mini|Roland Daniels
Roland Daniels (* 19. Juni 1819Geburtsurkunde 7/1819 Gemeindearchiv Elsdorf. in Angelsdorf bei Köln; † 29. August 1855 in Angelsdorf) war deutscher Arzt und Mitglied des Bundes der Kommunisten.
Leben Roland Daniels, Sohn des preußischen Landgerichtsrats Adam Joseph Daniels († 1820) und seiner Frau Maria Christina Frentz († 1842), besuchte von 1828 bis 1838 mit Heinrich Bürgers und Johann Jakob Klein in Köln das Katholische Gymnasium an Marzellen in Köln. Nach den öffentlichen Prüfungen vom 14. und 15. September 1838 erhielt er sein Abitur.Erhard Kiehnbaum, S. 166. Von 3. November 1838 bis zum Sommersemester 1842 studierte er in Bonn zuerst Philosophie und dann Medizin und wurde dort 1839 Mitglied des Corps Hansea I.Kösener Korpslisten 1910, 26, 4
Er besuchte u. a. bei Christian Friedrich Nasse die Vorlesung über Anthropologie. Die beiden nächsten Semester studierte er in Berlin Medizin und wohnte dort Marienstraße 1 c.Verzeichnis der Personals und der Studirenden. Nachdem er im Sommersemester 1842 das Fakultätsexamen abgelegt hatte, promovierte er am 24. August 1842 zum Dr. med.Er widmete seine Dissertation Heinrich Bürgers und Peter Joseph Belke. In Berlin hatte er auch Johannes Peter Müller gehört und dessen Buch „Handbuch der Physiologie des Menschen“Dritte verbesserte Auflage. 2 Bände. J. Hölscher, Coblenz 1837–1840. gelesen. Am 11. August 1843 legte er sein medizinisches Staatsexamen vor dem Ministerium für Geistliche-, Unterrichts- und Medicinalangelegenheiten ab.Johanna Blecker: Roland Daniels und die Medizin seiner Zeit. In: Mikrokosmos-. S. 241–260, hier S. 249.
Als sich Daniels 1844 in Paris aufhielt, lernte er Karl Marx und dessen Frau Jenny kennen. Wieder in Köln, wurde er von Joseph Weydemeyer aufgefordert ein Kommunistisches Korrespondenz-Komitee zu gründen. Dem gehörten nur Heinrich Bürgers und Carl d’Ester und er an. Nachdem Daniels in Koblenz im September 1847 ein zusätzliches Examen als Geburtshelfer abgelegt hatte, konnte er als Armenarzt praktizieren. Während der großen Choleraepidemie von Juli bis November 1849 war er unermüdlich für die Kranken tätig.
Roland Daniels war seit 10. Mai 1848 mit Amalie Müller (* 22. Januar 1820; † 3. Oktober 1895), der Tochter von Franz Joseph Müller (* 1786; † 1859), dem Kölner Gerichtspräsidenten, verheiratet. Aus der Ehe gingen die Söhne Franz Georg Hubert Roland (* 25. Dezember 1849; † 1875) und Roland jr. (* 25. Mai 1851; † 1900) hervor.
Im Juli 1847 widmete Marx Daniels sein Buch Misère de la philosophie. Réponse a la philosophie de la misère de M. Proudhon.Kopie der Widmung RGASI F. 1. op. 1. D. 219. Als Mitglied des Bundes der Kommunisten unterstützte er Marx 1848/49 bei der Verbreitung der Neuen Rheinische Zeitung. Daniels war auch einer „der Wahlmänner der Stadt Köln für die Wahl der Abgeordneten zur zweiten Kammer“ für den „45. Bezirk“.Neue Rheinische Zeitung. Extra-Beilage Nr. 204 vom 25. Januar 1849. Nachdem Marx aus Preußen ausgewiesen wurde, sicherte Daniels die Bibliothek von Karl Marx, indem er sie im Weinkeller seines Bruders Franz Joseph Daniels (* 1816; † 1865) versteckte. Er gehörte zu denjenigen Kölner Kommunisten, die 1849 die Reorganisation des Bundes betrieben. Als Marx die Neue Rheinische Zeitung. Politisch-ökonomische Revue 1850 herausgab, unterstützte Daniels ihn. Im September 1850 wurde Daniels Mitglied der nach Köln verlegten Zentralbehörde des Bundes der Kommunisten. Am 13. Juni 1851 wurde Daniels verhaftet und bis zum Prozessende unter unwürdigen Bedingungen inhaftiert. Er war einer der Hauptangeklagten im Kölner Kommunistenprozess, der vom 4. Oktober bis 12. November 1852 dauerte. Daniels wurde freigesprochen. Durch die Haft stark in seiner Gesundheit geschwächt, starb Daniels am 29. August 1855 in seinem Geburtsort.Sein Geburts- und Sterbehaus, ein Gutsgebäude, ist noch 1988 erhalten.
