Adolf Kiepert (* 7. Februar 1845 in Breslau; † Ende März 1911 in Hannover) war ein deutscher Verlagsbuchhändler und Autor.

Leben Kiepert war der Sohn eines Breslauer Predigers und Neffe des bekannten Geographen Heinrich Kiepert.Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel 36, Bd. II, Nr. 157, 10. Juli 1869, S. 2166–2167, siehe dort das Rundschreiben Adolf Kieperts vom 1. Juli und das angefügte Empfehlungsschreiben von Heinrich Korn. Seine Ausbildung als Buchhändler erhielt er bei Heinrich Korn in der Breslauer Buchhandlung Wilhelm Gottlieb Korn (1. April 1864 bis 15. November 1868) und bei Theodor Kay in der J. C. Krieger’schen Buchhandlung in Kassel (bis 15. Juni 1869).

Neiße 1869–1873 Am 1. Juli 1869 übernahm er das Sortiment der Joseph Graveur’schen Buchhandlung in Neiße, die fortan als J. Graveur’sche Buch-, Kunst- und Musikalien-Handlung Adolf Kiepert bzw. J. Graveur’sche Buchhandlung (Adolf Kiepert) firmierte, während das Verlagsgeschäft zunächst unter dem Namen Joseph Graveur’s Verlag von Graveur weitergeführt und dann im Juni 1871 an Gustav Neumann verkauft wurde.Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel 36, Bd. II, Nr. 157, 10. Juli 1869, S. 2166–2167; Verzeichnis der in der Bibliothek des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler vorhandenen Geschäftsrundschreiben, Verlag des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler, Leipzig 1897, S. 188; Gesammt-Verlags-Katalog des Deutschen Buchhandels, Adolph Russell’s Verlag, Münster / E. F. Steinacker, Leipzig, 8 (1881), Sp. 967–974, Sp. 967–968. Über die Aktivitäten Kieperts in dieser Zeit ist wenig bekannt, belegt sind unter anderem der Vertrieb von photographischen Ansichten französischer Soldaten aus einem Gefangenenlager bei Neiße,Rübezahl – Schlesische Provinzialblätter, Jahrg. 74, N.F. 9, 1870, S. 570. einer Neuauflage der Anleitung zum Kriegsspiel von Wilhelm von TschischwitzRübezahl – Schlesische Provinzialblätter, Jahrg. 74, N.F. 9, 1870, S. 518. und der Berichte der Gesellschaft für Philomathie (16, 1869).

Breslau 1874–1878 Als in Breslau die 1846 von Ludwig Ferdinand Maske übernommene Buchhandlung Adam Gosohorskys in Konkurs ging, erwarb Kiepert sie am 20. Dezember 1873 von dem Verwalter der KonkursmasseVerzeichnis der in der Bibliothek des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler vorhandenen Geschäftsrundschreiben, Verlag des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler, Leipzig 1897, S. 183. Die Angabe von Kleiber, Buchdruck... (1949), S. 53, daß „Adolf Kieperts Verlag (…) 1823 in Breslau [gegründet]“ worden sei, findet sich mit der Präzisierung „im Mai 1823“ auch bereits im GVK für „Adolf Kiepert’s Verlag“ in Freiburg (Gesammt-Verlags-Katalog des Deutschen Buchhandels, Adolph Russell’s Verlag, Münster / E. F. Steinacker, Leipzig, 4 (1881), Sp. 441/442) sowie gleichlautend für die zwischenzeitlich in Konkurs gegangene Buchhandlung Adam Gosohorskys in Breslau unter der Führung von Kieperts dortigen Nachfolgern Rott und Baumgart (Gesammt-Verlags-Katalog des Deutschen Buchhandels, Adolph Russell’s Verlag, Münster / E. F. Steinacker, Leipzig, 3 (1881), Sp. 467–468), ist aber weder für Kiepert in Freiburg noch für Gosohorsky in Breslau noch auch für Graveur in Neiße mit den jeweiligen firmengeschichtlichen Daten zu vereinbaren, wie sie sich aus der Auswertung der buchhändlerischen Zirkulare im Verzeichnis der in der Bibliothek des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler vorhandenen Geschäftsrundschreiben ergeben. und verkaufte seinerseits im Januar 1874 das Graveur’sche Sortiment in Neiße an Gustav Neumann. Unter der Verlagsbezeichnung A. Gosohorsky’s Buchhandlung (Adolf Kiepert), seit mindestens 1876 auch mit dem Zusatz „Hofbuchhändler“ zu seinem Namen,So auf dem Titelblatt von Felix Bobertag, Geschichte des Romans und der ihm verwandten Dichtungsgattungen in Deutschland, Abt. I, Band 1, 1876; auch in einer Anzeige in Friedrich Zarnckes Literarischem Centralblatt für Deutschland, Jg. 1876, Avenarius, Leipzig 1876, Sp. 1575 (18. November), unterzeichnet er als „Adolf Kiepert, Hofbuchhändler. Breslau Albrechtstraße, Nr. 3.“ Auf dem Titelblatt der 1875 erschienenen Ausgabe von Rudolf Peiper, Q Valerius Catullus. Beiträge zur Kritik seiner Gedichte, erscheint der Zusatz „Hofbuchhändler“ noch nicht. verlegte er in Breslau unter anderem Hochschulschriften – besonders hervorzuheben: die Habilitationsschrift Richard Pischels über die Grammatiken der Prakrit-Sprachen (De grammaticis prâcriticis, 1874) –, Lehrbücher für den Griechisch-, Französisch- und Biologieunterricht und Schriften zu sozialen, kirchenpolitischen und naturwissenschaftlichen Fragen.

