Operation Ironclad ( für Panzerschiff) war der alliierte Operationsname für die Eroberung der von Vichy-Frankreich kontrollierten Insel Madagaskar während des Zweiten Weltkriegs durch die Alliierten beziehungsweise eine aus britischen und Commonwealth-Truppen bestehende Streitmacht im Jahr 1942. Die Operation begann am 5. Mai 1942 mit einem erfolgreichen Landungsunternehmen im Norden der Insel, der gesamte Feldzug () zog sich aber, bedingt durch das schwierige Terrain der Insel, den hinhaltenden Widerstand der Vichy-Kräfte und die relativ niedrige alliierte Truppenanzahl, über rund ein halbes Jahr hin.Young, Peter (Hrsg.): Der große Atlas zum Zweiten Weltkrieg. Bechtermünz. Augsburg 1998, S. 271. Das Unternehmen endete schließlich im November 1942 mit einem alliierten Sieg.

Hintergrund Madagaskar gehörte seit 1885 zum französischen Kolonialreich. Nach der deutschen Besetzung Frankreichs hielt die Inselverwaltung treu zum Vichy-Regime.

Die im Norden der Insel gelegene Stadt Diego Suarez (heute Antsiranana) besaß aufgrund ihrer großen Bucht einen hervorragenden Naturhafen. Dieser, die Stadt selbst sowie die schmale, sich nach Osten öffnende Einfahrt (Oronjia Pass) wurden durch Küstenartillerie geschützt. Die Marinebasis liegt eingeschlossen auf der Halbinsel zwischen zwei der vier kleinen Buchten.Turner (1961) S. 133.

Achsenmächte Nach der Eroberung Südostasiens östlich von Burma bis Ende 1942 war das Oberkommando der Japaner in der Lage, sich ungehindert im Indischen Ozean zu bewegen. Am 17. Dezember 1941 hatte der deutsche Vizeadmiral Kurt Fricke den japanischen Vizeadmiral Nomura Naokuni getroffen und mit ihm Marineeinsätze besprochen. Bei einem weiteren Treffen am 27. März 1942 betonte Fricke die Bedeutung des Indischen Ozeans für die Achsenmächte und äußerte den Wunsch, dass die Japaner die nördlichen Routen im Indischen Ozean attackieren. Fricke setzte sich dafür ein, dass die Achsenmächte einen stärkeren Fokus auf Ceylon, die Seychellen und Madagaskar legen sollten. Es sollte ein stärkerer Fokus auf diese Routen als auf Australien gelegt werden.Turner (1961) S. 116. Am 8. April teilten die Japaner Fricke mit, dass sie planten, vier bis fünf U-Boote und zwei Hilfskreuzer für Operationen zwischen Aden und dem Kap der Guten Hoffnung abzustellen. Operationen zwischen Madagaskar und Ceylon wurden nicht konkret angesprochen.Turner (1961) S. 117.

Alliierte Die Alliierten hatten am 27. November 1941 von Japans Plänen gehört und der britische Generalstab diskutierte die Möglichkeiten, dass die Vichy-Regierung Japan Madagaskar zur militärischen Besatzung bzw. Basen in Madagaskar überlassen würde. Marineexperten planten als Präventivmaßnahme die Besetzung der Insel.Turner (1961) S. 131. Am 16. Dezember richtete sich General de Gaulle in einem Brief an Churchill. Er forderte darin den Einsatz freifranzösischer Truppen gegen Madagaskar.Churchill (1950) S. 223. Churchill erkannte das Risiko, das ein japanisch besetztes Madagaskar für die Schifffahrt im Indischen Ozean darstellte, im Besonderen für die Routen nach Indien und Ceylon, und legte den Hafen von Diego Suarez als strategische Schlüsselstellung fest. Churchill machte den Planern gegenüber deutlich, dass er nicht glaube, dass Großbritannien die Ressourcen für eine solche Operation habe und dass er keine gemeinsame Aktion mit Briten und Freifranzosen wünsche (das Versagen der Freien Franzosen vor Dakar war für diese Sichtweise ausschlaggebend.).

Ab dem 12. März 1942 war Churchill von der Notwendigkeit der Operation überzeugt. Des Weiteren traf er die Entscheidung, ohne die freifranzösischen Truppen vorzugehen. Als Vorbereitungsmaßnahmen (die Vorbereitungsmaßnahmen wurden als Operation Bonus bezeichnetChurchill (1950) S. 229.) legte Churchill folgende Punkte fest:Churchill (1950) S. 225. Force H, das Geschwader, das sich im westlichen Mittelmeer befand, sollte sich in Richtung Süden bewegen und durch eine amerikanische Task Force ersetzt werden. Die 4000 Mann, die laut Lord Mountbatten für die Operation nötig waren, sollten als Kerntruppe für die Aufgabe zurückgehalten werden. Um diese sollten die konkreten Operationspläne organisiert werden. Die Operation sollte um den 30. April 1942 herum beginnen. Die Kommandos, die von Mountbatten angefordert wurden, sollten im Falle des Erfolges so schnell wie möglich durch Reservisten ersetzt werden.

