Die Operation Kita (, dt. Operation Norden) war eine Operation der Kaiserlich Japanischen Marine im Februar 1945 während des Pazifikkriegs im Zweiten Weltkrieg. In dieser Operation wurden die beiden Hybridflugzeugträger der Ise-Klasse und ihre Begleitschiffe vom japanisch besetzten Singapur, wo sie seit November 1944 zusammen mit anderen Einheiten der Kaiserlichen Marine stationiert waren, zurück nach Japan verlegt. Die beiden Schiffe wurden zudem mit Erdöl in Fässern und weiteren kriegswichtigen Materialien beladen, um möglichst viele Rohstoffe ins Heimatland zu schaffen, da die alliierten Schiffe im Pazifik mittlerweile jeden japanischen Konvoi abfangen und versenken konnten. Die Bewegung des Verbandes wurde zwar von den Alliierten entdeckt, er konnte jedoch weder durch U-Boote noch durch Flugzeugangriffe gestoppt werden. Die beiden umgebauten Großkampfschiffe konnten mehreren feindlichen Angriffen ausweichen und erreichten am 20. Februar 1945 Japan. Hierdurch gehörten die beiden Ise-Klasse-Schiffe und ihre Eskorten zu den letzten großen Überwasserschiffen, welche die alliierte Blockade durchbrechen und vor der Kapitulation Japans von Südostasien aus das japanische Festland erreichen konnten.

Hintergrund Im Verlauf des Jahres 1944 konnten die Alliierten durch ein Netz aus operativen U-Booten den Nachschub von kriegswichtigem Öl und Treibstoff aus den von Japan besetzten Gebieten Südostasiens nach Japan immer effektiver einschränken und blockieren, wodurch die japanischen Versorgungslinien abgeschnitten und die wirtschaftliche Gesamtlage des Heimatlandes immer weiter verschärft wurde.Bob Hackett u. a.: Tabellarisches Bewegungsprofil der japanischen Öltanker. 2011. Da die japanische Kriegsindustrie nicht in der Lage war, ausreichend Handels- und Tankschiffe nachzubauen, begann der japanische Schiffsverkehr in den Gewässern Südostasiens zum Erliegen zu kommen. Wegen der Einschränkung japanischer Aktivitäten in diesen Gewässern nahm die Anzahl der Schiffe der Kaiserlichen Marine ab, die von den in diesem Gebiet operierenden alliierten Marineeinheiten versenkt wurden.Bob Hackett u. a.: Tabellarisches Bewegungsprofil der Hyuga. 2011. Deshalb wurde die Anordnung an alle alliierten U-Boote ausgegeben, bei Angriffen gegen feindliche Einheiten der Versenkung von japanischen Kriegsschiffen Priorität einzuräumen. So wurden im Jahr 1944 unter anderem das Schlachtschiff Kongō, sieben japanische Flugzeugträger, zwei Schwere und sieben Leichte Kreuzer von amerikanischen U-Booten versenkt.Clay Blair: Silent Victory: The U.S. Submarine War against Japan. 2001, S. 816–817. Als Ergebnis dieser Abschnürung bezüglich der eintreffenden Rohstoffe ging die japanische Militärführung Anfang 1945 davon aus, dass in Zukunft kein Konvoi, in welchem Tankschiffe liefen, die japanischen Hauptinseln erreichen würde. Daher versuchte die japanische Marine, Erdöl in Fässern auf Frachtschiffen zu transportieren, in der Hoffnung diese würden von den feindlichen Einheiten nicht so schnell angegriffen werden. Parallel hierzu wurden teilweise auch Flugzeugträger und kleinere Eskorteinheiten mit Fässern beladen, um Öl vom zentralen Sammelpunkt der Rohstoffversorgung Südostasiens in Singapur nach Japan zu transportieren.John Prados: Combined Fleet Decoded: The Secret History of American Intelligence and the Japanese Navy in World War II. 1995, S. 703.

