mini|Eingangstor zum Hauptlager des KZ Jasenovac, dem als Ciglana (Ziegelei) bekannten Arbeitslager III. Darüber ein Schild mit der Aufschrift „Arbeitsdienst des Ustascha-Abwehrdienstes – Sammellager Nr. III“ und dem Abzeichen des Ustascha-Abwehrdienstes mit dem Wahlspruch „Alles für den Poglavnik“. Das Konzentrationslager Jasenovac (; ; ) war das größte Sammel-, Arbeits-, Konzentrations- und Vernichtungslager im sogenannten Unabhängigen Staat Kroatien und zugleich nach Gefangenenzahlen eines der größten in ganz Europa. Es war das einzige Vernichtungslager im Zweiten Weltkrieg in Europa, in dem ohne deutsche Beteiligung planmäßig gemordet wurde. Im Lagerkomplex von Jasenovac starben überwiegend Serben sowie Juden, Roma und Regimegegner, darunter Kroaten und bosnische Muslime. Die Angaben über die Opferzahlen weichen aufgrund ihrer teilweisen Verwendung im Rahmen propagandistischer Zwecke stark voneinander ab.

Der von der Ustascha zwischen 1941 und April 1945 geleitete Lagerkomplex lag 95 km südöstlich von Zagreb, in der Nähe des Ortes Jasenovac und zog sich entlang des linken Ufers der Save von der Mündung der Una bis Stara Gradiška. Die Angaben, nach denen die Gesamtfläche des Komplexes bis zu 240 Quadratkilometer betrug, sind fragwürdig, weil unklar bleibt, was dabei unter „Komplex“ verstanden wird.Mario Kevo: Počeci jasenovačkog logora i pojmovna (terminološka) problematika Sustava jasenovačkih logora. S. 587, (PDF) Der Lagerkomplex bestand aus insgesamt fünf Nebenlagern (Jasenovac I–V) und drei kleineren Lagern. Dazu gehörten die drei Kinderkonzentrationslager Sisak als größtes, Gornja Rijeka als kleinstes und Jastrebarsko.

Auf dem Standort des ehemaligen Lagers befindet sich die 1959 bis 1966 vom jugoslawischen Architekten und Bildhauer Bogdan Bogdanović errichtete Gedenkstätte für die KZ-Opfer.

Ein weiteres Konzentrationslager auf dem Territorium des Ustascha-Staates war das Konzentrationslager Sajmište am linksseitigen Saveufer bei Zemun, welches von den deutschen Besatzungstruppen betrieben wurde.

Geschichte Hintergrund Der Balkanfeldzug mit dem Überfall der Achsenmächte führte zwischen dem 6. und 17. April 1941 zur Besetzung und Zerschlagung des Königreichs Jugoslawien durch deutsche, italienische, ungarische und bulgarische Truppen. Ursprünglich hatte Deutschland gehofft, das neutrale Jugoslawien in ein Bündnis zwingen zu können. Bereits am 10. April 1941 marschierte die Wehrmacht in Zagreb ein, woraufhin Oberst Slavko Kvaternik im Namen der faschistischen Ustascha-Bewegung den Marionettenstaat der Achsenmächte proklamierte, den sogenannten Unabhängigen Staat Kroatien (NDH) unter Adolf Hitlers und Benito Mussolinis Protektion, zu dem auch Slawonien, Syrmien und fast ganz Dalmatien, Bosnien und die Herzegowina sowie Teile Serbiens gehörten. Die Proklamierung des neuen Staates wurde von der Mehrheit der Kroaten begrüßt, aber in diesem Gebilde lebten neben den ca. 3,3 Millionen Kroaten noch rund 3 Millionen andere, mit etwa 1,9 Millionen vorwiegend Serben, aber auch 700.000 Muslime sowie eine Anzahl weiterer ethnischer Minderheiten.

mini|hochkant|Öffentliche Aufforderung vom Mai 1941 an Serben und Juden, ihre Häuser nördlich bestimmter Straßen in Zagreb zu verlassen Der NDH-Staat führte in Anlehnung an das nationalsozialistische Deutschland ab April 1941 ebenfalls Rassengesetze gegen Serben, „Juden“ und „Zigeuner“ ein.

