Die Schlacht von Dupplin Moor wurde 1332 in Schottland zwischen den sogenannten „Enterbten“, einer von Edward Balliol geführten Gruppe von Engländern und exilierten Schotten, und Anhängern des schottischen Königs David II., Sohn von Robert the Bruce, ausgetragen. Es war die erste und zugleich eine der wichtigsten Schlachten des Zweiten Schottischen Unabhängigkeitskrieges.

Hintergrund Nach dem Tod von König Alexander III. 1286 war die schottische Thronfolge ungeklärt gewesen. Die schottischen Magnaten hatten schließlich den englischen König Eduard I. gebeten, unter den Thronanwärtern den rechtmäßigen neuen König auszuwählen. Der englische König hatte 1292 den Thron Edward Balliol zugesprochen, doch in der Folge beanspruchte er selbst die Oberherrschaft über Schottland. Über die Frage der Oberherrschaft kam es zum Krieg, in dem die Engländer 1296 die Schotten besiegten und Balliol als König absetzten. Als der englische König nun Schottland direkt seiner Herrschaft unterwerfen wollte, kam es zu einem jahrelangen Unabhängigkeitskrieg. 1306 erklärte sich Robert the Bruce, ein Enkel eines der anderen Thronanwärter von 1292, zum schottischen König. Der Kampf um die Unabhängigkeit dauerte aber mit Unterbrechungen noch bis 1328, ehe der englische König Eduard III. im Frieden von Edinburgh und Northampton die schottische Unabhängigkeit und Robert the Bruce als schottischen König anerkennen musste.

Durch den Frieden hatten zahlreiche englische Barone, denen die englischen Könige während des Krieges Ländereien in Schottland zugesprochen hatten, auf diese Besitzungen verzichten müssen. Dazu kamen schottische Adlige, die auf englischer Seite gekämpft und deshalb von ihren Landsleuten aus Schottland vertrieben worden waren. Diese Barone und Adligen wurden als Enterbte () bezeichnet. Nachdem der junge Eduard III. im Oktober 1330 selbst die Regierung übernommen hatte, unterstützte er die Ansprüche der Enterbten auf Rückgabe ihrer schottischen Besitzungen oder auf Entschädigungen. Als die schottische Regierung auf diese Forderungen nicht einging, begannen die Enterbten unter Führung von Henry de Beaumont mit den Vorbereitungen für eine Invasion Schottlands. Die Voraussetzungen dafür waren günstig, weil König David II., der Sohn des 1329 gestorbenen Robert the Bruce, noch ein Kind war. Die Regentschaft übten schottische Adlige aus, die den Titel Guardian of Scotland führten. Beaumont gelang es nun, Edward Balliol, den im französischen Exil lebenden Sohn des 1296 gestürzten Königs Edward Balliol, für die Pläne der Enterbten zu gewinnen. Die Enterbten würden Balliol auf den schottischen Thron helfen, während Balliol ihnen als König ihre Ländereien zurückgeben würde. Der englische König wollte keinen offenen Krieg mit Schottland riskieren, doch er duldete die Aufstellung einer Armee durch die Enterbten.

Die Landung der Enterbten in Schottland Im Sommer 1332 waren alle Vorbereitungen für die Expedition abgeschlossen. Die Größe der Truppe, die Balliol und Beaumont zusammenstellten, kann nicht genau angegeben werden, sie scheint aber nicht ganz unerheblich gewesen zu sein. In den Bridlington-Chroniken wird von 500 Gewappneten und 1000 Soldaten gesprochen; Henry Knighton gibt 300 Gewappnete und 3000 Soldaten an, während die Lanercost-Chroniken von insgesamt etwa 1500 bis 2800 Mann berichtet. Der moderne Historiker Sumption spricht von einigen Hundert Männern,vgl. Sumption: The Hundred Years War. Volume 1. Trial by Battle. 1990, S. 125. nach Ranald Nicholson war die Armee zwischen 1500 und 2000 Mann stark gewesen. Von diesen Soldaten waren etwa 500 Ritter und Men-at-arms, der Rest waren Fußsoldaten und Bogenschützen.Ranald Nicholson: Edward III and the Scots. The Formative Years of a Military Career 1327-1335. Oxford University Press, Oxford 1965, S. 81. Alle Chroniken stimmen darüber ein, dass der größte Anteil der Soldaten aus Langbogenschützen bestand. Da der englische König aber nicht wollte, dass die Invasion offen von England ausging, mussten die Enterbten eine Flotte aufstellen, um von Nordengland nach Schottland zu segeln. Mitte Juli 1332 war diese Flotte zusammengestellt. Als die Enterbten die Nachricht erhielten, dass der bisherige Guardian, der Earl of Moray, gestorben sei, brachen sie am 31. Juli mit ihrer Flotte nach Schottland auf, um das Machtvakuum nach dem Tod des Guardian auszunutzen.Ranald Nicholson: Edward III and the Scots. The Formative Years of a Military Career 1327-1335. Oxford University Press, Oxford 1965, S. 79. Am 6. August landeten sie am Nordufer des Firth of Forth, wo sie im Gefecht bei Kinghorn ein schottisches Aufgebot schlugen. Von Kinghorn aus marschierten sie nach Dunfermline Abbey, wo sie reiche Lebensmittelvorräte und ein umfangreiches Waffenlager mit zahlreichen Piken fanden.Ranald Nicholson: Edward III and the Scots. The Formative Years of a Military Career 1327-1335. Oxford University Press, Oxford 1965, S. 84. Anschließend zogen sie weiter Richtung Perth. Am 10. August lagerten sie bei Forteviot am Südufer des Earn River.

