Bellevesvre [] ist eine französische Gemeinde in der Region Bourgogne-Franche-Comté, im Département Saône-et-Loire. Sie gehört zum Arrondissement Louhans, zum Kanton Pierre-de-Bresse und zum Gemeindeverband Bresse Nord Intercom’. Die Gemeinde hat Einwohner (Stand ), sie werden Balusais, resp. Balusaises genannt.
Geografie mini|links|Lage der Gemeinde im Arrondissement Louhans
Lage und Struktur Bellevesvre liegt im Norden des Arrondissement Louhans und grenzt im Süden an das Département Jura. Im Norden und entlang der Ostgrenze liegt Mouthier-en-Bresse, im Süden für ein kurzes Stück die jurassische Gemeinde Chapelle-Voland. Der ganzen Westgrenze entlang stößt die Gemeinde an Torpes bis ganz im Nordwesten wieder Mouthier-en-Bresse zum Nachbarort wird.
Die Gemeinde liegt in der Landschaft der Bresse bourguignonne.
Die Gemeinde wird durch INSEE eingestuft als «ländliche Gemeinde mit verstreuter Besiedlung». Etwa die Hälfte der Bevölkerung lebt im Bourg, die andere Hälfte in den Weilern und in weit verstreuten Einzelsiedlungen.
Die Gemeinde weist 104 Hektar bewaldete Flächen auf, was 14,4 % der Gemeindefläche entspricht. Die Bewaldung setzt sich zusammen aus 88 % Laubwald und 11 % zurzeit unbewaldeten Flächen (Rodungs- oder Aufforstungsgebiet). Die bewaldeten Flächen liegen vor allem im Nordwesten – Les Prés Bas – und Nordosten der Gemeinde – La Motte, Le Grand Taillis. In den Feuchtgebieten der Brenne bestehen große Flächen an Pappelplantagen.
In der Gemeinde werden 472.8 Hektar (etwa 66 % des Gemeindegebietes; Stand 2024) als landwirtschaftlich genutzt deklariert, wobei in der Gemeinde kein Bioanbau betrieben wird. Rund 36 % des Landwirtschaftslandes wird permanent als Wiese genutzt, auf 5 % wird Raps, auf 7 % wird Weichweizen und auf rund 31 % Körner- und Silomais angebaut.
Gewässer An stehenden Gewässern finden sich lediglich zwei erwähnenswerte Étangs, der Étang Chaud und der Étang de la Voisse, die beide durch einen namenlosen Bief in die Brenne entwässert werden. Aufgrund der Flurnamen ist offensichtlich, dass südlich des Bourg mindestens zwei weitere Étangs bestanden, nämlich der Étang de Bellevesvre und der Étang-Neuf.
An fließenden Gewässern ist La BrenneLa Brenne, Länge 53,79 km, Zufluss zum Bras la Seillette Aval, Quelle bei in Miéry auf ca. 437 m, Mündung bei in Sens-sur-Seille auf ca. 181 m, La Brenne auf sandre.eaufrance.fr prägend für die Gemeinde. Sie fließt von Osten her in das Gemeindegebiet, bediente früher die Moulin d’Or, schwenkt nach Süden und nördlich am Bourg vorbei, um das Gemeindegebiet nach Nordwesten zu verlassen, dabei bildet sie noch etwa 870 Meter die Grenze zu Torpes. Ganz im Süden der Gemeinde streift La DargeLa Darge, Länge 10,2 km, Zufluss zur Brenne, Quelle bei in Mouthier-en-Bresse auf ca. 209 m, Mündung bei in Le Planois auf ca. 184 m, La Darge auf sandre.eaufrance.fr die Gemeinde. Sie kommt von Südosten, von Chapelle-Voland kurz ins Gemeindegebiet, verlässt dieses jedoch nach einem Kilometer wieder, nach Torpes.
Verkehrswege Bereits in gallorömischer Zeit war Bellevesvre ein wichtiger Ort, immerhin kreuzten sich hier fünf Römerstrassen. Von Norden her, von Pierre-de-Bresse, kommt die Departementsstrasse D73, durchzieht den Bourg in West-Ost-Richtung und wendet sich nach Südosten, Richtung Bletterans. Nach Verlassen des Gemeindegebiets gelangt sie ins Département Jura, wo sie zur D122 (39) wird. Die Straße folgt teilweise dem Trassee der Römerstraße von Verdun-sur-le-Doubs nach Poligny.
Im Bourg zweigt die D23 nach Südwesten ab. Auch diese Verbindung geht auf die Römerstraße nach Louhans-Châteaurenaud zurück. Sie findet ihre Fortsetzung nach Norden, als Route de Dole, im Département Jura wird sie zur D13 (39).
Ebenfalls im Bourg kommt die D137 von Westen, beginnend in Saint-Germain-du-Bois und führt weiter durch den Bourg, führt ausgangs Bellevesvre nach Norden, nach Mouthier-en-Bresse und schließlich nach Rye.