Während des Zweiten Weltkriegs wurden im Unabhängigen Staat Kroatien drei Völkermorde parallel verübt: der Völkermord an den Serben im Unabhängigen Staat Kroatien, der Völkermord an den Roma im Unabhängigen Staat Kroatien und der Holocaust an den Juden. Diese Bevölkerungsgruppen wurden systematisch verfolgt, in Konzentrationslager eingesperrt und ermordet.

Zusätzlich entstanden auf dem Gebiet des Staates um die 40 Konzentrations- und Internierungslager. Die Ustascha errichtete unter ihrem Führer Ante Pavelić eine totalitäre Diktatur, die für den Genozid an den verschiedenen ethnischen Gruppen und die Ermordung zahlreicher politischer Oppositioneller verantwortlich war. Ambivalent war das Verhältnis der römisch-katholischen Kirche zu den Ustascha. Nationalistisch eingestellte katholische Geistliche aus der NDH sympathisierten, kooperierten oder beteiligten sich an den Taten der Ustascha. Andere protestierten gegen deren Verbrechen. Der planmäßige Völkermord, der mehrere hunderttausend Todesopfer forderte, erreichte seinen Höhepunkt schließlich im KZ Jasenovac.

Entstehung Die Lager wurden aufgrund der kroatischen Gesetzanordnung Nr. CDXXIX-2101-Z-1941 vom 25. November 1941, die von Ante Pavelić erlassen und von Justizminister Mirko Puk unterschrieben wurde, formal legalisiert.Barry M. Lituchy: Jasenovac and the Holocaust in Yugoslavia: analyses and survivor testimonies. Jasenovac Research Institute, 2006, ISBN 0-9753432-0-3, S. 68. Dieses Gesetz „erlaubte“ die gewaltsame Festnahme und Internierung missliebiger Personen in Arbeitslagern und somit die Errichtung von Konzentrationslagern. Mit dem Bau des KZ ließ Eugen Dido Kvaternik, der als Leiter der Ustaška nadzorna služba (UNS), Staatspolizei und Geheimdienst des NDH, die Oberaufsicht für sämtliche Lager hatte, Ende 1941 beginnen. Unterstützt wurde er dabei vom amtierenden Innenminister Andrija Artuković, der auch als „kroatischer Himmler“ und „Schlächter vom Balkan“ bezeichnet wurde. Gründer und Organisator von Jasenovac war General Vjekoslav Luburić, zugleich Kommandant des Lagerkomplexes, genannt „Maks der Metzger“. Er war zur Ausbildung im KZ Sachsenhausen gewesen, wo er den Aufbau des Lagers und die Genickschussanlage zur systematischen Tötung von russischen KriegsgefangenenHorst Seferens: Sowjetische Kriegsgefangene im KZ Sachsenhausen 1941–1945. In: Gedenkstättenrundbrief 104 S. 38. studierte; anschließend versuchte er, dieses Modell auf Jasenovac zu übertragen.Wolfgang Benz, Barbara Distel (Hrsg.): Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Band 9: Arbeitserziehungslager, Ghettos, Jugendschutzlager, Polizeihaftlager, Sonderlager, Zigeunerlager, Zwangsarbeiterlager. C.H. Beck, München 2009, ISBN 978-3-406-57238-8, S. 327.

mini|Lager mit Umfeld Zwischen 1941 und 1945 gab es etwa 40 Konzentrationslager und Tötungsstätten auf dem Territorium des NDH-Staates. Die kleineren wurden jedoch rasch aufgelöst. Stattdessen wurde mit Jasenovac ein zentraler Standort ausgewählt, zur Verhinderung von Fluchten günstig gelegen am Zusammenfluss der Save mit den Flüssen Una, Strug und Lonja und zugleich für einen großen Lagerkomplex verkehrstechnisch geeignet in der Nähe der Bahnlinie Belgrad−Zagreb. Der Hauptzweck war die Vernichtung von Serben, Juden und Roma samt ihren Angehörigen und Kindern sowie die Ausrottung von Mitgliedern der serbisch-orthodoxen Amtskirche. Darüber hinaus wurden in dem Lager unter anderem Panzer repariert, Lederwaren für das Ustascha-Militär sowie Schiffsketten hergestellt. Auch eine große Ziegelei befand sich auf dem Lagergelände. Das Arbeits-, Vernichtungs- und Konzentrationslager war nach dem Vorbild der deutschen KZ konzipiert und erhielt wegen seiner Größe bald den Beinamen „Auschwitz des Balkans“. Über dem Haupttor hieß es auf Kroatisch „Alles für den Poglavnik“ (d. h. für den NDH-Führer Ante Pavelić) und darunter „Arbeitsdienst der Ustascha-Verteidigung – Sammellager Nr. III“.Sve za poglavnika. Radna služba Ustaške obrane – Sabirni logor Br. III

