Der Flugplatz Tablada (, ) war ein Militärflugplatz der Spanischen Luftstreitkräfte (Ejército del Aire) in der spanischen Großstadt Sevilla, der von 1915 bis 1990 in Betrieb war, und ist eine der historischen Stätten der militärischen Luftfahrt in Spanien.
Geschichte Im Jahr 1910 fand der erste Flug über Sevilla auf der Pferderennbahn statt. Nach diesem ersten Flug über Sevilla von Tablada aus wurde 1910 in Tablada ein Aeroclub gegründet.
Im Jahr 1915 übertrug der Stadtrat von Sevilla die Pferderennbahn an den Staat, um dort einen Militärflugplatz zu errichten, der 1915 eröffnet wurde. Die Pferderennbahn Tablada blieb bis 1931 in Betrieb und scheint zwischen 1936 und 1939 verschwunden zu sein, als sie durch die Erweiterung des Flugplatzes absorbiert wurde.EL HIPÓDROMO DE TABLADA , (spanisch), abgerufen am 5. Januar 2026.
mini|Flugplatz Tablada 1928
Am 14. April 1923 weihten König Alfons XIII. und Königin Victoria Eugénie von Battenberg die Base Aérea de Tablada dann offiziell ein, den zweiten Militärflugplatz überhaupt des Ejército del Aire, der heute eine Kaserne der Luftwaffe ist.
In dieser Phase erweiterte Tablada nicht nur seine operative Kapazität, sondern begann auch, eine größere Anzahl von Flugzeugen und Piloten in Ausbildung zu erhalten, was seine Rolle bei Ausbildungsoperationen und logistischer Unterstützung erhöhte. Dieses Wachstum legte die Grundlage für seine strategische Rolle in den folgenden Jahrzehnten, sowohl bei nationalen Operationen als auch in Konflikten in Nordafrika, und machte es zu einem Referenzzentrum für die spanische Luftfahrt."Die Erweiterung des Flugplatzes Tablada: von der Ausbildung zum Kampf". Diario de Sevilla, 10. April 2023.
Am 9. Juni 1933 starteten zwei Flieger von Tablada aus zu einem Rekordflug mit Ziel Antillen. Die Start- und Landebahn von Tablada wurde für den Start dieses Flugzeugs um 500 Meter verlängert, sodass sie 1.530 Meter lang und 60 Meter breit wurde. Es wurde mit einer Flugzeit von 39 Stunden und 55 Minuten der längste Nonstop-Flug über See zu jener Zeit und führte nach Camaguey/Kuba mit der CASA-Breguet XIX Cuatro Vientos, die auf dem Weiterflug von Havanna nach Mexiko-Stadt verschollen ging.Misa, Clemente 2009, S. 48.
Luftschifffahrt Am 18. Mai 1930 begann das Luftschiff LZ 127 eine Probefahrt nach Südamerika bis Rio de Janeiro. Die Route führte drei Tage lang über Sevilla nach Recife, was eine deutliche Zeiteinsparung im Vergleich zur etwa zweiwöchigen Fahrtdauer damaliger Transatlantikliner war. Die Fahrt stellte eine Vorbereitung des geplanten Transatlantikdienstes mit dem Schiff dar.
Zwischen dem 24. April 1929 und dem 10. Juli 1936 war das deutsche Luftschiff LZ 127 Graf Zeppelin 17 Mal in Sevilla.
Hugo Eckener und Emilio Herrera versuchten, eine Station für deutsche Luftschiffe in Sevilla zu schaffen, die als Zwischenstopp auf der Route dieser Flugzeuge nach Amerika dienen sollte. Zu diesem Zweck unterzeichnete der Stadtrat von Sevilla im Januar 1933 den Pakt von Tablada.Misa, Clemente 2009, S. 104–107.
Unter Hugo Eckener wurde ab dem 29. August 1931 ein regelmäßiger Luftschiffverkehr zwischen Deutschland und Brasilien, teilweise mit Zwischenstopp in Tablada, betrieben. Teils führte die Route auch über Recife und Rio de Janeiro hinaus bis nach Buenos Aires. Zur damaligen Zeit war dies die schnellste Verbindung auf dem Luftweg und der einzige Nonstopflug auf diesen Strecken. Die Verbindung wurde bis 1935 von der DELAG, von da an von der neu gegründeten Deutschen Zeppelin-Reederei unterhalten. Zudem vermarktete die Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft die Fahrten. Insgesamt führte LZ 127 von 1928 bis 1937 140 Transatlantikfahrten durch, davon 63 Fahrten nach und von Südamerika.
Spanischer Bürgerkrieg Nach Kämpfen und kleineren Bombardierungen ab dem 18. Juli 1936 übernahmen die Rebellen unter dem späteren Diktator Francisco Franco den Flugplatz.
