Das Rolandslied, auch Rolandslied des Pfaffen Konrad oder Mittelhochdeutsches Rolandslied genannt, ist eine mittelhochdeutsche Adaption der altfranzösischen Chanson de Roland durch den Pfaffen Konrad.

Während sich in den Grundzügen der Handlung keine Abweichungen finden lassen, ist es vor allem der starke christliche Grundton, der eine Betrachtung von Konrads Version dieser Chanson de geste als eigenes Werk nahelegt.

Inhalt Die Handlung spielt vor dem Hintergrund des Konfliktes zwischen Christen und Sarazenen in Spanien, welches durch das Heer Karls des Großen besetzt wird. Im Zuge einer List bietet der Sarazenenkönig Marsilie die Hinwendung seines Volkes zum Christentum an. Der von Karl benannte Abgesandte, Rolands Stiefvater Genelun, verrät Land und Glauben und strickt mit den Heiden einen Komplott, an dessen Ende Rolands Tod und der Untergang des fränkischen Reiches stehen sollen. Gemäß dem Plan wird Karl zum Abzug nach Aachen bewegt. Roland, nun Lehensherr über Spanien, bleibt zurück. Die Gefolgsmänner Rolands sind zugleich Teil von Karls engstem Beraterkreis und sehen sich einem übermächtigen heidnischen Heer gegenüber. Es kommt zur Schlacht zwischen den beiden Parteien, in deren Folge die Christenschar aufgerieben wird, den Heiden aber schwer zusetzt. Zu spät erscheint Karl auf dem Schlachtfeld, um seine Landsleute zu retten. Roland und seiner Streitmacht bleibt der Märtyrertod.

Von einer erneuten Übermacht der Heiden und deren König Paligan in eine weitere Schlacht verstrickt, kämpfen die Franken erneut. Diesmal wird das Hauptheer des Reiches von Karl persönlich in die Schlacht geführt. Die Schlacht endet mit einem Sieg der Franken nach einem göttlichen Eingriff, der Karl zum Sieg im Zweikampf gegen Paligan und den zuvor ermüdeten Christen zu neuer Stärke verhilft. König Marsilie stirbt aufgrund seiner Trauer über das Leid der Heidenvölker. Brechmunda, die Gattin Marsilies, lässt sich taufen und bewegt den Rest der heidnischen Bevölkerung zum Übertritt zum Christentum. In Aachen verstirbt Rolands Frau Alda, als ihr die Nachricht vom Tod ihres Mannes überbracht wird. Genelun wird der Prozess gemacht, dessen Ausgang durch einen Zweikampf entschieden wird.Vgl. Rainer Zacharias: Die Blutrache im deutschen Mittelalter. In: Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur 91 (1962), Bd. 3, S. 167―201, insbes. S. 178. Geneluns Vertreter Binabel und Tierrich, der von Roland erzogen wurde, kämpfen gegeneinander. Tierrich siegt wie der biblische DavidDieter Kartoschke (Hrsg.): Das Rolandslied des Pfaffen Konrad. Durchgesehene Ausgabe. Stuttgart 1996 (Reclam Universal-Bibliothek 2745), V. 8846-8850. über den weitaus erfahreneren und stärkeren Gegner, worauf Genelun gevierteilt und seine Anhänger enthauptet werden.

Hintergründe Historische Quellen Historische Grundlage der Chanson de Roland sind ein Feldzug Karls des Großen (778) und die darauf folgende Schlacht bei Roncesvalles. Die Statthalter von Barcelona und Girona hatten den Kaiser der Franken in Paderborn aufgesucht und zu dem Feldzug gegen Abd ar-Rahman ibn Mu'awiyas Reich eingeladen. Die verabredete kampflose Übergabe der Stadt Saragossa erfolgte nicht. Auf Karls Rückzug wurde dieser von aufgebrachten Vaskonen, Vorfahren der heutigen Basken, bedrängt. Er konnte mit kleinem Geleit und knapper Not die Pyrenäen überqueren und sich in Sicherheit bringen. Das Hauptkontingent des Heers wurde beinahe vollständig vernichtet. Eine Quelle berichtet, Emir Abd ar-Rahman sei Karl entgegengezogen, doch scheint er den Franken nicht mehr auf dem Boden des Emirats angetroffen zu haben.

