mini|hochkant|Autor Andrzej Sapkowski (2015) Die Geralt-Saga oder auch Hexer-Saga (pl. Saga o Wiedźminie) ist eine Reihe von Büchern des polnischen Fantasy-Autors Andrzej Sapkowski, die auf mitteleuropäischen Märchen und speziell slawischen Legenden beruht und dabei auch parodistische Elemente beinhaltet.

Im Zentrum der Abenteuer steht der Hexer Geralt von Riva. Die eigentliche Saga ist eine Pentalogie (Das Erbe der Elfen, Die Zeit der Verachtung, Feuertaufe, Der Schwalbenturm, Die Dame vom See). Des Weiteren gibt es zwei vor der Pentalogie spielende Kurzgeschichtenbände über Geralt (Der letzte Wunsch, Das Schwert der Vorsehung) sowie den in sich abgeschlossenen Einzelband Zeit des Sturms, dessen Romanhandlung zwischen den beiden Kurzgeschichtenbänden spielt, sowie Kreuzweg der Raben, das sich der Jugend Geralts als Hexer widmet. Im Kurzgeschichtenband Etwas endet, etwas beginnt sind zwei weitere Geralt-Geschichten enthalten.

Alle deutschen Übersetzungen der Geralt-Bücher stammen von Erik Simon und wurden von dtv herausgegeben. Auf Polnisch erschien 1990 zudem der Erzählungsband Wiedźmin als erstes Buch über Geralt; die fünf in ihm enthaltenen Erzählungen findet man auch in Der letzte Wunsch bzw. Etwas endet, etwas beginnt.

Die Welt von Geralt mini|Eine von Fans rekonstruierte Karte der Welt von Geralt

Die Welt des Geralt-Zyklus besteht aus einer Reihe kleiner Königreiche und Fürstentümer. Zu den wichtigsten gehören Aedirn (unter König Demawend), Kaedwen (König Henselt), Lyrien (Königin Meve), Redanien (König Wisimir), Temerien (König Foltest), Cintra, Cidaris, Kovir und Skellige. In der Pentalogie spielt des Weiteren das expansive Kaiserreich Nilfgaard eine wichtige Rolle. In den Ländern leben außer Menschen auch „Anderlinge“ wie Zwerge, Elfen, Halblinge und andere Fabelwesen. Während die Zwerge vor allem als Handwerker und Krieger bekannt sind, werden die Elfen von den Menschen, die sie oft als minderwertig betrachten, zugleich gefürchtet und bewundert. Ein wichtiger Aspekt der Handlung der Hexer-Bücher ist der Kampf der Elfen und anderer Vertreter der „alten Völker“ (zum Beispiel auch Brokilon-Dryaden) gegen Unterdrückung und Verdrängung durch die Menschen.

Die Länder der Menschen werden größtenteils de facto von Zauberern und Zauberinnen beherrscht, meist offiziell als Berater des jeweiligen Königs oder Fürsten. Ausnahmen sind vor allem das Kaiserreich Nilfgaard, in dem die Zauberer nur eine geringe Rolle spielen und das despotisch von Kaiser Emhyr var Emreis regiert wird, sowie die verbündeten Fürstentümer Skellige und Cintra. Ein weiteres Beispiel ist Dol Blathanna, das im Laufe der Saga gegründete Elfenfürstentum, über das die elfische Zauberin Francesca Findabair herrscht.

In der geschilderten Welt leben viele Fabelwesen und Monster. Hexer sind eine kleine Gruppe von Mutanten, die beruflich umherziehen und Monster erlegen, sofern sie dafür bezahlt werden. Sie rekrutieren sich hauptsächlich aus Waisen- und Armenkindern und werden nach einer magisch-medizinischen Behandlung, infolge derer sie, sofern sie die Behandlung überleben, unter anderem viel schneller und kräftiger als normale Menschen werden, zum professionellen Monstertöten ausgebildet. Hexer sind auch rudimentärer Magie mächtig und haben ein umfangreiches Wissen über Heil- und Kräuterkunde. Eine weitere Folge der Behandlungen (genannt „Mutationen“), denen sie als Kinder unterzogen werden, sind deutlich empfindlichere Sinne als bei normalen Menschen und ein langsamerer Alterungsprozess. Auch sind Hexer nicht fortpflanzungsfähig: Sie rekrutieren sich zum Teil aus „Überraschungskindern“, die ihnen nach dem „Gesetz der Überraschung“ versprochen werden. Die betroffenen Kinder werden der sogenannten „Kräuterprobe“ und „Umwandlungen“ unterzogen, wobei mehr als die Hälfte stirbt oder wahnsinnig wird. Aufgrund ihrer Andersartigkeit werden die Hexer von den meisten Menschen gefürchtet oder gar gehasst (in den Büchern werden retrospektiv Pogrome an Hexern erwähnt); aus diesem Grund ist der Weg zu einem ihrer Sitze, Kaer Morhen, eine verfallene Festung im Gebirge, nur Eingeweihten bekannt. Andererseits sind sie aus eigener Sicht ein wichtiger Bestandteil der Welt, weil sie das „Böse“ (die Monster) in Schach halten. Ihr Beruf ist zugleich sehr gefährlich und recht lukrativ. Hexer sind dabei ausschließlich Männer, ein weiblicher Körper würde die „Kräuterprobe“ und Mutationen nicht überstehen. Hexer führen zwei Schwerter, eines aus Silber (bzw. aus einer Legierung mit Silber als Hauptanteil, da reines Silber zu weich wäre) zum Kampf gegen magische und übernatürliche Wesen sowie eines aus Stahl zum Kampf gegen Menschen und natürliche Kreaturen. Anders als in den Spielen dargestellt, trägt Geralt nur ein Schwert auf dem Rücken, während das andere bei seiner Stute „Plötze“ verbleibt.