Als erste bedeutende Luftbrücke der Militärgeschichte weltweit in bewaffneten Konflikten gilt die der Truppen von General Franco zum Auftakt des Spanischen Bürgerkrieges vom 28. Juli bis Oktober 1936. Mit Unterstützung des NS-Staats und des Italienischen Faschismus wurden 25.000 Soldaten der Aufständischen mit Flugzeugen der Typen Junkers Ju 52/3m und Savoia-Marchetti SM.81 über die Straße von Gibraltar geflogen.Nach einer anderen Quelle waren es etwa 14.000 Fremdenlegionäre und 500 Tonnen Material: Hugh Thomas: Der spanische Bürgerkrieg, Ullstein, Berlin 1962, S. 194. Siehe auch Die deutsch-spanischen Beziehungen 1933-39 Letztere wurden auch als erster Bomber der Nationalisten eingesetzt. Diese Luftbrücke markierte eine Innovation im militärischen Transport.
Der Flugplatz Tablada war der erste Ort auf dem spanischen Festland, den die Legion Condor, und zwar von Tétouan in Marokko aus, am 26. August 1936Ian Westwell: Condor Legion. The Wehrmacht's Training Ground. Ian Allan Publishing, Hersham 2004, ISBN 0-7110-3043-X. anflog, um danach das Vorrücken der Nationalen insbesondere im Norden des Landes zu unterstützen, unter anderem mit dem berüchtigten Angriff am 26. April 1937 auf das baskische Gernika, wobei es Hunderte von Toten in der Zivilbevölkerung gab. Hier wurden in der ersten Phase des Krieges auch die über den Hafen von Cádiz aus Deutschland verschifften zerlegten Maschinen wieder montiert und eingeflogen. Im Dezember 1936 trafen u. a. die ersten Messerschmitt Bf 109 für die Versuchsjagdgruppe 88 (VJ/88) ein. Die ersten Kampfeinsätze überhaupt dieses meistgebauten Jagdflugzeuges weltweit erfolgten von Tablada beim Vormarsch der Nationalen auf Málaga.
Die Basis passte sich den wachsenden Anforderungen des Krieges an, indem sie ihre zivilen und sportlichen Einrichtungen in Lagerräume für Nachschub und Munition sowie in Werkstätten zur Reparatur und Montage von im Bürgerkrieg beschädigten Flugzeugen umwandelte. Diese Entwicklung ermöglichte es der Basis Tablada, zu einem wichtigen logistischen Knotenpunkt zu werden, der die Einsatzfähigkeit einer großen Luftflotte aufrechterhielt und den Transport von Nachschub und Truppen nach Norden erleichterte, während die Fronten sich in Richtung Zentralspanien verlagerten.Alpert, Michael (1994): A New international history of the Spanish Civil War. Harvard University Press.
Franco-Diktatur (1939–1975) Nach dem Spanischen Bürgerkrieg plante die CASA, ab 1940 in ihrem neuen Werk Tablada (Sevilla, Spanien) 200 Heinkel He 111H-16 unter der Bezeichnung CASA 2.111 zu bauen. Der Erstflug der CASA 2.111 fand auf Grund von Problemen mit den Fertigungsmitteln erst am 23. Mai 1945 statt und das CASA-Werk wurde erst 1948 offiziell eingeweiht. Bis 1958 baute CASA dann 236 He 111 in drei Versionen als Bomber, Aufklärer und Passagierflugzeug, die beim Ejército del Aire als leichte Bomber bis zum Ende der 1960er-Jahre im Dienst waren und danach noch bis 1973 als Transportflugzeuge verwendet wurden.
Zwischen 1947 und 1952 erlitt der Flugplatz schwere Überschwemmungen durch das Überlaufen des Guadalquivir-Flusses. Der bedeutendste war im März 1947 die Einstellung des Betriebs für 11 Tage, was die Verwundbarkeit der Basis offenbarte. Überschwemmungen wiederholten sich 1948, 1951 und 1952, beeinträchtigten den Betrieb und verursachten erhebliche Schäden. Als Reaktion darauf wurden 1949 Verteidigungsarbeiten genehmigt, die den Bau von Metallmauern und Toren zur Minderung zukünftiger Risiken umfassten. Obwohl die Verbesserungen halfen, wurde das Überschwemmungsrisiko nicht vollständig beseitigt, und das Fundament blieb auch in Jahren starken Regens anfällig für Flussüberschwemmungen.
Die Unterzeichnung der Madrider Pakts im Jahr 1953 zwischen Spanien und den Vereinigten Staaten markierte einen Wendepunkt für die Basis, da sie die Modernisierung und Erweiterung der Luftfahrtanlagen im Land mit sich brachte. Diese Vereinbarungen ermöglichten die Einführung von Strahlflugzeugen in die spanischen Luftstreitkräfte, was fortschrittlichere Infrastrukturen erforderte, welche Tablada nicht bieten konnte. Die Basis blieb jedoch auch in den 1950er Jahren mit Propellerflugzeugen einsatzbereit, hauptsächlich der CASA 2.111 und der HA-1112-M Buchón, basierend auf der Messerschmitt Bf 109. Diese Flugzeuge wurden Einheiten wie dem 25. Leichten Bombengeschwader zugeteilt.
