mini|hochkant=1.5|Lageplan mini|Schloss Altenstein zwischen 1890 und 1905 Der Altensteiner Park ist ein denkmalgeschützter Landschaftspark im Stadtgebiet der thüringischen Kurstadt Bad Liebenstein im Wartburgkreis. Der Park ist mit einer Größe von etwa 160 Hektar eine der größten historischen Parkanlagen Thüringens, er geht im Norden und Westen fast unmerklich in den Schweinaer Grund und den Hochwald an den Berghängen des Schweinaer Forstbezirks Windsberg über.

Der Park ist Eigentum der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten.

Geschichte mini|Luisentaler Wasserfall Die ersten Heilquellen wurden im 16. Jahrhundert entdeckt und von Herzog Casimir von Sachsen-Coburg Anfang des 17. Jahrhunderts als Wunderquelle vermarktet. 1798 wurde der Ort Liebenstein vom Herzog Georg I. von Sachsen-Meiningen erworben und durch beträchtliche Bauaktivitäten in ein florierendes Modebad umgewandelt. Herzog Georg bemühte sich mit seiner Familie um das von seinem Großvater gemiedene Schloss Altenstein und es entstand der Plan für eine Erschließung der noch urwüchsigen Felslandschaft um das Schloss und deren Nutzung als Schlosspark.

Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgte auf Anregung von Hermann von Pückler-Muskau die Umwandlung der Anlage in einen Landschaftspark nach englischem Vorbild – eine hochwillkommene Idee, denn die einst im Park spielende Prinzessin Adelheid war inzwischen britische Königin geworden. Mit Unterstützung des in Thüringen wirkenden Eduard Petzold wurde der Park vergrößert, Sichtschneisen entstanden und man begann mit der Anpflanzung von exotischen Gehölzen. Auch Peter Joseph Lenné, bedeutendster Gartenarchitekt des 19. Jahrhunderts, der in Diensten der preußischen Hofverwaltung stand und die Parkanlagen zahlreicher Königsschlösser in Berlin und Potsdam entwarf, wurde 1855 um Anregungen für den Altensteiner Park gebeten. Am 13. August 1846 wurde zu Ehren des 54. Geburtstags der englischen Königinwitwe Adelheid von Sachsen-Meiningen (Queen Adelaide) ein großes Volksfest im Altensteiner Park veranstaltet. In den Jahren 1846–1852 wurden weitere Teile des Altensteiner Parks umgestaltet. Am 4. August 1850 organisierte der berühmte deutsche Pädagoge Friedrich Wilhelm August Fröbel ein großes Spielfest auf dem Altenstein. Ein Hohenzollernprinz heiratete 1853 auf Schloss Altenstein in aller Stille. In den Jahren 1888–1889 erfolgte der Schlossumbau für den „Theaterherzog“ Georg II. Herzog von Sachsen-Meiningen, der als der letzte große Bauherr und Förderer von Schloss und Park zu Altenstein gilt. Der Umbau erfolgte im Stil von Landhäusern der englischen Spätrenaissance des 16. Jahrhunderts mit Fassaden im Neorenaissance-Stil. In den Jahren 1890–1900 wurden Teile des Parks, vor allem im schlossnahen Bereich, umgestaltet. Auf Einladung des Herzogspaares weilte Johannes Brahms in den Jahren 1894–1895 mehrmals auf dem Altenstein.

Nach der Novemberrevolution in Deutschland hatte auch der letzte Meininger Herzog, Bernhard III., abgedankt und lebte nun als Privatier mit seiner Familie auf dem Schloss Altenstein und in Meiningen. In den späten 1930er Jahren sollen Schloss und Park an das Land Thüringen verkauft worden sein, jedoch erhielt die herzogliche Familie weiterhin das Wohnrecht. Während des Zweiten Weltkrieges kam es auch im Luftraum über Schweina zu Kämpfen und Bombennotabwürfen, einige detonierten im Parkgelände. Die herzoglichen Kunstsammlungen und die im Park aufgestellten Skulpturen wurden abtransportiert. Ein bei München in Brand geschossener Güterzug soll den größten Teil dieser Sammlung enthalten haben, er wurde ein Opfer der Flammen. Nach dem Krieg wurden Park und Schloss in Volkseigentum überführt und zu einem Zentrum des Bad Liebensteiner Kurtourismus entwickelt. Aus Anlass des 200. Jubiläum der Höhlenentdeckung fanden in Schweina und auf dem Altenstein ein Sommerfest und ein Festumzug statt.

