mini|Grab auf dem Friedhof Pankow III, Abt. 36 U-142 Wilhelm Hauser (* 10. August 1883 in Endingen am Kaiserstuhl; † 8. September 1983 in Wandlitz) war ein deutscher Mathematiker und Hochschullehrer.
Leben Ausbildung Wilhelm Hauser war der Sohn des jüdischen Kaufmanns Gustav Hauser und seiner Frau Hanchen und war zugleich Urenkel von Hirsch Hauser (1783–1867). Er hatte die älteren Geschwister Recha (* 1869), Flora (* 1872), Laura (* 1874), Karl (* 1877) und Siegfried (* 1881) sowie den nach ihm Geborenen Julius (* 1890). Wilhelm besuchte 1889–1893 die Volksschule in Endingen, anschließend in Kenzingen die Realschule. In der gleichen Zeit lernte er Latein, weil er die feste Absicht verfolgte, nach der Schule zu studieren. 1899 übersiedelte er allein nach Karlsruhe, um in einem Realgymnasium das Abitur zu erwerben. Hier machte Hauser aufgrund seiner Unterkunft Bekanntschaft mit mehreren Personen, darunter dem Ministerialbeamten Krauth und dessen Tochter Else sowie revolutionären Studentenkreisen der Universität Karlsruhe. Er entdeckte auch seine Freude am Theaterbesuch. Der junge Hauser wurde im Gymnasium vor allem von dem Mathematikprofessor Treutlein gefördert. Nach dem Ablegen des Abiturs im Jahr 1902 musste Hauser aber zunächst seinen Militärdienst als Einjähriger ableisten. Er kam zum 1. Infanterieregiment nach München und wurde hier vor allem zum Wachdienst eingeteilt. Anschließend immatrikulierte sich Wilhelm Hauser in der Ludwig-Maximilians-Universität in München und belegte die Fächer Mathematik und Physik. Er besuchte unter anderem Vorlesungen von Alfred Pringsheim (Mathematik), Wilhelm Conrad Röntgen, Theodor Lipps (Logik) und Ferdinand von Lindemann (Differential- und Integralrechnung). Ein Semester studierte Hauser in Heidelberg, wo er auch Vorlesungen in Astronomie hörte und Philosophie bei Kuno Fischer, dann wechselte er an die Universität Erlangen. Hier schloss er sein Studium unter den Wissenschaftlern Max Noether und Paul Gordan im Jahr 1907 mit einer Dissertation zum Thema Über Resultanten- und Discriminantenbildung in der Theorie der elliptischen Thetafunktionen mit dem Ergebnis summa cum laude ab.
Zwischen 1907 und 1914 Einer seiner Doktorväter hatte vorgeschlagen, dass Hauser an die Universität Wien gehen solle, um dort die akademische Laufbahn auf dem Gebiet der Theoretischen Mathematik einzuschlagen. Er hatte jedoch beizeiten seine Vorliebe für eine Lehrtätigkeit entdeckt und wollte lieber ein Staatsexamen für das Lehrfach Mathematik ablegen. Dazu musste man nach damaligem Verständnis ein weiteres naturwissenschaftliches Fach abschließen. Das für ihn zuständige Badische Kultusministerium riet deshalb zu einem Chemiestudium. Wilhelm Hauser besuchte nun Chemie- und Physikvorlesungen in der Universität Freiburg im Breisgau, diesmal unter der Tutorenschaft von Professor Franz Himstedt. Noch vor dem erfolgreichen Abschluss machte ihn Professor Jacob Lüroth auf eine freie Lehramtsstelle in der Realschule Ladenburg bei Mannheim aufmerksam, und das Kultusministerium stellte ihn aufgrund knapper Bewerber bereits vor dem Examen dort an. Er unterrichtete nun Rechnen in den unteren Klassen sowie Mathematik und Botanik in den oberen Klassen. Im Frühjahr 1908 bekam Hauser eine Gelegenheit für eine erste Auslandsdienstreise – er nahm am Internationalen Mathematikerkongress in Rom teil. Er konnte seinen Aufenthalt in Italien auf insgesamt fünf Monate verlängern und besichtigte außer Rom auch Neapel und bestieg den Vesuv. Nach seiner Rückkehr nach Freiburg legte er mit sehr guten Noten sein Staatsexamen in Mathematik, Physik, Chemie und Pädagogik ab. Er erhielt anschließend eine Anstellung als Lehramtspraktikant an der Mädchen-Oberrealschule in Mannheim. Wegen gesundheitlicher Probleme (Heiserkeit bei seinen Unterrichtsstunden) wurde Hauser auf seine Bitte an ein Gymnasium in Lörrach versetzt mit wesentlich mehr freier Natur in der Umgebung. Hier hielt es ihn jedoch wieder nicht lange und er trat nach verschiedenen Bewerbungen im Januar 1913 eine Anstellung an der Oberrealschule in Pforzheim an. Als bedeutend ist in dieser Zeit der Austritt Hausers aus der Jüdischen Gemeinde anzusehen – war doch in der damaligen Zeit eine höhere Schullaufbahn mit der Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft verbunden.