Lagerkomplex Jasenovac I (Krapje) und II (Bročice) mini|Deportationsbericht von Travnik nach Jasenovac und Stara Gradiška (März 1942) Jasenovac I und II wurden gleichzeitig im August 1941 in der Nähe der Stadt Jasenovac errichtet und mit ersten Häftlingen belegt, hauptsächlich Serben und Juden. Jasenovac I lag in der Nähe des Ortes Krapje, etwa zwölf Kilometer westlich von Jasenovac, und bestand aus drei Baracken, während Jasenovac II in einem Bročki sokak genannten Ödland lag und aus einer Baracke bestand. Ende Oktober 1941 begannen schwere Regenfälle auf dem Gebiet des noch im Aufbau befindlichen Lagerkomplexes. Mitte November 1941 stieg der Pegel der Save und nach Dammbrüchen versank Jasenovac I (Krapje) und der gesamte Lagerkomplex wurde von Wasser eingeschlossen. Dabei sollen nach Berichten von Überlebenden bis zu 550 Häftlinge ertrunken sein. Mitte November 1941 wurde ein Aufnahmestopp verhängt und Jasenovac I und II wurden aufgelöst. Die Häftlinge wurden in das höher gelegene Jasenovac III evakuiert. Von den 3000 bis 4000 Häftlingen der beiden Lager überlebten nur 1500 diese Überführung.

Jasenovac III (Ciglana) mini|Lageplan des Lagers III, genannt Ciglana (Ziegelei), des Hauptlagers von Jasenovac. Die Häftlinge von Jasenovac III (Eigenbezeichnung: Sabirni logor Br. III = Sammellager III), bekannt als Ciglana (Ziegelei), waren in einem großen Gebäude einer Ziegelei untergebracht, da es an Baracken mangelte. Jasenovac III war das größte Lager des Lagerkomplexes.

Jasenovac IV (Kožara) Im Januar 1942 organisierte die Ustascha Jasenovac IV, bekannt als Kožara (Lederwaren).

Jasenovac V (Stara Gradiška)

Als Jasenovac V bezeichnete man das ab 1941 betriebene KZ-Außenlager in der Nähe des Ortes Stara Gradiška, das über eine eigene Lagerverwaltung verfügte. Im Lager waren vor allem Frauen und viele kroatische und bosniakische Regimegegner inhaftiert.

Zwangsarbeit und Massentötungen Zeitweilig diente das Lager auch als Sammellager für Gefangene auf dem Weg in andere Vernichtungslager. Gleichzeitig wurden bis zu 5000 Menschen interniert und mussten Zwangsarbeit leisten.

mini|Exekution von Häftlingen in der Nähe des KZ Jasenovac. Die meisten der mit Viehwaggons und Lastwagen herangebrachten Opfer wurden direkt von der Bahnendstation am Fluss Save mit einer Fähre ans andere Flussufer nach Donja Gradina (im heutigen Bosnien und Herzegowina) gebracht und dort massakriert. Gaskammern gab es zu diesem Zweck nicht. Die Tötungen wurden zunächst mit Schusswaffen, später vor allem mit Messern, aber auch Hacken, Beilen, Äxten und Hämmern vorgenommen.Eberhard Rondholz: Zweierlei Erinnerung: Jasenovac – Das kroatische Auschwitz. auf: Deutschlandfunk. 28. August 2009. Dabei soll auch das Garbenmesser einer deutschen Firma benutzt worden sein, das als srbosjek (Serbenschneider) bezeichnet wurde.Ladislaus Hory, Martin Broszat: Der kroatische Ustascha-Staat, 1941–1945. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1964. Mit diesen und einigen anderen Methoden wandelte sich das Konzentrationslager in ein Schlachthaus.David M. Kennedy, Margaret E. Wagner, Linda Barrett Osborne, Susan Reyburn: The Library of Congress World War II Companion. Simon und Schuster, 2007, S. 640, 646f, 683.

Deutsche Militärs befürchteten wegen der angewandten Grausamkeiten ein Erstarken der Widerstandsbewegung (General Edmund Glaise von Horstenau im März 1942 in einem Brief an Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel).

Endphase