Marx hielt lebenslangen Kontakt mit der Witwe und deren Sohn. So schickte Marx an Amalie Daniels seine Fotografie von Friedrich Karl Wunder mit der Widmung: „Frau Dr. Daniels von ihrem alten Freunde Karl Marx London. 25. Jan. 1870“Original im Karl-Marx-Haus, Trier und an Roland Daniels junior schickte Marx, schon sehr krank, seine Fotografie von John Mayall mit der Widmung: „Herrn Roland Daniels mit freundschaftlichem Gruß. Karl Marx, 31. December, 1881. Ventnor (Isle of Wight)“.Original im Karl-Marx-Haus, Trier
Der Kommunistenprozess zu Köln 1852 mini|Kölner Kommunistenprozess von 1852. Links die elf Angeklagten mit ihren Verteidigern (darunter Roland Daniels), in der Mitte das Gericht mit Assisenpräsident Göbel, den Landgerichts - Kammerpräsidenten Oedenkoven und Dr. Kehrmann, den Oberprokurator Dr. von Seckendorff (stehend?), den Staatsprokurator Otto Saedt und rechts die sieben Geschworenen. Aus: Leipziger Illustrirte Zeitung Nr. 19, 1852, S. 32.
Am 10. Mai 1851 wurde der Schneider Peter Nothjung als Emmisär des Kommunistenbundes in Leipzig während der Leipziger Messe verhaftet. Durch die bei Notjung vorgefundenen Papiere wurde am 16. Juni 1851 bei Daniels eine Hausdurchsuchung gemacht und er verhaftet. Am 8. November endete die Voruntersuchung und die Ratskammer des Königlichen Landgerichts Köln klagte zehn Personen, darunter an sechster Stelle: Roland Daniels, 31 Jahre, geboren zu Angelsdorf, Dr. medicinae, in Köln wohnhaft, groß 5 Fuß, 9 Zoll, mit schwarzbraunen Haaren, hoher Stirn, braunen Augen, gewöhnlicher Nase und Mund, braunem Barte, ovalem Kinn und schlanker Statur an nach Artikel 87 und 89 des RheinischenstrafgesetzbuchesSection II. Des crimes contre la sûreté intérieure de l'état. § 1 er . Des Attentats et Complots dirigés contre l'Empereur et sa famille. Article 86. L'attentat ou le complot contre la vie ou contre la personne de l'Empereur, est crime de lèse-majesté ; ce crime est puni comme parricide, et emporte de plus la confiscation des biens. Article 89. Il y a complot dès que la résolution d'agir est concertée et arrêtée entre deux conspirateurs ou un plus grand nombre, quoiqu'il n'y ait pas eu d'attentat. und §§ 61 Nr. 2 und 63 des Strafgesetzbuches der preußischen Staaten.Karl Bittel, S. 20 f. Am 27. Juli 1852 berichtet die Kölnische Zeitung, dass der Prozess vertagt wird. Schließlich wird am 4. Oktober der Prozess eröffnet. Alle Angeklagten werden beschuldigt im Laufe der Jahre 1848, 1849, 1850 und 1851 zu Köln ein Komplott gestiftet zu haben, dessen Zweck es war, die Staatsverfassung umzustürzen und die Bürger und Einwohner gegen die königliche Gewalt und gegeneinander zur Erregung eines Bürgerkrieges zu bewaffnen.Karl Bittel, S. 48. Auf der neunten Sitzung am 14. Oktober wird Daniels verhört. Er bestreitet ebenfalls, Mitglied des Bundes gewesen zu sein. Im Jahre 1843 oder 1844 habe er sich zur Vollendung seiner Studien eine Zeitlang in Paris aufgehalten, daselbst Umgang mit Marx gepflogen (…). Dagegen habe er, als er gelegentlich von Roeser ersucht worden sein, sich bereit erklärt, denjenigen, die es wünschten, in seiner Wohnung Vorträge über Physiologie zu halten. (…) das Bruchstück der Märzansprache habe er auf Ersuchen von Roeser, der es ihm gebracht, geschrieben. Er habe in der Ansprache den Stil von Marx und dessen Darstellungsweise politischer Verhältnisse wiedererkannt.Karl Bittel, S. 81. Wilhelm Stieber berichtet u. a. über Aussagen von Hermann Wilhelm Haupt, das Daniels Bundes Mitglied gewesen sein. Am 26. Oktober, während der 17. Sitzung wird ein Brief von Jenny und Karl Marx an Amalie Daniels verlesen, er bei einer Haussuchung am 5. Februar 1852 gefunden wurde.Karl Bittel, S. 127 f. Während der 19. Sitzung vom 28. Oktober wird Daniels von seinem früheren Bonner Professor Otto Fischer als „Schutzzeuge“ entlastet, aber eine Entlastungsaussage von Amalie Daniels verhindert.Karl Bittel, S. 142 f. Daniels wird durch den Advokaten Esser I,Theodor Esser. In: Marx-Engels-Werke. Band 28, S. 782 irrtümlich verwechselt mit Johann Heinrich Theodor Esser II. Außerdem gab es in Köln noch einen Ferdinand Joseph Esser. († 5. März 1872) im Alter von 63 Jahren. Er war Geheimer Justizrat und Advokat-Anwalt am Appellationsgerichtshof in Köln, sowie Präsident der Dombauvereins-Vorstandes in Köln. der ihn und Albert Erhard vertritt, verteidigt.Karl Bittel, S. 238–244. Daniels wurde im Urteil von 12. November 1852 für nicht schuldig erklärt und freigelassen.Karl Bittel, S. 297.
