Seit Menschengedenken gab es Torfgewinnung in West-Mecklenburg zu Heizzwecken. Besonders nach dem Zweiten Weltkrieg war die Brenntorfgewinnung eine Alternative zur Versorgung der Bevölkerung mit Brennmaterial. Diese begann hier im Sommer 1945, befehligt durch die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD).

Nach Linderung der größten Not besann man sich auf eine effektivere Nutzung der Torfinhaltsstoffe. Im Weiteren werden diese Torflagerstätten, die zuständigen fachlichen Institutionen sowie die seinerzeitigen gesellschaftlichen Randbedingungen bis zur politischen Wende im Jahre 1989–90 dokumentiert.

Die Hochmoortorf-Lagerstätten Die bergbauökonomisch relevantesten Hochmoortorf-Lagerstätten dieser Gewinnungsepoche in West-Mecklenburg waren (sind) die Hochmoore Grambow I, auch Stralendorfer Moor genannt, Drispeth, Breesen I und Woitendorf, auch als Breesen II bezeichnet.

Die lagerstättengeologischen Verhältnisse Das Grambower sowie das Lützowhorster Moor (letzteres nur teilweise) werden dem hydrologischen Moortyp „Hochmoor über Verlandungsmoor“ zugerechnet. Das sind aus der Verlandung spätglazialer und frühholozäner Seen hervorgegangene Regenmoore. Die Hochmoortorfe lagern hier meist über Verlandungs- bzw. Bruchwaldtorfen. Teilweise ist das Grambower Moor ebenso das Lützowhorster Hochmoor auch aus der Versumpfung infolge holozäner Grundwasserspiegelschwankungen entstanden, da sich hier Beisen-, Schilf- und Seggentorfe in den Liegendbereichen wiederfinden. Man untergliedert diesen Moortyp noch in Regenmoore, die sich über Verlandungsmooren entwickelten – versorgt durch Grund- und Oberflächenwasser oder Interflow – sowie in Regenmoore, die sich über Verlandungsmooren entwickelten, welche ausschließlich durch Oberflächenwasser und Interflow gespeist wurden.

mini|Abgeräumte Fläche, bereit zur Entwässerung Auch die Breesener, Woitendorfer und Dripether Moore sind der hydrologischen Genese nach Regenmoore über Verlandungsmooren. Die Wasserversorgung der Seen, aus deren Verlandungsstadien sich diese Hochmoore entwickelten, erfolgte ausschließlich aus Zuflüssen der Umgebung. Diese Typologisierung der Hochmoore ist letztlich Grundlage für die Planung und Realisierung der Renaturierungsmaßnahmen im Rahmen des Regenmoor-Schutzprogramms des Landes Mecklenburg-Vorpommern.

Geochronologisch begannen nach letzten C-14-Datierungen die Sedimentationen der mineralischen Ablagerungen (Tone, Schluffe, Kalke und Muddenausbildung) im Spätglazial (vor etwa 11.000 Jahren) und endeten im Präboreal (vor etwa 10.000 Jahren). Danach begann die Ablagerung organischer Sedimente. Sie endet meist im Boreal (vor etwa 9000 Jahren), in einigen Mooren sogar erst im Subatlantikum (vor etwa 2500 Jahren), wenn man die noch heute stattfindende Sedimentation in den vorhandenen Moorseen vernachlässigt.

Folgend sollen die einzelnen, seinerzeit unter Bergbauschutz stehenden Hochmoore West-Mecklenburgs und ihre qualitativen und quantitativen Parameter betrachtet werden.

Die Hochmoore Grambow I und II Das Hochmoor Grambow I liegt im Landkreis Ludwigslust-Parchim zwischen den Ortschaften Grambow, Wodenhof, Stralendorf und Groß Rogahn. Seine Größe beträgt 370 Hektar, wovon 200 Hektar geologisch untersucht wurden. Die Hochmoortorflagerstätte Grambow II schließt sich unmittelbar nördlich der Lagerstätte I an und umfasst eine Fläche von etwa 100 Hektar.

Das Schichtenprofil des Hochmoores Grambow I zeigt diese Tabelle: {| class="wikitable" |- | Geologische Schicht || Zersetzungsgrad(n.v.POST) || Substrat ||mittlere Mächtigkeit |- style="text-align:center" | Jüngerer Moostorf || (stark vererdet) || Bunkerde || 3 dm |- style="text-align:center" | Jüngerer Moostorf || 2 - 5 || Weißtorf ||ca. 11 dm |- style="text-align:center" | Älterer Moostorf || 2 - 5 ||Schwarztorf || ca. 8 dm |- style="text-align:center" | Übergangstorf || 4 - 8 || Niedermoortorf || |- style="text-align:center" | Seggentorf || 4 - 8 || Niedermoortorf || |- style="text-align:center" | Schilftorf || 2 - 8 ||Niedermoortorf || |- style="text-align:center" | Beisentorf || 2 - 3 || Niedermoortorf || Σ ca. 20 dm |- style="text-align:center"

Darunter liegen Torf-, Leber-, Kalk- und Tonmudden mit durchschnittlich 15 dm Mächtigkeit über Ton, Schluff, Sand, Lehm und Geschiebemergel.