Es gibt nur wenige Hinweise auf die tatsächliche Existenz des Helden Roland. Als historische Person findet er Erwähnung in der von Einhard im 9. Jahrhundert verfassten Vita Karoli Magni, einer Biographie Karls des Großen. Einhard bezeichnet Roland im neunten Kapitel als „Hruodlandus Brittannici“ („Markgraf Roland von Bretagne“).Vita Karoli Magni Wie er berichtet, wird Roland im Jahre 778 neben vielen anderen auf der Rückkehr von einem erfolglosen Feldzug des fränkischen Heeres gegen das muslimische Spanien bei einem Überfall der Basken getötet.Dorothea Klein: Roland. In: Johannes Hoops (Hrsg.): Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. 25. Band. Walter de Gruyter, Berlin 2003, S. 184–197. Das genaue Datum der Niederlage am 15. August 778 überliefert die Inschrift des Grabsteins Eggihards: die XVIII Kalendas Septembrias.MGH Poet. lat. I, S. 109f. Neben dieser literarischen Quelle weisen drei Urkunden, die wahrscheinlich um 900 n. Chr. angefertigt wurden, auf die Existenz Rolands hin. Ein weiterer Nachweis findet sich in Form eines silbernen Denars aus der Zeit vor 790 n. Chr., auf dessen einer Seite „Carolus“ und dessen anderer „Rodlan“ eingeprägt ist. Diese Münze deutet darauf hin, dass Roland tatsächlich die Position des Markgrafen der Bretagne innehatte, weil mit dieser Stellung das Recht zur Münzprägung verbunden war.Dietlinde Munzel-Everling: Rolande. Die europäischen Rolanddarstellungen und Rolandfiguren. Verlag Janos Stekovics, Dößel 2005, S. 11–25.

Die Rolandsage und ihre Entwicklung Aus dem 12. Jahrhundert ist mit dem altfranzösischen Rolandslied die älteste feste, dichterisch stilisierte Form der Sage überliefert, die in mehreren Textfassungen vorliegt und wahrscheinlich auf eine nicht vorhandene Textgrundlage aus der Zeit um 1100 zurückgeht. Als Autor wird der normannische Adlige Turold angenommen. In der Chanson de Roland wurden die historischen Fakten bereits bedeutend verändert. Vor allem der christliche Glaube und der Kampf für Ansehen und Ruhm von Karls Reich – „la douce france“ werden nun als Teil der Handlungsmotivik der Figuren hervorgehoben.

Es ist nicht genau bekannt, wie und über welche Stufen sich die Rolandsage aus dem ursprünglichen historischen Kern entwickelt hat. Der erste Reflex findet sich in der Nota Emilianense, einer spätestens 1065/1075 eingetragenen lateinischen Notiz in einer Handschrift des Klosters San Millán. Hier findet sich der epische Nucleus aller später verschrifteten Versionen der Rolandsage: ein Teil des Figurenpersonals, die Sarazenen und nicht wie bei Einhard die Basken als Gegner und die Lokalisierung des Kampfes im französischen Roncevaux (span. Roncesvalles). Roland wird hier als einer der zwölf Neffen Karls des Großen bezeichnet.

Die entscheidende christliche Prägung der Figur Roland geschieht in der Historia Karoli Magni et Rotholandi. Sie entstand um 1130, wurde aber nachträglich Turpin, dem Erzbischof von Reims und Zeitgenossen Karls und Rolands, zugeschrieben, um ihr fälschlicherweise Authentizität als Chronik zuzuschreiben. Der Autor wird heute als „Pseudo-Turpin“ bezeichnet. In diesem Text wird Roland erstmals als „Märtyrer“ bezeichnet, der sein Leben für den christlichen Glauben ließ.

Um 1170 entstand dann das Rolandslied des Pfaffen Konrad, eine Übersetzung, Um- und besonders religiöse Ausdeutung des Stoffes der Chanson de Roland. Roland wird nun besonders als christlicher Ritter, als Miles christianus, gesehen und soll damit eine Vorbildfunktion erfüllen. Im Jahr 1220 erfolgte durch den Stricker eine Umarbeitung des Rolandsliedes in eine Lebensbeschreibung Karls des Großen, in der auch die Beschreibung des Todes Rolands einen noch größeren Raum einnimmt. In den nachfolgenden Jahrhunderten nahm die literarische Bedeutung Rolands ab, bzw. sein Charakter veränderte sich hin zum verliebten und eifersüchtigen Helden etwa in Orlando furioso.

Geographie in Konrads Rolandslied Geografisch werden viele reale Orte wortwörtlich oder durch Metonymien genannt, dies soll die nun folgende Tabelle aufzeigen.