Die Schlacht bei Höchstädt (auch Dritte Schlacht von Höchstädt, auch Treffen bei Höchstädt) ereignete sich während des Zweiten Koalitionskrieges am 19. Juni 1800 nahe Höchstädt an der Donau. Von Bayern und Württemberg unterstützte österreichische Truppen unter dem Befehl des Feldzeugmeisters Paul Kray von Krajowa erlitten dabei eine Niederlage gegen die französischen Truppen der Rheinarmee unter General Moreau. Die österreichische Seite entschied sich nach dem Treffen zum Rückzug über Ingolstadt in Richtung Inn und begann zugleich, bei Moreau um einen Waffenstillstand anzufragen. Eine solche Waffenruhe war kurz zuvor nach der Schlacht bei Marengo in Oberitalien mit Napoleon Bonaparte vereinbart worden.

Umfeld

Nach der Französischen Revolution versuchten europäische Mächte auf das revolutionäre Frankreich einzuwirken. Es kam in den Jahren von 1792 bis 1815 zu mehreren kriegerischen Auseinandersetzungen, die wegen ihrer wechselnden Koalitionen als Koalitionskriege oder ab 1799 auch als „Napoleonische Kriege“ bezeichnet werden. Der Zweite Koalitionskrieg entbrannte 1799.

Frankreich stand einer Allianz aus Großbritannien, Österreich, Russland, dem Osmanischen Reich, Portugal, Neapel und dem Kirchenstaat gegenüber, aus der Russland im Jahr 1800 ausschied. Österreich war als Großmacht der einzige ernsthafte Gegner Frankreichs aus dieser Allianz auf dem Kontinent. Nach dem Staatsstreich des 18. Brumaire VIII entstand das Französische Konsulat, in dem Napoleon Bonaparte als Erster Konsul das Sagen hatte. Er entschied sich, diesem Gegner in Oberitalien an der Spitze von Truppen selbst Paroli zu bieten. Parallel dazu sollte in Süddeutschland die Französische Rheinarmee unter General Moreau Streitkräfte Österreichs binden.

Entwicklung vor der Schlacht

mini|Feldherr Paul Kray von Krajowa Die vom österreichischen Befehlshaber Feldzeugmeister (FZM) Baron von Kray geführte Armee besaß außer dem Hauptheer noch Korps in Tirol und Vorarlberg. Sie war im Frühjahr 1800 wie folgt aufgestellt:

Der rechte Flügel der Hauptarmee unter Feldzeugmeister Graf Anton Sztáray mit 19.000 Mann sicherte den Raum zwischen Murg und Neckar, von Renchen bis Heidelberg und hielt an der Nidda Verbindung mit den verbündeten kurmainzischen Truppen. Im Badischen operierten im Gebiet von Renchen bis Überlingen die Divisionen der Feldmarschallleutnante (FML) Baron Kienmayer (9.700 Mann), Graf Friedrich Joseph von Nauenburg (11.300 Mann) und Graf Vinzenz Kolowrat (13.300 Mann). An diese Divisionen schloss sich das Truppenkorps in Tirol und Vorarlberg (24.300 Mann) unter FML Fürst Reuss an, das vom Ursprung des Rheins bis an den Bodensee und weiter bis Buchhorn zuständig war. Als Reserve lag das Korps von FML Graf Baillet de Latour mit 9.400 Mann Infanterie und 3.400 Reitern im Bereich Villingen, Engen und Tübingen, verstärkt durch die anschließende Artillerie-Reserve in Donaueschingen.

mini|Feldherr Jean-Victor Moreau Von der französischen Armee unter Obergeneral Moreau hielt der rechte Flügel unter General Lecourbe mit 29.000 Mann den Rhein von Laufenburg bis Maienfeld und der Mittelteil unter General Laurent de Gouvion Saint-Cyr mit 30.000 Mann den Oberrhein von Laufenburg bis Alt-Breisach besetzt. 19.000 Mann des linken Flügels unter Bataillonschef Suzanne deckten das linke Rheinufer von Alt-Breisach bis Düsseldorf. Die Reserve, 26.000 Mann, war einquartiert im Fricktal, im Ober-Elsass und im verschanzten Lager von Klein-Basel. Das Hauptquartier Moreaus befand sich in Basel.

