Diese Liste enthält eine Übersicht über bestehende und frühere Friedhöfe und Begräbnisplätze, die überwiegend oder ausschließlich von Mennoniten bzw. Mennonitengemeinden genutzt, belegt oder unterhalten wurden oder werden. Es können darüber hinaus auch solche Friedhöfe etc. aufgeführt werden, die für Mennoniten zeitweise oder andauernd wichtige Begräbnisplatze darstellen, beispielsweise kirchliche oder kommunale Friedhöfe mit einem hohen Anteil von dort beigesetzten Mennoniten. Einbezogen werden auch Friedhöfe von Amischen bzw. amischen Gemeinden. Vollständigkeit ist nicht gegeben. mini|Hinweisschild
Historische Hintergründe Häufig war es Mennoniten als religiöser Minderheit nicht erlaubt, ihre Toten auf öffentlichen bzw. kirchlichen Friedhöfen beizusetzen, allenfalls unter diskriminierenden Bedingungen, etwa grundsätzlich am Rand. Eine literarische Verarbeitung schildert dieses Phänomen folgendermaßen:
Es handelt sich dabei um eine Erfahrung, die auch andere, später entstandene Freikirchen in Deutschland machen mussten:
Ein sehr geraffter Überblick schildert die Lage im Blick auf die Mennoniten:
Die Situation im Bayern des 19. Jahrhunderts wird so beschreiben:
wobei sich die Situation nach Zeit und Ort im Einzelnen auch unterschiedlich darstellen konnte.Vgl. hierzu Hermann Hage, Amische Mennoniten in Bayern. Von der Einwanderung ab 1802/03 bis zur Auflösung der amischen Gemeinden Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts, ISBN 978-3-939112-45-7, S. 54–62 passim, der auch die verfassungsrechtlichen und staatskirchenrechtlichen Regelungen näher erläutert.
Deutschland Andernach-Eich (zwischen Eich und dem Krayer Hof) Mennonitenhöfe und der kleine Mennonitenfriedhof [...] sind Reste einer kleinen amischen „Schwitzer“gemeinde, die sich um 1730 von der Neuwieder [Mennoniten-]Gemeinde abgespalten hat, heute aber wieder in ihrer sehr verringerten Zahl zur Ursprungsgemeinde gehört.Dirk Cattepoel, Art. Neuwied, in: Mennonitisches Lexikon Bd. 3 (1958), S. 221. Der Pönterhof und der Krayer Hof sind 1827 von Mennoniten übernommen worden; der letzte Mennonit vor Ort ist 1943 verstorben. Die inzwischen evangelischen Nachkommen pflegen und belegen den Friedhof nach wie vor.
Bolanden Unter nassau-weilburgischer Herrschaft mussten die Mennoniten vom Weierhof und Umgebung ihre Toten in Bolanden bestatten. Dort war ihnen das Gelände neben der alten Klosterkirche als Begräbnisplatz angewiesen worden, weil, von Ausnahmen abgesehen, auf den „öffentlichen Friedhöfen“ für Mennoniten kein Platz war. Ab 1812/13 verfügten die Mennoniten über einen eigenen Friedhof auf dem Weierhof (siehe unten unter Bolanden-Weiherhof).Mennonitengemeinde Weierhof, Gary J. Waltner (Hgf.), 300 Jahre Mennonitengemeinde Weierhof 1682-1982. Zur Geschichte der Mennonitengemeinde Weierhof 1682-1982, S. 27.
Bolanden-Weierhof mini|Weierhof Der Friedhof befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft der früheren, ersten mennonitischen Kirche auf dem Weierhof.
Er wurde 1812/13 erworben und fertiggestellt.Christian Neff, Christian Hege: Weierhof. In: Mennonitisches Lexikon. Band 4 (1967), S. 486. Der erste Tote konnte wegen der schon fortgeschrittenen Vorarbeiten aber bereits 1811 beigesetzt werden. Damit war der Begräbnisplatz neben dem Kloster Bolanden (siehe oben unter Bolanden) entbehrlich geworden.Mennonitengemeinde Weierhof, Gary J. Waltner (Hrsg.): 300 Jahre Mennonitengemeinde Weierhof 1682-1982. Zur Geschichte der Mennonitengemeinde Weierhof 1682-1982. S. 27.
Frankenstein-Diemerstein mini|Diemerstein Nachdem Beerdigungen auf dem protestantischen Friedhof immer mehr erschwert worden waren, stiftete 1783 ein Erbbeständer ein Grundstück. 1956 wurde der Friedhof in die Stiftung Waldfriedhof der Familie Goebels in Diemerstein/Pfalz überführt. Er wird bis in die Gegenwart belegt.
Frankenthal-Eppstein Vor der Mennonitenkirche Eppstein befindet sich ein kleiner Friedhof.
Friedrichstadt Der Friedhof befindet sich hinter der Mennonitenkirche und wird bis in die Gegenwart genutzt. Aus dem 18. Jahrhundert sind noch Grabsteine vorhanden. Auch existiert ein Begräbnisbuch aus derselben Zeit.
