Vater Seidl und sein Sohn ist der Titel einer Hörspielreihe sowie zweier Fernsehserien von Kurt Wilhelm für den Bayerischen Rundfunk. Beide Fernsehserien von 1954 und 1976 wurden gemeinsam auf DVD veröffentlicht.

Inhalt Erzählt wird die Geschichte des 50-jährigen Ludwig Seidl, der als Vater alles richtig machen möchte, seinen 13-jährigen Sohn Franzl dementsprechend streng erzieht, damit aber immer wieder für Verwicklungen sorgt. Einen gewissen Gegenpol bildet die Mutter Minna, die zwischen den beiden vermittelt und oft am Ende zur Aufklärung der Situation und zu pragmatischen Lösung beiträgt. Als Ratgeber stehen Seidl sein Freund Brandstetter, bereits abgebrühter Vater von fünf Söhnen, sowie die Kellnerin Kathi zur Seite.

Hörspielreihe (1949 bis 1954) Die Hörspielreihe „Vater Seidl und sein Sohn“vgl. Eintrag bei Hörspieldatenbank; abgerufen am 17. Dezember 2023 lief von 1949 bis 1954 im Bayerischen Rundfunk. Sprecher der Hauptrollen: Vater: Michl Lang Mutter: Liesl Karlstadt Sohn Franzl: Walter Koch, Dieter Meison, Manfred Eder Brandstetter: Rudolf Vogel Kellnerin Kathi: Ilse Fitz Die Reihe umfasste folgende 6 Episoden zu je ca. 45 Minuten: 1 - Ein bayerisches Fußball-Hörspiel, 18.12.1949 (Autorin: Rita Kocureck) 2 - Die Gleichung zweiten Grades, 22.10.1950 (Autoren: Kurt Wilhelm, Otto Willi Gail, Bearbeitung: Walter Netzsch) 3 - Der verlorene Franzl, 09.03.1952 (Autor: Kurt Preiss) 4 - Fensterscheiben, 07.08.1953 (Autorin: Valentine Volkmar) 5 - Die italiänische Reise, 06.03.1954 (Autor: Kurt Wilhelm) 6 - Der Liebesbrief, 24.04.54 (Autoren: Valentine Volkmar, Kurt Wilhelm)

Fernsehserie (1954) Die Fernsehfassungvgl. Eintrag in der imdb; abgerufen am 17. Dezember 2023 wurde erstmals im Nordwestdeutschen Rundfunkverbund (NWRV) ausgestrahlt, da der BR zunächst noch über kein eigenes Fernsehprogramm verfügte. Darsteller der Hauptrollen: Vater: Michl Lang Mutter: Liesl Karlstadt Sohn Franzl: Hansl Sedlmeyer Brandstetter: Konstantin Delcroix Kellnerin Kathi: Ruth Kappelsberger Es entstanden vier Episoden mit einer Länge von je 60 Minuten: 1 - Eine häusliche Begebenheit, 02.04.1954 2 - Fußball und Pädagogik, 28.11.1954 3 - Der Liebesbrief, 02.01.1955 4 - Gleichung mit zwei Unbekannten, 07.05.1955

Fernsehserie (1976/1979) Nach 22 Jahren drehte Kurt Wilhelm zunächst eine weitere Episode mit nur 37 Minuten Spielzeit, da Carolin Reiber diese im Rahmen ihrer ARD-Reihe "Münchner Nachmittag" präsentierte, welche jeweils eine 3/4 Stunde dauerte. Aus diesem Grund wurde der Abspann dieser Episode auch nicht vollständig gezeigt und ist auch heute bei Wiederholungen sowie auf der DVD-Veröffentlichung nur unvollständig zu sehen. 3 Jahre später – im Jahr 1979 – wurden dann weitere 5 Folgen mit jeweils 60 Min. als eigenständige Serie produziert und ab dem 9. Dezember 1979 wöchentlich sonntags in der ARD ausgestrahlt. Eine Woche zuvor, am 2. Dezember 1979 (1. Advent), wurde die Episode von 1976 nochmal wiederholt. Die 6. und letzte Folge lief somit am 6. Januar 1980 (Heilige Drei Könige), wodurch sie vielen Zuschauern als Advents- oder Weihnachtsserie in Erinnerung geblieben ist.

Alle 6 Farbfolgen wurden mit folgenden Darstellern besetzt:vgl. Eintrag in der imdb; abgerufen am 17. Dezember 2023. Vater: Walter Sedlmayr Mutter: Monika Dahlberg Sohn Franzl: Stefan Sichlinger Brandstetter: Hans Clarin Kellnerin Kathi: Franzi Kinateder

Ein stets wiederkehrendes Element in dieser Fassung sind die abendlichen Treffen Seidls beim „Höck-Wirt“ mit seinem pfeiferauchenden Freund Brandstetter, der liberaler denkt und häufig Seidls überzogene Vorstellungen und Befürchtungen ein Stück weit zurechtrückt. Unterstützt wird er dabei mitunter von der Kellnerin Kathi, die die Vorfälle um Franzl mit gesundem Hausverstand zu kommentieren pflegt. Auf den Kneipenbesuch folgt dann stets eine „Traumsequenz“, in der die Vorfälle und Verwicklungen der Episode in burlesker Weise und mit moderner Tricktechnik aufbereitet wieder aufscheinen. Als bedrohliche Instanz pflegt Seidl dabei meist seinen Freund Brandstetter zu erleben, der sich über ihn lustig macht oder ihn zurechtweist.

