mini|alt=Luftaufnahme der Universität Bielefeld von Juni 2022|Luftaufnahme der Universität Bielefeld von Juni 2022 Die Universität Bielefeld ist eine 1969 gegründete deutsche Campus-Universität in Nordrhein-Westfalen und die größte Lehr- und Forschungseinrichtung in der Region Ostwestfalen-Lippe.
Überblick Die Universität Bielefeld ist mit knapp 25.000 Studierenden (im Wintersemester 2022/23) die größte der sechs Bielefelder Hochschulen. Sie gilt als „Universität der kurzen Wege“, da sie fast alle Fakultäten unter einem Dach vereint.
Ranking Unter den staatlichen Universitäten in Westfalen liegt sie in Bezug auf Mittel der Deutschen Forschungsgemeinschaft pro Professor auf dem zweiten Platz. Im internationalen THE-Ranking belegte die Universität Bielefeld 2019 den 166. Platz von 1400 Universitäten weltweit. Außerdem war sie unter den Top 20 der jungen Universitäten weltweit. Im Uni-Ranking des Magazins Focus vom September 2005 belegte die Universität Bielefeld den 10. von insgesamt 86 Plätzen. In den Fachbereichen Erziehungswissenschaft und Soziologie belegte sie den ersten Platz.
Forschung Das Forschungsprofil der Universität Bielefeld gliedert sich in vier thematische Forschungsschwerpunkte: The Changing World, The Material World, The Mathematical World, The Socio-Technical World. Alle Forschungsschwerpunkte beziehen verschiedene Fakultäten und wissenschaftliche Einrichtungen ein und realisieren Forschungsprojekte in Verbundforschung ebenso wie über Drittmitteleinzelförderung.
The Changing World beleuchtet komplexe Prozesse individueller und gesellschaftlicher Dynamik sowie soziale Interaktionen und Institutionen insbesondere unter den Bedingungen von Unsicherheit.
The Material World untersucht Strukturen und Prozesse an den Schnittstellen von Physik, Chemie, Biologie und Bioinformatik, von Molekülen und Nanoschichten über biologische Zellen bis zu Kosmologie und Teilchenphysik.
The Mathematical World zielt auf die Entwicklung grundlegender Konzepte und Theorien in der Mathematik und deren Anwendung zur Lösung lange offener Probleme in den Wirtschafts- und Naturwissenschaften. The Socio-Technical World erforscht Fähigkeiten und Mechanismen, die es Agenten wie Menschen, Robotern und KI ermöglichen, alleine oder gemeinsam in komplexen Umgebungen zu agieren, zu kommunizieren und zu lernen.
Sonderforschungsbereiche und Transregios An der Universität gibt und gab es mehrere von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Sonderforschungsbereiche (SFB) und Transregio-Programme (TRR), das heißt langfristige Forschungsprojekte, bei denen Wissenschaftler aus mehreren Arbeitsgruppen und Disziplinen zusammenarbeiten, um neue Erkenntnisse zu einem eingegrenzten Thema zu erlangen.
Sonderforschungsbereiche und Transregios sind (Stand 2025):
SFB 1283 Taming uncertainty and profiting from randomness and low regularity in analysis, stochastics and their applicationsInformationen zum SFB 1283 (seit 2017) Sprecher: Sebastian Herr Beteiligt: Fakultät für MathematikFakultät für PhysikTechnische FakultätInstitut für Mathematische Wirtschaftsforschung SFB 1288 Praktiken des Vergleichens. Die Welt ordnen und verändernInformationen zum SFB 1288 (seit 2017) Sprecherin: Antje Flüchter Beteiligt: Fakultät für Geschichtswissenschaft und PhilosophieFakultät für Linguistik und LiteraturwissenschaftFakultät für RechtswissenschaftFakultät für Soziologie SFB 1646 Sprachliche Kreativität in der Kommunikation (seit 2024) Sprecher: Ralf Vogel Beteiligt: Fakultät für Linguistik und LiteraturwissenschaftFakultät für Geschichtswissenschaft und PhilosophieTechnische FakultätFakultät für Psychologie und SportwissenschaftFakultät für Rechtswissenschaft