Glückstadt In einem Lexikonartikel finden sich u. a. folgende Informationen zum früheren mennonitischen Friedhof in Glückstadt:
Der katholische Friedhof wird seit Mitte der 1960er Jahre nicht mehr belegt.Peter Höver: Friedhof aus dem Dornröschenschlaf holen, auf shz.de vom 2. Oktober 2016, abgerufen am 21. Januar 2017. Es ist geplant, die inzwischen nicht mehr genutzte Friedhofskapelle von 1692 als Kolumbarium (Urnenhaus) umzubauen.Letzte Ruhe im Kolumbarium, auf shz.de am 16. November 2014, abgerufen am 2. April 2017.
Goch An der Ecke Kalkarer Straße / Pfalzdorfer Straße befindet sich eine GrünflächeLage auf Landkarte, Streetview-Ansicht bei Google Maps, beide abgerufen am 10. Januar 2024., ein Ehemaliger evangelischer, mennonitischer sowie jüdischer Friedhof (Nr. 104 der Baudenkmäler in Goch). Auf Basis eines Erbpachtvertrages wurde er zwischen Stadt einerseits und der evangelischen und der Mennonitengemeinde andererseits an der Kuhstraße / Calcarerstraße 1822 eingeweiht. Er befindet sich in direkter Nachbarschaft zum seinerzeit neu geplanten jüdischen Friedhof.Ehemaliger evangelischer, mennonitischer sowie jüdischer Friedhof, abgerufen am 10. Januar 2024.
Hamberge bei Lübeck mini|Vermauertes Nordportal der Hamberger Kirche
Als die Lübecker Mennoniten noch kein Begräbnisrecht innerhalb der Stadtgrenzen besaßen, mussten sie ihre Toten gegen eine entsprechende Zahlung auf der Südseite des außerhalb der Hansestadt befindlichen Friedhofes in dem zum Domkapitel des Lübecker Doms gehörenden Dorf Hamberge begrabenWerner Neugebauer: Schönes Holstein, Lübeck 1967, S. 97.. Dabei wurde der Sarg von Nord nach Süd durch die Kirche getragen, woran heute noch die beiden korrespondierenden und inzwischen zugemauerten Seitenportale der Dorfkirche Hamberge erinnern. Überreste des früheren Begräbsnisortes der Lübecker Mennonitengemeinde im südlichen Teil des Kirchhofes nahe der Trave sind nicht mehr vorhanden. Auch etwaige Hinweistafeln oder ähnliches gibt es nicht.
Hamburg-Altona in Altona-Altstadt mini|Altona 1880: Der damalige mennonitische Friedhof („Kirchhof“) und die damalige Mennonitenkirche sind markiert Der erste mennonitische Friedhof in Altona war 1678 angelegt worden (zuvor waren Mennoniten aus Altona auf dem Friedhof der Reformierten beigesetzt worden, die aus Hamburg auf dem Friedhof der St.-Nikolai-Kirche). Er befand sich an der heutigen Ecke Paul-Roosen-Str. / Lammstraße. Er wurde von Mennoniten aus Altona wie aus Hamburg (damals zwei Städte in zwei verschiedenen Staaten) genutzt. Ab 1873 wurden keine Neubelegungen mehr gestattet. Der Zustand des Friedhofs verschlechterte sich im Laufe der Jahrzehnte so sehr, dass er von der Mennonitengemeinde 1936 schließlich aufgegeben und verkauft wurde.Diese Angaben des Abschnitts „Vorgänger-Friedhof“ sind entnommen aus: Norbert Fischer, Susanne Woelk, „Gewidmet den Toten ...“ Der Mennonitenfriedhof in Hamburg-Altona: Zeugnis von konfessioneller Tradition und gesellschaftlichem Selbstverständnis, in: Mennonitische Geschichtsblätter, 52. Jg. (1995), S. 122–134, hier: 126f.130, mit weiteren Nachweisen. - Eine etwas ausführlichere Darstellung findet sich unter Mennonitenfriedhof Hamburg-Altona#Vorgänger-Friedhof.
Hamburg-Altona in Bahrenfeld Der Friedhof befindet sich im Ortsteil Bahrenfeld in Hamburg-Altona. Diese Begräbnisstätte ist heute der kleinste Friedhof der Hansestadt. Die Aufsicht über den Friedhof führt der Gemeinderat der Mennonitengemeinde zu Hamburg und Altona.
1873 eingeweiht, kam ein Jahr später noch eine Kapelle hinzu. Vom Vorgänger-Friedhof an der Großen Roosenstraße konnten eine Reihe von Grabplatten hierher überführt werden. Ein Teil des Friedhofes steht heute unter Denkmalschutz. – Beigesetzt werden Mennoniten, aber auch Gemeindefremde.In der taz vom 21. März 2020 erschien ein Bericht über den Friedhof, online: https://taz.de/Es-ist-familiaer-und-die-Leute-fuehlen-sich-wohl/!5671970/, abgelesen am 21. Dezember 2020.