Freiburg im Breisgau 1879–1891 Am 18. November 1878 trat Kiepert aus A. Gosohorskys Buchhandlung aus, die anschließend von Oscar Baumgart und Franz Rott weitergeführt wurde. Er verlegte in der Folgezeit sein Geschäft nach Freiburg im Breisgau, wo er sich am 15. Juni 1879Gesammt-Verlags-Katalog des Deutschen Buchhandels, Adolph Russell’s Verlag, Münster / E. F. Steinacker, Leipzig, 16, Abt. 1 (o. J. ), Sp. 5127–5128, demnach unrichtig die Jahresangabe „1880“ bei Kleiber, Buchdruck… (1949), S. 53. mit Adolf Kiepert’s Verlag als „Hofbuchhändler Sr. Hoh. des Herzogs von Gotha“, mit Auslieferung in Leipzig und Freiburg, etablierteGesammt-Verlags-Katalog des Deutschen Buchhandels, Adolph Russell’s Verlag, Münster / E. F. Steinacker, Leipzig, 4 (1881), Sp. 441–452. und am 1. Oktober 1882 auch Otto von Bolschwing als Teilhaber aufnahm.Verzeichnis der in der Bibliothek des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler vorhandenen Geschäftsrundschreiben, Verlag des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler, Leipzig 1897, S. 280; Gesammt-Verlags-Katalog des Deutschen Buchhandels, Adolph Russell’s Verlag, Münster / E. F. Steinacker, Leipzig, 16, Abt. 2 (o. J. ), Sp. 589–592, Sp. 589–590; Gesammt-Verlags-Katalog des Deutschen Buchhandels, Adolph Russell’s Verlag, Münster / E. F. Steinacker, Leipzig, 16, Abt. 1 (o. J. ), Sp. 5127–5128 nennt demgegenüber von Bolschwing bereits als Gründungsteilhaber für 1879. Das Freiburger Geschäft gehörte zu denjenigen Buchhandlungen des 19. Jahrhunderts, die sich auch als Leihbüchereien engagierten: Laut einer Anzeige im Freiburger Adreßbuch von 1883 unterhielt die „Hof-Buch, Kunst- & Musikalienhandlung Kiepert & von Bolschwing“ eine Leihbibliothek mit ca. 30.000 Bänden in deutscher, englischer und französischer Sprache und ein „Musikalien-Leihinstitut“, außerdem bot sie interessierten Lesern einen „Novitätencirkel“, einen „Journalcirkel“ und einen „Kunstcirkel“ zur Einschreibung an.Alberto Martino: Die deutsche Leihbibliothek (= Beiträge zum Buch- und Bibliothekswesen, 29). Harrassowitz, Wiesbaden 1990, S. 59f., Anm. 138. In Freiburg verlegte Kiepert auch Musikalien und belletristische Literatur, so unter anderem Werke von Oskar Benda (Im wachen Traum, 1884), Elisabeth von Berge (Pausanias, 1885), Luise Haidheim (Im tiefen Forst, 1885), Wilhelm Jensen (Der Kampf für’s Reich, 1884; Ein Skizzenbuch, 1884; In Wettolsheim, 1884; Aus den Tagen der Hanse, 1885), Luise Westkirch (Ein Familienzwist, 1885), Otto Kimmig (Lieder des Peter Sirius, 1885), Louise Otto-Peters (Die Nachtigall von Weawag, 1885), Konrad Telmann (d. i. Ernst Otto Konrad Zitelmann, Charitas, 2. Ausg. um 1880; Sphynx und andere Novellen, 1887), Pol de Mont (Aus Flandern und Brabant, übersetzt von Heinrich Flemmich, 1888), der unter dem Pseudonym E. Meruell schreibenden Dramatikerin Elise oder Elisabeth Müller (Anna von Cleve oder die Gürtelmagd der Königin, 1881; Otto der Große, 1881)Zur Identifizierung der Autorin siehe Susanne Kord: Ein Blick hinter die Kulissen: Deutschsprachige Dramatikerinnen im 18. und 19. Jahrhundert. Metzler, Stuttgart 1992, S. 409. und der unter dem Pseudonym „A. v. d. Elbe“ bekannten Erfolgsschriftstellerin Auguste von der Decken (Ein Sohn, 1889; Aref, der Hindu, 1884/1890).

