Brücke Friedhofsweg, Am Mühlgraben, Am Herzoggraben bis Grundstück Fl. Nr. 154, gegen den Verlauf des Fehlbachs nach Süden bis zur Fußgängerbrücke an der Kordonhausgasse.

Aktennummer: E-1-77-117-1

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Siehe auch Liste der Bodendenkmäler in Erding

Anmerkungen

Literatur

Weblinks

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Einzelnachweise

! Erding Baudenkmaler Erding