Das 25. Geschwader, ein Leichtes Bombengeschwader, war 1956 gegründet worden, und mit dem Verschwinden dieses Geschwaders im Jahr 1963 wurde der Niedergang von Tablada als Luftwaffenstützpunkt verstärkt, ein Niedergang, der mit der Auflösung des 22. Regiments begonnen hatte. Seine B-21-Flugzeuge werden zum 27. Geschwader (Malaga) und 46. (Las Palmas-Gando) verlegt.
Auch das 47. Jagdbombergeschwader wurde 1965 aufgelöst. Diese Umstrukturierung ließ Tablada ohne nennenswerte Kampfkapazitäten zurück und degradierte es in die Kategorie eines Militärflugplatzes im Ruhezustand. Im Jahr 1965 war die Tablada Air Base nahezu unbewacht.Spanisches Verteidigungsministerium: Geschichte der Tablada-Luftkaserne, (spanisch), abgerufen am 5. Januar 2026.
Im Jahr 1966, als Tablada seinen Tiefpunkt erreichte, wurde das Tactical Aviation Command gegründet, das sich mit dem Hauptquartier der Luftregion Straße von Gibraltar überschnitt. Mit der Drohung des Abbaus seiner Einrichtungen durch eine Liquidationskommission reorganisierte Tablada seine Flug- und Startbahndienste, reparierte Gebäude, mähte den Flugplatz, reparierte den Kontrollturm und hielt die militärischen Dienste und Handlungen gerade noch so aufrecht.
Flugaufnahmen des Films Luftschlacht um England entstanden von Januar bis Mai 1968 im Luftraum über Sevilla, wobei „auf deutscher Seite“ CASA 2.111 als Heinkel He 111 und in San Pablo gebaute Hispano Aviación HA-1112 als Repliken der Messerschmitt Bf 109 G zum Einsatz kamen. Insgesamt wurden 61 spanische Flugzeuge als „deutsche“ für die Dreharbeiten eingesetzt. Dies war dann doch wieder ein Ereignis, welches das Leben des Flugplatzes belebte.Spanisches Verteidigungsministerium: Geschichte der Tablada-Luftkaserne, (spanisch), abgerufen am 5. Januar 2026.
Claude Dornier, der bereits zwischen den Weltkriegen Dornier Wal in Cádiz fertigte, kehrte nach dem Zweiten Weltkrieg nach Spanien zurück und im Jahr 1949 begann in Tablada die Fertigung der Dornier Do 27 bzw. CASA C.127, die hier in der Version Do 27B noch bis 1965 gefertigt wurde.
Im Jahr 1969 wurde Tablada als Logistik- und Wartungszentrum innerhalb der Luftstreitkräfte umorganisiert. Die Basis spezialisierte sich auf die Überholung von Flugzeugen wie der Douglas DC-3 und der Hispano Aviación HA-200 (1982 außer Dienst gestellt), was es ihr ermöglichte, eine wesentliche technische Unterstützungsrolle zu erfüllen. Die Luftkontrollgruppe und die Luftunterstützungsschule wurden ebenfalls gegründet, die Spezialisten in Logistik und Luftkontrollaufgaben ausbildeten und Tablada als technisches Ausbildungszentrum in der militärischen Luftfahrt festigten.
Im Jahr 1970 war eine Garnison von 1735 Personen in Tablada stationiert. Im selben Jahr wurde die Start- und Landebahn 01/19 asphaltiert, zu diesem Zeitpunkt 1850 Meter lang und 150 Meter breit,Misa, Clemente 2009, S. 238. so dass Staubwolken wie im Film Luftschlacht um England der Vergangenheit angehörten.
Nach 1975 Mit dem Eintreffen des spanischen Übergangs und der demokratischen Verfassung von 1978 begann der Luftwaffenstützpunkt Tablada eine Transformation, die sich auf logistische und administrative Funktionen konzentrierte und seine operative militärische Aktivität schrittweise reduzierte.Historia militar de Tablada en la Transición. Militärgeschichte von Tablada.
Zahlreiche der insgesamt 17 Douglas DC-4/C-54 der Spanischen Luftstreitkräfte sowie überzählige Maschinen anderer Typenairliners.net, (englisch), abgerufen am 5. Januar 2026. wie der 15 Grumman HU-16 Albatross, Douglas DC-3/C-47 oder Dornier Do 27/CASA C-127 wurden in Tablada eingelagert oder stillgelegt (siehe Foto unten, Tablada 1977 auf Airliners.net), etliche davon vor Ort verschrottet.