Hintergrund und Entstehung 1985 war Andrzej Sapkowski als Handelsvertreter tätig. Belesen und mit einer Vorliebe für Fantasy-Literatur, etwa von Roger Zelazny, beschloss er, an einem Fantasy-Kurzgeschichtenwettbewerb der polnischen Zeitschrift Fantastyka teilzunehmen. Die Beschränkung auf 30 Seiten bereitete ihm jedoch Sorgen, da er „längere Briefe schrieb“. In diesem Rahmen schien ihm klassische Fantasy ungeeignet. Inspiriert von der bekannten polnischen Sage des Schusters und des Wawel-Drachen kam ihm eine „märchenhaftere“ Neuinterpretation solcher Stoffe in den Sinn. Es erschien ihm unglaubwürdig, dass ein einfacher Schuster einen Drachen besiegt, während Ritter und Soldaten scheitern. In einer Welt, die geplagt ist von Drachen und anderen Monstern, gäbe es sicher auch Spezialisten, die professionell solche Monster jagen und sich dafür bezahlen ließen. Diese Vorstellung stellte das Grundgerüst für die Hexer-Saga.

Mit seiner Kurzgeschichte Der Hexer erreichte Sapkowski den dritten Platz des Wettbewerbs. Obwohl ihm zunächst wenig daran lag, diese Geschichte fortzusetzen, war der Erfolg in Polen enorm, was zu weiteren Kurzgeschichten führte, die später in den Kurzgeschichtenbänden gebündelt veröffentlicht wurden. Sein unkonventioneller Ansatz, sein Schreibstil waren ungemein erfolgreich, auch, da Fantasy in Polen bislang vor allem als Kindergeschichten betrachtet wurde. Der polnische Reporter-Verlag veröffentlichte 1990 den Kurzgeschichtenband Wiedźmin, der neben der ersten noch vier weitere Kurzgeschichten umfasste. Eine deutsche Übersetzung dieses Bandes erfolgte nicht und erscheint nun auch insofern obsolet, da vier der Kurzgeschichten auch in Der letzte Wunsch enthalten sind, die fünfte in Etwas endet, etwas beginnt. Beim Verlag SuperNowa erschien 1994 schließlich der erste Band seiner Pentalogie.

Erstmals auf Deutsch veröffentlicht wurde Sapkowskis Werk 1993 mit dem Kurzgeschichtenband Der letzte Wunsch im Lingen Verlag. 1998 erfolgte eine Neuauflage der Kurzgeschichtenbände im Heyne Verlag. Ab 2007 wurde die gesamte deutschsprachige Geralt-Saga vom Deutschen Taschenbuch Verlag herausgegeben. Im Herbst 2019 veröffentlichte dtv eine Neuausgabe der Pentalogie, mit fünfteiligem Buchrückenmotiv, silbergeprägten Titelbildern, sowie erstmals mit Landkarte. Im Frühjahr 2020 folgten Neuausgaben der Kurzgeschichtenbände sowie des Einzelromans.

Handlung Kurzgeschichtenbände Der letzte Wunsch Der letzte Wunsch enthält eine Reihe von Kurzgeschichten, die die eigentliche Geralt-Saga (Pentalogie, siehe unten) einleiten. Die Kurzgeschichten werden eingerahmt von kurzen Episoden, betitelt Die Stimme der Vernunft, die von Geralts Aufenthalt im Tempel der Göttin Melitele in Ellander handeln, wo er sich nach einer schweren Verletzung erholt.