Hanfeld bei Starnberg In Hanfeld, einem Stadtteil von Starnberg, ist in der Zeit von 1807 bis 1887 ein Mennoniten-Kirchhof bezeugt. Er wurde aufgelassen, nachdem die letzten Mitglieder der Glaubensgemeinschaft weggezogen waren.Stadtarchiv Starnberg. Hanfeld, Grundsteuerkataster 1865: Das Westermaiergut, Mennoniten Kirchhof 0.06 TGW.
Katzweiler-Kühbörncheshof
Kerzenheim mini|Rosenthalerhof (Kerzenheim) Am Rande des Ortsteils Rosenthal gibt es einen kleinen Friedhof, der auf Landkarten teilweise als „Alter Friedhof“Z.B. online bei https://www.google.de/maps/place/Alter+Friedhof+Rosenthal/@49.5607052,8.0108652,16.14z/data=!4m13!1m7!3m6!1s0x47963d3bff6322ef:0xdf07cd6b5d04674a!2sRosenthal,+67304+Kerzenheim!3b1!8m2!3d49.562417!4d8.0172046!3m4!1s0x47963dec825cd169:0xf8bf8d5d459eeb43!8m2!3d49.5595265!4d8.014226, abgerufen am 24. Juni 2020., teilweise als „Mennonitenfriedhof“Z.B. online bei https://www.openstreetmap.org/node/9407892033#map=18/49.55961/8.01423, abgerufen am 19. Februar 2022. bezeichnet wird. Er wurde im 19. Jahrhundert von den in Rosenthal ansässigen Mennoniten angelegt. Nachdem er später verwilderte, ist er 1996 renoviert worden.Ortsgemeinde Kerzenheim (Hg.), Rosenwanderweg. Rund um das historische Rosenthal, Blattrandweg 3.
Lettweiler-Neudorferhof Ummauerter mennonitischer Friedhof am Rande einer Mennonitensiedlung.
Leutesdorf Von 1949 bis 1972 war im Leutesdorfer Schloss Marienburg ein mennonitisches Altenheim eingerichtet, dessen aus Ost- und Westpreußen stammende Bewohner ab 1954Vgl. Gemeindechronologie der Mennonitengemeinde Neuwied, abgelesen am 3. April 2018. auf einem eigenen Friedhof direkt am Rheinhttps://www.openstreetmap.org/search?query=leutesdorf%20mennonitischer%20friedhof#map=18/50.46187/7.36608, abgerufen am 19. Februar 2022. bestattet wurden.
Die Grabplatten sind schlicht und in den Boden eingelassen. Eine Belegung findet seit 1997 nicht mehr statt.
Es befinden sich dort noch 170 Grabstellen. Der Friedhof gehört heute Menndia e. V. Nach Ablauf der Ruhefristen soll der Friedhof ab Juli 2022 aufgelöst werden; die weitere Nutzung des Grundstücks ist noch nicht geklärt (Stand Januar 2022).Menndia, Mennonitischer Friedhof Leutesdorf steht vor Auflösung, in: Die Brücke. Täuferisch-mennonitische Gemeindezeitschrift Nr. 1 / 2022, S. 29. Im Juli 2023 wurde das Grundstück an die Ortsgemeinde Leutesdorf übertragen.
Limburgerhof-Kohlhof Der mennonitische Friedhof bildet eine Denkmalzone. Er wurde 1840 angelegt und um 1940 erweitert; als Grabmäler dienen schräggestellte Tafeln., Liste der Kulturdenkmäler in Limburgerhof
Markt Indersdorf-Eichstock Eichstock war nach Maxweiler die zweite geschlossen mennonitische Siedlung in Bayern. Der Friedhof wurde 1841 parallel zur Errichtung des Bethauses angelegt. Das Gelände für beides war 1838 von den Brüdern Johann und David Ruth gestiftet worden.Vgl. Hans Schertl: Art. Bethaus in EICHSTOCK, in: ders., Kirchen und Kapellen im Dachauer Land, beide abgerufen am 9. April 2021. Dort ist die Rede davon, dass der Friedhof bereits seit 1838 belegt worden sei.Vgl. Luftbildaufnahme bei Google Maps, abgerufen am 9. April 2021.
Hier wurde 1943 der Täuferforscher Christian Hege in der Grabstätte seines Vaters beigesetzt. 2003 ehrte ihn der Mennonitische Geschichtsverein mit einer Gedenktafel, die an dieser Stelle angebracht wurde.
Markt Indersdorf-Wagenried Von 1823 bis 1841 wurde ein Begräbnisplatz errichtet und genutzt, der dann durch einen neuen beim mennonitischen Bethaus in Eichstock abgelöst wurde.Vgl. Hans Schertl: Art. Bethaus in EICHSTOCK, in: ders., Kirchen und Kapellen im Dachauer Land, beide abgerufen am 9. April 2021.
Monsheim-Kriegsheim