Die Bahnstrecke Orsa–Bollnäs in Mittelschweden wurde ab 1898 von der Dala-Helsinglands Järnvägsaktiebolag gebaut. Heute ist der Verkehr zwischen Bollnäs und Furudal eingestellt, die andere Teilstrecke Orsa–Furudal wird von der Inlandsbanan AB für sporadische Fahrten genutzt.

Geschichte Eröffnung und Betrieb Am 11. Oktober 1895 wurde die Konzession für den Bau einer Eisenbahnstrecke zwischen Bollnäs und Orsa sowie der Nebenstrecke Göringen–Dalfors erteilt, die ein Jahr später von der Dala-Helsinglands Järnvägsaktiebolag (DHdJ) übernommen wurde. Am 4. November 1899 nahm die DHdJ den Betrieb auf und es verkehrten die ersten Züge zwischen Bollnäs und Edsbyn. Am 18. Januar 1900 wurde der provisorische Personen- und Güterverkehr zwischen Orsa und Voxna aufgenommen. Der offizielle Eröffnungstermin der Bahnstrecke und Start des durchgehenden Zugverkehrs war der 23. August 1902.

Die Baukosten betrugen 4.640.000 Kronen. Eine staatliche Beteiligung erfolgte nicht. Bereits 1913 beantragte die DHdJ aus Liquiditätsgründen die Übernahme der Strecke durch den Staat, der jedoch nicht einschritt. So ging die Gesellschaft 1915 in die Insolvenz. Für den Weiterbetrieb wurde am 20. Februar 1917 die Dala-Hälsinglands nya järnvägsaktiebolag gegründet. Am 3. Mai 1917 schlug die Eisenbahnbehörde vor, dass die Staatsbahn die Strecke mieten solle. Als Grund dafür wurde angegeben, dass es für die Staatsbahn vorteilhaft wäre, eine Verbindung zwischen der Norra stambana und der Strecke Orsa–Kristinehamn zu besitzen. Am 3. April 1917 wurde eine Einigung erzielt und ein Mietvertrag mit einer Laufzeit von zehn Jahren ab 1. Mai 1917 mit einer Miete von 130.000 Kronen jährlich abgeschlossen. Während der Mietdauer oblagen die Unterhaltungsarbeiten an Strecke und Einrichtungen dem Staat.

Am 1. Mai 1927 kaufte der schwedische Staat die Strecke zu einem Preis von 1.500.000 Kronen. Verantwortlich war nun die schwedische Eisenbahngesellschaft Statens Järnvägar (SJ), die ab dem 1. Januar 1928 den Tarif der Staatsbahnen anwandte.

Zustand ab 1970 Die schwedische Staatsbahn SJ stellte zum 1. September 1971 den Personenverkehr auf der Gesamtstrecke ein, schon am 27. Mai 1972 folgte der Güterverkehr zwischen den Stationen Edsbyn und Furudal. Anschließend verkehrten nur noch Draisinen für Touristen auf diesem Streckenabschnitt. Seit 2002 ist die Strecke Edsbyn–Furudal auf Grund der schlechten Gleislage für jeglichen Schienenverkehr gesperrt. Der Güterverkehr von Mora über Orsa bis Furudal wurde von 1991 bis 1996 von der dazu gegründeten Bahngesellschaft Dalatåg erbracht, anschließend von der 2005 in Konkurs gegangenen BK Tåg AB. 2004 endete der Holzverkehr zwischen Bollnäs und Edsbyn, so dass diese Strecke nun ohne jeglichen Verkehr ist.

Allerdings existiert die gesamte Strecke noch – bis auf einige Ausnahmen bei Voxna und Göringen, wo Straßenübergänge bereits zugeteert sind.Fotos von 2011 Der Abschnitt zwischen der Eigentumsgrenze bei Furudal nach Bollnäs ist nicht stillgelegt und in den aktuellen Unterlagen der SJ mit dem Vermerk „Underhåll har upphört“ (Unterhalt eingestellt) verzeichnet. Der Verein Dala–Hälsinglands Järnväg (DHdJ) bemüht sich um eine Wiederaufnahme des Holzverkehrs zwischen Orsa und Bollnäs. Dadurch wäre die Strecke für Sonderfahrten zum Beispiel mit dem Museumstriebwagen nutzbar. Der aktuelle Entwicklungsplan der Inlandsbanan AB sieht eine Übernahme der Gesamtstrecke vor.

