miniatur|rechts|Pan-Tachar 1,8/50 mm mit M39-(Leica-)Anschluss Die Astro-Gesellschaft Bielicke & Co (später: GmbH & Co. KG) war ein deutsches Pionierunternehmen der optischen Kameratechnik und Kinematografie in Berlin.

Astro-Berlin wurde im Jahre 1922 vom Deutsch-Amerikaner Willy F. Bielicke, dem in Indien geborenen Hugh Ivan Gramatzki und von Otto als Personengesellschaft gegründet. Das Unternehmen hatte seinen Sitz zunächst in Berlin-Wilmersdorf, zog 1928 nach Berlin-Neukölln und 1945 nach Berlin-Friedenau um. 1991 wurde das Unternehmen aufgegeben.

Bereits in den 1920er Jahren gehörte Astro-Berlin zu den international bekanntesten Unternehmen auf dem Feld der kinematografischen Aufnahmeobjektive.H. M. R. Souto (2007) Motion picture photography: a history, 1891-1960. McFarland. S. 76

Unternehmensgeschichte miniatur|Der von H. I. Gramatzki erfundene Transfokator mit beweglichem Linsenelement "B"

Gründung 1922 bis Kriegsende 1945 Einer der Gründer, der Ingenieur Hugh Ivan Gramatzki, war ein erfolgreicher Amateur-Astronom und Astrofotograf, der in der Fachzeitschrift Astronomische Nachrichten veröffentlichte und mehrere Jahre die Berliner Ortsgruppe der "Berliner Astronomischen Vereinigung" leitete.W. R. Dick (2000) 300 Jahre Astronomie in Berlin und Potsdam: ein Überblick. In: W. R. Dick, K. Fritze (Hrsg.) 300 Jahre Astronomie in Berlin und Potsdam: eine Sammlung von Aufsätzen aus Anlass des Gründungsjubiläums der Berliner Sternwarte. Harri Deutsch Verlag. S. 11–43. Das Produktsortiment von Astro-Berlin umfasste daher Objektive, die wegen ihrer hohen Lichtstärke für die Astrofotografie und astronomische Photometrie besonders geeignet waren. Es kamen zunehmend Aufnahmeobjektive für die aufstrebende Filmindustrie hinzu. Eine Spezialität waren hoch-lichtstarke Objektive und Objektive mit starker Vergrößerungswirkung ("Fernbildlinsen"). Gramatzki erfand u. a. den Transfokator, einen Vorläufer der modernen Zoomobjektive.F. G. Back, H. Lowen (1958) Generalized Theory of Zoomar Systems. Journal of the Optical Society of America 48(3): 149-153.

Einen großen Anteil an der technischen Entwicklung der produzierten Objektive hatte William ("Willy") F. Bielicke, dessen Name in der Firma des Unternehmens auftaucht. Der Mathematiker Bielicke (* 1881, Sterbedatum unbekannt) lebte und arbeitete in London (für Ross) und in Rochester (New York) für Bausch & Lomb, bevor er sich zusammen mit Gramatzki und Otto in Berlin selbständig machte. Unter anderem stammen die Konstruktionen und Patente für die extrem lichtstarken "Tachar"- und "Tachon"-Objektive von Astro-Berlin von ihm.

Über die Tätigkeit von Astro-Berlin während des Zweiten Weltkriegs ist kaum etwas bekannt. Noch 1942 wurde ein Patent für die Scharfeinstellung von Objektiven angemeldet. In den einschlägigen Übersichten zu Herstellercodes für Lieferungen an die Wehrmacht taucht Astro-Berlin nicht auf. Gegen Ende des Kriegs waren die Fabrikationsanlagen zerstört.