Das Korps in Tirol nicht mitgerechnet waren auf österreichischer Seite somit etwa 66.100 Mann aufgestellt. Die Franzosen verfügten demgegenüber ohne die Einheiten Suzannes über rund 85.000 Soldaten. Eine andere Quelle benennt die Stärke der Österreicher auf 62.000 Mann, darunter 20.000 Kavalleristen, und jene der französischen Streitmacht auf 98.686 Mann.Alfred Herrmann: Der Aufstieg Napoleons; Krieg und Diplomatie vom Brumaire bis Lunéville. Berlin 1912, S. 305; .

Der österreichische Operationsplan beruhte auf einem gemeinschaftlichen Angriff aus Italien und vom Bodensee her. Das Gros der Armee in Deutschland sollte zwischen Basel und Aaremündung den Rhein überqueren und sich mit dem über Sargans und Zürich vorgerückten Korps aus Tirol und Vorarlberg bei Brügg vereinen. 5.000 Mann sollten über den Gotthardpass in das Wallis eindringen, sich mit einer über den St. Bernhard anrückenden Division der italienischen Armee vereinigen, zwischen Murten und Nidau Stellung beziehen und dann am Bielersee zum Gros des Heeres stoßen. Sobald die Hauptarmee festen Fuß in den Vogesen gefasst habe, sollte sie Belfort und Neu-Breisach belagern und ihren linken Flügel an die Saône vorschieben, um sich mit der durch Savoyen herangeführten italienischen Armee voraussichtlich bei Lyon zu verbinden.

Die französische Strategie basierte auf der weiten Verteilung der Österreicher. Um das für die Franzosen günstige Gelände am Ursprung der Donau zu gewinnen, zugleich aber die Aufmerksamkeit der Österreicher während des gefährlichen Heranführens der Streitmacht durch den unwegsamen Schwarzwald zu erregen, wollte Moreau von Straßburg und Breisach vorzurücken drohen. General Lecourbe sollte jedoch den entscheidenden Schlag auf dem rechten Rheinufer von der Schweiz aus führen.

Diesem Operationsplan entsprechend, ließ Moreau am 25. April die lange Verteidigungslinie des Gegners durch seinen linken Flügel angreifen, während Lecourbe noch ruhig in seinen Stellungen verblieb. Erst am 28. April, nach einer Reihe von Gefechten des linken französischen Flügels, welche die Aufmerksamkeit Krays vollständig in Anspruch nahmen, rückte Lecourbe gegen Rheinklingen Bürgergemeinde Diessenhofen. vor, setzte hier am Morgen des 1. Mai über den Rhein und drängte die weit verteilten Truppen des FML Prinz Joseph von Lothringen gegen Singen zurück. Am 2. Mai hatte Moreau sämtliche Truppen seines rechten Flügels hier versammelt. In der Folge zwang er in einer Reihe von Gefechten bei Stockach, Engen und Leipferdingen am 3. Mai sowie in der Schlacht bei Meßkirch am 5. Mai das österreichische Heer zum Rückzug nach Ulm am 10. Mai, während die Franzosen die Iller-Linie besetzten. Dadurch gewann Tirol eine erhöhte Bedeutung auf österreichischer Seite. FML Fürst Reuss war in der Nacht zum 2. Mai bereit gewesen, mit seiner Armee den Rhein zu überschreiten; als er jedoch erfuhr, dass die Franzosen der Offensive der Österreicher zuvorgekommen seien und der rechte Flügel Lecourbes Vorarlberg bedrohe, wollte er nunmehr dem Feind in den Rücken fallen. Der ungünstige Ausgang der Gefechte bei Stockach und Engen veranlasste ihn jedoch, sich auf die Verteidigung Tirols zu beschränken.

Versuche Moreaus, die kaiserliche Hauptarmee zum Verlassen der Stellung bei Ulm zu bewegen, misslangen. Er versuchte dann, dies zu erreichen, indem er Lecourbe nach Augsburg verlegte, um dadurch die Österreicher aus Ulm herauszulocken und zu einer Entscheidungsschlacht zu zwingen. Tatsächlich wagte Baron von Kray, nachdem Lecourbe Ende Mai Augsburg besetzt hatte, einen Angriff auf den zwischen Biberach an der Riß und Memmingen stehenden linken französischen Flügel. Er wurde jedoch am 5. Juni bei Erolzheim und Ochsenhausen geschlagen und wich wieder nach Ulm zurück. Knapp vierzehn Tage vergingen, in denen Moreau hinsichtlich des weiteren Vorgehens schwankte; dann aber entschloss er sich, unterhalb Ulms über die Donau zu gehen.