Alliierte Vorbereitungen Am 14. März wurde die Force 121 unter dem Kommando von Major-General Robert Sturges aufgestellt. Rear Admiral Edward Neville Syfret bekam den Befehl über die Force H, die Marinestreitkräfte.Turner (1961) S. 132.

Force 121 verließ Großbritannien am 23. März und vereinigte sich mit Admiral Syfrets Schiffen in Freetown. In zwei Konvois bewegte man sich zum Sammelpunkt bei Durban, Südafrika. Hier trat die 13. Brigade der 5. Division dazu. General Sturges’ Gruppe, bestand aus drei Infanteriebrigaden, während Admiral Syfrets Gruppe aus dem Schlachtschiff Ramillies, den Flugzeugträgern Illustrious und Indomitable, den Kreuzern Devonshire und Hermione, elf Zerstörern, sechs Minenräumern, sechs Korvetten und Hilfsschiffen bestand. Ziel war es, in Diego Suarez anzulanden. Die Stabschefs glaubten unerschütterlich daran, dass die Operation Erfolg haben werde und man idealerweise kampflos landen könne. Seit der britischen Niederlage in der Schlacht um die Dardanellen während des Ersten Weltkrieges war das die erste britische amphibische Operation.Churchill (1950) S. 230.Genau genommen ist dies nicht ganz korrekt, da es zuvor bereits britische Landeoperationen im Zweiten Weltkrieg gegeben hatte, beispielsweise die Landung in Britisch-Somaliland im Frühjahr 1941 (siehe Operation Appearance).

Während des Zusammentreffens in Durban bemerkte Field-Marshal Smuts, dass die Besetzung von Diego Suarez keine Garantie gegen die Angriffe der Japaner bieten werde. Die Häfen von Majunga und Tamatave müssten ebenfalls besetzt werden.

Dies wurde von den Stabschefs diskutiert, aber wegen des Mangels an Soldaten entschied man sich dafür, nur in Diego Suarez zu landen. Churchill äußerte die Meinung, dass nur eine starke Flotte und ausreichende Luftunterstützung aus Ceylon Madagaskar dauerhaft sichern könne. Er schickte General Wavell (India Command) ein Schreiben des Inhalts, dass, sobald die ursprünglichen Ziele erfüllt wurden, die ganze Verantwortung für die Sicherung Madagaskars an Wavell weitergegeben werden würde. Er fügte hinzu, dass, wenn die Kommandoeinheiten abgezogen werden würden, die Aufgaben der Garnison von zwei afrikanischen Brigaden und einer Brigade aus Belgisch-Kongo oder von der Westküste Afrikas durchgeführt werden würde.Churchill (1950) S. 231.

Im März und April hatte die South African Air Force (SAAF) Aufklärungsflüge über Diego Suarez durchgeführt und No. 32, 36 und 37 Coastal Flights wurden abgezogen und nach Lindi an der Küste Tansanias verlegt. Dazu kamen elf Beauforts und sechs Marylands um Luftunterstützung während der Operation zu gewährleisten.Turner (1961) S. 133.

Im März 1942 hatten japanische Flugzeugträger die Attacke im Indischen Ozean durchgeführt. Dies führte dazu, dass die britische Eastern Fleet den nordöstlichen Indischen Ozean verließ und sich nach Kilindini (der Tiefseehafen von Mombasa) in Kenia zurückzog.

Dieser Rückzug eröffnete den Briten einen neuen Angriffsbereich: Die Möglichkeit der japanischen Marine, von Madagaskar aus zu operieren, war nun im Fokus. Sie bedrohte die 8. Armee und die Eastern Fleet.

Japanische U-Boote hatten zu dieser Zeit die größte Reichweite, einige mehr als 10.000 Kilometer. Hätte Japan U-Boot-Stützpunkte auf Madagaskar errichten können, wären die alliierten Kommunikationswege betroffen gewesen. Dies hätte eine Region betroffen, die den Pazifik und Australien, den Mittleren Osten und den Südatlantik umfasste.

Durchführung der Operation mini|Landkarte mit Angriffszielen und Stoßrichtungen

Die alliierten Kommandeure beschlossen, einen amphibischen Angriff auf Madagaskar zu starten. Die Aufgabe hieß Operation Ironclad und wurde von der Force 121 ausgeführt. Force 121 bestand aus alliierten Marine-, Land- und Luftstreitkräften. Kommandiert wurde sie von Major-General Robert Sturges von den Royal Marines.