Die sechs Episoden mit einer Länge von je 60 Minuten waren:

Gleichung zweiten Grades Erstausstrahlung 04.09.1976; Franzl soll bei einer Mathematik-Hausaufgabe die Flaschenpreise errechnen, wenn bekannt ist, dass 3 Flaschen Rotwein und 5 Flaschen Weißwein zusammen 22 Mark und 5 Flaschen Rotwein und 3 Flaschen Weißwein zusammen 26 Mark kosten. Seidl scheitert an der vermeintlich leichten Rechenaufgabe, was stark an seinem Selbstverständnis als stets überlegenem Übervater kratzt. Auch Freund Brandstetter, die Kellnerin Kathi sowie sämtliche Bürokollegen des Vaters können nicht weiterhelfen. In der Traumsequenz sieht sich Seidl nebst seinem Sohn als Schüler in der Schule beim gestrengen Mathematiklehrer Brandstetter sitzen und versagen. Am Ende findet die Mutter die Lösung durch Probieren, lässt sie dem Sohn Franzl aber diskret über Frau und Herrn Brandstetter zukommen, um ihren Mann nicht zu kränken.

Die gefährlichen Frauen Erstausstrahlung 09.12.1979; durch Zufall entdecken die Eltern Seidl im Schulranzen von Franzl einen Liebesbrief von einer Frauke Vogel (Simone Brahmann), der älteren Schwester seines Schulfreundes Heiko (Guido Boehmelt), in dem sie ihn vermeintlich zu einem Rendezvous im Beatclub "zu Coke und heißen Scheiben" einlädt. Seidl ist von den frühreifen erotischen Beziehungen seines Sohnes alles andere begeistert, wittert Gefahr und sittliche Verderbnis. Mutter Minna dagegen ist davon überzeugt, dass ihr Franzl noch sehr kindlich sei und allenfalls Skistar Rosi Mittermaier anschwärme, von der er ein Poster im Zimmer hängen habe. Nur mit Mühe kann sie ihren Gatten davon abhalten, sofort Fraukes Eltern anzurufen und zur Rede zu stellen. Stattdessen geht Seidl zum Höck-Wirt, wo er bei Brandstetter und der Kellnerin Kathi wenig Verständnis, dafür aber Hohn und Spott erntet. Seidl erklärt, dass er zwar in Franzls Alter ebenfalls in ein älteres Mädchen namens Felicitas verliebt gewesen sei, das sei aber schon deswegen etwas ganz Anderes gewesen, als diese nicht einmal etwas von seiner Existenz geahnt habe. In der anschließenden Traumsequenz führt ihn seine Gattin Minna unter Glockengeläut in den Beatclub, wo Franzl heiraten soll. Entgegen erstem Anschein ist die Braut nicht Seidls eigene Jugendliebe Felicitas, die im historischen Kostüm auftritt und von Umstehenden für Rosi Mittermaier gehalten wird - sondern eine verruchte, berlinernde, vier Mal geschiedene Bardame namens "Marilyn Vogel". Auf Seidls Protest hin heiratet Franz schließlich alle beide und flirtet überdies auch noch die Kellnerin Kathi an, die ihm den aus Karotten bestehenden Brautstrauß gereicht hatte. Er erklärt, dadurch Don Juan und Casanova ausstechen zu wollen. Über Franzls Polygamie entsetzt, schrumpft Seidl schließlich auf Zwergengröße und versucht erfolglos, sich dem Hochzeitszug und schließlich der von Brandstetter als Pfarrer gehaltenen Trauzeremonie in den Weg zu stellen. Er bekommt dafür von seiner Frau Minna Schläge, findet sich schließlich als Wickelkind auf ihrem Arm wieder und kann nur noch hilflos der im Beatclub abgehaltenen "Orgie" zusehen. Nach Seidls Erwachen suchen die Eltern Seidl schließlich das Gespräch mit Franzl. Es stellt sich heraus, dass der vermeintliche Liebesbrief ein Fake war - und keineswegs Franzl gegolten hatte, sondern seinem Klassenkameraden Franz Reiser, dem er gemeinsam mit zwei Freunden und unter Einbeziehung der widerstrebenden Frauke Vogel einen Streich spielen wollte. Er hatte sie beim Lehrer verpetzt, worauf dieser den dreien eine Strafaufgabe aufgegeben und sie schadensersatzpflichtig gemacht hatte.

