mini|Oettingen, Luftaufnahme (2016) mini|Luftbild aus nordwestlicher Richtung (2025) mini|Schloss Oettingen, rechts davon die St.-Jakobs-Kirche mini|Schloßstraße – rechts (Westen) der einst katholische Teil mit Fachwerkhäusern links (Osten) der einst protestantische Teil mit barocken Fassaden mini|Historischer Umzug

Oettingen in Bayern () (amtlich Oettingen i.Bay.; rieser-schwäbisch Eade) ist eine Stadt im schwäbischen Landkreis Donau-Ries und der Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Oettingen in Bayern.

Geographie Lage Die Stadt liegt an der Wörnitz, einem Nebenfluss der Donau, und befindet sich am Nordrand des Nördlinger Ries, eines Meteoritenkraters von 25 km Durchmesser.

Gemeindegliederung Die Gemeinde hat 12 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Erlbach, Heuberg, Lehmingen, Niederhofen, Nittingen und Oettingen i. B. Die Gemarkung Oettingen i.Bay. hat eine Fläche von 10,058 km². Sie ist in 2891 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 3479,01 m² haben. In ihr liegen die Gemeindeteile Oettingen und Siegenhofen.

Geschichte

Die Geschichte Oettingens reicht von vorgeschichtlichen Siedlungsspuren über römische und alamannische Besiedlung bis in die frühmittelalterliche Zeit zurück. Bereits im 8. Jahrhundert wird der Ort in einer Königsurkunde Pippins des Jüngeren als herrschaftlich organisierte „villa“ im Riesgau erwähnt, was auf seine frühe Bedeutung als königliches Wirtschafts- und Verwaltungszentrum hinweist. Im Hochmittelalter entwickelte sich Oettingen zum Mittelpunkt der Grafschaft Oettingen und stand zeitweise im Einflussbereich der staufischen Hausmachtpolitik. Über Jahrhunderte prägten der Deutsche Orden, die Residenzfunktion der Grafen und Fürsten von Oettingen sowie eine außergewöhnliche konfessionelle Doppelstruktur das Stadtbild und die Entwicklung des Ortes. Ende des 17. und zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde Oettingen zu einem wichtigen Zentrum der pietistischen Bewegung, maßgeblich gefördert durch die Oberhofmeisterin Maria Barbara von Neuhaus. Sie initiierte bedeutende soziale Stiftungen, darunter ein Witwenhaus und ein Waisenhaus, die die pietistischen Ideale von äußerer Bescheidenheit und tätiger Fürsorge für Bedürftige verkörpern. Mit dem Übergang an das Königreich Bayern im Jahr 1806 endete die reichsunmittelbare Herrschaft der Oettinger Linie.

Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. Januar 1972 die Gemeinden Erlbach und Niederhofen eingegliedert, am 1. Juli 1973 kam Heuberg hinzu. Lehmingen folgte am 1. Juli 1976. Die Eingemeindungen wurden am 1. Mai 1978 mit der Eingliederung von Nittingen abgeschlossen.

Einwohnerentwicklung Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Stadt von 4602 auf 5142 um 540 Einwohner bzw. um 11,7 %.

Politik Stadtrat Der Stadtrat besteht aus dem ersten Bürgermeister und 20 Stadträten. Die Stadtratswahlen 2014 und 2020 führten zu folgenden Ergebnissen und Sitzverteilungen: Partei/Liste 2014Bayerisches Landesamt für Statistik 2020Website Stadt Oettingen, Wahlergebnisse der Stadt Oettingen i.Bay Stimmenanteil Sitze Stimmenanteil Sitze CSU|FWG 37,3 % 8 32,8 % 7 SPD 30,2 % 6 33,4 % 7 SLO (Stadtteilliste Oettingen) 15,4 % 3 16,1 % 3 PWG (Parteifreie Wählergruppe) 11,7 % 2 12,2 % 2 ABL (Aktive Bürgerliste) 5,4 % 1 5,5 % 1 Gesamt 100 % 20 100 % 20 Wahlbeteiligung 68,4 %

Bürgermeister Erster Bürgermeister ist Thomas Heydecker (SPD). Er ist seit 1. Mai 2020 im Amt. Die Wahl am 15. März 2020 gewann er mit 57,7 % Stimmen gegen die Amtsinhaberin Petra Wagner (CSU). Am 8. März 2026 wurde er mit 84,3 % der Stimmen wiedergewählt.

An der Stadtspitze standen seit 1970: Hans Raidel von 1970 bis 1990 (ab 1990 Mitglied des Deutschen Bundestages) Dieter Paus von 1991 bis 2008 Matti Müller von 2008 bis 2014 (in der Stichwahl 2008 mit 55,1 % gewählt) Petra Wagner von 2014 bis 2020 (2014 mit 52,1 % gewählt).

