Das Deutsche Architekturmuseum (DAM) ist ein Architekturzentrum am Museumsufer in Frankfurt am Main. Als eines von mehreren Museen in Deutschland, die sich ausschließlich dem Thema Architektur widmen (-> Architekturmuseum der Technischen Universität München in der Pinakothek der Moderne, Karlsruher Südwestdeutschen Architekturarchiv, Architekturmuseum der Technischen Universität Berlin), steht es in der Tradition der akademischen Vorbildsammlungen des 19. Jahrhunderts. Gebäude Von 1979 bis 1984 wurde für das DAM eine 1912 erbaute neoklassizistische Doppelhaus-Villa im Stadtteil Sachsenhausen-Nord grundlegend umgebaut, umgestaltet und umgenutzt: Im Innern wurde nach der Entkernung eine weiße Stahlbeton-Konstruktion eingestellt, ein Haus-im-Haus. Auf dem einstigen Gartengelände entstand als Anbau eine eingeschossige Ausstellungshalle, zum Main hin wurde eine Eingangszone vor das Haus gestellt, die erheblich den historischen Eindruck der Villa verändert. 1984 wurde die Neuanlage eingeweiht: „Dieser Bau ist nicht nur ein Haus für die Architektur, sondern auch eines über die Architektur“, so der Architekt Oswald Mathias Ungers, der auch das Pergamonmuseum umbauen sollte. Bereits kurz nach seiner Eröffnung wurde das DAM unter Denkmalschutz gestellt und bei den neueren Umbauten entsprechend sorgfältig bearbeitet.
Ab Ende September 2021 war das Haus für Sanierung und Umbau geschlossen; Ausstellungen und Veranstaltungen fanden im Interimsquartier DAM Ostend statt. FAZ-Redakteur Matthias Alexander schrieb hierzu 2022: „Der Architekturideologe Oswald Mathias Ungers hat eine wilhelminische Prachtvilla am Mainufer Anfang der Achtzigerjahre entkernt, um ihr ein Haus im Haus zu implantieren. Die Folgen seiner gewalttätigen Idee baden Museumsmacher und Besucher bis heute aus: Die engen Räume sind für Ausstellungen ungeeignet, kein Weg ist intuitiv zu finden, und im Auditorium versperren Stützen den Blick aufs Podium.“Matthias Alexander: Jetzt reißt doch nicht dauernd alles ab! faz.net vom 17. Oktober 2022 / FAZ Nach Abschluss der Bauarbeiten öffnete das DAM Anfang Juni 2025 wieder an seinem alten Standort.
Geschichte mini|DAM-Auditorium (O.M. Ungers Juni 2008) Das DAM ist Teil des Frankfurter Museumsufers entlang des Sachsenhauser Mainufers, das noch zu Zeiten der finanzstarken Bankenstadttradition unter Kulturdezernent Hilmar Hoffmann geplant und verwirklicht wurde; für die Konzeption war der Kunst- und Architekturhistoriker Heinrich Klotz aus Marburg verantwortlich, der auch erster Direktor des Museums wurde.
In den 1990er-Jahren begann ein Rückgang der Besucherzahlen: Drastische Mittel-Kürzungen und die Diskussion über eine Schließung beziehungsweise Verlegung nach Berlin schienen zeitweise das Ende des DAM zu bedeuten.
2001 wurde das DAM renoviert und neu eröffnet; nicht nur das Gebäude wurde generalüberholt, man setzte sich auch neue Aufgaben und Ziele: Es sollten auch Ausstellungen zeitgenössischer Architekten präsentiert werden, die Informationen und Inszenierungen für Fachleute und Laien gleich verständlich sein, der Erlebnis- und Unterhaltungscharakter verstärkt und das Haus zu einem Treffpunkt für Industrie, Wirtschaft und Architekten werden.
Unter der Leitung von Ingeborg Flagge konnte das Museum seine Besuchs-Frequenz mehr als verdreifachen; seit 1. April 2006 hat Peter Cachola Schmal die Leitung des Museums inne.
Konzept Heute definiert sich das DAM nicht nur als Museum, sondern auch als Ausstellungshalle; es lebt nicht nur von einer Dauersammlung, sondern von immer neuen Ausstellungen: „Als Museum muss es seine bisherige Tradition des Sammelns und Ankaufens auch in Zukunft fortführen, aber die klassischen Formen und überlieferten Inhalte müssen in einer zeitgemäßen Art präsentiert werden, sodass sie für heutige und zukünftige Generationen Bedeutung erhalten.“ sagt die Museumsleitung. Das DAM will seine Ausstellungen attraktiver und sinnlicher als bisher inszenieren; nicht nur das architektonische Endergebnis wird ausgestellt, sondern der Weg dorthin.
Die wichtigste Aufgabe für das DAM ist die Bewältigung des Spagats zwischen Architektur als ästhetische Baukunst für wenige und Architektur als Thema für Viele. Die ästhetische Dominanz klassischer Kultureliten hat heute vielleicht noch nicht völlig ausgedient, ist aber nicht mehr der einzige kulturelle Maßstab. Die heutige Kunst- und Kulturvermittlung muss auch unter dem Aspekt des Erlebnis- und Unterhaltungswertes gesehen werden.