Am 7. September 2013 wurde ein Fünfjahresvertrag zwischen Trafikverket und dem Verein DHdJ zur Beräumung der Bahnstrecke abgeschlossen. Nach eigenen Aussagen hat 2014 der Freischnitt zwischen Furudal und Göringen oberste Priorität.Mitteilungen des Vereins DHdJhelahälsingland.se: Nu ska banan röjas vom 6. September 2013 (schwedisch). In einer offiziellen Mitteilung vom 16. Juni 2015 gab Trafikverket bekannt, dass der Unterhalt der Bahnstrecke Bollnäs–Edybyn–Furudal zum 13. Dezember 2015 eingestellt wird. Ein möglicher Beschluss, die Bahnstrecke endgültig aufzugeben, kann entsprechend der Gesetzeslage in drei Jahren fallen.Trafikverket: Beslut om upphörande av underhåll och nedläggning av järnväg vom 16. Juni 2015. Der Verein DHdJ veröffentlicht auf seiner Homepage Fotos, auf denen die Bahnstrecke von der Eisenbahnbrücke in der Nähe von Finnshögst zu sehen ist. Darauf sind die Gleise inzwischen wieder weitgehend freigeschnitten.dhdj.se Auch schenkte die Inlandsbanan AB dem Verein die bisher in Sveg stationierte Motordraisine MD 13107, um die Freischnittarbeiten zu vereinfachen.

Der historische Y7-Triebwagen der Inlandsbahn verkehrte zwischen Orsa und Furudal zu besonderen Anlässen wie dem Musikfestival Orsayran. 2017 wurde dieser planmäßig mittwochs in der Zeit vom 5. Juli bis zum 2. August eingesetzt. Diese Fahrten wurden vom Verein Orsa Jernvägsförening organisiert.

Betriebseinstellung 2020 Im Jahr 2020 wurde mit dem Abriss des alten Kalkwerkes in Kallholsfors begonnen. Aus technischen Gründen wurde die gesamte Strecke 2020/2021 für den Verkehr gesperrt. Als letzte Zugfahrt dürften im September 2020 abgestellte Wagen vom Anschluss Tappudden bei Furudal abgeholt worden sein.Foto im Bahnhof Furudal Sämtliche Nebengleise im ehemaligen Bahnhof Kallholsfors wurden im Zuge der Baumaßnahmen entfernt.

Die Fahrten zu Orsayran nach Furudal fanden 2023 nicht statt. Die Karte der Trafikcentralområde Gävle weist die Strecke auch 2024 als „gesperrt“ aus.

Angesichts der Bedrohung durch Russland und Anforderungen der NATO an die Verkehrsstruktur wird die Inlandsbanan ab 2027 für 30 Mrd. Kronen (2,6 Mrd. Euro) ausgebaut. In diesem Zusammenhang wird auch eine Reaktivierung der Bahnstrecke Orsa–Bollnäs erwogen. Rodungsarbeiten wurden 2026 vorgenommen, der Beschluss für eine Reaktivierung aber stand noch aus.

Bahnstrecke Göringen–Dalfors Die Bahnstrecke zwischen Bollnäs und Orsa sollte die alte Industriegemeinde Dalfors mit anschließen. Das Gelände war jedoch zu ungünstig für eine direkte Verbindung. Deshalb führte die Hauptstrecke ein wenig weiter nach Nordwesten und Dalfors wurde über eine drei Kilometer langen Nebenstrecke angebunden. Diese zweigte in dem kleinen Ort Göringen ab. Am 12. November 1902 verkehrte der Eröffnungszug. 1960 wurde der Betrieb eingestellt und anschließend die Gleise abgebaut.

