Die Hebamme ist eine Romanreihe, bestehend aus fünf aufeinander folgenden Bänden und einem sechsten Band, welcher lose an die Ereignisse der anderen Bände anknüpft und etwa 100 Jahre später spielt (Blut und Silber). Geschrieben von Sabine Ebert führt die Hebammen-Saga in die Zeit der Regentschaft Kaiser Barbarossas und seines Sohnes Heinrich VI. So erleben die Leser, wie Ende des 12. Jahrhunderts Siedler durch den Dunklen Wald zogen, um Land östlich von Saale und Elbe zu erschließen, und wie das erste Silber im Erzgebirge gefunden wurde, während sich weltliche und geistliche Fürsten gegen Heinrich den Löwen auflehnten, den mächtigen Herzog von Sachsen und Bayern und Freund des Kaisers. Der vierte Band führt einige der Protagonisten mit Barbarossa auf den Dritten Kreuzzug ins Heilige Land, der fünfte mit dem Deutschen Kreuzzug erneut bis nach Akkon.
Personen Marthe
Marthe ist eine Heilkundige aus Franken. Sie hat rotbraune Haare und grüne Augen. Sie ist sehr hübsch, was ihr jedoch auch zum Verhängnis wird. Sie ist eine mutige, kluge Frau, die auch immer bereit ist, jedem zu helfen. Marthe hat das „Zweite Gesicht“, sie hat immer wieder Visionen von der Zukunft, die sich jedes Mal bewahrheiten. Trotz der vielen schrecklichen Dinge, die sie erlebt, verliert sie nicht den Lebensmut. Ihre Eltern waren Schäfer, die jedoch umgebracht wurden, als Marthe zwei Jahre war. Seitdem wurde sie von einer Kräuterfrau aufgezogen. Der erste Teil beginnt damit, dass die 14-jährige Marthe aus ihrem Dorf flieht, weil der Burgherr ihr Hände und Füße abschlagen will. Um zu überleben, schließt sie sich einem Siedlerzug an und gemeinsam gründet die Gruppe Christiansdorf, das spätere Freiberg. Sie wird die Frau von Ritter Christian und später von Ritter Lukas.
Christian Christian ist Ritter in Diensten von Markgraf Otto von Meißen. Er hat markante Gesichtszüge und schwarzes Haar. Er ist mutig und leidenschaftlich, was ihn immer wieder in Gefahr bringt. Christian gilt als bester Schwertkämpfer in der Mark Meißen. Seine Eltern waren Spielleute, was niemand außer Christian, Marthe und Christians Ziehmutter Josefa wissen. Christian führt den Siedlerzug aus Franken in den Dunklen Wald, wo er mit den Siedlern Christiansdorf gründet. Vielleicht auch, weil er selbst aus armen Verhältnissen stammt, kümmert Christian sich sehr um die Rechte der Dorfbewohner und ist ein gerechter Herr. Seit der ersten Begegnung sind er und Marthe ineinander verliebt, auch wenn sie ihre Gefühle lange verbergen. Am Ende des ersten Teils heiraten Christian und Marthe und führen eine glückliche Ehe, in der drei Kinder geboren werden. Für Marthe riskiert Christian alles. Am Ende des dritten Teils wird Christian bei einem Schauprozess von drei Pfeilen getötet.
Lukas Lukas ist Christians bester Freund. Zu Anfang ist er Christians Knappe, später Ritter in seinem Dienst. Lukas ist ein gutaussehender Blondschopf mit blauen Augen. Er ist tapfer und meistens fröhlich. Er ist ein Frauenschwarm und hat immer wieder Affären. Da er Christians Schüler war, ist er ebenfalls ein guter Schwertkämpfer. Lukas ist der Erstgeborene eines reichen Ritters und Gutsbesitzers, der Silberfuchs genannt wird. Nachdem er jedoch die Verlobung mit einer Nachbarstochter verweigert, wird er enterbt. Lukas hat vor der Hochzeit mit Marthe zwei Söhne: Paul, der Sohn mit einer Magd, und Lukas, aus einer Ehe mit einer Dame, die bei der Geburt verstarb. Seit dem ersten Teil ist er in Marthe verliebt. Lukas heiratet Marthe nach Christians Tod, um ihre Ehre zu erhalten. Er hat jedoch immer das Gefühl, in Christians Schatten zu stehen. Sie haben einen Sohn, Konrad. Erst am Ende des vierten Teils kann Marthe ihm ohne Vorbehalte ihre Liebe eingestehen.
Markgraf Otto
Otto von Meißen, genannt Der Reiche, ist der Dienstherr von Christian und den anderen Rittern. Er ist nicht besonders gutaussehend und schon über die 50 Jahre alt. Otto ist jähzornig und trifft Entscheidungen aus dem Bauch heraus. Durch den Silberabbau in Christiansdorf kommt Otto zu viel Reichtum. Im vierten Teil wird Otto von seinem Sohn Albrecht gefangen genommen, womit er die Macht an sich reißen will. In der Folge erleidet Otto einen Schlaganfall und stirbt.