Fernweh Erstausstrahlung 16.12.1979; Mutter Seidl versucht, begeistert von einer Fernsehsendung, ihren Mann zu überzeugen, dieses Jahr statt in Rimini oder Caorle in Thailand Urlaub zu machen. Ludwig Seidl weist dies mit Verweis auf die Kosten und die Nähe Thailands zum kommunistischen Vietnam zurück. In seiner Jugend habe er Urlaub allenfalls in Kleinberghofen gemacht. Außerdem würde er wegen seiner traumatischen Kriegserfahrungen mit der Notlandung einer JU-52 niemals wieder ein Flugzeug besteigen. Beim Abendessen berichtet Franzl, dass er bei einem bundesweiten Modellflugwettbewerb ganz weit vorne liege und die Endausscheidung unmittelbar bevorstehe. Der Hauptpreis sei eine Reise nach Thailand. Vater Seidl erfährt erst auf diesem Wege von den monatelangen Modellbau-Bemühungen seines Sohnes, lässt sich das Flugzeug zeigen und ist mächtig stolz. Dies ändert sich schlagartig, als er im Schulheft von Franzl eine Sechs in Geografie samt dem Bemerken entdeckt, dass die Versetzung gefährdet sei. Er verdonnert ihn daher zu fleißigem Lernen und verbietet die Teilnahme am Wettbewerb. Mutter Seidl widerspricht ihm ungewohnt energisch vor dem Sohn und stellt klar, dass sie diese Entscheidung nicht hinnehmen werde.

Seidl geht daraufhin zum Höck-Wirt, wo Brandstetter ihm von den Vorzügen eines Wellness-Urlaubs in Thailand einschließlich Body-to-Body-Massage vorschwärmt und im Übrigen wenig Verständnis für Seidls kleinlichen Besorgnisse zeigt. Kellnerin Kathi macht Seidl sogar auf überregionale Zeitungsmeldungen über seinen Sohn aufmerksam. In der anschließenden Traumsequenz sieht sich Seidl gemeinsam mit Franzl im Nachthemd über München fliegen, während JU-52s und Modellflugzeuge die beiden umrunden, Brandstetter als Kingkong zwischen den Türmen der Frauenkirche herumturnt und Mutter Seidl als thailändische Tänzerin posiert. Plötzlich stürzt Seidl ab und landet auf einem Tempelgelände mit thailändischen Theaterpuppen, wo er von zwei Tänzerinnen umsorgt wird. Dann taucht Brandstätter als amerikanischer GI auf und nimmt Seidl als Prisoner of War gefangen, um ihn mit der Schaufel in die Stratosphäre zu katapultieren.

Nach dem Aufstehen zeigt sich Seidl versöhnlich und durchaus geneigt, das Verbot der Teilnahme am Wettbewerb nach einer Schamfrist aufzuheben - ändert aber seinen Sinn abermals, als ihn der Wettbewerbsleiter Flöhr (Ralf Wolter) anruft, um ihn mit bestimmten Auftreten und preußischem Akzent eben dazu zu bringen. Letzten Endes setzen sich die Mutter und Franzl über Seidls Verbot hinweg und nehmen am Wettbewerb teil. Entgegen aller Erwartung leistet sich Franzl einige Patzer und wird nur Fünfter. Nachdem er sich zuhause bei seinem Vater für seinen Ungehorsam entschuldigt hat, vergibt ihm dieser - und stellt in Aussicht, dass er nach erfolgreicher Absolvierung des Schuljahrs doch mit der Mutter nach Thailand fahren dürfe. Worauf ihm Franzl offenbart, dass es in der verpatzten Geografie-Arbeit ausgerechnet um Bangkok ging.

Glück und Glas Erstausstrahlung 23.12.1979; Vater Seidl verschuldet im Schneematsch kurz vor Weihnachten einen Autounfall. Der Wagen soll wegen Arbeitskräftemangels in der Werkstatt von Kfz-Meister Elsner (Toni Berger) wochenlang ausfallen und die Reparatur 3.000 Mark kosten, was Vater Seidl in tiefe Depression stürzt. Abends sieht er im Fernsehen, dass er im Lotto gewonnen hat, verfällt darüber in Euphorie und wundert sich, dass sich Sohn Franzl so gar nicht mit ihm zu freuen vermag - später stellt sich heraus, dass die Abgabe des Lottoscheins normalerweise Franzls Aufgabe ist und er dies diese Woche vergessen hatte. Vater Seidl geht stattdessen zum Wirtshaus Höck, wo sich Brandstetter und Kathi wundern, ihn keineswegs niedergeschlagen anzutreffen, sondern Seidl sich vielmehr im Gegenteil über sie lustig zu machen scheint. Nachdem er eine Lokalrunde Champagner geschmissen und mit zufällig anwesenden jungen Damen getanzt hat, weiht er Brandstetter und die mittlerweile ebenfalls eingetroffene Frau Seidl in den Gewinn ein.