Schottische Abwehrmaßnahmen Den Schotten waren die Vorbereitungen der Enterbten für ihre Invasion nicht verborgen geblieben. Zur Abwehr der Enterbten hatten sie je eine Armee am Nordufer und eine am Südufer des Firth of Forth aufgestellt. Die nördliche Armee unter dem Kommando des neuen Guardian Domhnall, 8. Earl of Mar hatte sich bei Perth gesammelt und blockierte nun die Brücke bei Forteviot über den Earn. Die schottische Armee, die das Südufer des Firth of Forth verteidigen sollte, war unter dem Kommando des Earl of March nach Norden gezogen, als sie von der Landung der Enterbten bei Kinghorn erfahren hatte. Diese Armee war am 10. August nur noch etwa zwölf Kilometer von den Enterbten entfernt. Damit bestand für diese die Gefahr, von den beiden schottischen Armeen eingekreist zu werden. Nach den zeitgenössischen Chronisten soll allein die nördliche Armee zwischen 30.000 und 40.000 Mann stark gewesen sein. Diese Zahlen sind mit Sicherheit weit übertrieben, doch die Schotten waren den Enterbten sicherlich zahlenmäßig weit überlegen.Ranald Nicholson: Edward III and the Scots. The Formative Years of a Military Career 1327-1335. Oxford University Press, Oxford 1965, S. 86. Angesichts der schottischen Übermacht sank im Lager der Enterbten schnell die Moral. Nach dem Chronisten Thomas Grey waren viele der Enterbten so bestürzt von dieser Entwicklung, dass sie Henry Beaumont des Verrats bezichtigten. Beaumont, der der erfahrenste Soldat unter ihnen war, reagierte kühl und berechnend. Es war klar, dass die Enterbten nicht darauf warten durften, dass sich die beiden schottischen Armeen zusammenschlossen. Beaumont entschied, dass die Enterbten noch in der Nacht zum 11. August den Earn überschreiten und einen Überraschungsangriff auf die nördliche schottische Armee wagen sollten.

Ablauf der Schlacht Angriff der Enterbten auf den schottischen Tross Die Armee des Earl of Mar hatte vom höher gelegenen Nordufer des Earn offenbar bereits die zahlenmäßig geringe Stärke der Enterbten erkannt und verbrachte die Nacht feiernd in der Gewissheit, am nächsten Tag die Enterbten zu schlagen. Diese überquerten jedoch in der Nacht unter Führung von Sir Alexander Mowbray heimlich den Earn. Ein abtrünniger Schotte, möglicherweise Andrew Murray aus TullibardineRanald Nicholson: Edward III and the Scots. The Formative Years of a Military Career 1327-1335. Oxford University Press, Oxford 1965, S. 94. hatte ihnen eine weitere Furt gezeigt. Die Enterbten umgingen die schottischen Reiter und Men-at-arms, die die Brücke bewachten, erklommen das nördliche Ufer und überfielen das schottische Lager, wo sie aber nur den schlafenden Tross überraschen und in die Flucht schlagen konnten. Bei Tagesanbruch sammelten die Enterbten wieder ihre Truppen, die sich bei der Verfolgung der flüchtenden Schotten zerstreut hatten. Zunächst glaubten die Enterbten, dass sie die schottischen Fußsoldaten geschlagen hätten und dass die schottischen Reiter ebenfalls geflohen waren, doch dann berichteten Thomas Vescy und Ralph Stafford, die zur Erkundung aufgebrochen waren, vom Anmarsch eines großen schottischen Heeres.

Schlachtaufstellung Diese Armee war die nördliche schottische Armee, deren Soldaten in zwei Bataillone aufgeteilt waren. Das eine Bataillon wurde von Mar geführt, der Kommandant des zweiten Bataillons war Robert Bruce, Lord of Liddesdale, ein unehelicher Sohn des verstorbenen Königs und damit ein Halbbruder von David II. Die Armee hatte auf der Moorfläche nördlich des River Earn gelagert. Nachdem die Schotten von dem Überraschungsangriff auf ihren Tross erfahren hatten, hatten sie sich zur Schlacht gerüstet. Die Schotten marschierten unter zwölf Bannern, und zu ihren Anführern gehörten neben Mar und Bruce die Earls of Fife, Moray, Menteith und Atholl sowie Alexander Fraser, der Chamberlain of Scotland. Die schottische Armee bestand aber größtenteils aus einem ungeübten, schlecht ausgebildeten feudalen Aufgebot oder aus undisziplinierten Kriegern der nordschottischen Clans, während die Armee der Enterbten aus erfahrenen Soldaten bestand. Beaumont stellte seine Armee viertelkreisförmig in einer etwa zweihundert Meter langen Linie auf, wobei die Bogenschützen an den Flanken standen. Die Men-at-arms kämpften abgesessen im Zentrum, nur etwa vierzig deutsche Söldner waren beritten und deckten die Flanken.Ranald Nicholson: Edward III and the Scots. The Formative Years of a Military Career 1327-1335. Oxford University Press, Oxford 1965, S. 87.

Ungestümer Angriff der Schotten