Bahnhof Göringen Der ursprüngliche Name des Bahnhofes war „Dalfors“, er wurde aber schon 1901 in Göringen umbenannt. Das erste Bahnhofsgebäude in Göringen war ein Ausstellungspavillon, der 1901 auf der Messe in Gävle stand. Es wurde von der Eisenbahngesellschaft gekauft und wurde in seiner neuen Funktion ein Bahnhofsgebäude mit einer Cafeteria. 1919 wurde ein richtiges Bahnhofsgebäude errichtet. Es wurde vom damaligen Chefarchitekt der SJ, Folke Zettervall, entworfen und entsprach dem SJ-Standard. Er hatte eine Reihe von Bahnhofsmodellen konzipiert, die nach Standard-Zeichnungen je nach Verkehrsaufkommen erweitert werden konnten. Göringen war ein Modell der zweiten Ausbaustufe. Gleiche Gebäude standen an der abgebauten Bahnstrecke Sveg–Hede.

Das Bahnhofsgebäude bestand aus zwei Zimmern, einem Warteraum für Fahrgäste und einem Büroraum für das Personal. Es hat Ausgänge auf beiden Seiten und einem kleinen Erker Richtung der Gleise. In den 1940er Jahren wurde der Bahnhof modernisiert. Die Mauer zwischen den Warteraum und der Expedition wurde verschoben, so dass der Wartesaal kleiner wurde. 1954 wurde das Haus an die Stromversorgung angeschlossen und 1956 eine Toilette im Warteraum eingebaut.

Auf dem alten Dalforsbangården () wurde ein Terminal für den Umschlag von Rundholz zwischen LKW und Bahn gebaut. Bis 1969 war der Bahnhof in Göringen mit Personal besetzt. Danach wurde es ein unbesetzter Bahnhof. Die Holzverladung in Göringen endete 1970 und im folgenden Jahr fuhr der letzte reguläre Personenzug zwischen Bollnäs und Orsa. Bedarfsgüterverkehr bestand für ein weiteres Jahr. Das Bahnhofsgebäude verfiel. Der Umzug des Gebäudes in ein Eisenbahnmuseum war in den 1980er Jahren angedacht, wurde aber nie durchgeführt. Stattdessen erwarb 1998 Dala–Hälsinglands Järnväg (DHdJ) sowohl das Bahnhofsgebäude und einen großen Teil des Bahnhofsgeländes. Nach einer umfangreichen Sanierung wurde das Gebäude 2001 wieder in Betrieb genommen.

Der Bahnhof zeigt heute den früheren Zustand mit Bahnsteigen an der Hauptstrecke und der Nebenbahn nach Dalfors, mit Güterschuppen und dem ehemaligen Bahnhofsgarten des Personals.

Daten April 1899 – Bollnäs–Voxna, 51 km, Betriebsaufnahme provisorischer Verkehr 4. November 1899 – allgemeiner Verkehr Dezember 1899 – Skattungbyn–Orsa, 17 km, provisorischer Verkehr 18. Januar 1900 – Voxna–Skattungbyn, 50 km, provisorischer Verkehr, wenn schneefrei 18. Oktober 1900 – Voxna–Orsa, 67 km, allgemeiner Verkehr 1. November 1902 – Göringen–Dalfors, 3 km, allgemeiner Verkehr 29. Mai 1960 – Göringen–Dalfors, 3 km, Einstellung Gesamtverkehr 1. September 1971 – Bollnäs–Orsa, 119 km, Einstellung Personenverkehr 27. Mai 1972 – Edsbyn–Furudal, 49 km, Einstellung Güterverkehr 1. Oktober 1983 – Edsbyn–Furudal, 49 km, Strecke für jeglichen Verkehr gesperrt 11. Juni 1995 – Edsbyn–Voxna, 15 km, privater Güterverkehr 19. August 1996 – Voxna–Furudal, 34 km, privater Güterverkehr Orsa–Bollnäs Herbst 2001 – Orsa–Edsbyn, 33 km, Einstellung Güterverkehr 2002 – Edsbyn–Furudal, 49 km, Einstellung Güterverkehr 13. Juni 2004 – Alfta–Edsbyn, 15 km, Einstellung Güterverkehr (formell 1. Januar 2007) 12. Juni 2005 – Bollnäs–Alfta, 22 km, Einstellung Güterverkehr (formell 1. Januar 2007)historiskt.nu

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Bahnstrecke in Dalarnas län Kategorie:Bahnstrecke in Gävleborgs län