Wiederaufbau und zweite Blüte ab 1945 Den bereits im Mai 1945 beginnenden Wiederaufbau leitete Fritz Joachim Otto (* 1916; † 1993), Sohn des Unternehmensgründers Otto. Fritz Joachim Otto hatte ein Studium der Physik mit Schwerpunkt Optik abgebrochen sowie mehrere Jahre als UFA-Kameramann und Kriegsberichterstatter für die nationalsozialistische Deutsche Wochenschau gearbeitet.

Nachdem zunächst Güter des täglichen Bedarfs gefertigt wurden, wurde nach der Währungsreform 1948 wieder mit der Fertigung filmtechnischer Erzeugnisse begonnen."Astro-Gesellschaft" - Beitrag in Kino-Technik, 6/1960, zitiert nach www.exaklaus.de/astro.htm, abgerufen am 6. September 2011 Mit dem Wiederaufleben der deutschen Filmindustrie konnte das Unternehmen seine wichtige Stellung in der Filmtechnik zurückerobern. Bekannt war Astro-Berlin zu Beginn der 1960er Jahre vor allem für die Herstellung hochkorrigierter Aufnahme- und Wiedergabeobjektive, insbesondere mit langer und extrem langer Brennweite. In Fachpublikationen wurden die Erzeugnisse als „Meister-Optiken“ bezeichnet. Objektive von Astro-Berlin mit extrem langer Brennweite wurden damals auch von berühmten Sportfotografen eingesetzt (z. B. Bob Gomel).P. Skinner (2007) Sports Photography: How to Capture Action and Emotion. Skyhorse Publishing Inc. S. 3. 1967 wurde ein Gebrauchsmuster für eine Justiereinrichtung für Farbfernseh-Empfangsröhren eingereicht; bis 1989 folgten einige wenige Markeneintragungen (siehe unten).

Ende des Unternehmens 1991 Otto leitete das Unternehmen als Geschäftsführer bis 1987, beriet Astro-Berlin aber auch nach seinem Ausscheiden weiter. Zumindest ab 1987 war Astro-Berlin keine Personengesellschaft mit persönlich haftenden Gesellschaftern ("Bielicki & Co.") mehr, sondern eine GmbH & Co. KG. vom 10. November 1987, abgerufen am 6. September 2011 Die Astro-Gesellschaft Bielicke GmbH & Co. KG wurde am 19. Oktober 1991 aus dem Handelsregister Berlin (HRA14070) gelöscht., abgerufen am 6. September 2011 Die EKOS GmbH, Berlin, hat die Rechte am Know-how und einige Mitarbeiter übernommen.

Tewe Berlin (Technische Werke Weiste & Co, OHG, Geneststr. 7 -8, Berlin-Schöneberg) war ein Berliner Konkurrent von Astro-Berlin: Beide stellten professionelle Teleobjektive her. Es gibt Objektive, die mit Tewe und Astro-Berlin gekennzeichnet sind.

Marken, Patente und Produkte Astro-Berlin ließ sich von 1924 bis 1989 mehrere Wortmarken eintragen, hauptsächlich für die eigenen Objektivbaureihen. Es gibt daneben aber auch einige Objektive, die keinen auf Astro-Berlin eingetragene Markennamen haben. In geringem Umfang sind weiterhin andere Produkte dokumentiert. Die Wortmarke ´"ASTRO" selbst ließ sich das Unternehmen erst 1953 – und dann nochmals 1989 – als Marke schützen. Unter den Markennamen Astroflex (1955), "Tascan" (1989) und "Astroscan" (1989) wurden nicht oder nicht in nennenswertem Umfang Produkte vertrieben.

Astan Astan ist ein Cooke-Triplet mit einem Öffnungsverhältnis von 1:2,8-1:6,5 bei einer Brennweite von 20 mm bis 1000 mm.