Zugänge und Parkteile mini|Am Obeliskentor befand sich einst der bewachte hochherrschaftliche Eingang zum Schloss Altenstein Der Altensteiner Park bildet eine steil zum Schweinaer Tal abfallende Anhöhe, die mit zahlreichen Felsvorsprüngen und Baumveteranen geschmückt ist. Für Besucher des Parkgeländes stehen mehr als 20 km Wege und Erschließungsstraßen zur Verfügung. Der Park ist historisch gewachsen und schließt sich an die historischen Ortslagen der Ortschaften Schweina mit dem Schloss Glücksbrunn und Steinbach an. Eine erforderliche Erschließungs- und Durchgangsstraße teilt den Park in zwei etwa gleich große Hälften. Die Hauptzugänge für Besucher befinden sich an der Altensteiner Höhle beim Schloss Glücksbrunn im Süden, am Parkplatz Katzenkopf mit Verbindung nach Steinbach im Osten und an der Kisseler Straße in Schweina als Zugang über das Luisenthal im Westen. Gegenüber dem Hotel befinden sich weitere Parkplätze für Kurzbesucher.Parkführer der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten sowie des Fördervereins Altenstein-Glücksbrunn

Der 15 Hektar große Kernbereich des Parks umgibt das Schloss, die Hauptsehenswürdigkeiten und die angrenzenden pflegeintensiven Wiesen und Rabatten. Zum Schutz vor Schwarzwild und anderen Wildtieren wird dieses Gebiet von einem Schutzzaun umgeben. Der an die Steinbacher Gemarkung grenzende Parkteil ist heute vollkommen bewaldet, ein strahlenförmiges Wegenetz beginnt am Parkplatz Katzenkopf. Nördlich vom Hotel und der Parkverwaltung dehnt sich die Fohlenwiese aus, sie reicht bis an den Quellbach des Luisenthals und grenzt mit ihren Wiesen und kleinen Gehölzen das Parkgelände zum nördlich folgenden Forst Windsberg ab. Das Pulverholz bildet den nordwestlichen Teil des Parks, Herzogsgrab und Teufelsbrücke sind darin zu finden und der Weg zur Sennhütte. Den südwestlichen Teil nimmt der Luisenthaler Grund mit dem See und Luisenthaler Wasserfall ein.Pulverholz: „Im Louisenthal die Pulvermühln… – in sicherer Entfernung zum Ort Schweina wurde im Tal eine Pulvermühle betrieben, hier wurde Schwarzpulver für den Gebrauch in den Bergwerken (Glücksbrunner Werke) fabriziert, das Pulverholz war ein zur Mühle gehöriges Wäldchen.“

Bestandteile des Landschaftsparkes mini|Die Hauptsichtachse vom Hofmarschallamt zum Schloss mit dem Springbrunnen mini|Ein Zopfbeet mini|Zwei jugendliche Abenteurer in der Tiefe der Altensteiner Höhle (1838) mini|Blick zur Teufelsbrücke mini|Göttin Artemis mini|Ruhebank mit Hintergedanken? mini|Chinesisches Häuschen (2011) In der folgenden Übersicht konnten viele Sehenswürdigkeiten des Parks erfasst werden, die heute nur noch von Fotos und alten Reiseführern bekannt sind. (als Digitalisat bei Google Books)

Die „Ritterkapelle“ (erbaut um 1800) gilt als Beleg der Zugehörigkeit des Herzogs zum Freimaurerorden. Von der Burgruine war noch der Stumpf des alten Bergfriedes sichtbar, nur einige Meter davon entfernt ragte eine Felsnadel aus dem Hang heraus, die der Herzog zum Standort der Ritterkapelle machte. Das kleine, mit Wappen geschmückte Bauwerk zeigt auch das Freimaurer-Emblem und bildet heute nach abgeschlossener Restaurierung eine Attraktion des Parks. Zu Füßen der Ritterkapelle befand sich auch eine berühmte Linde, die in den 1950er Jahren noch existierte.

Die „Prinzessinnengärten“ – zum ursprünglichen Schlosspark gehörte zunächst nur der das Schloss umgebende Bereich mit den sogenannten Prinzessinnengärtchen – der Ort war als behüteter Spielplatz für die Kinder des Herzogs gedacht und hatte kleine Holzhütten und Beete. Heute ist der Platz nur noch als Wiese zu erkennen.

Der „Theaterplatz“ liegt nahe den Prinzessinnengärten unterhalb der Ritterkapelle unter Bäumen. Er war ein Lieblingsplatz von Herzogin Louise. Zwei dort befindliche Steine trugen einst Namenstafeln ihrer Töchter Ida und Adelheid. Daneben befinden sich zwei in den anstehenden Felsen eingetiefte Sitzplätze. Man bezeichnet diese als „Hund’sche Kanapees“. Der Ort war demzufolge der Gerichtsplatz bei Burg Altenstein aus der Zeit der Hunde von Wenkheim.

