mini|Grabstätte der Familie Flender auf dem Düsseldorfer Nordfriedhof (2019) Die Düsseldorfer Unternehmerfamilie Flender gehörte zur finanzkräftigen und einflussreichen Oberschicht der Stadt.Hugo Weidenhaupt (Hrsg.): Düsseldorf Geschichte von den Ursprüngen bis ins 20. Jahrhundert. Band 3: Die Industrie- und Verwaltungsstadt (20. Jahrhundert). Schwann, Düsseldorf 1989, ISBN 3-491-34223-6, S. 559. Ihre Unternehmungen wurden von dem renommierten Bankhaus Trinkaus finanziert.Hugo Weidenhaupt (Hrsg.): Düsseldorf Geschichte von den Ursprüngen bis ins 20. Jahrhundert. Band 2: Von der Residenzstadt zur Beamtenstadt (1614–1900). Schwann, Düsseldorf 1988, ISBN 3-491-34222-8, S. 543.
Der „Fabrikant“ und Fernhandelskaufmann Peter Johannes Flender (1730–1781) aus Kräwinklerbrücke war der Stammvater einer Linie dieser Familie, aus der später die Unternehmen Flender-Brückenbau, Flender-Bocholt und die Flender-Werft hervorgingen. Das bekannteste Mitglied der Familie war der Unternehmensgründer Hermann August Flender (1839–1882), Ur-Enkel von Peter Johannes Flender, Enkel von Johann Flender (1750–1817) und Sohn von Johann Friedrich Flender (1789–1857). Alfred Friedrich Flender (sen.) (1876–1939)Siehe zu diesem , ein Sohn von Hermann August Flender, verfügte vor dem Ersten Weltkrieg über ein Vermögen von zwei bis drei Millionen Mark.Hugo Weidenhaupt (Hrsg.): Düsseldorf Geschichte von den Ursprüngen bis ins 20. Jahrhundert. Band 3: Die Industrie- und Verwaltungsstadt (20. Jahrhundert). Schwann, Düsseldorf 1989, ISBN 3-491-34223-6, S. 194, S. 559.Hugo Weidenhaupt (Hrsg.): Düsseldorf Geschichte von den Ursprüngen bis ins 20. Jahrhundert. Band 2: Von der Residenzstadt zur Beamtenstadt (1614–1900). Schwann, Düsseldorf 1988, ISBN 3-491-34222-8, S. 543, S. 562. Alfred Friedrich Flender jun. (1901–1969) wurde mehrfach ausgezeichnet.
Geschichte Peter Johannes (1730–1781) Peter Johannes Flender wurde als ältester Sohn von Johannes Flender und Anna Margaretha Flender geborene Clarenbach (* 31. Januar 1727 in Kräwinklerbrücke; † 21. Oktober 1772) geboren. Peter Johannes war ein Enkel von Friedrich Flender von der Hardt (1674–1707), der von Wilhelm Hyacinth von Nassau-Siegen (1666–1743) hingerichtet wurde. Seit dem 18. Januar 1726 war er mit Anna Elisabeth geb. Heyder (* 1730; † Mai 1781 in Siegen) verheiratet. Peter Johannes, der sich um den Band- und Schlichteisen-Handel der Region besondere Verdienste erworben hatte, wohnte in Dörpe, einer in der Wuppertalsperre versunkenen Ortschaft auf dem heutigen Stadtgebiet von Radevormwald. Peter Johannes wohnte „in einem älteren bergischen Wohnhause, welches manches charakteristische Merkmal aufweist, namentlich in den schmalen Fenstern an der Wupperseite, den zweimal vorgekragten Obergeschossen, dem angebauten Kamin und der interessanten südlichen Schindelwand, mit Holzläden und Gitterfenstern“.Chronik der Familie Flender. Ludwig Voss, Düsseldorf 1900, S. 28.