Die Torflagerstätte Grambow I war 1986/87 Gegenstand umfangreicher geologischer Untersuchungsarbeiten. Im Ergebnis dessen wurden Bilanzvorräte der Vorratsklasse C2 (gem. Vorratsklassifikationsanordnung vom 28. August 1979, Sdr. Nr. 1019 des Gesetzblattes) durch die Staatliche Vorratskommission der DDR bestätigt. Das bedeutete zwar die niedrigste Vorratsklasse an bilanzierten Lagerstättenvorräten, weil nur im groben Raster untersucht, jedoch war die Möglichkeit des wirtschaftlichen Abbaus und der Verarbeitung nachgewiesen.

Das Hochmoor Drispeth Diese Torflagerstätte liegt im Landkreis Nordwestmecklenburg zwischen den Ortschaften Drispeth und Zickhusen und umfasst eine Fläche von 90 Hektar.

Das Schichtenprofil des Hochmoores Drispeth zeigt diese Tabelle: {| class="wikitable" |- | Geologische Schicht || Zersetzungsgrad(n.v.POST) || Substrat ||mittlere Mächtigkeit |- style="text-align:center" | Heide-Wald-Torf || - || Bunkerde || 2 dm |- style="text-align:center" | Jüngerer Moostorf || 2 - 5 || Weißtorf || 17 dm |- style="text-align:center" | Älterer Moostorf || 5 - 8 ||Schwarztorf || 10 dm |- style="text-align:center" | Schilf-Seggentorf || 5 - 8 || Übergangs-Niedermoortorf || 11 dm |- style="text-align:center"

Dieser Abfolge ist eine im Mittel 3 dm mächtige Lebermudde unterlagert, der sich grauer Geschiebemergel anschließt. Die Tiefenlage des Liegenden variiert sehr stark, was die Frästorfgewinnung erheblich erschwerte. Der geologische Erkundungsstand war betriebswirtschaftlich ausreichend.

Das Hochmoor Woitendorf (Breesen II) mini|Schwarztorfverladung im Betriebsteil Breesen Diese Lagerstätte (Abb. 5) liegt etwa 10 Kilometer westlich von Gadebusch im Landkreis Nordwestmecklenburg, in unmittelbarer Nähe des Ortes Breesen. Das Moor umfasst eine Fläche von etwa 75 Hektar.

Die Schichtenfolge des Hochmoores Woitendorf zeigt nachstehende Tabelle: {| class="wikitable" |- | Geologische Schicht || Zersetzungsgrad(n.v.POST) || Substrat ||mittlere Mächtigkeit |- style="text-align:center" | Wald-Wiesen-Torf || - || Bunkerde || 2 dm |- style="text-align:center" | Jüngerer Moostorf || 2 - 5 || Weißtorf || 9 dm |- style="text-align:center" | Älterer Moostorf || 6 - 8 ||Schwarztorf || 17 dm |- style="text-align:center" | Schilf-Seggentorf || 5 - 6 || Übergangstorf ||3 |- style="text-align:center"

Darunter liegen durchschnittlich 10 dm (bis max. 18 dm mächtige) Mudde (Gyttja) über 1-8 dm Sand.

Das Hochmoor Breesen I Dieses Moor schließt sich unmittelbar östlich an das Woitendorfer Moor an und besitzt eine ähnliche Substratfolge. Auf etwa 70 Hektar ist es in der Vergangenheit bei umfangreicher Schwarztorfgewinnung durch Pütten (wassergefüllte Gräben) sehr stark zergliedert worden. Betriebswirtschaftlich war es daher von untergeordneter Bedeutung.

Die hydrogeologischen Lagerstättenbedingungen Für alle in bergbaulicher Nutzung stehenden Hochmoore ist ein flurnaher Grundwasserspiegel charakteristisch, dessen Höhe von den jahreszeitlich schwankenden Niederschlägen abhängt. Während die Torf- und Lebermudden als schwer bis nicht entwässerbar gelten, liegt die Wasserdurchlässigkeit (kf-Wert) der anstehenden Torfe zwischen 1 × 104 bis 1 × 108 cm/s in direkter Abhängigkeit von der Humositätszahl.

mini|Windkraftgetriebenes Schöpfwerk im Betriebsteil Breesen

Das Hochmoor Grambow I hat seine natürliche Entwässerung über den Otterngraben zur Sude. In den Otterngraben förderte auch eine vorhandene elektrische Pumpe, welche durch den geringen Niveauunterschied zwischen Abbauplanum und Vorfluter erforderlich war. Diese hydrogeologischen Bedingungen erschwerten die bergbauliche Gewinnung von Weißtorf und machten ein engmaschiges Netz von Entwässerungsgräben notwendig.