Am 15. Mai 1886 schied Kiepert aus dem Freiburger Geschäft aus, das von Bolschwing unter dem bisherigen Namen Kiepert & von Bolschwing kurzzeitig weiterführte, bis Kiepert es am 31. Dezember desselben Jahres wieder in seinen alleinigen Besitz übernahm.Gesammt-Verlags-Katalog des Deutschen Buchhandels, Adolph Russell’s Verlag, Münster / E. F. Steinacker, Leipzig, 16, Abt. 2 (o. J. ), Sp. 589–590, vgl. ebenda Abt. 1 (o. J. ), Sp. 5127–5128. Am 15. Juni 1888 verkaufte er das Sortimentsgeschäft an Johannes Elchlepp, während Kiepert den Verlag weiterführte und damit am 1. Juli 1891 nach Hannover übersiedelte.Gesammt-Verlags-Katalog des Deutschen Buchhandels, Adolph Russell’s Verlag, Münster / E. F. Steinacker, Leipzig, 16, Abt. 2 (o. J. ), Sp. 589–592.

Seit seinen letzten Freiburger Jahren firmierte Kiepert auch als Autor oder Herausgeber, so zuerst für zwei im eigenen Verlag herausgegebene Sammlungen photographischer Ansichten, von denen die erste mit Photographien des Freiburger Hofphotographen Konrad Ruf der Stadt Freiburg (1889 und 1890, 2 Ausgaben) und die zweite dem südlichen Schwarzwald gewidmet waren. Ihnen folgte später in Hannover Kieperts bekannteste Sammlung dieser Art, Freiburg in Wort und Bild (1910), die noch 1981 einen Nachdruck erfuhr. In Freiburg dürfte auch Kieperts erste im Druck veröffentlichte Dichtung entstanden sein, das auf Wilhelm Hauffs Roman Lichtenstein beruhende Libretto für die gleichnamige Oper in fünf Akten von Ferdinand Schilling, die mit einer Instrumentierung von Karl Thoms am 23. oder 25. März 1892 im Freiburger Stadttheater uraufgeführtAls Datum der Aufführung wird in der Literatur üblicherweise der 25. März angegeben, so auch schon bei Hugo Riemann: Opern-Handbuch, Koch, Leipzig 1887, Supplement 2, ebenda 1893, S. 807; angekündigt wurde die Aufführung in Bartholf Senffs Signalen für die musikalische Welt (Jahrg. 59, 1892, S. 375) für den 23. März. und in nicht datierten Ausgaben der 1890er-Jahre bei Lehmann in Freiburg und bei Kahnt in Leipzig gedruckt wurde. Die Oper wurde vom Publikum laut einer zeitgenössischen Besprechung ‚enthusiastisch‘ aufgenommen,The Musical Times and Singing-Class Circular 34 (1893), S. 554 („enthusiastically received“). weitere Aufführungen sind jedoch nicht bekannt.

Hannover 1891–1911