mini|hochkant=1.5|alt=Luftbild des Gebäudekomplexes|Ehemaliges Hauptzollamt München, Blick nach Westen mini|alt=das langgestreckte Lagerhaus hinter einer Reihe von Pappeln. Im Vordergrund fährt ein ICE 3 ein|Das Lagerhaus von der Bahnseite mini|alt=Blick von außen auf das Verwaltungsgebäude|Ehrenhof und Verwaltungsgebäude mit Uhrenturm. Dahinter die Glaskuppel des Lagerhauses. Ansicht von der Landsberger Straße mini|alt=die massive Südfassade des Langerhauses und die im Jugendstil gehaltenen Revisionssäle|Der Zollhof mit dem Lagerhaus links und den beiden Revisionssälen im Zentrum mini|alt=das abgesetzte Gebäude im Südosten mit zwei Erkern und einem großen, flachen Rundgiebel|Zolltechnische Prüfungs- und Lehranstalt im Südosten des Geländes mini|alt=hinter einer Baumreihe stehen die vierstöckigen Wohnhäuser|Beamtenwohnhäuser an der Landsberger Straße

Das ehemalige Hauptzollamt München ist ein Gebäudekomplex aus dem Jahr 1912 an der Landsberger Straße 122–132 im Münchner Stadtteil Schwanthalerhöhe. Von der Eröffnung bis 2004 war darin das Hauptzollamt München I untergebracht; seither wird es von einzelnen Abteilungen der Bundeszollverwaltung genutzt. Die Bauten wurden in einer Mischung aus spätem Jugendstil und Reformarchitektur errichtet. Sie gelten als Beispiel der „monumentalen Bauweise der Prinzregentenzeit“ und „repräsentieren nach außen die Größe und Eigenständigkeit des bayerischen Königreiches“.Wolfgang Läpke: Das Hauptzollamt an der Landsberger Straße. In: Monika Müller-Rieger (Hrsg.): Westend. Von der Sendlinger Haid' zum Münchner Stadtteil. Buchendorfer Verlag, 1995, S. 111. Markant ist das massive, 180 m lange ehemalige Lagerhaus mit einer gläsernen Kuppel. Ihre Spitze ist 45 m hoch und wirkt „wie ein Kristall“,Bernd Raschert: Instandsetzung des Hauptzollamts München-West. In: Die Mappe – Deutsche Malerzeitschrift, Ausgabe 7/87, S. 9. der aus der Mitte des Gebäudes herauswächst.

Durch seine Lage neben der Donnersbergerbrücke zwischen der Landsberger Straße und den Bahngleisen ist das Gebäude sehr präsent im Stadtbild und kann sowohl vom Mittleren Ring auf der Donnersbergerbrücke wie von allen in den Hauptbahnhof München einfahrenden oder ihn verlassenden Zügen aus gesehen werden.

Geschichte Bereits seit 1807 gab es in Bayern eine moderne Finanzverwaltung mit einer General-Zoll- und Maut-Direktion.Walter Wilhelm: Maut – Zoll 1834–1984. Oberfinanzdirektion München, 1984, S. 9. 1819 wurde im Rahmen der Neuorganisation der königlichen Behörden auf der Grundlage der Verfassung des Königreichs Bayern von 1818 unter Maximilian von Montgelas eine dreigliedrige Struktur aus Direktion, Hauptzollämtern und nachgeordneten Zollämtern I. und II. Klasse eingerichtet.Walter Wilhelm: Maut – Zoll 1834–1984. Oberfinanzdirektion München, 1984, S. 22. 1874 wurde das Hauptzollamt München in einen Bau von Friedrich Bürklein an der Bayerstraße nahe dem Münchner Hauptbahnhof verlegt. 1880 wurde die Zoll- und Mautdirektion in die neue Königliche Generaldirektion für Zölle und indirekte Steuern integriert, womit den Hauptzollämtern auch Steuerämter und Steuerstellen nachgeordnet waren. Seit 1901 gab es zwei Hauptzollämter in München, nachdem ein weiteres in Haidhausen am Bahnhof München Ost mit Zuständigkeiten im Osten Münchens bis zum damaligen Landgericht Schwaben eröffnet worden war.Münchener Jahrbuch 1901. Carl Gerber, München 1901, S. 400, 448.

