Diamonds and Pearls ( für Diamanten und Perlen) ist das 13. Studioalbum des US-amerikanischen Musikers Prince, der alle Songs arrangierte, komponierte und produzierte. Er nahm es mit seiner damals neugegründeten Begleitband The New Power Generation auf und wurde am 27. September 1991 über Paisley Park Records in Zusammenarbeit mit Warner Bros. Records veröffentlicht.
Die Musik vereint Elemente aus Contemporary R&B, Funk, Hip-Hop, Pop und Rock. Neu in Prince’ Repertoire war insbesondere Hip-Hop- und Rap-Elemente. Die Liedtexte thematisieren häufig Selbstmotivation und Selbstvertrauen sowie Anspielungen auf den zweiten Golfkrieg. In mehreren Songs ist Bandmitglied Rosie Gaines zu hören; sie verließ die Begleitband jedoch im Sommer 1992 aufgrund von Differenzen mit Prince. Als Gastmusiker sind Clare Fischer, The Steeles und Sheila E. beteiligt, die in den Liner Notes jedoch nicht genannt wird.
Musikkritiker bewerteten das Album überwiegend zurückhaltend und kritisierten insbesondere den von Bandmitglied Tony Mosley vorgetragenen Sprechgesang. Kommerziell entwickelte sich Diamonds and Pearls nach Purple Rain zu Prince’ weltweit zweiterfolgreichstem Album. Die zugehörige Diamonds and Pearls Welttournee war ebenfalls erfolgreich und verzeichnete rund 850.000 Besucher.
Am 27. Oktober 2023 veröffentlichte The Prince Estate (Der Prince-Nachlass) eine überarbeitete Fassung des Albums mit dem Titel Diamonds and Pearls Super Deluxe Edition.
Entstehung mini|Snoop Dogg, 1993 Als Anfang der 1990er Jahre Contemporary R&B zunehmend von Hip-Hop und Rap geprägt wurde und Hardcore-Rapper wie Ice Cube, N.W.A und Public Enemy Rap als Medium zur Thematisierung sozialer Probleme etablierten, galt Prince erstmals in seiner Karriere als stilistisch überholt. Zudem erreichten zwei seiner drei vorherigen Alben – Lovesexy (1988) und Graffiti Bridge (1990) – in den USA keinen Platinstatus. Daraufhin legte er sich 1991 ein neues zu; in Anlehnung an Gangsta-Rapper nutzte er auf der Bühne häufig ein wie ein Revolver geformtes Mikrofon und kleidete sich betont maskuliner. Sein damaliger Toningenieur Michael Koppelman erklärte, Prince habe gewollt, dass andere schwarze Künstler ihn als ebenso „hart“ und „von der Straße“ wahrnähmen. Alan Leeds (* 1947), damaliger Tourmanager von Prince, hielt das neue Image hingegen für wenig überzeugend: „Er war als Gangsta ungefähr so glaubwürdig wie Snoop Dogg in einer Polkakapelle.“Hahn (2016), S. 221.Uptown (2004), S. 386–389.
Auf den zunehmenden Einfluss von Hip-Hop und Rap reagierte Prince mit der Gründung der achtköpfigen Begleitband The New Power Generation. Auf Diamonds and Pearls waren die Bandmitglieder am Songwriting beteiligt – eine Mitwirkung, die er zuvor nur äußerst selten zugelassen hatte. „Wir waren seine erste schwarze Band, und es war unsere Aufgabe, ihm das schwarze Publikum zurückzuerobern, das er verloren hatte“, sagte Rosie Gaines. Keyboarder Dr. Fink, der seit den 1980er Jahren wiederholt mit Prince zusammenarbeitete, erklärte: „Ich hatte das Gefühl, dass er die schwarze Seite der Band bevorzugte. Er kam kaum noch zu mir wie früher. Es war eher so: Mach deinen Job, ich hänge lieber mit meinen schwarzen Kumpels rum, mit meiner Gang.“Hahn (2016), S. 225.Hahn (2016), S. 220.
Ursprünglich plante Prince 1991 die Veröffentlichung einer Vier- oder Fünf-CD-Box mit bislang unveröffentlichten Songs. Warner Bros. Records befürchtete jedoch Absatzprobleme und hielt die Produktionskosten für zu hoch. Stattdessen schlug das Label eine Doppel-CD vor, bestehend aus einer Greatest-Hits-Kompilation und dem damals unveröffentlichten Black Album. Prince lehnte den Vorschlag ab und nahm stattdessen mit seiner neu gegründeten Begleitband The New Power Generation das Studioalbum Diamonds and Pearls auf.Ro (2011), S. 213.