Wappen

Städtepartnerschaften in der lombardischen Provinz Brescia, Italien (seit 2000) im Département Haute-Vienne, Region Nouvelle-Aquitaine, Frankreich (seit 2005)

Kultur und Sehenswürdigkeiten Baudenkmäler

mini|Rathaus (links), Hotel Krone (rechts) mini|Hotel Krone mini|Königsturm mini|Turm der evangelischen St.-Jakobs-Kirche und Storchennest mini|Schlossstraße in Oettingen mit Königstor mini|Kath. Pfarrhaus in Oettingen in Bayern mini|Kath. Pfarrkirche St. Sebastian mini|Kirchtürme: Gruftkapelle (links), St. Sebastian (Mitte), St. Jakob (rechts) mini|Schloßstrasse Schloss Oettingen Der sogenannte Königsturm des Unteren Tores ist der einzige sogenannte Turm der Stadtbefestigung. Vor diesem Tor befand sich die Untere Vorstadt, die wiederum durch ein äußeres Unteres Tor abgeschlossen war. Das Untergeschoss weist noch Reste des Turmes aus dem 13. Jahrhundert auf. 1594 bis 1596 erbauten die beiden Stadtherrschaften zusammen mit der Bürgerschaft einen neuen Turm. Im Inneren sind die Zellen des einstigen Stadtgefängnisses erhalten. Das Rathaus ist einer der prächtigsten Fachwerkbauten Schwabens. Das steinerne Erdgeschoss wurde 1431 gebaut, wie der Stein über dem Portal besagt. Die oberen Stockwerke und das eindrucksvolle Dachgebälk entstanden 1480. Seit der Generalsanierung (1986–1993) ist das danebenstehende bürgerliche Fachwerkhaus aus dem 17. Jahrhundert baulich angeschlossen. Das Rathaus ist Sitz der Stadtverwaltung und der Verwaltungsgemeinschaft Oettingen, im Erdgeschoss befindet sich das städtische Verkehrsamt. Der Marktplatz ist das Zentrum der Oettinger Innenstadt. Freitags findet dort ein Wochenmarkt statt. Bemerkenswert ist die architektonische Gestaltung: Auf der Ostseite befinden sich barocke Giebel, auf der Westseite Fachwerkgiebel. Oettinger Störche: Mindestens seit der Zeit des Grafen Ludwig XVI. (vor mehr als 400 Jahren) nisten in Oettingen Störche. Graf Ludwig war ein Freund dieser Vögel. Als nach einer Legende der Graf nach dem Schmalkaldischen Krieg die Stadt verlassen musste, seien auch die Störche weggezogen und nicht mehr wiedergekommen, ein Ereignis, an dem die Stadt großen Anteil nahm. Erst als der Graf nach langer Zeit im Jahre 1563 zurückkehrte, hätten sich auch die Störche wieder eingefunden und sind bis heute geblieben. Das Gebäude des Alten Gymnasiums wurde 1724 unter Fürst Albrecht Ernst II. zu Oettingen-Oettingen von Baumeister Johann Christian Lüttich erbaut. Es beherbergte die 1563 gegründete Lateinschule, die der Ausbildung des Pfarrer- und Beamtennachwuchses dienen sollte, wie die Inschrift auf der Nordseite besagt. Die Westseite ist durch eine Nische mit Muschelabschluss geziert, in der jedoch nie eine Statue stand. Heute sind in dem Gebäude ein Seniorenzentrum und die Volkshochschule untergebracht. Die evangelische Pfarrkirche St. Jakob schließt den Schlossplatz im Osten ab. Die spitzbogigen Fenster der Westfassade erwecken den Eindruck einer gotischen Kirche. Sie wurden erst im 19. Jahrhundert dem neugotischen Stilempfinden entsprechend gestaltet. Der Innenraum verrät zwar noch seinen gotischen Ursprung im Chor, wurde aber unter Albrecht Ernst I. 1681 barock ausgeschmückt. Die Kirche war keine Urpfarrei; ihre Mutterkirche steht im drei Kilometer entfernten Ehingen. Als Oettingen 1312 selbständige Pfarrei wurde, begann man mit dem Neubau des Chores (vollendet 1326), 1430 mit dem des Langhauses. 