Am 11. November 1944, wenige Wochen nach der Niederlage in der See- und Luftschlacht im Golf von Leyte und dem darauffolgenden Rückzug der japanischen Flotte in Richtung Heimatland, verließen die beiden 1943 zu Hybridflugzeugträgern umgebauten Schiffe der Ise-Klasse, die Ise und die Hyūga, welche die 4. Trägergruppe der Kaiserlichen Marine bildeten, unter dem Kommando von Konteradmiral Chiaki Matsuda den japanischen Hafen Sasebo, um zu den verbliebenen Marinekräften im Südwestpazifik zu stoßen.M. J. Whitley: Battleships of World War Two: An International Encyclopedia. 1998, S. 199.Bob Hackett u. a.: Tabellarisches Bewegungsprofil der Ise. 2011. Dies geschah einerseits, um die dortigen Einheiten mit zwei neuen Kriegsschiffen zu verstärken und andererseits, um diese beiden großen Schiffe nahe einer halbwegs sicheren Treibstoffquelle wie Singapur zu stationieren.H. P. Willmott: Battleship. 2002, S. 200. Vor dem Ablegen waren beide Schiffe mit jeweils 910 t Artillerie- und Gewehrmunition beladen worden, welche für die Truppen von Konteradmiral Iwabuchi Sanji in Manila auf den Philippinen gedacht waren. Da zur geplanten Abladezeit Manila unter einer starken alliierten Luftoffensive litt, wurde die Munition am 14. November auf den Spratly-Inseln abgeladen, um später von kleineren Einheiten wie Küsten- und Geleitbooten in die Manilabucht gebracht zu werden. Am 20. November nahmen die beiden umgebauten japanischen Kampfschiffe Kurs auf die Lingga-Inseln, auf denen ein wichtiger japanischer Stützpunkt lag, und kamen dort am 22. desselben Monats an. Da die Alliierten die japanischen Funkcodes bereits Jahre zuvor entschlüsselt hatten, waren sie über die Bewegung der beiden Hybridflugzeugträger informiert und wiesen daher mehrere im Gebiet der Lingga-Inseln stationierte U-Boote an, diese Schiffe zu verfolgen. Dies gelang den amerikanischen Einheiten, jedoch sahen sie von einem Angriff auf die beiden feindlichen Kampfschiffe ab.John Prados: Combined Fleet Decoded: The Secret History of American Intelligence and the Japanese Navy in World War II. 1995, S. 701. Den Dezember über wurden beide japanische Schiffe in der Cam Ranh Bay in Indochina stationiert, wodurch sie die Flugabwehrstellungen des Hafens durch ihre 25-mm-Kanonen verstärkten. Am 11. Januar 1945 wurden die beiden Schiffe nach Singapur beordert. Einheiten der 3. US-Flotte, unterstützt durch Flugzeuge der Fast Carrier Task Force, patrouillierten vom 10. bis zum 20. Januar im Südchinesischen Meer, um die Ise und die Hyūga abzufangen.

Vorbereitungen Anfang Februar 1945 erhielten die Hyūga, die Ise und einige andere kleinere Begleitschiffe den Auftrag, nach Japan zurückzukehren. Die Operation für diesen Durchbruchsversuch wurde vom Operationsstab der Kaiserlichen Marine in Tokyo Kita (Norden) genannt. Ziel des Verbands der beiden Schlachtschiffe war es nicht nur, nach Japan zurückzukehren, sondern eine möglichst große Menge an wichtigen Rohstoffen durch die alliierte Blockade mitzuführen.Eric Lacroix und Linton Wells: Japanese Cruisers of the Pacific War. 1997, S. 650–651. Die Begleitschiffe der beiden Großkampfschiffe waren der Leichte Kreuzer Ōyodo, welcher der 4. Trägergruppe zugeordnet wurde, sowie die drei Zerstörer Asashimo, Hatsushimo und Kasumi. Der zusammengefasste Verband aus der 4. Trägergruppe und den drei Begleitzerstörern wurde Abschlussstreitmacht genannt.

Die Schiffe der Abschlussstreitmacht liefen am 6. Februar von den Lingga-Inseln nach Singapur, wo sie am Folgetag damit begannen, im Hafen Nachschubgüter aufzuladen. Kurz vor dem Einlaufen in den Hafen von Singapur fuhr die Ise auf eine von einem alliierten Flugzeug abgeworfene Seemine, erlitt aber nur leichte Beschädigungen am Bug,Mark Stille und Tony Brian: Imperial Japanese Navy Battleships 1941–1945. 2008, S. 30. die während des Hafenaufenthalts notdürftig repariert werden konnten. In Singapur nahm die Hyūga 4.944 Fässer Flugbenzin und 362 Fässer normalen Treibstoff an Bord, darüber hinaus wurden auf ihr 440 malaiische Arbeiter, die auf den nahen Ölfeldern gearbeitet hatten, stationiert. Die Ise bunkerte in ihren Laderäumen insgesamt 5.200 Fässer Flugbenzin und nahm 551 Arbeiter auf. Außerdem luden beide Schiffe jeweils 1.590 t Gummi, 1.590 t Zinn und 180 t andere Metalle. Der Kreuzer Ōyodo wurde mit 110 t Zinn, 64 t Wolfram und 64 t Flugbenzin, 45 t Gummi, 36 t Zink und 18 t Quecksilber beladen, während weitere 130 t Gummi und Zinn auf die drei Zerstörer aufgeteilt wurden.