Schließlich verlässt südöstlich der Siedlung die D323 die Gemeinde nach Osten. Sie wird im Département Jura zur D1 (39). Sie geht ebenfalls weitgehend auf die Römerstraße nach Poligny zurück.
Weiler und Fluren Zur Gemeinde gehören historisch folgende Weiler und Fluren: Le Champ-de-Foire, La Chaumière, Chaux-d’Or, Chefain, Le Désert, Grand-Or, La Maladière, Les Meix, Les Moires, Le Mortier, La Motte, Le Moulin-d’Or, Petit-Or, Les Planches, La Tuilerie, La Verne. Höhenprofil mini|400pxDas Höhenprofil beginnt im Norden, an der Gemeindestraße, zwischen den Weilern Verne und La Chouillère (Gemeinde Mouthier-en-Bresse). Nördlich liegt eine kleine Hochebene, die sich bis Neublans-Abergement zieht. Das Gelände sinkt in der Folge ab bis zur Passage à gué und steigt erneut an bis zur Départementsstraße D23, die nach Abergement Saint-Jean führt. Nach einem brüsken Abfall fließt La Brenne etwas nördlich am Bourg vorbei. Das Gelände bleibt einigermaßen eben bis zum Weiler La Chaumière, an der Grenze zu Chapelle-Voland. Nahe der Gemeindegrenze streift La Darge die Gemeinde.
Klima Das Klima in Bellevesvre ist warm und gemäßigt. Es gibt das ganze Jahr über deutliche Niederschläge, selbst der trockenste Monat weist noch hohe Niederschlagsmengen auf. Die Klassifikation des Klimas nach Köppen und Geiger ist Cfb ((Gemäßigtes) Ozeanklima). Die Temperatur liegt im Jahresdurchschnitt bei 11,9 °C. Der wärmste Monat ist der Juli mit einer Durchschnittstemperatur von 20,9 °C, der kälteste der Januar mit 3,2 °C. Über ein Jahr verteilt summieren sich die Niederschläge auf 1081 mm, dabei ist der November mit 117 mm der niederschlagsreichste, während Juli als trockenster Monat 72 mm aufweist. Über das ganze Jahr werden etwa 2764 Sonnenstunden gezählt.
Toponymie Der Ort wird erstmals 1089 als Ecclesia Bellevavre in den Büchern des Klosters Baume-les-Messieurs erwähnt. Der Name geht jedoch auf die gallorömische Besiedlungszeit zurück, ursprünglich bella vevre, mit der Bedeutung einer schönen Aue, aber auch Gestrüpp und Unterholz. Tatsächlich befindet sich der Ort am Kreuzungspunkt von fünf Römerstraßen, wovon die eine von Verdun-sur-le-Doubs nach Poligny, die anderen von Dole nach Louhans und Lons-le-Saunier führten. Die archäologischen Funde (Waffen aller Art, Schwerter, Dolche, Speere, Pfeil- und Lanzenspitzen, Schilde) belegen die Wichtigkeit dieser Siedlung, die in gallorömischer Zeit die größte Straßenkreuzung in der Bresse bildete.
Geschichte Bellevesvre verdankte seine Bedeutung im Hochmittelalter seiner strategischen Lage an der Grenze zwischen dem Herzogtum Burgund und der Freigrafschaft. Umgeben von einer Stadtmauer mit drei Toren, war die Kleinstadt von einem doppelten Stadtgraben umschlossen. Die Grenzlage erlaubte dem Ort schon früh, Messen und Märkte durchzuführen, die ihm zu ansehnlichem Reichtum verhalfen. Das Schloss stand im Norden des Ortes, auf einem Hügel, von Gräben umgeben. Eine kleine Burg, auf einer Anhöhe, 600 Schritte von Bellevesvre (im Weiler Motte), diente der Verteidigung gegen die Freigrafschaft. Heute findet sich nichts mehr von Schloss oder Burg. In den ehemaligen Kellern wurden Münzen, Waffen und Gebrauchsgegenstände gefunden.
Die Kirche wurde 1379 wieder erbaut, sie ist Mariä Geburt geweiht und enthält mehrere alte Grabsteine, beispielsweise aus dem 15. Jahrhundert von Jean de Terrans, Berater des Herzogs von Burgund, von J. Perrot († 1520), von Cl. Violet, Pfarrer von Charette († 1500), von Marie Beaune Bernard de Montessus, Baron von Bellevesvre, Gouverneur von Beaune († 1686) und von Jeanne de Bonneval, seiner Gemahlin († 1672). Eine Familiarité, die 1389 aus 19 Mitgliedern bestand, unterstützte den Kirchendienst in Bellevesvre. 1506 bestand sie noch aus sechs Mitgliedern und nach den in den Hugenottenkriegen erlittenen Verlusten waren es noch weniger. Schließlich gab es im 18. Jahrhundert nur noch einen Priester, der durch die Einwohner ernannt wurde. Eine Leprastation befand sich im 14. Jahrhundert nahe dem Fluss in einem Gebiet, das den Namen Champ Maillard (heute der Weiler Maladière) trug. Sie wurde später zu einem Asyl und einem Friedhof der Pestopfer.
