Treuenbrietzen ist eine Kleinstadt im Landkreis Potsdam-Mittelmark im Südwesten des Landes Brandenburg. Sie ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft „Städte mit historischen Stadtkernen“ des Landes Brandenburg.
Geografie Treuenbrietzen (bis ins 14. Jahrhundert nur Britzen beziehungsweise Vritzen, dann erhielt die Stadt den Beinamen Treuen, da die Bürger den falschen Woldemar nicht in die Stadt ließen + vermutlich slaw. „brez-“ „Birk(en)-“ oder aber siehe unter „Geschichte“) liegt an der Nieplitz zwischen dem Fläming im Südwesten und dem Glogau-Baruther Urstromtal im Norden. In der Stadt kreuzten sich der alte Handelsweg von Berlin nach Leipzig und der möglicherweise noch bedeutendere von Magdeburg über Jüterbog nach Osten und Südosten. Es liegt 17 km südwestlich von Beelitz, 23 km westlich von Luckenwalde, 21 km nordwestlich von Jüterbog, 32 km nordöstlich von Wittenberg und 20 km östlich von Bad Belzig.
Nach der Gebietsreform 2003 in Brandenburg umfasst Treuenbrietzen ein Gebiet von 211 km². Damit zählt es zu den 100 flächenmäßig größten Gemeinden in Deutschland.
Stadtgliederung Die Stadt Treuenbrietzen gliedert sich nach ihrer HauptsatzungHauptsatzung der Stadt Treuenbrietzen. wie folgt: Stadtgebiet Treuenbrietzen mit den Gemeindeteilen Lüdendorf und Tiefenbrunnen Ortsteile:
Hinzu kommen die Wohnplätze Berliner Siedlung Schwabeck Gasthof Treuenbrietzen SüdStadt Treuenbrietzen. Serviceportal der Landesverwaltung Brandenburg, abgerufen am 5. Januar 2026.
Geschichte Von der Gründung bis zum 19. Jahrhundert mini|links|Notgeldschein 1921: „Der falsche Waldemar sucht sich der Stadt Treuenbrietzen zu bemächtigen und wird vor den Toren abgewiesen.“ mini|hochkant|Historischer Stadtkern Treuenbrietzen ist aus einer erstmals 1208 nachgewiesenen Burg der Askanier hervorgegangen, deren Vorgänger ein slawischer Burgwall war. 1290 wird es als civitas genannt, 1300 war der Marktflecken von einer Stadtmauer umgeben. Um 1301 erwarb der Rat der Stadt die Obergerichte. 1348 und 1349 blieb die Stadt in der Zeit des Auftretens des falschen Woldemars den Wittelsbachern treu. Hieraus wird auch der Name der Stadt erklärt. Der Name wird in einer Informationsbroschüre der Stadt aus der Anrede „die treuen Bürger von Britzen“ hergeleitet und soll an die Treue der Bürger zu ihrem Landesherrn erinnern.Stadt Treuenbrietzen (Hrsg.): Willkommen in der Sabinchenstadt Treuenbrietzen, 2013, S. 30 Um die beiden Kirchen St. Marien und St. Nikolai entstanden Wohnhäuser, die Ende des 13. Jahrhunderts bis Anfang des 14. Jahrhunderts durch eine Stadtmauer mit drei Toren umschlossen wurden. Aus dieser Zeit stammt auch der ovale Grundriss mit einer gleichmäßigen Rasterung der Straßen sowie dem Ost-West-Verlauf der Hauptverkehrsstraße. mini|links|Notgeldschein 1921: „Vor der Marienkirche – Luther predigt unter der Lutherlinde“ Die Reformation ist für 1537 nachgewiesen. Martin Luther kam zur Verkündung seiner Thesen in die Stadt und wurde am Zugang zur Marienkirche gehindert. Daher wählte er eine Linde vor der Kirche, die noch heute steht und als Lutherlinde bekannt wurde. Im Dreißigjährigen Krieg wurde ein Großteil der mittelalterlichen Bausubstanz zerstört. Die Bürger der Stadt bauten auf den Grundmauern der Ruinen größtenteils Dielenhäuser auf.
Einen wirtschaftlichen Aufschwung erfuhr die Stadt durch die Ansiedlung einer Garnison im 17. Jahrhundert, die 1877 nach Wittenberg verlegt wurde. Wirtschaftlich war Treuenbrietzen durch seine Brauerei, den Weinanbau, das Töpferhandwerk und die Landwirtschaft geprägt. Im 18. Jahrhundert kamen Tuchmacherei und Leineweberei hinzu, woraus 1832 mehrere Textilfabriken hervorgingen, die bis zum Ende des 19. Jahrhunderts existierten.