Markgräfin Hedwig Hedwig von Ballenstedt ist die Frau von Otto. Sie ist eine schöne Frau mit blonden Haaren. Sie ist klug und meistens sanftmütig. Nur durch ihren Einfluss trifft Otto auch gute und richtige Entscheidungen. Allerdings kann sie nicht immer Unheil verhindern. Sie schenkt Otto vier Kinder, von denen sie besonders ihren Sohn Dietrich liebt. Doch wahre Liebe findet sie erst in der Gestalt von Dietrich von Landsberg, dem Bruder ihres Mannes. Im dritten Teil stirbt Dietrich jedoch. Nach Ottos Tod wird Hedwig von ihrem Sohn Albrecht nach Seußlitz verbannt.
Randolf Randolf ist ein edelfreier Ritter in Ottos Diensten und Christians Erzfeind. Er ist ein weißblonder Hüne mit eisblauen Augen. Randolf ist gewalttätig und grausam, jedoch nicht besonders klug. Seiner Frau Richenza hat jedoch diese Eigenschaften, sie ist intrigant und berechnend. Randolf lehrt in den ersten beiden Teilen die Bewohner von Christiansdorf das Fürchten. Er wütet grausam und Menschen sterben. Am Ende des zweiten Teils bekommt Christian endlich die Gelegenheit, sich an Randolf zu rächen, welcher durch ein Gottesurteil gerichtet wird.
Graf Dietrich Dietrich von Weißenfels ist der zweite Sohn von Markgraf Otto und Hedwig. Er hat braune Haare und ist sehr gutaussehend. Dietrich ist mutig und fühlt sich – ebenso wie sein Lehrmeister Christian – den ritterlichen Idealen verpflichtet. Seit seiner Kindheit ist er mit seinem Bruder Albrecht verfeindet. Im fünften Teil kann Dietrich ihm jedoch im Kampf die Stirn bieten. Nach Albrechts Tod wird er Markgraf von Meißen. Seit dem vierten Teil sind Dietrich und Clara, Marthes Tochter, ineinander verliebt. Allerdings braucht Dietrich im Kampf gegen seinen Bruder die Unterstützung des Landgrafen von Thüringen. Als Gegenleistung fordert der Landgraf, dass Dietrich seine Tochter heiratet. Schweren Herzens muss Dietrich auf diesen Handel eingehen.
Thomas Thomas ist der älteste Sohn von Marthe und Christian. Er sieht Christian sehr ähnlich. Auch in seinem Charakter ähnelt er seinem Vater. Allerdings ist er nach dem Kreuzzug gebrochen. Um dem neuen Markgrafen Albrecht zu entkommen, nimmt Thomas unter Dietrich von Weißenfels am Dritten Kreuzzug teil. Nach all dem Leid ist er vollkommen zerstört. Erst, als er mit Dietrich erneut ins Heilige Land, nach Akkon, reist, können seine inneren Wunden durch eine Frau geheilt werden. Er heiratet sie und bleibt als Stadtwache in Akkon.
Clara Clara ist die Tochter von Christian und Marthe. Im Gegensatz zu Thomas sieht sie ihrer Mutter sehr ähnlich. Clara ist sanftmütig, aber auch eigensinnig. Wie Marthe hat sie die Gabe des zweiten Gesichts. Im vierten Teil muss sie Reinhard, einen Freund von Lukas, heiraten. Wider Erwarten wird ihre Ehe recht glücklich und Clara bringt eine Tochter zur Welt. Als sie Witwe wird, geht sie nach Weißenfels, weil Dietrich ihr Schutz versprochen hat. Sie ist in Dietrich von Weißenfels verliebt und nach seiner Verlobung finden die beiden Liebenden zusammen. Bis zur Hochzeit wird sie seine Geliebte und schenkt ihm zwei Söhne. Sie kehrt nach Freiberg zurück und heiratet schließlich den Slawen Boris von Zbor und wird mit ihm glücklich.
