Die Linie 28E der Straßenbahn Lissabon, , ist eine von sechs Linien der Straßenbahn Lissabon. Sie verbindet die unterschiedlich geprägten Teile Alfama, Baixa und Lapa der Lissaboner Innenstadt mit dem Stadtteil Prazeres. Die auf der Linie eingesetzten Altbauwagen, die für eine Adhäsionsbahn außergewöhnlich steilen Strecken – darunter mit 13,5 Prozent Steigung einer der steilsten Abschnitte weltweit –, enge Kurven und die Streckenführung durch schmale Altstadtgassen (abgerufen am 19. Juni 2011) haben dazu geführt, dass die Linie – wie die Ringlinie 12E, mit der sie sich einen Teil der Strecke teilt – besonders bei Touristen sehr beliebt ist.Angabe eines Online-Reiseführers (abgerufen am 19. Juli 2011) Die „berühmte Linie 28“Wolfgang Kaiser: Tourismus als Chance. Zur Lage der Straßenbahn in Lissabon. in: Straßenbahn-Magazin 9/08, S. 14–21 gilt inzwischen als eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der portugiesischen Hauptstadt und die Fahrt mit ihr als „Muss“ eines Besuchs.Julia Stanek: Städtetipp Lissabon : Weltschmerz mit Witz Interview mit Reiseführer-Autor Johannes Beck, spiegel.de, 14. Juli 2011, zuletzt abgerufen am 12. Oktober 2017.
Geschichte mini|links|hochkant|Tw 734 im Jahr 1977 in der Rua das Escolas Gerais, Gleisverschlingung, links der Sicherungsposten mini|links|hochkant|Die Rua das Escolas Gerais in Alfama ist einer der engsten Streckenabschnitte im Netz der Straßenbahn Lissabon
Die Linie 28 – das „E“ für „Eléctrico“ bzw. „Elétrico“ wurde wie bei allen anderen Lissabonner Straßenbahnlinien erst im Jahr 1994 Bestandteil der Linienbezeichnung – wurde im Jahr 1928 eingeführt. Sie führte vom Rossio zur Praça da Estrela und umfasste damit nur die westliche Hälfte der heutigen Strecke. Während der Abschnitt zwischen Rossio und Praça Luís de Camões neu erbaut und am 19. Februar 1928 eröffnet wurde, nutzte die Linie weiter westlich eine schon länger bestehende Strecke. (abgerufen am 10. Juli 2011) Ursprünglich verkehrte auf diesem Abschnitt zwischen Chiado und Estrela seit 1890 eine Kabelstraßenbahn, die 1914 nach Übernahme durch Carris in eine normale (radgetriebene Adhäsionsbahn) elektrische Straßenbahn umgebaut worden war.J.H. Price: The Tramways of Portugal. A Visitor's Guide. Light Railway Transport League, London, 1964, S. 33 f. Die Verlängerung von der Praça da Estrela zum Friedhof Prazeres erfolgte 1936. Als Verstärkungslinie wurde zeitweise die Linie 28B zwischen Estrela und dem Largo da Graça eingerichtet. Ab 1973 entfiel der Streckenabschnitt zwischen Rossio und Rua da Conceição, der zuvor bereits seit 1961 nur noch abends und an Sonntagen bedient wurde.J.H. Price: The Tramways of Portugal. A Visitor's Guide. Light Railway Transport League, London, 1964, S. 6 Dafür wurde der Startpunkt der Linie wesentlich weiter nach Osten zum bisherigen Endpunkt der Verstärkerlinie 28B an den Largo da Graça im gleichnamigen Stadtteil Graça verlegt. Auf diese Weise war nun ohne Umsteigen die Fahrt von der Alfama nach Lapa möglich und somit die gesamte Lissabonner Altstadt mit einer durchgehenden Straßenbahnlinie in Ost-West-Richtung zu durchfahren. Die Verstärkerlinie 28B verkehrte fortan zwischen Martim Moniz und Rua Conceição. Die Verstärkerlinie 28A verkehrte zwischen Rua Conceição und Prazeres., abgerufen am 3. Februar 2016 In ihrer Gesamtheit entsprach diese Strecke bereits der jetzigen Linie 28E, jedoch mit Umstieg in der Rua da Conceição.
Ihre heutige Ausdehnung erhielt die Linie 28 im Rahmen einer größeren Liniennetzreform im Jahr 1984. Damals wurde die Ringlinie 10/11 (Linie 10 im Gegenuhrzeigersinn, Linie 11 im Uhrzeigersinn) aufgegeben und deren Teilstück Martim Moniz–Graça, welches bereits zuvor ebenfalls von der Verstärkerlinie 28B bedient wurde, endgültig der Linie 28 zugeschlagen.Seiten zur Lissabonner Straßenbahn von Ernst Kers: Network, abgerufen am 3. Februar 2016 Die Verstärkerlinien 28A und 28B existierten fortan nicht mehr. Die Strecke der ehemaligen Linie 10/11 war bereits am 17. Juli 1906 zwischen Graça und Rua da Conceição eröffnet worden. Der Abschnitt zwischen Anjos/Avenida Almirante Reis (heutige Haltestelle Igreja Anjos) und Graça folgte 1925. Während das Liniennetz der Lissabonner Straßenbahn stark schrumpfte, wurde die Linie 28 bis 1984 immer länger.