Die Gewinnung balneologischer bzw. veterinärmedizinischer Torfe hingegen erforderte sogar stationäre Grundwasserspiegel.

Der natürliche Wasserabfluss des Drispether Moors erfolgt über den Augraben in den Großen Dambecker See. Auch hier mussten Pumpen zur Verbesserung des Torfabbaus eingesetzt werden. Probleme in der Moorentwässerung traten in Perioden gehäufter Niederschläge auf, da die Brückendurchlässe des Aubachs einen Rückstau des natürlichen Wasserabflusses zur Folge hatten.

Um die Moore Breesen I und Woitendorf existierten mehr oder weniger intakte Grabensysteme, welche über in südlicher Richtung abfließende Vorfluter entwässerten. Das Woitendorfer Moor entwässert über den Thurower Bach zum Goldensee mit Abfluss in Richtung Schaalsee.

Das Breesener Moor ist über den Aubach bzw. Roggendorf-Kneezer-Beek ebenfalls an das Einzugsgebiet des Schaalsees angeschlossen. Zur Verbesserung der Entwässerung wurden 1982/83 im Feld Woitendorf (Breesen II) weitere Hauptentwässerungsgräben angelegt.

Als Ersatz für stationäre Pumpenanlagen mit kilometerlangen Elektrokabeln oder mit Dieselmotoren entwickelte und baute ein Neuererkollektiv ein windkraftgetriebenes Schöpfwerk. Dies war im Jahre 1984 ein absolutes Novum in der DDR: Nirgends war eine vergleichbare, geschweige denn fertige und erprobte Anlage zu erwerben. Selbst die dreigängige fünf Meter lange Schneckenpumpe war eine Eigenentwicklung.

Auf die hydrogeologischen Verhältnisse der seinerzeitigen Reservelagerstätten Grambow II und Lützowhorst soll hier nicht weiter eingegangen werden, da dort bis dato kein Torf abgebaut wird. Es sei aber darauf hingewiesen, dass das letztere Hochmoor über relativ günstige natürliche Voraussetzungen verfügt.

Torfgewinnung nach dem Zweiten Weltkrieg Die diesbezüglichen Befehle der Besatzungsmacht Nach der Besetzung Mecklenburg-Vorpommerns durch die Rote Armee setzte die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) am 9. Juli 1945 eine Landesverwaltung ein. Diese unterstand der Aufsicht und Kontrolle der SMAD und hatte ihre Befehle umzusetzen.

Mit Befehl Nr. 103 vom 10. Oktober 1945 hatte der Oberbefehlshaber der Sowjetischen Besatzungstruppen in Deutschland, Marschall Shukow, die Landespräsidenten und örtlichen Selbstverwaltungen bereits beauftragt, „... mit allen Mitteln die Ausbeutung jeglicher Art örtlichen Heizmaterials zu fördern.“ Dieser Befehl wurde vom Verwaltungschef der SMAD in Mecklenburg-Vorpommern, Generalmajor der Garde Skossyroff, mit seinem Befehl Nr. 13 vom 26. Januar 1946 detailliert untersetzt:

Insgesamt 19 Kreise und Städte wurden beauflagt. Für die Durchführung und Planung wurden die Landräte bzw. Oberbürgermeister verantwortlich gemacht. Die Beauflagung beispielsweise der Stadt Schwerin betrug allein 35.000 Tonnen. Dieser Befehl gab auch u. a. vor:

Weiterhin lautete dieser Befehl, dass die Schweriner Firma „Sander“ bis 20. Februar 1946 die Planung und bis 1. August 1946 die Fertigung einer Anlage „... für künstliche Torfentfeuchtung und Gewinnung von 10.000 to Torfkoks“ anzufertigen hatte. Und „... zur Beschleunigung des Aufbaus dieser Anlage hat die Boizenburger Schiffsbauwerft in Gemeinschaftsarbeit zum 1. Juli 1946 für die Firma ‚Sander’ nach deren Zeichnungen 1 Trockenaggregat anzufertigen.“

Weitere, die Torfgewinnung betreffende Befehle der SMAD waren:

Befehl Nr. 128 vom 20. Juli 1946 (betr. die Erfüllung des Torfgewinnungsplans 1946, die Verteilung des gewonnenen Torfes u. a. auch für Krankenhäuser und Schulen zur Substituierung von Steinkohle und Briketts) Befehl Nr. 38 vom 18. März 1947 (betr. Aufstellung eines Planes zur „Ausbeute von 300.000 to luftrockenen Torfes für das 1947-Jahr“, zur Herstellung diverser Torfmaschinen und „ ... die Torfunternehmen zum 1. April a. c. mit Arbeitskräften zu versorgen: Männer 7.500, Frauen 9.000“) Befehl Nr. 111 vom 1. August 1947 (betr. „Über den Verlauf der geplanten Ausführung der Torfausbeute während der Saison 1947“) und