TRR 211 Stark wechselwirkende Materie unter extremen Bedingungen (seit 2017; in Kooperation mit der TU Darmstadt und Goethe-Universität Frankfurt)Sprecher: Guy D. Moore (TU Darmstadt)Beteiligt:Fakultät für PhysikTRR 212 Eine neue Synthese zur Individualisation für die Verhaltensforschung, Ökologie und Evolution: Nischenwahl, Nischenkonformität, Nischenkonstruktion (NC3) (seit 2018; in Kooperation mit der Universität Münster)Sprecher: Oliver Krüger (Universität Bielefeld)Beteiligt:Fakultät für Biologie Fakultät für Geschichtswissenschaft, Philosophie und Theologie Fakultät für WirtschaftswissenschaftenTRR 318Constructing Explainability (seit 2021; in Kooperation mit der Universität Paderborn)Sprecherin:Katharina Rohlfing (Universität Paderborn)Beteiligt:Fakultät für Linguistik und LiteraturwissenschaftFakultät für SoziologieMedizinische FakultätTechnische FakultätTRR358Integral Structures in Geometry and Representation TheorySprecher:Kai-Uwe BuxBeteiligt:Universität Bielefeld, Universität Paderborn
Abgeschlossene Sonderforschungsbereiche SFB 177: Sozialgeschichte des neuzeitlichen Bürgertums SFB 216: Polarisation und Korrelation in atomaren Stoßkomplexen SFB 223: Pathomechanismen zellulärer Wechselwirkungen SFB 227: Prävention und Intervention im Kindes- und Jugendalter SFB 343: Diskrete Strukturen in der Mathematik SFB 360: Situierte künstliche Kommunikatoren SFB 549: Prozessierung und Signalwirkung extrazellulärer Makromoleküle SFB 584: Das Politische als Kommunikationsraum in der Geschichte SFB 613: Physik von Einzelmolekülprozessen und molekularer Erkennung in organischen Systemen SFB 673: Alignment in Communication SFB 686: Modellbasierte Regelung der homogenisierten Niedertemperatur-Verbrennung SFB 701: Spektrale Strukturen und Topologische Methoden in der Mathematik SFB 882: Von Heterogenitäten zu Ungleichheiten
Forschungsinformationssystem Seit 2023 betreibt die Universität das Forschungsinformationssystem FIS, von außen einsehbar und durchsuchbar über das FIS-Portal.FIS-Portal Bei dem FIS handelt es sich um eine Datenbank, mit der sich Interessierte einen Überblick über die Forschungslandschaft der Universität Bielefeld verschaffen oder ganz gezielt nach Stichwörtern, Personen, Publikationen usw. suchen können.
Studium und Lehre Im Jahr 2002 führte die Universität Bielefeld den Bachelor und Master ein. Hintergrund dafür war der sogenannte Bologna-Prozess, zu dessen Abschluss im Jahr 1999 in der italienischen Stadt Bologna 29 europäische Staaten eine Erklärung unterzeichneten, mit der sie sich zu einer transnationalen Reform des Hochschulsystems verpflichteten. Bis 2010 wurde das Bachelor-Master-System für fast alle Studienfächer an der Universität Bielefeld eingeführt.
Das Bielefelder Studienmodell Das Bielefelder Studienmodell bildet den Rahmen für nahezu das gesamte Studienangebot der Universität Bielefeld, ausgenommen das Staatsexamen-Studium der Rechtswissenschaft (Jura), Promotions- und Weiterbildungsangebote. Es besteht ein einheitliches Grundverständnis und eine einheitliche Struktur in Fragen der Modularisierung, der Ausgestaltung von Prüfungsverfahren, der Vergabe von Leistungspunkten und in vielen weiteren Aspekten in der Organisation des Studiums. Es gibt für die Bachelor- und Masterstudiengänge sowie für den Staatsexamen-Studiengang Medizin gemeinsame prüfungsrechtliche Rahmenregelungen. Diese Rahmenregelungen bilden das Dach für die darunterliegenden Rahmenprüfungsordnungen BPO (Prüfungs- und Studienordnung für das Bachelorstudium), MPO fachwissenschaftlich (Prüfungs- und Studienordnung für das Masterstudium), MPO Ed. (Prüfungs- und Studienordnung für das Master of Education Studium) und die Studien- und Prüfungsordnung Medizin. Die spezifischen Regelungen für ein einzelnes Fach und das Curriculum sind auf einer dritten Ebene festgelegt. Für Bachelor- und Master-Studienangebote heißen diese rechtlich gültigen Ordnungen Fächerspezifische Bestimmungen (FsB) und im Staatsexamen-Studium Studien- und Prüfungsordnung.