Im Zuge der vollständigen Umstellung des Netzes auf Einrichtungsbetrieb war Mitte der 1990er-Jahre für die Verstärkerkurse der Linie 28E die Einrichtung zweier Wendeschleifen nötig. Am Largo da Graça wurde der bis dahin vorhandene und zum Wenden genutzte Gleiswechsel durch eine Schleife ersetzt, an der Praça Luís de Camões wurde zwischen den auf der Nord- und Südseite des Platzes liegenden Gleisen ein entsprechender Gleisbogen eingebaut. Somit werden seit 1996 für den planmäßigen Betrieb der Lissabonner Straßenbahn keine Zweirichtungsfahrzeuge mehr benötigt. Aktuell wird der Gleisbogen an der Praça Luís de Camões im Linienbetrieb nicht benutzt. Stattdessen fahren die von Graça kommenden Verstärkerkurse bis Estrela (Basílica) durch und benutzen die dortige Wendeschleife.
Anders als im übrigen Stadtgebiet können die teilweise nur vier Meter breiten Straßen der Alfama nicht mit Omnibussen bedient werden., abgerufen am 3. Februar 2016 Eine Umstellung auf Omnibusse steht daher, anders als bei den meisten übrigen Linien der Lissabonner Straßenbahn, spätestens seit Aufgabe aller Pläne zur Gesamteinstellung Mitte der 1970er-Jahre nicht mehr zur Diskussion.
Heutige Streckenführung mini|hochkant|links|Ein Wagen der Linie 28E vor Beginn des steilsten Abschnitts in der Calçada de São Francisco mini|hochkant|links|Ein Stadtrundfahrtwagen in der Gleisverschlingung in der Rua Vítor Cordon mini|Streckenführung der Linien 12E und 28E (Stand 2011)
Auf ihrem Linienweg passiert die Durchmesserlinie 28E zahlreiche Sehenswürdigkeiten Lissabons. Ausgangspunkt ist die Praça Martim Moniz am Fuße des Castelo de São Jorge, wo eine Wendeschleife um den gesamten Platz führt. Am Nordende der Praça biegt die Bahn rechts in die Rua da Palma ab. Dieser folgt sie in nördlicher Richtung und durch die anschließende Avenida Almirante Reis, bis es rechts in die Rua Maria Andrade geht, wo die erste, über den Largo da Graça führende Steigungsstrecke beginnt. Den anschließenden Abstieg bildet die Rua da Voz do Operário. Ab dem Largo de São Vicente beginnt die Fahrt durch die engen Gassen der Alfama, wo die Strecke abschnittsweise eingleisig ist. In der Rua do Limoeiro passiert die Bahn den bekannten Aussichtspunkt Miradouro de Santa Luzia. Anschließend geht es an der Catedral Sé Patriarcal vorbei, bevor in der Baixa der tiefste Punkt der Strecke erreicht wird. Die Baixa wird auf der Rua da Conceição in Ost-West-Richtung nördlich der Praça do Comércio durchquert.
Die zweite Streckenhälfte weist ein überwiegend ansteigendes Profil auf. Der Anstieg beginnt mit der Calçada de São Francisco, wo zugleich die Maximalsteigung von 13,5 Prozent erreicht wird.Wolfgang Kaiser: Alt, älter, Lissabon. Lissabons Straßenbahn im Jahre 1988. In: Straßenbahn-Magazin 1/09, S. 68–71 Er setzt sich fort über die Rua Vítor Cordon und die Rua dos Duques de Bragança. In der Gegenrichtung wird statt Letzterer die Rua António Maria Cardoso befahren. Die Strecke passiert anschließend die Praça Luís de Camões. Über die Rua do Loreto und die Calçada da Estrela erreicht die Bahn im Stadtteil Lapa zunächst das Parlamentsgebäude Palácio de São Bento und dann die Basílica da Estrela. Die Rua Domingos Sequeira und Rua Saraiva de Carvalho bilden den Schlussanstieg zum Friedhof Prazeres, auf dessen Vorplatz sich ebenfalls eine Wendeschleife befindet.thelisbonconnection.com
Während der westliche Streckenteil mit Ausnahme einer Gleisverschlingung in der Rua Vítor Cordon durchgehend zweigleisig ist, ist der Abschnitt durch die Alfama zwischen dem Largo da Graça und der Sé Patriarcal durch zwei kurze eingleisige Abschnitte im Bereich Calçada de São Vicente/Rua das Escolas Gerais und an der Einmündung der Linie 12E in der Rua de São Tomé sowie eine Gleisverschlingung, ebenfalls in der abschnittsweise nur vier Meter breiten Rua das Escolas Gerais, gekennzeichnet. Bereits zuvor wird in der Rua Angelina Vidal ebenfalls ein eingleisiger Streckenabschnitt passiert. Bis Ende der 1980er-Jahre wurde der Begegnungsverkehr im Bereich Calçada de São Vicente/Rua das Escolas Gerais aufgrund enger Kurven und dichter Bebauung durch Sicherungsposten geregelt. Seither erfolgt dies durch Ampeln.