In Der Hexer kommt Geralt nach Wyzima, wo König Foltest nach jemandem sucht, der seine als eine Striege verfluchte, aus einer inzestuösen Verbindung mit seiner Schwester entstammenden, Tochter entzaubert, die seit Jahren im alten Schloss der Stadt haust und regelmäßig Menschen tötet. Geralt erklärt sich bereit, die Aufgabe zu erfüllen. Er begibt sich nachts in das Schloss, und es gelingt ihm das Mädchen zu entzaubern, wobei er schwer verletzt wird, indem er sie daran hindert, am Morgen in ihren Sarg zurückzukehren.

In Ein Körnchen Wahrheit entdeckt der Hexer in einem verlassenen Waldgebiet zufällig ein Schlösschen, in dem ein in ein Monster verwandelter Mann namens Nivellen lebt. Geralt freundet sich mit diesem an. Dieser haderte anfangs mit seinem Fluch, freut sich allerdings darüber, wie seine „Monsterpotenz“ bei Frauen ankommt, die ihn deswegen und aufgrund seines Reichtums aufsuchen. Es stellt sich allerdings heraus, dass Nivellen nun mit einer höheren Vampirin, einer Bruxa, zusammenlebt. Es kommt zu einem Kampf, bei dem Geralt die Bruxa tötet. Dabei wird Nivellen zufällig entzaubert.

Das kleinere Übel handelt von einem Besuch Geralts in dem Städtchen Blaviken, wo die gesuchte und gefürchtete Räuberin Renfri, genannt „Würgerin“, den dort ansässigen Zauberer und Bekannten von Geralt, Stregobor, aus Rache töten will. Obwohl Geralt Verständnis für Renfris Motive zeigt und mit ihr die Nacht verbrachte, beschließt er, sich dem zu widersetzen. Renfri droht mit einem sogenannten „Tridamer Ultimatum“ – entweder der Zauberer lässt sich töten oder sie wird die Bewohner der Stadt umbringen. Es kommt auf dem städtischen Jahrmarkt zu einem Kampf zwischen Geralt und Renfri, sowie ihrer Bande, bei dem der Hexer sie alle tötet. Bewohner der Stadt, die zwar Zeuge davon wurden, aber nichts über die Hintergründe wussten, prägten so Geralts Beinamen „Der Schlächter von Blaviken“.

In Eine Frage des Preises ist Geralt erstmals in Cintra. Er wird zu einem Fest anlässlich des Geburtstags von Prinzessin Pavetta eingeladen. Cintras Königin Calanthe verlangt, dass er Duny umbringt, einen verfluchten Mann, dem Pavetta nach dem „Gesetz der Überraschung“ von Calanthes verstorbenem Ehemann versprochen wurde. Hexer handeln meist zuvor den Preis ihrer Dienste aus. Neben Geld kann ein Hexer sich auch auf das „Gesetz der Überraschung“ berufen, was besagt, dass ihm zusteht, was der Auftraggeber erhält, aber nicht erwartete (wie in diesem Fall das Kind der Schwangeren). Geralt verweigert sich dem Antrag. Während des Festes erscheint Duny, wegen seines Fluchs und Erscheinungsbildes auch „Igel“ genannt, und wird verwundet, woraufhin Pavetta, die dennoch Zuneigung zu ihm hegt, magische Kräfte offenbart und den Saal unkontrolliert verwüstet. Am Ende stellt sich heraus, dass Pavetta und Duny sich bereits länger heimlich trafen, und dass Pavetta schwanger ist – kurz bevor dies herauskommt, verspricht Duny Geralt nach dem „Gesetz der Überraschung“ ihr gemeinsames Kind. Dieses Ereignis stellt den Ausgangspunkt für die gesamte Saga dar.

In Der Rand der Welt reist Geralt zusammen mit seinem Freund, dem Barden Rittersporn, in ein entlegenes Dorf, wo er damit beauftragt wird, einen „Teufel“ unschädlich zu machen. Es stellt sich heraus, dass der Teufel ein Silvan namens Torque ist, der für die in der Gegend ansässigen und hungernden Elfen von den Dorfbewohnern Lebensmittel stiehlt. Diese nehmen Geralt und Rittersporn gefangen und wollen sie umbringen, was letzten Endes von der Königin der Felder, Dana Méadbh, verhindert wird.

In der Titelgeschichte des Bandes findet Rittersporn beim Angeln einen Zauberkrug, dem ein Dschinn entsteigt. Der Dschinn beginnt kurz darauf, eine nahe gelegene Stadt, den Sitz der Zauberin Yennefer, zu verwüsten. Diese versucht, den Dschinn einzufangen und für ihre Zwecke zu nutzen, dieser stellt sich aber als mächtiger als sie heraus. Nur mit Hilfe von Geralt gelingt es ihr, den Dschinn zu verjagen. Es ist die erste Begegnung Geralts und Yennefers, deren Beziehung für die gesamte Saga prägend ist.

Das Schwert der Vorsehung