ASTRAR/Astrar Die Wortmarke ASTRAR wurde 1930 eingetragen. Unter dem Namen ASTRAR wurden Objektive vom Tessar-Typ (4 Linsen, davon zwei verkittet) für Schmalfilm- und Kleinbild verkauft. Willy F. Bielicke ließ 1922 ein US-Patent (Nr. 1.558.073) auf ein verbessertes Tessar für Bausch & Lomb eintragen. Das englische Patent 375723 beschreibt ein ebenfalls von Bielicke entwickeltes Kleinbild-Objektiv mit 5 Linsen in vier Gruppen (1;2,7/50 mm bei einem Bildwinkel von 46°).Hans-Martin Brandt (1956) Das Photo-Objektiv. Aufbau und Wirkungsweise der wichtigsten Objektive der Weltproduktion. Friedr. Vieweg & Sohn, Braunschweig. S. 144

Astro-Fernbildlinse Die Fernbildlinsen von Astro-Berlin wurden sowohl für die Still-Photographie als auch für die Kinematographie hergestellt. Es sind sehr einfach aufgebaute, aus einem (1:5, 1:6,3) oder zwei (1:2,3) achromatischen Doublets bestehende Objektive. Die Brennweiten liegen bei 250 mm bis 1000 mm.

Die 1:5-Objektive mit Brennweiten von 300, 400, 500 und 640 mm zeichnen das Kleinformat 24×36 mm aus, das 1:5/800-mm-Objektiv das Mittelformat 60×60 mm und die 1:6,6-1000-mm-Fernbildlinse sogar 60×90 mm.Hans-Martin Brandt (1956) Das Photo-Objektiv. Aufbau und Wirkungsweise der wichtigsten Objektive der Weltproduktion. Friedr. Vieweg & Sohn, Braunschweig. S. 118

f5-Fernbildlinsen für 8 und 16-mm-Filme gibt es mit Brennweiten von 100 und 150 mm, in 200 mm auch für 35-mm-Film.Hans-Martin Brandt (1956) Das Photo-Objektiv. Aufbau und Wirkungsweise der wichtigsten Objektive der Weltproduktion. Friedr. Vieweg & Sohn, Braunschweig. S. 201

Astro-Kino, Astro-Kino Color Astro-Kino und Astro-Kino Color sind Projektionsobjektive für 8, 16, und 35-mm-Filme. Diese Objektive passen beispielsweise an den in den 1950er Jahren vielfach produzierten Projektor Siemens 2000Hans-Martin Brandt (1956) Das Photo-Objektiv. Aufbau und Wirkungsweise der wichtigsten Objektive der Weltproduktion. Friedr. Vieweg & Sohn, Braunschweig. S. 187. Beim Astro-Kino IV 2 handelt es sich um eine Triplet-Variation mit vier freistehenden Linsen.Hans-Martin Brandt (1956) Das Photo-Objektiv. Aufbau und Wirkungsweise der wichtigsten Objektive der Weltproduktion. Friedr. Vieweg & Sohn, Braunschweig. S. 104 Die lichtstärksten Varianten (f1,5) waren bei einer Brennweite von 18 bis 85 mm für 8 und 16-mm-Filme geeignet (Bildwinkel 20°). Die etwas lichtschwächeren Astro-Kino IV-Objektive (f2,0 bis f2,7) hatten eine Brennweite von 85-130 mm und waren für die Projektion von 35-mm-Normalfilmen ausgelegt.Hans-Martin Brandt (1956) Das Photo-Objektiv. Aufbau und Wirkungsweise der wichtigsten Objektive der Weltproduktion. Friedr. Vieweg & Sohn, Braunschweig. S. 187

Das Astro-Kino VI mit f2,0 und Brennweiten von 40 bis 80 mm ist hingegen ein Gaußsches Doppelobjektiv mit einem Aufbau ähnlich dem Schneider-Kreuznach Xenon.Hans-Martin Brandt (1956) Das Photo-Objektiv. Aufbau und Wirkungsweise der wichtigsten Objektive der Weltproduktion. Friedr. Vieweg & Sohn, Braunschweig. S. 187 in Verbindung mit Bild/61 S. 77