Durch den Aufschwung des Fernhandels und besonders durch ein neues Zollgesetz von 1906 genügte das Hauptzollamt I nicht mehr dem Bedarf. Waren 1900 noch 24.000 Kolli trockene und 3560 Kolli flüssige Güter eingetroffen und verzollt worden, stieg der Umsatz bis 1911 auf 48.000 Kolli trockene und 7000 Kolli flüssige Waren.Die Zollanlagen an der Landsberger Straße in München. In: Der Industriebau, 15. Juli 1914, 5. Jahrgang, Ausgabe 7, S. 154. Eine Erweiterung auf dem vorhandenen Grundstück war nicht möglich. Daher gab die Regierung 1908 einen Neubau für das Hauptzollamt München I in Auftrag. Dafür wurde das weiter westlich gelegene Grundstück des bisherigen forstärialischen Holzhofs der königlich bayerischen Forstverwaltung an der Landsberger Straße ausgewählt, der Verlängerung der Bayerstraße stadtauswärts. Um den Zugang zum Grundstück zu ermöglichen, mussten neun Privathäuser entlang der Landsberger Straße aufgekauft und abgerissen werden. In den Neubau integriert werden sollte auch die Technische Prüfungs- und Lehranstalt der Zollverwaltung, die bislang zusammen mit der königlichen Generaldirektion für Zölle und indirekte Steuern im Alten Hof untergebracht war und dort ausziehen musste.Die Zollneubauten an der Landsbergerstrasse in München. In: Süddeutsche Bauzeitung, 1912, Jahrgang 22, Nr. 44, S. 349–354, 350. Da der neue Standort am Rand der Stadt lag, wurden zudem Dienstwohnungen vorgesehen.

Entwurf und Bau Entworfen wurde der Bau vom königlichen Regierungs- und Bauassessor Hugo Kaiser. Zusammen mit drei anderen Beamten der Bauverwaltung unternahm er eine Studienreise zu modernen Zollbauten, dem Hamburger Freihafen und diversen Industriebauten, die als Vorbilder in Frage kamen.Wolfgang Läpke: Das Hauptzollamt an der Landsberger Straße. In: Monika Müller-Rieger (Hrsg.): Westend. Von der Sendlinger Haid' zum Münchner Stadtteil. Buchendorfer Verlag, 1995, S. 112. Die anschließend erstellten Pläne sahen einen großzügigen Entwurf vor, der den aktuell geschätzten Platzbedarf als Reserve für die Zukunft um ein Drittel überstieg. Der Entwurf und ein Modell wurden 1908 von Prinzregent Luitpold genehmigt. Von 1909 bis 1912 wurde der Gebäudekomplex errichtet, wobei Kaiser die Bauleitung innehatte und der königliche Ministerialrat Gustav Freiherr von Schacky auf Königsfeld aus dem Finanzministerium die Bauoberleitung wahrnahm. Am 1. Juli 1912 wurde das neue Hauptzollamt durch Prinz Ludwig in Vertretung seines schon 91-jährigen Vaters eingeweiht.Siglinde Franke-Fuchs: 100 Jahre Zoll-Dienstgebäude Landsberger Straße 124, München. Hauptzollamt München, 2012, S. 13. Der bisherige Standort wurde von den Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen übernommen.

Lagerhalle und Verwaltungsgebäude waren in Eisenbeton-Skelettbauweise errichtet und zählten damit zu den ersten Eisenbetonbauten dieser Größe in Europa.Bernd Raschert: Instandsetzung des Hauptzollamts München-West. In: Die Mappe, Deutsche Malerzeitschrift, Ausgabe 7/1987, S. 9–12. Mit den Bauarbeiten wurden die führenden Unternehmen der Zeit aus ganz Süddeutschland beauftragt.Die Zollanlagen an der Landsberger Straße in München. In: Der Industriebau, 15. Juli 1914, 5. Jahrgang, Ausgabe 7, S. 172. Die Eisenbetonkonstruktionen wurden von den Münchner Bauunternehmungen Gebr. Rank und Heilmann & Littmann ausgeführt, die Schmiedeeisenarbeiten kamen von F. F. Kustermann. Die Heizungsanlage stammte von den Eisenwerken Kaiserslautern, Kräne lieferten die Nürnberger Maschinenfabrik Joh. Wilh. Spaeth und das Würzburger Unternehmen Georg Noell & Co., die Rohrpostanlage wurde von Alois Zettler erstellt, weitere technische Installationen stammten von den Siemens-Schuckertwerken. Die Kosten für das Hauptzollamt betrugen 1.760.000 Mark für das Grundstück und 8.170.500 Mark für die Bauten. Letzterer Betrag schließt allerdings die Baukosten von 485.000 Mark für die Zollanlagen am Bahnhof München Süd ein, die für die Verzollung von Obst und Gemüse auf dem Gelände der Großmarkthalle München errichtet wurden. Außerdem waren die Kosten für Grundstück und Bebauung des neuen Forsthofs in Haidhausen enthalten.Die Zollanlagen an der Landsberger Straße in München. In: Der Industriebau, 15. Juli 1914, 5. Jahrgang, Ausgabe 7, S. 171.