1461 stand der Turm bis zum Kranz (Jahreszahl 1461 und Wappen an der Nordwand des Turmes). Das Oktogon wurde erst 1565 fertiggestellt. Bis in die 1930er Jahre wohnte dort ein Türmer. Bis um die Mitte des 18. Jahrhunderts befand sich um die Kirche ein Friedhof, aus dem die Grabplatten im Inneren der Kirche stammen. An ihr führt der Fränkisch-Schwäbische Jakobsweg vorbei, und dort beginnt der Bayerisch-Schwäbische Jakobusweg. Die katholische Pfarrkirche St. Sebastian hat ihren Ursprung in einem Blutwunder, das sich am Sebastianstag (20. Januar) 1467 an dieser Stelle ereignet haben soll. Graf Ulrich ließ eine Kapelle erbauen, die bald zu einer Kirche erweitert wurde. Zeitweise gab es dort eine beachtliche Wallfahrt. St. Sebastian gilt als Schutzheiliger auch gegen die Pest und ist der Schutzpatron des Rieses. Die Wemdinger bringen nach einem Gelübde aus dem Jahr 1647 in einer großen Prozession alle 20 Jahre eine Pestkerze nach Oettingen, zuletzt 2012. Sie ist neben dem Pestbild von 1490 rechts neben dem Chor zu sehen, in der Krypta befindet sich eine Sebastiansreliquie. Infolge der konfessionellen Aufteilung der Stadt wurde die Kirche 1563 zur katholischen Pfarrkirche. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Kirchenschiff wegen Baufälligkeit abgerissen und neu erbaut. Die neugotische Innenausstattung wurde bei der Renovierung 1959–1963 entfernt. Die Figuren Anna Selbdritt und Heilige Familie stammen aus der St.-Anna-Kapelle. Gruftkirche: Die Kapelle ist der Rest der von Ludwig V. von Oettingen um 1270 fertiggestellten Schloßkirche, die an Stelle des ältesten bekannten Erdgrabes der Herren von Oettingen errichtet worden war.Johann J. Strelin: Genealogische Geschichte der Herren Grafen von Oettingen, Augsburg 1833, S. 31. An der Ostfassade befindet sich ein romanischer Rundbogenfries über einem großen spitzbogigen Fenster. Rippen und Gewölbekappen zeigen die ursprüngliche rot-blaue Bemalung. Die Flächen sind mit Sternen verziert. An der Nordseite des Kirchenraums befindet sich ein schwach sichtbares Fresko: Christus als Weltenrichter in der Mandorla mit Maria und Johannes aus der Zeit um 1450. 1798 erfolgte der Umbau zur fürstlichen Gruftkapelle; von dem einst fünfjochigen Langbau blieben nur zwei Joche bestehen. Die klassizistische Innenausstattung sowie eine trauernde Frauengestalt, sich an einen Marmorsarkophag lehnend, sind nicht erhalten geblieben. Rechts und links des klassizistischen Portals befinden sich trauernde Figuren (Todesgenien) von Ignaz Ingerl. Der Turm, vermutlich aus dem 15. Jahrhundert, trägt an der Nordseite die Wappen von Oettingen, Seckendorf und Sonnenberg. Im Bereich des Gruftgartens ist die Keimzelle Oettingens anzunehmen. Dort lag vermutlich der Herrenhof, aus dem sich der alamannische ingen-Ort entwickelte. Schon für die Zeit um 750 nennen Güterverzeichnisse des Klosters Fulda Besitzungen in „otingen“. Im 11. Jahrhundert war dort vermutlich eine Burg, an die sich eine Siedlung mit Handwerkern anschloss. Burg und Ort wurden Mittelpunkt der erstarkenden Grafschaft Oettingen und Hauptsitz der Grafen zu Oettingen. In der Renaissance- und Barockzeit wurden Repräsentationsbauten neu- bzw. umgestaltet. Das sogenannte Alte Schloss gehörte der seit 1539 evangelischen älteren Linie Oettingen-Oettingen, die 1674 gefürstet wurde und im Mannesstamm mit Albrecht Ernst II. 1731 ausstarb. 1850 wurden die Schlossgebäude bis auf die Kapelle abgebrochen. Die Kapelle St. Leonhard befindet sich an der Stelle, wo einst eine alte Steinbrücke die Wörnitz überquerte. Neben der im Jahre 1500 erbauten Kapelle stand ursprünglich die Statue des Heiligen Nepomuk auf der alten Brücke. Die Kapelle birgt als Kostbarkeit einen gotischen Schnitzaltar. Die Figuren im Schrein stellen den Heiligen Leonhard mit Kette dar, flankiert vom Heiligen Wolfgang links und Heiligen Rochus rechts. Die Predella zeigt die Vierzehn Nothelfer. Die Figuren gehören alle in die Zeit um 1500. Bemerkenswert sind die Gemälde an den Seitenflügeln mit Szenen aus dem Marienleben (innen) und aus dem Leben des Heiligen Leonhard. Die Malereien lassen Einflüsse der Dürerschule erkennen.