1372, als der Glockenturm gebaut wurde, hatte die Kleinstadt sechs Schöffen. Nachdem das Haus Burgund 1477 in männlicher Linie ausgestorben war, ging das Herzogtum Burgund an Frankreich, die Freigrafschaft jedoch an den Burgundischen Reichskreis. Die Kriege im 16. und 17. Jahrhundert (Krieg gegen den savoyardischen Herzog Karl Emanuel I., Dreißigjähriger Krieg und Devolutionskrieg) bescherten dem Ort am äußersten Grenzpunkt des Herzogtums Burgund schreckliche Katastrophen. 1637 wurde Bellevesvre durch die freigräflichen Streitkräfte erobert und eingeäschert, es verblieben lediglich noch 16 Einwohner. Ähnlich erging es dem Nachbarort Mouthier, ja die ganze Gegend war weitgehend entvölkert und erholte sich nur sehr langsam.
Die Herren von Bellevesvre Die Familie de Bellevesvre Nach dieser kleinen Stadt nannte sich eine adlige Familie, die im 10. Jahrhundert, zusammen mit dem nachmaligen Abt von Cluny, Bernon, das Kloster in Mouthier-en-Bresse (Monasterium in Brixia) gründete und die, verbunden mit den mächtigsten Familien in der Gegend, im 13. und 14. Jahrhundert viele waffenfähige Ritter, Äbte und Äbtissinnen hervorbrachte. Eine der Töchter dieser Familie, Marguerite de Bellevesvre, heiratete Henri II. d’Antigny, wurde die Mutter von Huguette d’Antigny de Sainte-Croix, die einen Étienne de Saint-Dizier heiratete und – in zweiter Ehe, nach einem kriminellen Abenteuer – die Gemahlin des Philippe de Vienne, Herr von Pymont, wurde. Guillaume von Bellevesvre wurde Bischof von Chalon und nahm 1299 am Konzil von Anse teil. Nach seinem Tode im Jahr 1300 fand er die letzte Ruhe in der Kirche St. Jean-de-la-Grotte in Autun, neben seinem Onkel Anselm (Anseau) de Pomard, Bischof von Autun (1253) und neben Henri de Montbéliard, seinem Bruder. Béatrice de Bellevesvre war 1336 Äbtissin in Lons-le-Saunier und ehrte ihr Geschlecht durch ihre Tugend und ihre Verdienste. Ritter Jean wurde 1362 Herr von Bellevesvre, nach ihm Jean de Montaigu, Baron von Couches, gefolgt schließlich gegen Ende des 14. Jahrhunderts von Jacques de Vienne, Herr von Pagny.
Die übrigen Herren von Bellevesvre Nach Jean de Montaigu und Jaques de Vienne ging die Herrschaft im 15. Jahrhundert an die Fourneret über, die im Burgund hohe Posten in Justiz und Finanzen besetzten. Im 16. Jahrhundert waren die Damas de Marcilly die Herren, von denen sie 1630 Théode Pinsonnat, Präsident der Chambre des comptes in Dijon übernahm. Seine Tochter, Jacqueline de Pinsonnat, heiratete am 11. Januar 1633 Melchior Bernard de Montessus (* 1608, † 12. August 1672), Gouverneur von Beaune, wodurch die Baronie in deren Besitz überging. Sie umfasste die Gebiete von Torpes, Bellevesvre, Dissey (Weiler von Mouthier-en-Bresse) und den Ort Mouthier-en-Bresse.
Die Familie de Montessus Die de Montessus blieben Herren von Bellevesvre bis 1820, als ihnen der Comte de Grivel folgte, der Bürgermeister der Gemeinde und Landrat (Conseiller d'Arrondissement) war. Ritter Antoine-Charles-Gabriel Bernard de Montessus (* 3. Dezember 1755) war Oberst im Régiment du Maine, Graf von Rully und Bellevesvre, Baron von Dissey, Herr von Mouthier, Torpes und weiteren Orten. Ferrand, Intendant von Burgund, erwähnte die Familie 1698 . Tatsächlich gehörten die de Montessus seit 1360 zum alten Adel des Herzogtums, ihnen entstammte ein Kanoniker des Kapitels von Lyon, Gouverneure von Chalon-sur-Saône und Beaune, Edelleute des Kabinetts des Königs, Ritter des Ordens vom Heiligen Geist, des Ludwigsordens und des Ordre de Saint-Georges de Bourgogne. Als Folge einer Heirat ließ sich die Familie in der Franche-Comté nieder, der ältere Zweig blieb jedoch nur kurze Zeit, seine Nachkommen wurden Barone und Grafen von Rully, der jüngere Zweig de Montessus de Chauvirey blieb in der Freigrafschaft, erlosch jedoch zu Beginn des 19. Jahrhunderts.