Zitate
Werke De epilepsiae symptomatibus, causis et diagnosi. Berlin 1842. (Med. Diss. 24. August 1842) Vorwort. In: François Villegardelle: Vereinigung der Interessen in der Association mit Anwendung auf die Bedürfnisse des Gemeindelebens.François Villegardelle: Accord des intérêts dans l’association et besoins des communnes, avec notice sur Charles Fourier. Paris 1844. Köln 1850Abgedruckt in: Der Bund der Kommunisten. Dokumente und Materialien. 1849–1851. Band 2. Dietz Verlag, Berlin 1982, S. 675. Roland Daniels: Mikrokosmos. Entwurf einer physiologischen Anthropologie. (= Philosophie und Geschichte der Wissenschaften. Band 1). Hrsg. von Helmut Elsner. Mit Annotationen u. Beiträgen von Johanna Bleker, Helmut Elsner, Reinhard Mocek und Hans Jörg Sandkühler. Lang, Frankfurt am Main / Bern / New York / Paris 1988, ISBN 3-8204-5525-6, S. 183.
Nachlass Der Nachlass befindet sich im RGASPI, Moskau, dem IISG, Amsterdam und im Karl-Marx-Haus, Trier. Der Trierer Nachlass wurde 1971 von Frau Dr. Marianne Daniels dem Karl-Marx-Haus überlassen.
zwanzig Briefe Roland Daniels an Karl MarxMEGA Abteilung III Band 1, S. 500 und 513–515.MEGA Abt. III Band 2, S. 232; 240; 246–247; 343 und 403–404.MEGA Abt. III Band 3, S. 571; 599–600 und 693.MEGA Abt. III Band 4, S. 308–309; 320; 336–341; 345–346; 355–357; 365; 385–387 und 391–396.MEGA Abt. III Band 7, S. 427. und fünf Briefe Karl Marx an Roland DanielsMEGA Abteilung III Band 2, S. 84; 232; 240 und 246–247. drei Briefe Amalie Daniels an Karl MarxMEGA Abt. III Band 7, S. 486–490. und vier Briefe Karl Marx an Amalie DanielsMEGA Abt. III Band 7, S. 205–206 und 227.RGASPI Widmung Herr VogtFoto Karl-Marx-HausMEW Band 35, S. 261. zwei Briefe von Amalie Daniels an Jenny MarxIISG F 82. drei Briefe Roland Daniels jun. an Karl MarxIISG D 967; D 968; D 969. und zwei Briefe Karl Marx an Roland Daniels jun.Foto und Brief Karl-Marx-Haus ein Brief von Jenny und Karl Marx an Amalie DanielsMEGA Abt. III Band 4, S. 227. ein Brief von Heinrich Bürger an Roland DanielsRGASPI drei Briefe Roland Daniels und Heinrich Bürgers an Karl MarxMEGA Abt. III Band 2, S. 199–20; 212–214 und 281–283. ein Brief von Roland Daniels an Wilhelm WolffKurt Koszyk ; Karl Obermann (Hrsg.): Zeitgenossen von Marx und Engels. ausgewählte Briefe aus den Jahren 1844 bis 1852. Assen 1975, S. 374–377. (Roland Daniels unter Mitwirkung von Karl Marx und Friedrich Engels): Valentin Hansen: Aktenmäßige Darstellung wunderbarer Heilungen welche bei der Ausstellung des h. Rockes zu Trier im Jahre 1844 sich ereignet. Nach authentischen Urkunden, die von dem Verfasser theils selbst an Ort und Stelle aufgenommen, theils ihm direkt durch die H. Pfarrer, Aerzte usw. eingeschickt, großentheils aber dem Hochw. Bischofe Herrn Dr. Arnoldi eingereicht, und von diesem dem Verfasser zur Benutzung behufs der Herausgabe übergeben wurden, geordnet und zusammengetragen, auch mit medizinischen Bemerkungen begleitet. Gall, Trier 1845Marx-Engels-Gesamtausgabe. Abteilung I. Band 5. Karl Marx / Friedrich Engels: Deutsche Ideologie. Manuskripte und Drucke. Bearbeitet von Ulrich Pagel, Gerald Hubmann und Christine Weckwerth. Herausgegeben von der Internationalen Marx-Engels-Stiftung (IMES) Amsterdam. De Gruyter Akademie Forschung, Berlin / Boston 2017. ISBN 978-3-11-048577-6, S. 671–709. Mikrokosmus. Entwurf einer physiologischen AnthropologieKarl-Marx-Haus (Katalog von Karl Marx’s Bibliothek 1850)Ex libris. Karl Marx und Friedrich Engels. Schicksal und Verzeichnis einer Bibliothek. Dietz Verlag, Berlin 1967, S. 211–228.
Literatur