Ghada Shouaa (; * 10. September 1972 in Mhardeh) ist eine ehemalige syrische Siebenkämpferin. Sie gewann 1996 für ihr Land die erste und bisher einzige Goldmedaille bei Olympischen Spielen.
Biografie Ghada Shouaa wurde im September 1972 in der Stadt Mhardeh im syrischen Gouvernement Hama in eine griechisch-orthodoxen Familie geboren. Ihre erste Sportart war Basketball; sie spielte eine Zeit lang in der syrischen Nationalmannschaft, beschloss dann aber den Wechsel zur Leichtathletik. Sie bestritt ihren ersten Siebenkampf in der Saison 1991. Bei den Weltmeisterschaften in Tokio im selben Jahr wurde sie Letzte. Bei den Leichtathletik-Asienmeisterschaften im November 1991 gewann sie die Silbermedaille.
Bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona klassierte sie sich trotz einer Verletzung auf Rang 25. Ihr internationaler Durchbruch gelang erst in der Saison 1995, als sie das wichtige Siebenkampf-Meeting (Mösle Mehrkampf-Meeting) in Götzis gewann und 6715 Punkte erzielte. Dieses machte sie zur Favoritin für die Weltmeisterschaften in Göteborg. Nachdem die Mitfavoritin Sabine Braun verletzungsbedingt aufgeben musste, wurde Shouaa mit einem deutlichen Vorsprung Weltmeisterin. 1996 gewann sie erneut den Siebenkampf in Götzis und stellte dabei den bis heute gültigen Asienrekord auf (6942 Punkte). Bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta wurde sie die erste Olympiasiegerin ihres Landes. Es ist bis Stand 2024 die einzige Goldmedaille für Syrien geblieben.
Aufgrund einer ernsthaften Rückenverletzung konnte Shouaa die folgende Saison nicht bestreiten. Sie zog 1997 nach Deutschland, um sich von einem Spezialisten behandeln zu lassen. Ein Autounfall verschlimmerte dann ihre Verletzung. Das Comeback gelang erst wieder 1999, als sie bei den Weltmeisterschaften in Sevilla Dritte wurde. Bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney verletzte sie sich schon zu Anfang des Wettbewerbs erneut und musste aufgeben.
Als sie nach Deutschland zurückkehrte, um sich weiter behandeln zu lassen, beschuldigte die Sportbehörde Syriens sie, alle Verletzungen vorgetäuscht zu haben, um der Regierung nicht dienen und nicht zurückkehren zu müssen. Das Syrische Olympische Komitee, der Allgemeine Sportverband und der syrische Leichtathletikverband strichen ihr die finanzielle Unterstützung. Nur ihr Sponsor in Deutschland unterstützte sie weiter. Nach ihren Angaben unternahmen die syrischen Behörden daraufhin Versuche ihren Ruf zu beschädigen. Bei einem Besuch 2004 wurde sie vor Gericht gestellt und musste eine Kaution hinterlegen, um einer Inhaftierung zu entgehen und das Land endgültig verlassen zu können. Sie trat 2004 vom Spitzensport zurück.
Shouaa lebte während ihrer aktiven Zeit in Simmern im Hunsrück und trainierte im Bundesleistungszentrum sowie beim USC Mainz, für den sie auch startete.
Gegenüber der Deutschen Welle sprach sie 2021 von Ignoranz, Respektlosigkeit, Demütigung und Schikane gegen Sportlerinnen im arabischen Raum. Zudem gebe es Missbrauch und Mobbing von Sportlerinnen. In der Vergangenheit hatte sie als Olympiaexpertin für arabische Fernsehsender gearbeitet. Ein Angebot für die Olympischen Spiele in Tokio habe sie abgelehnt, da ihr deutlich weniger Bezahlung angeboten worden sei als ihren männlichen Kollegen. Trotz mehrerer Trainerlizenzen ist sie inzwischen nicht mehr im Sport aktiv.
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
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