Die 13 Albumsongs nahm Prince zwischen Juli 1990 und Mai 1991 auf. Daddy Pop, Walk Don’t Walk und das erst im Oktober 2023 posthum veröffentlichte Schoolyard entstanden am 2. Juli 1990 in den Olympic Studios in London während der Nude Tour. Money Don’t Matter 2 Night, Strollin’ und Willing and Able wurden am 4. September 1990 während des japanischen Tourabschnitts in den Warner Pioneer Studios in Tokio aufgenommen. Schlagzeuger Michael Bland sagte nach Prince’ Tod im Jahr 2016 über die Aufnahme: „Ich hatte eine Magen-Darm-Entzündung, hab mich mies gefühlt und auch mies gespielt. Bis heute wird mir flau im Magen, wenn ich diese Songs höre.“Azhar (2016), S. 63 Am 7. September folgten im Tonstudio Smile Garage Studio in Tokio die Aufnahmen von Horny Pony und einer bis heute (2026) unveröffentlichten Version von Something Funky (This House Comes). Nach Abschluss der Nude Tour entstand am 8. Oktober 1990 Insatiable im Larrabee Sound Studio in North Hollywood, während Prince in Los Angeles die Fertigstellung seines Films Graffiti Bridge vorbereitete.Begleitbuch vom Album Diamonds and Pearls Super Deluxe Edition von Prince and The New Power Generation, NPG Records, LCC, Sony Music Entertainment, Warner Records Inc., 2023, S. 53, 56, 59–62, 69.
Das Titelstück Diamonds and Pearls nahm Prince am 19. November 1990 in seinem Paisley Park Studio in Chanhassen, Minnesota, auf; am folgenden Tag entstand dort Live 4 Love auf.Begleitbuch vom Album Diamonds and Pearls Super Deluxe Edition von Prince and The New Power Generation, NPG Records, LCC, Sony Music Entertainment, Warner Records Inc., 2023, S. 53 und 60. Am 27. November 1990 legte er Warner Bros. Records eine erste Albumfassung vor, die noch den Arbeitstitel Diamonds & Pearlz trug. Die Tracklist lautete wie folgt: #TitelVeröffentlichung1Something Funky (This House Comes)bis heute (2026) unveröffentlicht2Daddy Pop (Alternative Version)2023: Diamonds and Pearls Super Deluxe Edition3Walk Don’t Walk (Alternative Version)bis heute (2026) unveröffentlicht4Diamonds and Pearls (ohne Rosie Gaines)bis heute (2026) unveröffentlicht5Schoolyard2023: Diamonds and Pearls Super Deluxe Edition6Strollin’1991: Diamonds and Pearls7Willing and Able (ohne Tony M.)bis heute (2026) unveröffentlicht8Insatiable (längere Version mit zusätzlichem Liedtext)2023: Diamonds and Pearls Super Deluxe Edition9Money Don’t Matter 2 Night (Alternative Version)bis heute (2026) unveröffentlicht10Horny Pony (Alternative Version)2023: Diamonds and Pearls Super Deluxe Edition11Live 4 Love (ohne Tony M.)2023: Diamonds and Pearls Super Deluxe Edition Im Paisley Park Studio nahm Prince weitere Songs auf: Cream (3. Dezember 1990), Thunder (26. Januar 1991), Jughead (31. Januar 1991) und Push (5. Februar 1991). Am 1. März 1991 legte er den damaligen Musikchefs von Warner Bros. Records, Mo Ostin und Lenny Waronker (* 1941), eine überarbeitete Albumfassung vor. Die Titelliste entsprach weitgehend der endgültigen Veröffentlichung; lediglich Horny Pony ersetzte noch Gett Off. Ostin und Waronker bewerteten die Rohfassung mit Rap-Einflüssen positiv: Prince habe ein seit Jahren potenziell bestverkaufbares Album produziert und spreche mit den neuen Songs eine jüngere Zielgruppe an, die mit den religiös geprägten Vorgängeralben Lovesexy und Graffiti Bridge wenig anfangen konnte. Jeff Gold (* 1956), Leiter der Kreativabteilung bei Warner Bros. Records seit 1990, erklärte: „Mo und Lenny wollten Prince unbedingt dazu bringen, ein großartiges und nicht bloß gutes Album zu schreiben. Sie hatten das Gefühl, dass seine Karriere wieder einmal einen kräftigen Schub brauchte.“ Am 10. Mai 1991 schloss Prince die Aufnahmen für Diamonds and Pearls mit dem Song Gett Off im Paisley Park Studio ab.Begleitbuch vom Album Diamonds and Pearls Super Deluxe Edition von Prince and The New Power Generation, NPG Records, LCC, Sony Music Entertainment, Warner Records Inc., 2023, S. 53–59, 387.Uptown (2004), S. 121, 387.Hahn (2016), S. 227–228.