Kinder von Peter Johannes Flender und Anna Elisabeth Flender geb. Heyder warenChronik der Familie Flender. Ludwig Voss, Düsseldorf 1900, S. 72.: Anna Margaretha (* 17. März 1749; † 28. September 1802), verheiratet mit Joh. Otto Achenbach Johannes (* 21. November 1750; † 29. Oktober 1817), verheiratet mit Anna Maria Achenbach Peter Johannes (* 1754) Joh. Friedrich (* 1756; † 13. Oktober 1818), verheiratet mit Anna Magdalena Pieper aus Ronsdorf Maria Katharina (* 1758; † 20. Juli 1817) Catharina Johanna (* 1759), verheiratet mit Benjamin Pieper Anna Elisabeth (* 1. November 1761; † 29. August 1809), verheiratet mit Hermann Achenbach (Bürgermeister in Siegen)
Peter Johannes Flender aus Kräwinklerbrücke, ein reicher Eisenhammerbesitzer, war Brotherr und Mäzen von Johann Heinrich Jung (auch Jung-Stilling)Chronik der Familie Flender. Ludwig Voss, Düsseldorf 1900, S. 35., der von 1763 bis 1770 im Haus von Flender als dessen HausinspektorCarl Hans Sasse: Geschichte der Augenheilkunde in kurzer Zusammenfassung mit mehreren Abbildungen und einer Geschichtstabelle (= Bücherei des Augenarztes. Heft 18). Ferdinand Enke, Stuttgart 1947, S. 40. wohnte und dort dessen Kinder unterrichtete. In Jung-Stillings Erzählungen wurde er als „Herr Spanier“ bezeichnet, weil Peter Johannes seine Waren bis nach Spanien exportierte.Chronik der Familie Flender. Ludwig Voss, Düsseldorf 1900, S. 28–34. In Jung-Stillings Buch „Theorie der Geisterkunde“ erzählt der Autor von Peter Johannes Flender.Chronik der Familie Flender. Ludwig Voss, Düsseldorf 1900, S. 33–34.
Anlässlich des Todes von Achenbachs Frau schrieb Peter Johannes Flender am 6. April 1783 in Kräwinklerbrücke einen Brief an Johann Friedrich Achenbach, in dem er sein Beileid ausdrückte:
Johann (1750–1817) Johannes Flender wurde als zweites Kind von Peter Johannes Flender am 21. November 1750 geboren. Am 6. April 1780 heiratete er Anna Maria geb. Achenbach. Am 8. Oktober 1817 erkrankte er schwer, bekam um 11 Uhr ein „starkes Frieren“, und daraufhin eine „Brustkrankheit“. Später kam ein „Gallenfieber“ hinzu. Drei Tage „phantasierte“ er. Vom 13. auf den 14. Oktober um 2 Uhr starb er. Die gemeinsamen Kinder warenChronik der Familie Flender. Ludwig Voss, Düsseldorf 1900, S. 72.: Elisabeth Friederica (* 20. Juni 1781; † 15. Dezember 1825) Katharina Margaretha Henrietta (* 24. November 1782; † 18. Februar 1867) Johannes Friedrich (* 16. Juli 1784; † 20. September 1802) Elisabetha Philippina (* 26. August 1787; † 20. September 1802) Johann Friedrich (* 14. Mai 1789; † 18. September 1857), verheiratet mit Adolfine Schleifenbaum aus Siegen Amalie Catharina Johanna (* 4. Dezember 1791; † 3. November 1868), verheiratet mit Joh. Abraham von den Steinen Peter Johannes (* 29. November 1793; † 30. November 1793), beigesetzt am 2. Dezember 1793 Johannes (* 19. Januar 1795; † 8. September 1862)Chronik der Familie Flender. Ludwig Voss, Düsseldorf 1900, S. 52–54.