Der preußische König Friedrich der Große war mehrfach für jeweils kurze Zeit in Treuenbrietzen, so mindestens in den Jahren 1730, 1740 und 1744. Dabei ging es neben militärischen Zwecken auch darum, die Seidenraupenzucht zu fördern.https://www.heimatverein-treuenbrietzen.de/2012/01/09/friedrich-der-grose-und-unsere-heimat
Der heutige Gemeindeteil Pechüle wurde 1225 erstmals urkundlich als Pechule erwähnt. Der Name leitet sich von einem Personennamen oder vom nahegelegenen See ab.
Treuenbrietzen war bis 1849 Sitz des Königlichen Stadtgerichts Treuenbrietzen. Ab 1849 bestand das Kreisgericht Jüterbog. Für dieses war in Treuenbrietzen eine Zweigstelle (Gerichtsdeputation) eingerichtet. Von 1879 bis 1952 bestand das Amtsgericht Treuenbrietzen.
Seit dem 20. Jahrhundert 1902 wurde die Stadt an die Eisenbahnstrecke Belzig–Jüterbog angeschlossen, 1904 kam eine Bahnverbindung nach Beelitz hinzu. Bekannt wurde Treuenbrietzen auch als einer der ersten deutschen Orte, in denen Tuberkulosekrankenhäuser eingerichtet wurden; dies geschah 1927. Nach vielen Veränderungen, Umbauten und wechselnden Verwendungen (u. a. als Lazarett) entstand daraus das heutige Johanniter-Krankenhaus, zu dem auch eine Klinik für Pneumologie gehört.Klaus von Heimendahl (Hrsg.): Das Johanniter-Krankenhaus in Treuenbrietzen. Vom Wanderarbeitsheim zur Fachklinik. Verlag be.bra wissenschaft, Berlin 2003, ISBN 978-3-937233-01-7.
mini|Treuenbrietzener Schützen (1924) mini|hochkant|Kirche in Pechüle Während der Zeit des Nationalsozialismus gab es in Treuenbrietzen und Umgebung drei Rüstungsfabriken, in denen Häftlinge aus dem KZ Sachsenhausen und Kriegsgefangene zur Arbeit gezwungen wurden: das Werk Sebaldushof („Werk A“), die Munitionsfabrik Werk Selterhof („Werk S“) und das Werk Dr. Kroeber & Sohn. In einem zentralen Lager südlich des Selterhofs waren 1943 2443 Kriegsgefangene untergebracht. 1945 wurden kurz vor dem Einmarsch der Roten Armee 127 italienische Kriegsgefangene von der Wehrmacht ermordet. Im Ortsteil Rietz wurden drei Zwangsarbeiter von einem Wehrmachtskommando erschossen, woran seit 1975 eine Gedenktafel an einer Scheune an der Rietzer Dorfstraße erinnert.
Zum Ende des Zweiten Weltkrieges war das Gebiet um die Stadt stark umkämpft und erlangte durch die Massaker von Treuenbrietzen traurige Berühmtheit. Die Rote Armee erschoss in den letzten April- und ersten Maitagen im Wald zwischen 30 und 166 Zivilisten, vorrangig männlichen Geschlechts. In den letzten Apriltagen 1945 besetzte die Rote Armee Treuenbrietzen, musste sich nach zwölf Stunden aber wieder zurückziehen und konnte bei einer zweiten Offensive die deutsche Wehrmacht endgültig vertreiben. An den Kämpfen waren auch US-Luftstreitkräfte beteiligt; sie warfen Bomben ab. Heimatverein Treuenbrietzen (Hrsg.): ... schwere Kämpfe in und um Treuenbrietzen ... (OKW-Bericht) 1945. Das Jahr zwischen Krieg und Frieden in Treuenbrietzen und Umgebung. Elbe-Druckerei Wittenberg, (nach) 1965, S. 30, ISBN 3-9803383-4-7.
Nach 1945 waren wirtschaftlich ein Teilbetrieb des Geräte-Regler-Werkes (GRW) Teltow sowie das Fahrzeugwerk Treuenbrietzen mit der Produktion von Sattelaufliegern für W50-Zugmaschinen aus Ludwigsfelde von Bedeutung. Die Landwirtschaft war unter anderem durch spezialisierte Rinderzucht geprägt.
Treuenbrietzen ist eine von 31 Städten, die von der Arbeitsgemeinschaft „Städte mit historischen Stadtkernen“ des Landes Brandenburg präsentiert werden und deren alter Stadtkern mit Stadtmauer, Türmen und historischen Gebäuden weitgehend geschlossen erhalten ist. Von 2008 bis 2018 führte der Bürgermeister Treuenbrietzens den Vorsitz dieser landesweiten Arbeitsgemeinschaft.