Da die Alliierten in der Lage waren, den aktuellen japanischen Marinecode PURPLE zu knacken und die meisten feindlichen Funksprüche abfangen konnten, waren sie über die Zusammensetzung der Abschlussstreitmacht, ihre Ladung, ihr Ziel und ihre mögliche Route genau informiert.Clay Blair: Silent Victory: The U.S. Submarine War against Japan. 2001, S. 846.W. J. Holmes: Double-Edged Secrets: U.S. Naval Intelligence Operations in the Pacific during World War II. 1979, S. 201. Der Kommandeur der amerikanischen U-Boot-Verbände im Südwestpazifik, Konteradmiral James Fife Jr., gab dem Abfangen der Hyūga und der Ise die höchste Priorität für seine Einheiten und stationierte 15 U-Boote entlang der vermuteten Route der feindlichen Schiffe.Clay Blair: Silent Victory: The U.S. Submarine War against Japan. 2001, S. 846–847. Parallel hierzu wurde auf amerikanischer Seite ein Plan entwickelt, die japanischen Schiffe durch eine koordinierte Aktion der Kampfschiffe der Marine und der Bomber der United States Army Air Forces (USAAF) zu versenken.Wesley Frank Craven und James Lea Cate: The Pacific: Matterhorn to Nagasaki, June 1944 to August 1945. 1953, S. 492. Zur gleichen Zeit stationierte Admiral Thomas C. Kinkaid, Befehlshaber der 7. US-Flotte, die vier Schlachtschiffe Colorado, Mississippi, Pennsylvania und West VirginiaSamuel Eliot Morison: The Liberation of the Philippines: Luzon, Mindanao, the Visayas, 1944–1945. 2002, S. 178 u. 303–304. in nordphilippinischen Gewässern, um den alliierten Brückenkopf im Golf von Lingayen auf Luzon vor Angriffen der japanischen Großkampfschiffe aus Singapur zu schützen. Diese potentiell für die Operation Kita gefährlichen amerikanischen Schiffe sollten dort so lange verbleiben, bis die USAAF in der Lage waren, den amerikanischen Brückenkopf auf Luzon durch Luftüberlegenheit zu schützen.Samuel Eliot Morison: The Liberation of the Philippines: Luzon, Mindanao, the Visayas, 1944–1945. 2002, S. 176–178. Da die USAAF neben dieser noch mit dem Schutz weiterer alliierter Aktionen auf den Philippinen sowie der Bombardierung von Industrieanlagen auf dem japanisch besetzten Taiwan beauftragt war, wurde die schon länger geplante, intensive Jagdkampagne dieser Flugzeuge auf japanische Schiffe im Südchinesischen Meer immer wieder verschoben.Wesley Frank Craven und James Lea Cate: The Pacific: Matterhorn to Nagasaki, June 1944 to August 1945. 1953, S. 470, 491–492.

Fahrt mini|300px|Ungefähre Route der Abschlussstreitmacht (japanisch kontrolliertes Gebiet in Weiß, Alliierte in Rot, Sowjetunion in Dunkelgrau, Ortsnamen auf Englisch)Clay Blair: Silent Victory: The U.S. Submarine War against Japan. 2001, S. 826 u. 848. mini|Hyuga

Die Schiffe der Abschlussstreitmacht verließen Singapur am Abend des 10. Februar 1945. Dieser Termin wurde von Admiral Chiaki gewählt, da ab diesem für einen längeren Zeitraum eine Schlechtwetterfront auf der Strecke nach Japan vorhergesagt war und so die Möglichkeit einer Entdeckung und Lokalisierung durch feindliche Aufklärungsflugzeuge minimiert werden konnte. Das britische U-Boot Tantalus, welches die Hafenausfahrt Singapurs überwachte, konnte die Verfolgung des auslaufenden japanischen Verbandes aufnehmen und versuchte die feindlichen Schiffe am Folgetag anzugreifen, musste den Versuch jedoch abbrechen, als es von einem japanischen E13A-Flugzeug angegriffen wurde. Nachdem die Tantalus den Angriffen des feindlichen Wasserflugzeuges erfolgreich entkommen konnte, meldete sie die letzte Position und Fahrtrichtung der japanischen Schiffe an das Hauptquartier von Admiral Fife.Clay Blair: Silent Victory: The U.S. Submarine War against Japan. 2001, S. 847.