Johann Friedrich (1789–1857) Johann Friedrich Flender (* 14. Mai 1789 in Kräwinklerbrücke; † 18. September 1857 in Siegen) wurde als fünftes Kind von Johannes Flender geboren. Er war seit dem 23. Mai 1833 mit Adolfine geb. Schleifenbaum (* 6. Juli 1810; † 16. September 1875) verheiratet. Wegen eines Augenleidens kam er mit seiner Frau von Kräwinklerbrücke bei Lennep nach Siegen, um sich ärztlichen Rat zu holen. Dort erkrankte er zusätzlich am Unterleib und verstarb kurze Zeit später.Chronik der Familie Flender. Ludwig Voss, Düsseldorf 1900, S. 55. Die gemeinsamen Kinder waren: Johanna (* 21. Juni 1834) Wilhelmina (* 27. November 1835; † 27. Oktober 1886) Johann Friedrich (* 17. September 1837; † 25. November 1910) Hermann August (* 24. Februar 1839; † 3. Januar 1882) Adolphine (* 9. Mai 1841; † 20. März 1915), verheiratet mit Johannes Israel aus den Niederlanden Luise (* 2. Dezember 1843; † 11. November 1888)Chronik der Familie Flender. S. 55.
Hermann August (1839–1882) Leben Hermann August Flender (* 24. Februar 1839 in Kräwinklerbrücke; † 3. Januar 1882Standesamt Düsseldorf-Mitte, 18/1882.) wurde als viertes Kind von Johann Friedrich Flender und Adolfine Flender geb. Schleifenbaum geboren. Er war in erster Ehe mit Mathilde geb. Brink (* 1. Februar 1841 in Milspe; † 30. Dezember 1867 in Düsseldorf) verheiratet. Nach deren Tod heiratete er Alina Leonore geb. Klein (* 19. August 1847 in Düsseldorf; † 4. April 1914 in Düsseldorf). Er wohnte seit dem 20. September 1864 im Haus Bahnstraße 56 in Düsseldorf. Hermann August hatte acht Kinder: Hermann August (* 26. Februar 1870) Aline (* 27. November 1871) Leonore (* 2. März 1873) Elisabeth (* 21. Oktober 1874) Alfred Friedrich Flender (* 5. März 1876 in Düsseldorf; † 27. August 1939) Irma (* 24. Oktober 1877) Walter (* 11. Januar 1880) Adolf (* 7. Juni 1881)
Firma H. Aug. Flender Hermann August Flender war 1864 aus dem Siegerland nach Düsseldorf gekommen und hatte eine Schrauben- und Nietenfabrik gegründet, die Röhrenwerke belieferte. Dazu errichtete er ein paar Jahre später ein Puddel- und Walzwerk. Er erwarb 1872 ein Gelände gegenüber dem Bahnhof in Benrath.Hugo Weidenhaupt (Hrsg.): Düsseldorf Geschichte von den Ursprüngen bis ins 20. Jahrhundert. Band 2: Von der Residenzstadt zur Beamtenstadt (1614–1900). Schwann, Düsseldorf 1988, ISBN 3-491-34222-8, S. 561. 1873 beantragte der Fabrikbesitzer Flender für ein neu zu errichtendes Werk einen Eisenbahnanschluss zum Benrather Bahnhof. Das Eisenbahnkommissariat erteilte seine Genehmigung unter der Voraussetzung, dass er das Einverständnis des Eigentümers eines Privatwegs einholte. Fünf Jahre später erhielt Flender weitere Genehmigungen für Abzweigungen von dieser Anschlussstrecke.Hugo Weidenhaupt (Hrsg.): Düsseldorf Geschichte von den Ursprüngen bis ins 20. Jahrhundert. Band 2: Von der Residenzstadt zur Beamtenstadt (1614–1900). Schwann, Düsseldorf 1988, ISBN 3-491-34222-8, S. 619. Hermann August Flender half Wilhelm de Fries dabei, das Benrather Werk anzulegen, wo de Fries