Das Geheimnis der Hebamme Handlung Im Kaiserreich Barbarossas im 12. Jahrhundert bilden Auseinandersetzungen zwischen Heinrich dem Löwen und sächsischen Fürsten den Hintergrund des Romans: Die 13-jährige Marthe ist nach dem frühen Tod ihrer Eltern in einem fränkischen Dorf bei einer Heilkundigen aufgewachsen, von der sie bereits alles Wissen gelernt hat, als die alte Heilkundige im Sterben liegt. So wird Marthe als Hebamme zum grausamen Burgherrn gerufen. Als dessen Sohn tot geboren wird, soll sie brutal bestraft werden. Marthe flieht, aber zieht damit die anhaltende Verfolgung durch zwei Reisige des Burgherrn auf sich. Für die Flucht schließt sich das Mädchen einer Gruppe Siedler an, die ostwärts in die Mark Meißen ziehen, um in einem noch unerschlossenen Gebiet Land urbar zu machen und ein Dorf zu gründen. In dieser Zeit beginnt Marthe, hellsichtige Eingebungen zu haben. Angeführt wird der Siedlertrek von dem idealistischen unfreien Ritter Christian. Er und Marthe entwickeln Gefühle füreinander, die sie aber aufgrund des Standesunterschiedes niemandem und schon gar nicht einander eingestehen. Nach ihrer Ankunft nimmt der Ritter Marthe aufgrund ihrer Heilkunst und ihrer Eingebungen mit nach Meißen zu Markgraf Otto und dessen Gemahlin Hedwig, denen sie ihre Dienste erweist. Dabei erregt die naive Marthe die Aufmerksamkeit lüsterner Edelleute – insbesondere des grausamen Randolf, Ottos bedeutendstem Ritter und Christians erbittertem Feind – und macht sich bzw. dem ihr zur Seite stehenden Christian weitere Feinde.
Zurück im Siedlerdorf, dem späteren Freiberg, das nach dem Ritter zunächst Christiansdorf genannt wird, wird Marthe von Randolf und seinen Freunden vergewaltigt. Daraufhin stimmt sie einer Ehe mit dem älteren Witwer Wiprecht zu. Sie hofft, als Ehefrau nicht wieder nach Meißen und in die Nähe Randolfs reisen zu müssen. Außerdem will sie Christian die Vergewaltigung verheimlichen, damit der nicht in Probleme geriete, wenn er Randolf zur Verantwortung zöge.
Bald darauf entdecken Hallenser Salzfuhrleute Silber in Christiansdorf. Für dessen Abbau bräuchte Markgraf Otto die Erlaubnis von Kaiser Barbarossa. Der ist ihm gerade wenig gewogen, weil Otto sich an einem Aufstand gegen Barbarossas wichtigsten Gefolgsmann, Heinrich den Löwen, beteiligt hat. So wird der Silberabbau zunächst in kleinem Stil und mit wenig Aufsehen begonnen. Markgraf Otto setzt jedoch bereits einen Herrenhof mit Randolf als Vogt in Christiansdorf ein, womit der Konflikt zwischen Christian und Randolf sich zuspitzt. Schließlich lassen Randolf und sein Verwalter unter fingierten Vorwürfen und Beugung des geltenden Rechts einen Siedler erhängen und andere grausam lebensgefährlich bestrafen. Auch Marthe, die den Männern hilft, gerät in Bedrängnis. Schließlich rettet Christian alle Siedler, in dem er sich im Tausch als Gefangener ausliefert. Christian wird auf Randolfs Burg gebracht, auf der Randolf ihn dort langsam zu Tode foltern will. Der Außenwelt wird hingegen mitgeteilt, Christian habe vor den Markgrafen Otto gebracht werden sollen, sei aber bei einem Fluchtversuch getötet worden. Als Marthe der Lüge aufgrund einer ihrer Eingebungen widerspricht, wird sie der Hexerei verdächtigt und muss fliehen. Ihr Ehemann Wiprecht stirbt, als er sich zwischen sie und ihre Verfolger wirft.
Marthe und Christians Knappe organisieren Christians Rettung. Christian und Marthe gestehen sich schließlich ihre Liebe und heiraten überstürzt in Christiansdorf. Bei Christians Befreiungsaktion konnte nebenbei die Geliebte von Markgraf Otto als Spionin seines Gegners, Heinrich des Löwen, entlarvt werden. Der dankbare und reuige Otto erhebt Christian und Marthe in den Stand freier Edelleute. Randolf wird für seinen Anteil an den Taten zu einer Reise ins Heilige Land verpflichtet, womit er für zwei bis drei Jahre fort sein wird. Die Zeit wollen die Siedler in Christiansdorf nutzen, um sich gegen neuerliche Feindseligkeiten zu wappnen.
Personen Marthe: junge Hebamme, Heilerin und Kräuterkundige Christian: Ritter im Dienst des Meißner Markgrafen und Anführer der Siedler Lukas: Christians Knappe Jonas: Schmied Hildebrand: Dorfältester Wiprecht: kurzzeitig Ehemann von Marthe Karl, Marie und Johanna: Marthes Stiefkinder Otto von Wettin: Markgraf von Meißen Hedwig: Gemahlin von Otto von Wettin Randolf: Ottos mächtigster Vasall und Erzfeind von Christian Weitere Personen: Hermann (Bergmeister) und seine Tochter Gertrud, Bartholomäus (Dorfpfarrer), Giselbert, Ekkehart und Elmar (Ritter und Freunde Randolfs)
Literatur