Schlachtverlauf

Die Tage zuvor Die Österreicher waren nach dem Gefecht vom 5. Juni nicht untätig geblieben und hatten in verschiedenen kleineren Streifzügen und Überfallen Erfolg. Als aber Moreau am 10. seine Truppen langsam und zögernd nach Osten dirigierte und am 12. die österreichischen Vorposten auf der ganzen Linie angreifen ließ, zog sich Sztáray in seine Stellung bei Günzburg zurück. Obwohl Kray dieses Kontingent erheblich verstärkt und ihm einen Angriff befohlen hatte, zeigte sich Sztáray reserviert. Er positionierte zwei Kompanien und eine Eskadron im Bereich zwischen Günzburg und dem Dorf Peterswörth. Der württembergische General Christoph Dionysius von Seeger sicherte die Umgebung von Dillingen mit sieben Kompanien. Dreieinhalb Bataillone befehligte Ernst von Hügel bei Lauingen. Das Gebiet um Donauwörth hielt Generalmajor Baron Thierry de Vaux mit viereinhalb Bataillons und zwei Eskadronen und bewachte mit einigen Kompanien die Brücke bei Donaumünster bei Tapfheim. Von hier bis Höchstädt standen lediglich Reiter Posten.

Am 14. Juni rückte Lecourbe vom Lech an die Zusam und in den folgenden Tagen über Zusmarshausen nach Wertingen und so Donauwörth bedrohend. Die Einheit Paul Greniers rückte, verstärkt durch einen Teil von Moreaus Korps, dessen Rest zwischen Kammel und Mindel als Reserve stehen blieb, auf Burgau mit Ziel Günzburg. General Antoine Richepanse blieb zur Beobachtung Ulms vorerst im Südwesten der ausgebauten Festung stehen, dadurch abermals einem möglichen Vorstoß der österreichischen Übermacht ausgesetzt, der aber nicht erfolgte. Die Rückendeckung der Rheinarmee gegen Reuß war den Generälen Gabriel Jean Joseph Molitor und Étienne Marie Antoine Champion de Nansouty anvertraut.

Am 15. Juni 1800 besetzte Generalleutnant Lecourbe mit einer Division als Vorhut Burgau und dehnte seine Truppe rechts gegen die Straße von Lauingen und Dillingen an der Donau aus. Nach einem kleinen Gefecht mit den Franzosen räumten die Österreicher die Städte Burgau und Wertingen nach 16 Uhr. Grenier folgte mit seiner Rechten der Bewegung der französischen Division auf Burgau. Unter diesen Umständen fand es Sztáray sinnvoll, über die Donau zurückzugehen und sich hinter der Brenz bei Gundelfingen an der Donau aufzustellen. Rätselhaft ist, warum Sztáray seine Avantgarde und alle am 15. erhaltenen Verstärkungen teils nach Ulm zur Armee, teils nach Leipheim beorderte und nur acht Bataillone und fünf Eskadronen behielt.

Am 16. Juni rückte General Grenier gegen Günzburg vor und besetzte, nachdem Sztáray beim Rückzug über die Donau die Brücken von Leipheim und Günzburg hinter sich abbrennen ließ, um 18 Uhr diese Stadt. Zur gleichen Zeit stießen Österreicher und die Truppen des Generalleutnants Lecourbe bei Binswangen (zwischen Wertingen und Dillingen) aufeinander. Letztere drangen ungeachtet des tödlichen Feuers einer feindlichen Batterie vor und setzten Kavallerie ein, um in deren Rücken zu gelangen. Darauf zogen sich diese Österreicher gegen Dillingen zurück. Etwa 2.000 französische Soldaten wandten sich nun gegen das Dorf Kicklingen mit der Absicht, anschließend die Höchstädter Brücke über die Donau zu besetzen. Die Brücke war jedoch abgetragen und die in Höchstädt stehenden Gegner empfingen ihre Feinde mit Kanonenfeuer. Auch bei Donauwörth, wo die Brücke gleichfalls abgebrochen war, kam es zu einer wechselseitigen Kanonade. So wie Frankreichs Rheinarmee jetzt stand, konnte sie entweder mit ihrem linken Flügel zu Günzburg oder mit ihrem rechten zu Dillingen einen Flussübergang wagen, war doch ihr Zentrum bereit, jenes Korps zu unterstützen, dem zuerst der Übergang über die Donau glückte.Johann Konrad Friederich: Unsere Zeit, Stuttgart, 1829, Band 20, Ausgaben 77–80, S. 437; books.google.de