Hebezeuge, Laufkräne, Waggons, später auch Portalkräne für Häfen produzierte.Hugo Weidenhaupt (Hrsg.): Düsseldorf Geschichte von den Ursprüngen bis ins 20. Jahrhundert. Band 2: Von der Residenzstadt zur Beamtenstadt (1614–1900). Schwann, Düsseldorf 1988, ISBN 3-491-34222-8, S. 562. Flender verkaufte einen Teil des erworbenen Geländes an die Unternehmen Balke & Co. sowie Capito & Klein, errichtete dann auf seinem verbliebenen Gelände eine kleine Verzinkerei, der er eine Wellblechfabrik hinzufügte. In den 1890er Jahren ging er dazu über, Eisenkonstruktionen für Fabrikgebäude herzustellen. Auf dieser Grundlage weitete er seinen Betrieb erfolgreich auf den Brückenbau aus. Aus seinem Werk stammte z. B. eine große Halle der Zeppelinwerft in Friedrichshafen, Hallenbauten für ein großes Elektrizitätswerk in Buenos Aires und eine Hubbrücke in Manila,Hugo Weidenhaupt (Hrsg.): Düsseldorf Geschichte von den Ursprüngen bis ins 20. Jahrhundert. Band 2: Von der Residenzstadt zur Beamtenstadt (1614–1900). Schwann, Düsseldorf 1988, ISBN 3-491-34222-8, S. 561. sowie die Bahnsteighallen der Bahnhöfe in Königsberg und Hamburg, aber auch Brückenbauten in Köln und Königsberg.Brückenbau Flender A.G., Benrath bei Düsseldorf. o. O., o. J. (Produktkatalog)Hugo Weidenhaupt (Hrsg.): Düsseldorf Geschichte von den Ursprüngen bis ins 20. Jahrhundert. Band 3: Die Industrie- und Verwaltungsstadt (20. Jahrhundert). Schwann, Düsseldorf 1989, ISBN 3-491-34223-6, S. 10. Auch der 1890 errichtete Hochfirstturm auf dem Hochfirst im Schwarzwald wurde von in Benrath vorgefertigt.
Die Einleitung zu einem Produktkatalog zählt die vielfältige Arbeit des Benrather Werks auf: mini|Aktie über 100 RM der Flender AG für Eisen-, Brücken- und Schiffbau vom Mai 1927
Projekte und ausgeführte Bauten der Brückenbau Flender AG in Benrath bei Düsseldorf waren: Straßenbrücke im Zuge der Samitter Allee in Königsberg, Ostpreußen preisgekrönter Entwurf für die neue Straßenbrücke über den Rhein bei Köln Bahnsteighallen des Hauptbahnhofs in Königsberg, Ostpreußen Verwaltungsgebäude für die I.G. Farbenindustrie AG in Frankfurt am Main Bahnsteighalle des Hamburger Hauptbahnhofs Freihafen-Elbbrücke in Hamburg Montagehalle im Benrather Werk zweigleisige Eisenbahnbrücke über die Weser bei Fürstenberg Hubbrücke in Manila (Philippinen) Landungsbrücke in Swakopmund (Deutsch-Südwestafrika) Generatorhaus für die Westfälische Stahlwerke AG in Bochum-Weitmar zweigleisige Eisenbahnbrücke Höxter über die Weser dreischiffige Halle mit Bühnenkonstruktion für das Eisen- und Stahlwerk Frankleben in Frankleben bei Merseburg Stahlwerk der Alti Forni e Fonderie di Piombino in Portovecchio (Italien) Luftschiffhalle für die Luftschiffbau Zeppelin GmbH in Friedrichshafen Bessemer-Stahlwerk der Ebbw. Vale Steel Iron & Coal Comp. (South Wales) Brücke über die Maas bei Buggenum (Niederlande) Brückenbauten auf Java für das niederländische Kolonialministerium zwei Brücken-Überbauten über den Indus (Indien)
1931 wurde das Unternehmen an die Hein, Lehmann & Co. AG in Düsseldorf verkauft.