Einsätze im Ersten Weltkrieg Statt einer geplanten Ferienreise mit der Familie seines Bruders Siegfried im August 1914 erfolgte mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs die Einberufung zum Kriegsdienst in das Landwehrregiment 40 in Karlsruhe. Einige Tage später wurde das Regiment ins Elsass verlegt und hatte erste Kämpfe mit französischen Truppen bei Mülhausen zu bestehen. Nach der Erledigung besonderer Aufträge „zur Sicherung der deutschen Truppen“ und einigen Stationen im Rahmen des Stellungskrieges bis hin zu den Vogesen erhielt der inzwischen zum Offiziersstellvertreter beförderte Wilhelm Hauser das Eiserne Kreuz I. Klasse (EK I). Wegen seiner Religionslosigkeit wurden weitere offizielle Anträge auf Beförderung zum Offizier abgelehnt. Der Trick eines Regimentskommandeurs mit der Frage, ob Hauser Gott oder die Gottesidee bekämpfen wolle und die dieser mit „nein“ beantwortete, führte doch noch zu einer Beförderung in den Rang eines Königlich-preußischen Leutnants im Winter 1916/17. Man brauchte Offiziere zur Fortführung des Krieges. – Im Mai 1917 wurde Hausers Landwehrdivision an die Ostfront verladen, sie kam nach Galizien. Obwohl das Oberkommando des Heeres eigene Anstrengungen unternahm, um durch Kontakte mit russischen Truppen den Verlauf des Krieges beeinflussen zu können und Hintergrundinformationen über die Lage auf russischer Seite zu erhalten, sollte doch die um sich greifende ungeplante Verbrüderung zwischen russischen und deutschen Soldaten verhindert werden. Hauser hatte nun selbst derartige Beziehungen zu organisieren. Dabei verfolgte er interessiert, wie in den russischen Stellungen Soldaten die Oberhand gewannen und so das Gedankengut des Roten Oktober um sich griff. Wilhelm Hauser hatte ein in russischer und deutscher Sprache verfasstes Exemplar von Lenins Flugschrift „An Alle“ erhalten und es aufmerksam gelesen. Entgegen den geltenden Vorschriften lieferte er das Papier nicht ab, sondern bewahrte es unter seinen persönlichen Dokumenten auf (es fiel erst der Gestapo 1933 in die Hände). Im Februar 1918 nahm Hauser sogar eine Einladung zu einem Besuch eines 40 Kilometer hinter der Front befindlichen Dorfes an, wo er freundlich empfangen und bewirtet worden war. Verändert hatten die Kontakte die Lage an der Ostfront jedoch nicht.
Im Anschluss an einen kurzen Fronturlaub hatte sich Wilhelm Hauser wieder an der Westfront zu melden, um an der Frühjahrsoffensive um St. Quentin teilzunehmen. Im Sommer befand sich das Regiment in Lothringen. Ab September 1918 wurde Wilhelm Hauser als Regimentskommandeur eingesetzt und während eines Schnellkurses für Minenwerfer in Hagenau im Elsass erlebte er den Zusammenbruch des Deutschen Kaiserreiches und damit der Kriegsfronten infolge der Novemberrevolution. Er kehrte zu seiner Familie nach Pforzheim zurück.