Die für den Raum Diego Suarez vorgesehenen Landungsstreitkräfte der British Army bestanden aus der 29. unabhängigen Infanterie-Brigadegruppe (darunter die 17. Infanterie-Brigade), dem knapp 400 Mann starken No. 5 (British) Commando und zwei Brigaden der 5th Infantry Division, wobei letztere auf dem Weg nach Indien mit dem Rest ihrer Division waren. Das alliierte Marine-Kontingent bestand aus mehr als 50 Schiffen, abgezogen von der Force H, der Home Fleet und der Eastern Fleet. Kommandiert wurden diese von Konteradmiral Edward Neville Syfret. Die Flotte beinhaltete auch die Illustrious, ihr Schwesterschiff Indomitable und das betagte Schlachtschiff Ramillies.

Landungen Nach vielen Aufklärungsflügen durch die South African Air Force (SAAF) bestand die erste Angriffswelle aus der 29. Infanterie-Brigade und dem No 5 Commando. In Landungsbooten fand der Angriff am 5. Mai 1942 statt. Zur zweiten Angriffswelle gehörten die zwei Brigaden der 5. Infanteriedivision und Royal Marines. Alle Landungen wurden mit Landungsfahrzeugen durchgeführt. Deren Ziel waren: Courrier Bay und Ambararata Bay, westlich des großen Hafens von Diego Suarez (später als Antsiranana bekannt), an der Nordspitze von Madagaskar. Ein Ablenkungsangriff wurde im Osten durchgeführt. Luftunterstützung wurde durch Fairey Albacores, Grumman Martlets und Fairey Swordfish gewährleistet. Diese attackierten Schiffe der Vichy-Truppen. Eine kleinere Anzahl von SAAF-Fliegern unterstützte sie dabei. mini|19. September 1942. Alliierte Truppen, die im Hafen von Tamatave an Land gehen (Fotograf: Lt D.C. Oulds.)

Die verteidigenden Vichy-Kräfte unterstanden dem Generalgouverneur für Madagaskar, Armand Léon Annet, und setzten sich aus etwa 8.000 Soldaten zusammen, von denen etwa 6.000 Madagassen waren. Ein Großteil der übrigen Soldaten bestand aus Senegalesen. Etwa 5.000 Soldaten sollen alleine rund um Diego Suarez konzentriert gewesen sein. (Nach anderen Angaben waren es nur maximal 3.000 Soldaten.Rigge, Simon: War in the Outposts. World War II: Time-Life International. Time-Life. Alexandria (VA) 1980, S. 103.) Allerdings waren Marine- und Luftabwehrkräfte relativ schwach und waren unzulänglich und mit veraltetem Gerät bewaffnet. Neben acht Küstenbatterien standen ein Hilfskreuzer, zwei Kolonialavisos, vier U-Boote sowie 17 Morane-Saulnier MS.406-Jagdflugzeuge und zehn Potez-63-Bomber zur Verfügung.

Bei Luftangriffen von Flugzeugen der britischen Flugzeugträger am 5. und 6. Mai auf die Schiffe im Hafen von Diego Suarez verloren die Vichy-Kräfte den Hilfskreuzer Bougainville (ex Victor Schœlcher, 4.504 BRT) sowie das U-Boot Bévéziers,Fock, Harald: Flottenchronik. Die an beiden Weltkriegen beteiligten aktiven Kriegsschiffe und ihr Verbleib. Koehlers Verlagsgesellschaft. Hamburg 2000, S. 236. wobei an Bord des U-Bootes acht Seeleute ums Leben kamen. Bei Luftangriffen auf die Flugfelder um Diego Suarez konnten die britischen Trägerflugzeuge am gleichen Tag zudem fünf MS.406-Jagdflugzeuge am Boden zerstören; mindestens eine Fairey Swordfish wurde im Gegenzug von der Vichy-Flugabwehr abgeschossen.Sutherland, Jon / Canwell, Diane: Vichy Air Force at War: The French Air Force that Fought the Allies in World War II. Pen & Sword Aviation. Barnsley 2011, S. 101. Ferner musste am 7. Mai der Aviso D’Entrecasteaux, der zuvor den Hafen mit seiner Artillerie verteidigt hatte, nach einem Luftangriff und einem Artillerieduell mit dem britischen Zerstörer Laforey auf Grund gesetzt und aufgegeben werden. Auf alliierter Seite ging die britische Korvette Auricula nach einem Minentreffer in der Courrier Bay am 5. Mai verloren.Piekałkiewicz, Janusz: Seekrieg 1939 – 1945. Bechtermünz. Augsburg 1998, S. 210.