Eingemeindungen mini|Kirche in Feldheim mini|Feldsteinkirche in Lobbese mini|Kirche in Lühsdorf Im Jahr 1972 wurde Lüdendorf eingemeindet.Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 1. Januar 1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Hrsg.: Statistisches Bundesamt Sieben Gemeinden kamen im Jahr 2002 hinzu.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2002 Drei weitere Gemeinden gehören seit 2003 zu Treuenbrietzen.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2003
Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung Bardenitz 31. Dezember 2002 Brachwitz 1. Juni 2002 Dietersdorf 31. Dezember 2002 Feldheim 31. Dezember 2002 Klausdorf 1. Januar 1974 Eingemeindung nach Bardenitz Lobbese 31. März 2003 Lüdendorf 1. Januar 1972 Lühsdorf 26. Oktober 2003 Marzahna 31. März 2003 Niebel 31. Dezember 2002 Niebelhorst 31. Dezember 2002 Pechüle 1. Januar 1974 Eingemeindung nach Bardenitz Pflügkuff 1. Januar 1974 Eingemeindung nach Lobbese Rietz 31. Dezember 2002 Schmögelsdorf 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Marzahna Schwabeck 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Feldheim Zeuden 1. Januar 1974 Eingemeindung nach Lobbese
Verwaltungsgeschichte Treuenbrietzen lag bis 1952 im Landkreis Zauch-Belzig, wurde 1952 durch die Verwaltungsreform in der DDR Teil des Kreises Jüterbog und gehört seit 1993 zum Landkreis Potsdam-Mittelmark.
1817: Preußen, Provinz Brandenburg, Landkreis Zauch-Belzig 1947: Land Brandenburg, Landkreis Zauch-Belzig 1952: Bezirk Potsdam, Kreis Jüterbog 1990: Brandenburg, Landkreis Jüterbog 1993: Brandenburg, Landkreis Potsdam-Mittelmark
Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1875 5 466 1890 4 909 1910 5 163 1925 5 793 1933 6 152 1939 8 373 Jahr Einwohner 1946 8 569 1950 8 418 1964 7 167 1971 7 159 1981 6 468 1985 6 393 Jahr Einwohner 1990 6 205 1995 6 304 2000 6 037 2005 8 475 2010 7 776 2015 7 379 Jahr Einwohner 2020 7 423 2021 7 485 2022 7 648 2023 7 543 2024 7 539 2025 7 490
Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991)Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Potsdam-Mittelmark. S. 26–29Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2017 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Die Zunahme der Einwohnerzahl 2005 ist auf die Eingliederung mehrerer Gemeinden in den Jahren 2002 und 2003 zurückzuführen.
Politik Stadtverordnetenversammlung Die Stadtverordnetenversammlung von Treuenbrietzen besteht aus 18 Stadtverordneten und dem hauptamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019 Sitze2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 Bürgerinteressenvereinigung Stadt und Dörfer 21,9 % 4 22,4 % 4 CDU 15,0 % 3 20,6 % 4 AfD – – 16,8 % 2 Bündnis Stadt und Dörfer – – 14,8 % 3 Bündnis 90/Die Grünen 11,1 % 2 12,3 % 2 Treuenbrietzener für Stadt und Dörfer – – 6,0 % 1 Einzelbewerber Thomas Schierwald – – 4,4 % 1 Einzelbewerber Harald Torges – – 2,0 % – Einzelbewerber Matthias Lindemann – – 0,8 % – Treuenbrietzener Bürgerverein 18,0 % 3 – – SPD 15,7 % 3 – – Die Linke 8,3 % 1 – – FDP 5,9 % 1 – – Einzelbewerberin Nicole Burger 4,1 % 1 – – Insgesamt 100 % 18 100 % 17 Wahlbeteiligung 61,6 % 66,9 %
Bei der Wahl 2024 entfielen auf die AfD drei Sitze. Da sie nur zwei Kandidaten aufgestellt hatte, bleibt ein Sitz unbesetzt.
Bürgermeister 1993–2001: Karsten Cornelius (SPD) 2002–2026: Michael Knape (Treuenbrietzener Bürgerverein; bis 2012 FDP) seit 2026: Robert-Walter Wildgrube (parteilos)
Knape war bei den Bürgermeisterwahlen 2001 und 2009 für die FDP angetreten, aus der er mit einem großen Teil des Ortsverbandes 2012 ausgetreten ist. Am 24. September 2017 wurde er mit 58,7 % der gültigen Stimmen für eine dritte Amtszeit gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 24. September 2017 Bei der Wahl 2025 trat Knape nicht mehr an.