Erste politische Erfahrungen Bereits in der Realschulzeit hatte Hauser erste Gedankenanstöße zur Politik. Im Rahmen einer Sedanfeier hatte er ein Gedicht vorzutragen, das sich mit dem Schicksal eines französischen Ehepaares (damals Francs Tireurs genannt, also Partisanen) während der deutschen Überfälle beschäftigte.
Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs hatte Wilhelm Hauser begonnen, in Arbeiterbildungsvereinen seine Kenntnisse in Astronomie in populärwissenschaftlichen Vorträgen weiterzugeben. In diesem Zusammenhang wurden mit den Kursteilnehmern auch vielfältige Diskussionen über weltpolitische Fragen geführt; damals war gerade die Erste Marokkokrise aktuell. Fragen der staatlichen Beziehungen zueinander, der Erwerb von Grundbesitz und soziale Probleme wurden unter anderem besprochen. Hier äußerte sich Hauser erstmals als Pazifist: „… er würde wegen der Mannesmann-Rohre keine Flinte auf den Buckel nehmen.“Hauser-Chronik, S. 50.
Die eng mit den Kriegserlebnissen verbundenen Erfahrungen und Kontakte führten mehr und mehr zu einer sozialdemokratischen Haltung Hausers und folgerichtig 1919 zu seinem Eintritt in die gerade gegründete Deutsche Demokratische Partei, deren Ideale Persönlichkeiten wie Albert Einstein, Otto Nuschke und andere unterstützten. Außerdem wurde er Mitglied in einer Freimaurerloge und lernte auch detailliertes sozialdemokratisches Gedankengut durch Kontakte mit Gustav Wenk, einem Redakteur der Zeitschrift Volkswacht aus Bielefeld, sowie Eisenbahnbeamte kennen, mit denen ihn eine lange Freundschaft verbinden sollte. 1919 hatte Hauser mit Kollegen eine Siedlungsgenossenschaft gegründet.
Die Jahre von 1918 bis 1933 Die gesellschaftlichen Änderungen nach dem Ende des Ersten Weltkrieges fanden auch in Baden ihren Niederschlag – der Großherzog dankte ab, Arbeiter- und Soldatenräte entstanden und übernahmen die öffentliche Gewalt. Die Haltungen Wilhelm Hausers zu dieser Entwicklung führten zu einem von ihm später als „Mutationsprozess“ bezeichneten Umdenken.
Zunächst jedoch erhielt der Beruf wieder die oberste Priorität. Hauser bewarb sich im Sommer 1919 erfolgreich auf die Stelle eines Mathematiklehrers am Freiburger Realgymnasium, 1920 übersiedelte die gesamte Familie nun nach Freiburg im Breisgau. Außer den reinen Naturwissenschaften verschaffte er seinen Schülern auch das Umfeld für eine schöpferische Entwicklung.
Der Abschluss des Vertrages von Rapallo im Jahr 1922 bestätigte Wilhelm Hauser vor allem die Wichtigkeit von Völkerverständigung, untermauert durch seine eigenen Fronterfahrungen. Der Vertrag wurde als „erstes Friedenswerk, das überhaupt in Europa errichtet“ wurde, in der Öffentlichkeit begrüßt. Hauser formulierte seine Quintessenz so: „Der Krieg ist heute kein Mittel mehr, um Streitigkeiten unter den Kulturvölkern zu entscheiden, weil er so furchtbar wirkt, daß die Menschen, zu deren politischer Befreiung vielleicht ein Krieg entfesselt wird, durch ihn vernichtet werden.“Hauser-Chronik, S. 85 Veröffentlichungen in einer Tageszeitung ließen Wilhelm Hauser die Zusammenhänge zwischen der Rüstungsindustrie eines Landes und der Belieferung aller kriegführenden Länder klar erkennen. Er begann, in öffentlichen Auftritten und in persönlichen Notizen aufklärerisch gegen das beginnende Wettrüsten in den 1920er Jahren zu wirken und trat in die Deutsche Friedensgesellschaft (DFG) ein. Die Entwicklung in der DDP enttäuschte Wilhelm Hauser dagegen zunehmend, sodass er stattdessen 1922 Mitglied der SPD wurde.