Die „Rabatten- und Zopfbeete“ bilden einen farbenprächtigen Kontrast zum Grün der Wiesen und Gehölze. Ursprünglich sollte der etwa 200 Meter betragende Raum zwischen Schloss und Wirtschaftstrakt mit Stallungen, Remisen, Küchen und Unterkünften für die Verwaltung und das Personal für die Anlage kunstvoll eingefasster Wiesenflächen, Rabatten und Blumenbeeten genutzt werden.Wassermangel und Bepflanzung: „Die Bepflanzung auf dem sonnenreichen Hanggelände musste bis zum Bau einer gusseisernen Wasserleitung auf ein Minimum beschränkt bleiben, da auf dem Altenstein selbst keine natürlichen Quellen vorhanden sind.“ Um das Jahr 2000 wurde wieder mit der historischen Bepflanzung des Rundbeetes sowie mit der Neuanlage der Zopfbeete an den Schlossterrassen begonnen.

Die „Terrassen am Schloss“ gliedern die südöstliche Hangpartie in drei Ebenen und beziehen geschickt bauliche Reste der Vorgängerburg und erforderliche Stützmauern und Pfeiler in die Gartenarchitektur ein. Sehenswert sind auch die Laubengänge und ein in den Fels eingefügter „Gedenkstein“ mit Adler für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Flieger Jörg von Saalfeld und Hermann Lietz. Auf der untersten Terrasse befindet sich ein weiterer Springbrunnen (gegenwärtig außer Betrieb).

Der „Bonifatiusfelsen“ erinnerte mit einer in vergoldeten Buchstaben versehenen Tafel an die wiedererrungene Freiheit von der französischen Besetzung – GOTT VATERLAND FREIHEIT – MDCCCXVV. Bereits im 19. Jahrhundert hatte man auf der Felsspitze ein eisernes Kreuz aufgestellt, nach der Überlieferung befand sich dort eine frühe Kapelle aus der Zeit der Heidenbekehrung. Seine Lage im Parkgelände ermöglichte zu religiösen Festtagen oder bei staatlichen Anlässen und Zeremonien einen würdevollen Platz innerhalb der Parkanlage nutzen und ausgestalten zu können. Der Felsen weist auch noch Reste der mittelalterlichen Burgmauern auf. Das 1992 erneuerte Kreuz auf der Felsspitze erinnert an die Christianisierung Thüringens. Der Aufstieg zum Felsen wird über eine geschickt in den anstehenden Fels eingehauene Treppe ermöglicht. Der Aussichtspunkt auf dem Felsen ist inzwischen von Bäumen verwachsen, dafür bietet die Sitzbank am Felsen den besten Blick auf Schloss Altenstein und die Parkfontaine.

Die östliche Hauptzufahrt wurde im Talgrund vom „Obeliskentor“ markiert. Ein von vier Steinobelisken gehaltenes schmiedeeisernes Gittertor und anbindende Mauern und Zäune sperrten den Zugang, auch militärisches Wachpersonal sicherte einst den Schlossbereich. Der Zufahrtsweg zum Schloss wird von einer Baumallee beschattet, von der noch wenige Veteranen erhalten sind. Eine in ihrer Gestalt ungewöhnliche Linde wurde als „Hohler Baum“ schon vor 100 Jahren gerühmt. Über der Hauptzufahrt thront der Bonifatiusfelsen mit dem neu errichteten Kreuz.

Die „Altensteiner Höhle“ ist eine Naturhöhle am Ortsrand von Schweina. Dem Bemühen des Herzogs kam auch der Zufall zu Hilfe. Bei Straßenbauarbeiten wurde die Altensteiner Höhle entdeckt, die wegen ihrer Größe und Schönheit rasch zu einer Besucherattraktion wurde, durch die Erhebung von Eintrittsgeldern konnte sogar ein Teil der Erschließungskosten amortisiert werden.Altensteiner Höhle: „Am 26. Juni 1799 meldeten Arbeiter die Entdeckung eines verschütteten Hohlraums in einem gerade durch Sprengungen bearbeiteten Felsvorsprung. Es sollte noch vier Jahre dauern, bis der vordere Teil der Altensteiner Höhle freigelegt und für die Besichtigung hergerichtet war. Der Vortrieb wurde mit großer Sorgfalt bewerkstelligt, denn im Schlamm wurden auch Reste von Höhlenbären und andere Fossilien entdeckt, die bis zu 50.000 Jahre in der Höhle gelegen haben sollen. Der Reiz der unterirdischen Grotten und Wasserläufe, das geheimnisvolle Erdinnere, wurde noch durch eine Tempelpforte, mit Fackeln ausgeleuchtete Gänge und einen unterirdischen Konzertsaal gesteigert. Mit etwas Phantasie fühlte man sich wie Orpheus in der Unterwelt. Alljährlich begehen die Schweinaer den Entdeckungstag der Höhle mit einem Fest.“