Taktzeiten und Nachfrage
Die Linie 28E wird über die Gesamtstrecke an allen Wochentagen im 11-Minuten-Takt bedient. Zwischen den Wendeschleifen am Largo da Graça und an der Praça Luís de Camões verkehren Verstärkerkurse, die direkt vor dem über die Gesamtstrecke verkehrenden Wagen fahren. Noch 1983 wurde die Vorgängerlinie 10/11 alle fünf bis sechs Minuten bedient.Guido Korff: Europas größtes Straßenbahnmuseum, oder: Die Straßenbahnbetriebe in Portugal heute in: Straßenbahn-Magazin, Heft 50, November 1983, Franck’sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart, S. 298 Eine immer wieder geforderte Taktverdichtung der Linie wird durch Carris bislang abgelehnt. Gründe hierfür sind der Fahrzeugmangel und die immer wieder auftretenden Verspätungen, vor allem aufgrund der Behinderungen durch den motorisierten Individualverkehr. Inklusive Verstärkern werden maximal 15 Umläufe benötigt.
Aufgrund ihrer Bekanntheit bei Touristen ist die Linie sehr stark nachgefragt. Regelmäßig kommt es daher zu Überfüllungen, dies und die Behinderungen durch den Individualverkehr führen oft zu Pulkbildungen und längeren Bedienungslücken. Zur guten Nachfrage tragen auch die vergleichsweise günstigen Fahrpreise (Einzelfahrkarte 3,10 Euro, 24-Stunden-Tageskarte 6,40 Euro; Stand 05/2024) bei. Die Linie ist auch aus diesem Grund für preissensible Touristen attraktiver als die großteils ebenfalls über die Strecke der 28E geführten Stadtrundfahrten mit Triebwagen in historischer Farbgebung und fremdsprachigen Reiseführern.
Streckenlänge, Betriebszeiten und Fahrplan
In westlicher Richtung (Martim Moniz–Campo Ourique (Prazeres)) beträgt die Streckenlänge der Linie 28E 6,973 Kilometer. Sie wird in dieser Richtung wochentags ab 5:40 Uhr bedient, an Samstagen ab 6:15 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 6:45 Uhr. Die Reisezeit beträgt 40 Minuten.Website des Linienbetreibers, gesichtet am 23. Oktober 2011 In den späten Abendstunden verkehren sie lediglich auf dem Teilstück Graça–Estrela (Basílica), und zwar an Wochentagen ab 21:40 Uhr, an Samstagen sowie Sonn- und Feiertagen ab 21:30 Uhr. Der letzte Kurs startet wochentags um 23:10 Uhr, an Samstagen, Sonn- und Feiertagen um 22:30 Uhr.Website des Linienbetreibers, gesichtet am 23. Oktober 2011 Die Reisezeit auf der verkürzten Linie beträgt 26 Minuten.Website des Linienbetreibers, gesichtet am 23. Oktober 2011
In östlicher Richtung (Campo Ourique (Prazeres)–Martim Moniz) beträgt die Streckenlänge 7,551 Kilometer. Sie wird in dieser Richtung wochentags ab 6:20 Uhr bedient, an Samstagen ab 7:00 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 7:25 Uhr. Die Reisezeit beträgt 37 Minuten.Website des Linienbetreibers, gesichtet am 23. Oktober 2011 In den späteren Abendstunden verkehren die Kurse lediglich auf dem Teilstück Estrela (Basílica)–Graça, und zwar an allen Tagen ab 22:10 Uhr. Der letzte Kurs startet wochentags um 23:20 Uhr, an Samstagen, Sonn- und Feiertagen um 23:05 Uhr.Website des Linienbetreibers, gesichtet am 23. Oktober 2011 Die Reisezeit auf der verkürzten Linie beträgt 23 Minuten.Website des Linienbetreibers, gesichtet am 23. Oktober 2011
Die Linie 28E ist nicht nur Touristenattraktion, sondern ein Teil des öffentlichen Nahverkehrs in Lissabon. Für Einheimische, die entlang der Strecke wohnen, ist die historische Straßenbahn oft das einzige Nahverkehrsmittel. So passiert es häufiger, dass Einheimische nicht die Bahn nutzen können, da sie durch Touristen blockiert ist.
Fahrzeuge mini|Ein Remodelado als Kurzläufer der Linie 28E am Largo das Portas do Sol