Astro-Portrait Das Astro-Portrait ist ein weichzeichnendes Portrait-Objektiv f2,3/150 mm für das Kleinbild. Es besteht aus einem bildseitigen Achromaten und zwei entfernt stehenden einzelnen Hintergliedern.Hans-Martin Brandt (1956) Das Photo-Objektiv. Aufbau und Wirkungsweise der wichtigsten Objektive der Weltproduktion. Friedr. Vieweg & Sohn, Braunschweig. S. 173 in Verbindung mit dem Bild 90/14 auf S. 114

Astro-Voigtländer-Kamera Astro-Voigtländer ist eine 1949 in nur wenigen Exemplaren gebaute Stereokamera für den Kleinbildfilm. Die Kamera ist mit drei Gauss-Tacharen 1:2/32 mm ausgestattet. Eine weitere bekannte Kamera ist mit Astraren 2,7/40 mm bestückt. Die (Stereo-Compur) Verschluß- und Fokussierungseinheit wurde von Voigtländer zugekauft. Sie war ursprünglich für das Voigtländer Stereflektoskop 6x13 vorgesehen und ist entsprechend markiert.

Color-Astrar Beim Color-Astrar handelt es sich um eine Variation der Lee Opic Lens. Die Lichtstärke (1:2) und die Brennweiten (100 mm, 150 mm) ähneln ebenfalls Gauss-Tachar von Astro-Berlin, das ebenso am Linsenschema der Lee Opic Lens orientiert ist (siehe unten).

Gauss-Tachar Das Gauss-Tachar ist eine Variante der Lee Opic Lens, der ersten hoch-lichtstarken Weiterentwicklung des Planar von Paul Rudolph. Die Gauss-Tachare haben damit einem vom Tachar und Pan-Tachar (siehe unten) stark abweichende Linsengeometrie.siehe Lensenschema http://www.exaklaus.de/astro.htmzur Lee Opic Lens: https://www.taunusreiter.de/Cameras/Biotar.html

Die für die Kinematographie angebotenen Gauss-Tachare hatten eine Lichtstärke von f2 und Brennweiten von 25, 32, 40, 50, 75 und 100 mm bei einem Bildwinkel von 60°. Es gibt eine Variante des 25-mm-Objektivs mit Vorsatzlinse für die Schnittweitenverlängerung.Hans-Martin Brandt (1956) Das Photo-Objektiv. Aufbau und Wirkungsweise der wichtigsten Objektive der Weltproduktion. Friedr. Vieweg & Sohn, Braunschweig. S. 200f

Identiskop Das Identiskop ist eine Okular- bzw. Suchereinrichtung, die es in Kombination mit einem entsprechenden Objektiv ermöglicht, den tatsächlichen Bildeindruck abzuschätzen. Dies ist insbesondere für die Arbeit mit Sucherkameras und Filmkameras nützlich.

Quarz-Anastigmat, Quarz-Tachar Diese beiden Objektive dienten der Ultraviolett-Photographie bzw. Kinematografie.

Röntgen-Kino Das Röntgen-Kino-Objektiv (1:1,25/50 mm) ist ein hochlichtstarkes Objektiv, das Anfang der 1930er Jahre für spektrographische Untersuchungen des Nordlichts genutzt wurde.Leiv Harang (1933) Filteraufnahmen von Polarlicht. Geofysiske Publikationer vol 10(8):5-25 (online (PDF; 5,9 MB), abgerufen am 16. August 2011)

Rosher-Kino-Portrait Das Rosher-Kino-Portrait-Objektiv (z. B. 1:2,3/100 mm ) ist ein weichzeichnendes Portrait-Objektiv.

SIRIAR SIRIAR ist eine 1927 eingetragene Wortmarke. Als Siriar I wurde ein Konverter Arri-Standard, 16-mm-Film, verkauft.

Soft-Focus