Nutzung In den ersten Jahren nach dem Neubau wurden die Lagerflächen bei weitem nicht ausgenutzt, so dass Teile an Münchner Unternehmen vermietet wurden. Während des Ersten Weltkriegs dienten große Teile der Lagerhalle, die Schalter- und die Revisionshallen als Hilfslazarett.Das Reservelazarett D im Hauptzollamtsgebäude an der Landsbergerstrasse. In: Feldärztliche Beilage zur Münchner Medizinischen Wochenschrift, 15. Dezember 1914, S. 2395 f. 1919 wurde das Hauptzollamt München III eröffnet, das wieder im Bürkleinbau an der Bayerstraße untergebracht war. Das Hauptzollamt München I war seither nur noch für die Verzollung in München ohne den Ostbahnhof zuständig, während alle nachgeordneten Zollämter, Zollinspektionen, Steuerämter und Steuerstellen zwischen den beiden anderen Hauptzollämtern aufgeteilt wurden.Münchener Jahrbuch 1919. Carl Gerber, München 1919, S. 359, 422.

Im Zweiten Weltkrieg nutzte die Wehrmacht rund ein Viertel der Lagerflächen als Depot. Bei Luftangriffen wurde das Gebäude durch Sprengbomben beschädigt. In der Nacht vor dem Eintreffen der US-Armee wurde das Depot von der Münchner Bevölkerung geplündert.Eduard Zitzelsberger: Die Nacht im Zollamt. In: Marita Kraus (Hrsg.): Verdunkeltes München. Buchendorfer Verlag, 1995, ISBN 3-927984-41-8, S. 196–200. Die Amerikaner nutzten nach Ende des Krieges rund zwei Drittel der Lagerhalle als PX-Depot und bauten sie ihren Zwecken entsprechend um. Dabei gingen viele künstlerische und bauliche Details verloren. Im Rest der Halle und in den Verwaltungsbauten arbeitete weiterhin der Zoll. 1963 ging das Eigentum am Gebäude vom Freistaat Bayern auf die Bundesfinanzverwaltung über; 1969 gab die US Army ihre Nutzung auf und die gesamte Anlage unterstand wieder deutscher Verwaltung.

Seit 1976 steht das Hauptzollamt unter Denkmalschutz.D-1-62-000-3763. Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege. Das Finanzbauamt München I unternahm ab 1977 eine abschnittsweise Renovierung und Rekonstruktion für rund 28 Mio. D-Mark, die zum 75-jährigen Jubiläum des Gebäudes 1987 größtenteils abgeschlossen war.Denkmäler in Bayern, München-Südwest, Halbband 2 Seiten 375–377 Zwischen 1994 und 2002 wurden die ehemals drei Hauptzollämter in München (West, Mitte und Flughafen) fusioniert, bis zum Jahr 2007 zogen die Dienststellenleitung und die meisten Abteilungen nach und nach in den Dienstsitz Sophienstraße am Alten Botanischen Garten um. Auch die Zollabfertigung in der Landsberger Straße endete, nachdem zuletzt nur noch Postsendungen bearbeitet worden waren. Die freigewordenen Räume wurden von der Zollfahndung, der Kontrolleinheit Verkehrswege sowie 2004 von der Finanzkontrolle Schwarzarbeit übernommen, weshalb aus Sicherheitsgründen kein öffentlicher Zugang zum Gebäude mehr besteht.