Prince wollte Gett Off schnell veröffentlichen und produzierte eigenständig eine 9:36 Minuten lange Version mit dem Titel Gett Off (Damn Near 10 Minutes). Die Version sollte auf einer EP erscheinen, zusammen mit den Songs Cream, Horny Pony und Money Don’t Matter 2 Night. Kurz vor dem geplanten Termin zog Warner Bros. Records die EP zurück, da man annahm, Prince’ Fans verlangten höchstens ein Album pro Jahr – eine Argumentation, der Prince nicht folgen konnte. Er erinnerte sich, als Kind „alle drei Monate“ mit dem Fahrrad in einen Plattenladen gefahren zu sein, um die aktuelle James-Brown-Single zu kaufen; Brown sei nie als zu produktiv angesehen worden.Lizie (2020), S. 275.Ro (2011), S. 217.
Unbeirrt von der abgesagten EP ließ Prince eine Vinyl-Maxi-Single von Gett Off (Damn Near 10 Minutes) in einer limitierten Auflage von 1.500 Exemplaren pressen und am 7. Juni 1991, seinem 33. Geburtstag, an Radiostationen ausliefern, ohne Warner Bros. Records zu informieren. Auf Diamonds and Pearls ersetzte Prince Horny Pony durch eine gekürzte Singleversion von Gett Off, worauf Warner beschloss, den Song als Vorabsingle zu veröffentlichen und das Album zeitnah folgen zu lassen. Der Titel Horny Pony ist auf dem Albumcover jedoch weiterhin abgedruckt.
Werbekampagne Zur Veröffentlichung von Diamonds and Pearls beauftragte Prince den Musikmanager Frank DiLeo, der 1984 bis 1989 für Michael Jackson tätig war, mit der Durchführung der Werbekampagne des Albums. DiLeo ermöglichte unter anderem, dass Prince in der US-Fernsehshow von Arsenio Hall als erster Gast fünf Songs spielte und bei den MTV Video Music Awards 1991 auftrat. Marylou Badeaux, damalige Vizepräsidentin von Warner Bros. Records, zeigte sich über Prince’ Entscheidung enttäuscht: „Er glaubte nie, dass wir (Warner Bros. Records) unser Bestes taten. Er hatte immer das Gefühl, sein Erfolg sei allein seine Leistung und habe mit der Firma nichts zu tun.“Hahn (2016), S. 232–233.Ro (2011), S. 219.Hahn (2016), S. 232.
Gestaltung des Covers Ursprünglich plante Prince ein Albumcover mit einem Foto von sich mit geöffnetem Mund und herausgestreckter Zunge, das jedoch bei Warner Bros. Records auf Ablehnung stieß. Jeff Gold, damals in der Kreativabteilung von Warner, zeigte Prince die Sonderedition des Albums Days of Open Hands von Suzanne Vega mit einem Hologramm. Beeindruckt von dieser Technik ließ sich Prince mit den Models und Tänzerinnen Lori Elle (Diamond) und Robia LaMorte (Pearl) fotografieren, um ein Hologramm-Cover im gleichen Stil zu erstellen. Die fertigen Hologramme zeigten je nach Blickwinkel wechselnde Ansichten; Prince bedankte sich bei Jeff Gold: „Je mehr ich es ansehe, desto mehr liebe ich es. Danke für das coole Cover, Prince.“ In den Liner Notes bedankte er sich zudem bei Charlie Friend, einem Pseudonym von Carmen Electra.Hahn (2016), S. 230–231.Uptown (2004), S. 124.
Neben dem Hologramm-Cover wurde das Booklet auch als gedrucktes Albumcover veröffentlicht. Auf beiden Versionen ist Prince mit „Diamond“ und „Pearl“ abgebildet, wobei er durch eine Perlenkette blickt. Die Farbgestaltung unterscheidet sich: das Hologramm-Cover in goldbraunen, das gedruckte Albumcover in blau-weißen Tönen. Das Frontcover der Doppel-LP liegt nicht als Hologramm vor. Die Mitglieder von The New Power Generation sind auf der LP-Innenhülle sowie im Booklet auf Seite vier zu sehen. Die Liedtexte sind sowohl im Booklet als auch auf der Doppel-LP enthalten.Ro (2011), S. 215.Begleitheft der CD Diamonds and Pearls von Prince and The New Power Generation, Warner Bros. Records / Paisley Park Records, 1991
Musik und Liedtexte Albumsongs