Die Vorteile des Bielefelder Studienmodells im Bachelorbereich sind die Integration der Lehrer- und Lehrerinnenausbildung, zahlreiche Kombinationsmöglichkeiten der Fächer, eine Durchlässigkeit zwischen den verschiedenen Studienmöglichkeiten (Studiengangstypen) aufgrund einheitlicher Modulgrößen und deren polyvalenter Verwendung sowie die Chance zu individueller Profilierung.
Mit dem sogenannten „Bachelor-Baukasten“ lässt sich aus verschiedenen Studienfächern das individuelle Studium konfigurieren. Insgesamt bietet die Universität Bielefeld über 1.000 verschiedene Studienoptionen mit mehr als 600 Kombinationsmöglichkeiten an.
Eingestellte Studienfächer
In den letzten Jahren wurden die Studiengänge Katholische Theologie, Romanistik, Osteuropastudien und Geographie geschlossen, um sich auf drittmittelstarke Fächer zu konzentrieren.
Leitbild für die Lehre Die Universität Bielefeld bekennt sich zu einem Leitbild für die Lehre, in dem Grundsätze guter Lehre definiert sind. Diese umfassen neben fachwissenschaftlicher und didaktischer Qualität sowie Forschungs- und Berufsfeldorientierung auch Aspekte wie Digitalisierung, persönliche Profilbildung und Persönlichkeitsentwicklung, Nachhaltigkeit, die Würdigung von Vielfalt, Internationalisierung, Geschlechtergerechtigkeit und den Leitgedanken der Interdisziplinarität. Ergänzt wird das Leitbild für die Lehre von einem Living Document, das gemeinsam von Lehrenden und Studierenden unter Einbeziehung aller Fakultäten und Fachschaften entwickelt wurde und regelmäßig diskutiert und aktualisiert wird.
Digitale Lehre Die Universität Bielefeld hatte bereits im Jahr 2018 mit einem Strategieprozess zu Studium und Lehre im digitalen Wandel begonnen. Die Covid-19-Pandemie und die damit einhergehenden Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung sahen unter anderem auch drastische Einschränkungen in der Präsenzlehre von Universitäten vor, so dass dieser Prozess massiv beschleunigt wurde. Im Wintersemester 2020/21 wurde nahezu die gesamte Lehre, einschließlich der Prüfungen, in den digitalen Raum verlegt. Für die digitale Lehre wurden neue Lehrkonzepte entwickelt, die synchrone und asynchrone Lehrmethoden, digitale und hybride (d. h. Teilnahme sowohl in Präsenz als auch digital möglich) Formate einführten.
Nach dem Auslaufen aller Schutzmaßnahmen ist die Universität wieder überwiegend zur Präsenzlehre zurückgekehrt, jedoch wird diese durch digitale Lehranteile angereichert.
Systemakkreditierung Die Universität Bielefeld ist seit November 2021 systemakkreditiert. Dies bedeutet, dass das Qualitätsmanagementsystem Studium und Lehre der Universität Bielefeld geeignet ist, das Erreichen der Qualifikationsziele und die Qualitätsstandards der Studiengänge und Studiengangsvarianten zu gewährleisten. Die Universität Bielefeld trägt daher das Qualitätssiegel der Stiftung Akkreditierungsrat „System akkreditiert“. Die Systemakkreditierung ist befristet auf 8 Jahre und gilt bis zum 30. September 2029.
Auseinandersetzung um Studiengebühren 2006–2011 Auf der Grundlage des nordrhein-westfälischen „Studienbeitragsgesetzes“ (Gesetz zur Sicherung der Finanzierungsgerechtigkeit im Hochschulwesen, HFGG) vom 16. März 2006 beschloss der Senat der Universität am 12. Juli 2006 eine Studienbeitragssatzung, in der die Studienbeiträge nach Länge des bereits absolvierten Studiums gestaffelt waren. Die unterschiedliche Höhe der Studienbeiträge verstieß jedoch nach einem Urteil des Verwaltungsgerichts Minden vom 1. Juni 2007 gegen den im Artikel 3 des Grundgesetzes festgelegten Gleichheitsgrundsatz. Daher wurde am 4. Juli 2007 eine neue Übergangs-Studienbeitragssatzung (10. Juli 2007) verabschiedet. Danach wurden grundsätzlich Studienbeiträge in Höhe von 350 Euro für alle Studenten ab dem Wintersemester 2007/08 bis einschließlich Sommersemester 2009 erhoben. In der Sitzung am 4. Februar 2009 hat der Senat der Universität die Höhe der Studienbeiträge von 350 Euro bestätigt, sodass ab dem Wintersemester 09/10 diese Regelung unbefristet galt.