Das DAM ist ein Frankfurter Museum, das seit seiner Gründung bis heute internationale Architekturausstellungen gemacht hat; dennoch leisten weder der Bund noch das Land Hessen finanzielle Zuschüsse. Die Stadt Frankfurt finanziert die Häuser (Museum und Archiv), das Personal und die Betriebskosten und einen Etat, der etwa ein Drittel der Kosten ausmacht. Alle Ausstellungen, Publikationen und Veranstaltungen aber müssen über Sponsoren mitfinanziert werden.
Direktion 1979–1990: Heinrich Klotz 1990–1995: Vittorio Magnago Lampugnani 1995–2000: Wilfried Wang 2000–2005: Ingeborg Flagge seit 2006: Peter Cachola Schmal, Stellvertreterin seit 2017: Andrea Jürges
Ausstellungen (Auswahl) Das Deutsche Architekturmuseum zeigt jährlich mehrere Ausstellungen (Auswahl): 2009/2010: Fernsehtürme. 8.559 Meter Politik und Architektur. 2012: Das Architekturmodell – Werkzeug, Fetisch, kleine Utopie, 2013: Nove Novos – Neun Neue. Emerging Architects from Brazil. 2013: Bollinger + Grohmann. Hinter den Kulissen.Die Hintermänner in Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 16. Juni 2013, Seite R5. 2014/2015: Himmelstürmend. Hochhausstadt Frankfurt. Katalog.Sind alle Träume für immer zerstoben? in FAZ vom 13. November 2014, Seite 14. 2014/2015: Suomi SevenErben einer menschlichen Moderne in FAZ vom 26. September 2014, Seite 42. 2015: Design für die sowjetische Raumfahrt – Die Architektin Galina BalaschowaRaumfahrt-Design im DAM Frankfurt – Schöner Wohnen im All, Rezension im Deutschlandradio Kultur vom 26. Juni 2015. 2015: Coop Himmelb(l)au: Frankfurt Lyon Dalian.Träumend, feurig und brutal in FAZ vom 5. Mai 2015, Seite 24. 2015: Tropicality Revisited. Neue Ansätze indonesischer Architekten. 2016: Between the sun and the moon – Studio Mumbai. Die Wiederentdeckung des indischen Handwerks (eine Ausstellung des arc en rêve centre d’architecture Bordeaux) 2016: Zukunft von gestern: Visionäre Entwürfe von Future Systems und Archigram 2017: Making Heimat. Germany Arrival Country (Beitrag des Deutschen Pavillon auf der 15. Internationalen Architekturausstellung 2016 – La Biennale di Venezia). 2017/18: Frau Architekt – Seit mehr als 100 Jahren: Frauen im Architektenberuf.Genossinnen machten eher Karriere in FAZ vom 16. Oktober 2017, Seite 9. 2017/18: SOS Brutalismus. Rettet die Betonmonster! 2018: Große Oper – viel Theater? Bühnenbauten im europäischen Vergleich 2019: Bengal Stream. Die vibrierende Architekturszene von Bangladesch 2019/20: Paulskirche – Ein Denkmal unter Druck 2021: Einfach grün. Greening the city, Kuratoren: Hilde Strobl und Rudi Scheuermann. 2022: zu Gast im Freilichtmuseum Hessenpark in Neu Anspach: Schön hier. Architektur auf dem Land Mai/Juli 2023: Europäischer Architekturfotografie-Preis architekturbild 2023 2025 (14. Juni – 5. Oktober) Architecture and Energy – Bauen in Zeiten des Klimawandels
Weitere Veranstaltungen Lampionfeste im Rahmen der Veranstaltungsreihe 100 Jahre Neues Frankfurt der Stadt Frankfurt, eine Serie von jeweils zwei Veranstaltungen pro Jahr von 2025 bis 2030, die an das erste Lampionfest in den May-Siedlungen des Neuen Frankfurt am 4. Juli 1931 erinnern. 2025 (2. Juli): 1. Lampionfest zum Auftakt der Reihe auf dem Paulsplatz 2025 (13. September): 2. Lampionfest in der Hellerhofsiedlung 2026 (5. September): 3. Lampionfest in der Siedlung Bornheimer Hang rund um die Heilig-Kreuz-Kirche
Preise Folgende Preise werden vom DAM oder unter Mitwirkung vom DAM vergeben: DAM Preis Internationaler Hochhaus Preis DAM Architectural Book Award Europäischer Architekturfotografie Preis Bauwelt Preis European union prize for contemporary architecture – Mies van der Rohe Award (DAM ist Mitglied des Lenkungs- und Beratungskomitees) European Prize for Urban Public Space Häuser des Jahres Architecture + Technology Award, auch Europäischer Preis für Architektur und Technik: Initiiert von der Messe Frankfurt und dem DAM. Wurde nur 2003 und 2006 vergeben.
Deutsches Architektur Jahrbuch Seit 1980 ist das DAM Herausgeber des jährlich erscheinenden Deutsches Architektur Jahrbuch, in dem eine wechselnde Jury eine Auswahl herausragender Werke der Architektur des Vorjahres vorstellt. Seit 2007 wird in diesem Kontext zudem der DAM Preis für Architektur verliehen. Parallel zu dem Jahrbuch zeigt das Architekturmuseum eine Ausstellung, in der die ausgewählten Gebäude vorgestellt werden.
Weblinks
dam-online.de
Einzelnachweise
Architektur Kategorie:Frankfurt-Sachsenhausen Kategorie:Architekturmuseum (Deutschland) Kategorie:Oswald Mathias Ungers Kategorie:Museumsgründung 1984